Ausflüge in die Umgegend

Inhaltsverzeichnis

Leider weiß ich recht wenig über die Geschichte der umliegenden Ortschaften. Einige wenige Aufnahmen konnte ich bisher zusammentragen. Dies würde ich gerne mit Ihrer freundlichen Unterstützung ändern. Von einer gebürtigen Rodenbacherin stammen einige der weiter unten zu sehenden Aufnahmen.

Almersbach

Hier ein Blick auf die wunderschöne spätromanische Kirche in Almersbach, die heute noch Wandfresken aus dem 13. Jahrhundert aufweist. 1915 wurden sie bei Renovierungsarbeiten entdeckt und zum Teil wieder freigelegt. Die Postkarte selbst dürfte aus dem 1950er Jahren stammen. (Beitrag vom 15. November 2021)

Altenkirchen

Auf dieser wunderhübschen Lithografie Altenkirchens aus dem Jahr 1899 ist ganz links der im Mai 1884 eingeweihte Bahnhof zu erkennen. Die Stadt war seit diesem Zeitpunkt an das 30 Kilometer entfernte Siershahn angebunden. Ein Jahr später folgte die Streckeneröffnung nach Hachenburg und Limburg. 1886 ist auch das an der Sieg gelegene Au und somit die Rheinmetropole Köln erreichbar. Die Lage als günstiger Verkehrsknotenpunkt kam der aufstrebenden Kleinstadt sicherlich zu Gute.
Sechs Jahre bevor die Karte verschickt wurde, am 23. April 1893, fielen dutzende Gebäude der Stadt einem Großfeuer zum Opfer, darunter die evangelische Kirche, die 1822 bis 1827 nach Plänen des berühmten Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel errichtet worden war.
Im März 1945 ereilte die Stadt ein weiterer Schicksalsschlag. Bei mehreren Luftangriffen durch alliierte Bomber wird das Zentrum Altenkirchens fast vollständig zerstört und 200 Menschen verlieren ihr Leben. Der unten angefügte Link zeigt ein Bild der verwüsteten Stadt vom 26. März 1945. (Beitrag vom 14. November 2021)

Link:

Wilhelmstraße
Ich weiß nicht mehr, wie oft mich mein Schulweg von 1983 an mit einem sogenannten Schienenbus, einem Benzin betriebenen Verbrennungstriebwagen, von Puderbach nach Altenkirchen führte. Am dortigen Bahnhof angekommen, mußte ich hastigen Schrittes hinauf zum Westerwald-Gymnasium an der Glockenspitze laufen. Mein Weg ging stets über die hier zu sehende Wilhelmstraße. 1960, als diese Postkarte verschickt wurde, war die mit Geschäften gesäumte Straße noch für den Verkehr freigegeben. In späteren Jahren wandelte man sie zur Fußgängerzone um. (Beitrag vom 3. November 2021)

Daufenbach

Um das Jahr 1907 kam diese schöne Ansichtskarte mit zwei Dorfansichten Daufenbachs und den floralen Jugendstilverzierungen in Umlauf. Bei dem Gebäude handelt es sich laut der Fassadenbeschriftung um den Gasthof von Wilhelm Scharfenstein. 1909 übernahm der aus Döttesfeld stammende Gustav Schneider den Gasthof und richtete in den Räumlichkeiten die erste Poststelle ein.
Die Panoramaaufnahme dürfte aus südlicher Richtung aufgenommen sein und zeigt den alten Ortskern mit Hauptstraße und Bohnengasse. Ich meine links im Hintergrund den stattlichen Bau der Gastwirtschaft wiederzuerkennen. (Beitrag vom 21.03.2022)
Geschichte der jüdischen Familie Cahn aus Daufenbach

Haben Sie auch schon einmal an der Gedenktafel an der Puderbacher Friedhofshalle inne gehalten und sich die Inschrift durchgelesen? Hier wird der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnert, die während der Nazi-Diktatur verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Mir persönlich sind die Familien Puderbachs, die Arons, Bärs, Salomons und Wolffs durch die Erzählungen meiner Großeltern, durch die Unterlagen und Fotos von Herrn Ted Tobias und durch eigene Recherchen sehr vertraut geworden.

Weitgehend unbekannt blieb mir das Schicksal der jüdischen Dorfbewohner in den umliegenden Dörfern. Wer waren die in Urbach lebenden Geschwister Jakob, Sara und Karoline Levi und wohin hatten die Nazis sie verschleppt? Was geschah mit dem in Daufenbach lebenden Metzger Max Cahn, seiner Frau Hedwig und den gemeinsamen Kindern?

Bei Recherchen im Archiv der Puderbacher Verbandsgemeinde stieß ich 2023 auf mehrere Dokumente der Familie Cahn, die mich zutiefst berührten. Es handelte sich um Anträge zur Ausstellung eines Reisepasses und auf den Formularen waren zwei Fotos von Max und Hedwig Cahn angebracht. Zum ersten Mal bekamen die beiden für mich ein Gesicht, wurden für mich greifbar. Dies war der Anlass, weiter zu forschen.

Nach den schweren Auschreitungen am 10. November 1938 dürfte Max Cahn und seiner Familie klar geworden sein, daß ein normales Leben in Nazi-Deutschland nicht mehr möglich ist. Die Anträge auf Aufstellung eines Reisepasses sind der verzweifelte Versuch, daß Land so schnell als möglich zu verlassen. Doch die Cahns leben in sehr bescheidenen Verhältnissen und die finanzielle Not ist seit der Machtergreifung Hitlers 1933 größer geworden. Letztlich können sie das Geld für die Auswanderung nach Gan HaShomron, eine Siedlung in Israel, in der der Bruder Hedwig Cahns lebt, nicht aufbringen.

Inzwischen ist eine umfangreiche Sammlung entstanden, die neben einem ausführlichen Stammbaum und einigen Fotografien auch amtliche Schriftstücke enthält, die den Lebens- und Leidensweg der weitverzweigten Familie nachzeichnen und die an dieser Stelle Eingang finden sollen.

Meyer Cahn

Es ist auffällig, wie sehr sich die Lebensläufe von Meyer Cahn, von allen Max genannt, und seinem Vater Jakob doch ähneln. Schon nach wenigen glücklichen Ehejahren verstirbt deren Ehefrau und hinterlässt die Männer mit mehreren minderjährigen Kindern. Beide heiraten ein zweites Mal und gründen neue Familien. Doch