Arbeit und Berufe auf dem Land

Um 1953 entsteht dieser Schnappschuß mit den Zugochsen der Familie Deneu. In der Mitte steht mein Vater Hans Kuhl und rechts daneben sein Cousin Manfred Deneu.

Über viele Jahrhunderte ist der Westerwald und seine Ortschaften von der Landwirtschaft, den Handwerksberufen und vom Bergbau geprägt. Sie verschaffen den meisten ein bescheidenes Auskommen. Ab dem 19. Jahrhundert lassen sich auch einige Industriebetriebe, wie beispielsweise die Papierfabrik Hedwigsthal, in der hiesigen Gegend nieder. Die Arbeit reicht aber für die stark ansteigende Bevölkerungszahl nicht mehr aus, sodas viele Landbewohner mit der aufkommenden Industrialisierung ins Ruhrgebiet ziehen, dem damaligen Zentrum der Schwerindustrie. Die verwandschaftlichen Verbindungen meiner Familie nach Bochum oder Essen zeugen davon.

Vermutlich aus den 1930er Jahren stammt diese Fliegeraufnahme, die das Gelände der Eisenerzgrube „Reichensteinerberg“ zeigt. Aber auch andere Gesteine wurden hier gefördert und in einem Röstofen weiterverarbeitet. Am 6. August 1936 wurde die Anlage stillgelegt.

Ich persönlich habe von der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Familie meiner Großmutter und den Schmiedekünsten meines Großvaters und seiner Vorfahren nur noch wenig mitbekommen. Mein Opa hatte bereits 1968 seine selbstständige Arbeit als Schmied und Schlosser beendet. An seine kleine Werkstatt in ihrem Wohnhaus in der Gartenstraße erinnere ich mich aber sehr wohl. Zudem stammten diverse Heizungsverkleidungen, Geländer, ja sogar Kerzenleuchter, die im Haus überall zu finden waren, aus seiner Hand.

Von den Arbeiten auf dem „Sannersch“ Hof entsinne ich mich der Kartoffelernten im Herbst, an der die ganze Familie teilnahm und dem Bruder meiner Großmutter zur Hand ging.

Landwirtschaft

Ein Blick auf den Dreiseitenhof der Familie Haberscheidt an der Daufenbacher Straße. Die Aufnahme entstand in den 1920er Jahren, vor dem Bau des neuen Wohnhauses, das 1931 errichtet wurde.
Hier sind die Dorfbewohner Puderbachs in den 1920er Jahren beim Flachsbrechen zu sehen. Der innere Holzkern des Flachses, auch Saat-Lein oder gemeiner Lein genannt, wird mit der sogenannten Breche zerkleinert und später mit dem Durchziehen der Fasern durch die Hechel entfernt. Ganz vorne rechts steht der Viehhändler Tobias Tobias und rechts neben ihm seine Tochter Betti. Erkennt jemand weitere Personen auf dem Bild?
Dies ist zwar keine Aufnahme, die in Puderbach entstanden ist, sie stammt aber aus dem Westerwälder Umkreis und zeigt den zweiten Schritt der Flachsverarbeitung, das sogenannte Flachsschwingen. Die Schwinge bestand aus einem aufrecht stehenden Brett mit einem Fuß. Die bereits gebrochenen Flachshalme wurden über die Oberkante gelegt und solange mit dem Schwingholz geschlagen, bis sämtliche Reste des holzigen Kerns entfernt waren.
Eine wunderschöne Fotografie des Ehepaares Wilhelm und Henriette Bachenberg, im Dorf als die „Scholzen“ bekannt, beim Pflügen eines Feldstücks um das Jahr 1930. In der Mitte steht der Milchfahrer Emil Herzog, der den beiden anscheinend zur Hand geht. Und wer sind die Kinder, die sich auf Pferd und Pflug postiert haben? Im Hintergrund erkennt man die Talaue mit der Landstraße in Richtung Raubach.
„Beim Losholz machen im hohen Tal am 24. November 1929“. So steht es auf dieser Fotografie, die meinen Urgroßvater und seine Nachbarn zeigt. Von links nach rechts sind zu sehen: der Landwirt Christian Haag (Hoochs) von der Daufenbacher Straße, der Küfer und Stellmacher Albert Schneider (Annekertz) von der Urbacher Straße, mein Urgroßvater Heinrich Deneu (Sannersch), der Bauer Willi bzw. Wilhelm Schmidt (Fonks), der ledige Fritz Schüler, dessen Hof sich linkerhand des Gasthofs Kasche befand und der junge Paul Velten, ebenfalls von der Urbacher Straße. Das „Losholz“ bezeichnet eine ausgeloste Waldfläche, auf der die Dorfbewohner eine bestimmte Menge an Brennholz schlagen durften.
Diese Fotografie mit dem beeindruckenden Ochsengespann der „Sannersch“ wurde nach Einbringen der Getreideernte um das Jahr 1925 aufgenommen. Oben links auf dem voll beladenen Wagen meine Großmutter Laura Deneu verh. Kuhl, vor ihr Magret Bay verh. Willbold, daneben Käthe Bexbach (?) aus dem Saarland. Die Kinder vor dem Gefährt waren Stadtkinder, deren Eltern im Gasthof „Kasche“ logierten.
Der Schäfer Hermann
Diese Aufnahme, die um 1930 entstanden sein wird und von dem berühmten Kölner Fotografen August Sander stammt, zeigt den „Schäfer Hermann“. Sein richtiger Name war Hermann Scheep und er wurde am 14. Dezember 1857 in Hanroth geboren. Viele Jahrzehnte lang hütete er die Schafe der Bauern in und um Puderbach. 1934 verstarb er dann mit 76 Jahren an Altersschwäche. Hier sieht man ihn am Ortsausgang Richtung Daufenbach mit seinem Hütehund und der Schafherde. Ganz links erkennt man die baumbestandene Daufenbacher Straße.
Möglicherweise ist dies der Nachfolger von Hermann Scheep. Doch kennt jemand seinen Namen? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen!
Heu wenden am „Mooracker“

Am sogenannten „Mooracker“, ein Flurstück in der Nähe der Hölzjes Mühle, besitzen die „Sannersch“ drei Wiesen, auf denen das Grün für die Heuernte wächst. Nach dem Schnitt muß das frischgemähte Gras zum Trocknen gewendet werden, eine Aufgabe, die oftmals den Frauen des Hofs überlassen wird. Auch meine Urgroßmutter Kalin macht sich zum „Wennen“ über Holzbach und Bahngleise auf den Weg zu dem Grundstück. Aus Sorge, daß sie wegen des schlechten Gehörs beim Überqueren der Gleise einen heranfahrenden Zug nicht wahrnehmen würde, wird sie in der Abenddämmerung von einem Familienmitglied abgeholt.

Der Bauernhof der Sanners bzw. Deneus in den 1930er Jahren in einer Rückansicht. Neben der Küche befand sich die sogenannte „Foolerkisch“, die Futterküche, wo das Viehfutter vorbereitet wurde. Die Familie verfügte zudem über einen „Backes“, ein Backhaus zum Backen des Brotes. Auch eine eigene Dreschmaschine war vorhanden.
Das Ehepaar Alfred und Lina Schuh beim Holz sägen auf ihrem Hof im Reichensteiner Weg um 1938.
Unfall beim Kartoffel stecken

Vermutlich in den 1940er Jahren ereignet sich ein Unglücksfall beim Kartoffel stecken auf dem Flurstück „Im Weidchen“. Wahrscheinlich führt mein Urgroßvater Heinrich Deneu den Pflug und meine Urgroßmutter Kalin und meine Oma stecken die vorgekeimten Kartoffeln in die Furche. Plötzlich reißen sich die Ochsen los und steuern auf das „Sannersch Kalin“ zu, die die Warnrufe der Anwesenden wegen ihres schlechten Gehörs nicht wahrnimmt. Sie kann den Tieren nicht mehr ausweichen und wird schwer an Fuß und Kopf verletzt.

Welch ein prächtiges Ochsengespann die „Sannersch“ hatten! Hier wird ein Feldstück am Ortsausgang Richtung Daufenbach geeggt. Wer die Rinder führt, ist leider nicht bekannt. Möglicherweise ist es der französische Zwangsarbeiter Max, der in den Kriegsjahren meinen Urgroßeltern als Arbeiter zugeteilt wurde.
Anfang der 1940er Jahre besaß mein Urgroßvater Karl Kuhl und seine Familie solch ein selbstgebautes Fahrzeug, daß einem Traktor ähnelt und vermutlich bei der Feldarbeit zum Einsatz kam.

Bergbau

Ein jeder von uns hat den Förderturm der Grube Georg vor Augen, wenn er an Bergbau im Westerwald denkt. Doch es existierte nicht nur das Bergwerk bei Willroth, sondern eine Vielzahl an kleinen und größeren Zechen durchzog unseren Landstrich. Um 1929 schufteten rund 170 Bergleute in den bei Reichenstein gelegenen Stollen. Die Grube mit dem Namen „Reichensteiner Berg“ förderte neben Eisenerz auch andere Gesteine, wie Spateneisenstein, Bleierze, Kupferkies und Zinkblende.

Spaziergänger lassen sich vor einem Förderturm der Reichensteiner Grube ablichten. Die Aufnahme dürfte in den 1920er Jahren entstanden sein.
Verunglückt

Besonders ergreifend ist das Schicksal des am 12. November 1899 geborenen Wilhelm Schmidt. Sein Vater Karl hat bis 1920 als Fuhrmann am Gasthof Kasche gearbeitet. Die ganze Familie trägt deswegen den Rufnamen „Kasches-Schmidts“. Wilhelm findet nach seiner Schulbildung eine Anstellung als Bergmann auf der Reichensteiner Grube. Am 5. Februar 1925 werden er und der aus Woldert stammende Werner Neitzert, der gerade mal 20 Jahre alt ist, in einem Stollen verschüttet. Beide können nur noch tot geborgen werden. Drei Tage später findet auf dem Puderbacher Friedhof unter zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung die Beerdigung statt. Beide werden in ihrer Bergmannskleidung beigesetzt.

Die schwere und mühselige Arbeit unter Tage steht den Männern regelrecht ins Gesicht geschrieben. Eine Aufnahme Anfang der 1920er Jahre vor dem sogenannten Stollenmundloch der „Räister Gruv“. Viele der Männer werden das Rentenalter nicht erreichen und an den Folgen von Lungenerkrankungen sterben.

Schmiede der Familie Kuhl

Mein Urgroßvater Karl Kuhl beim Schüren der sogenannten „Esse“. Bei der Darstellung handelt es sich um ein sogenanntes Stand-Bild. Es stammt aus einer Filmaufnahme, die der Schwager meines Großvaters 1962 anfertigte.
Nur zu gerne hätte ich mich in der Werkstatt meines Urgroßvaters umgesehen und ihm bei seiner Arbeit zugeschaut. Hier bearbeitet er ein glühendes Stück Eisen mit seinem Schmiedehammer. Falls Sie altes Fotomaterial besitzen, daß die Schlosserei und Schmiede meiner Familie zeigt, würde ich mehr sehr freuen, wenn Sie sich bei mir melden!

Sägewerk der Familie Schmidt

Hier ein Blick in das Sägewerk der Familie Schmidt um 1925. Es befand sich hinter dem 1884 errichteten Bahnhofsgebäude. Ganz links steht Friedrich Schmidt, der zweite von rechts ist Friedrich Velten. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?

Metzgerei der Familie Hottgenroth

Eine wunderbare Aufnahme der Metzgerei Hottgenroth an der Ecke Mittelstraße/Reichensteiner Weg Anfang der 1930er Jahre. Das Ladengeschäft nebst Schlachterei wird um 1900 von dem aus Püscheid stammenden Metzgermeister Wilhelm Hottgenroth eröffnet. Rechts auf der Treppe steht Alfred Schuh, der dem Schlachter bei seiner Arbeit zur Hand ging.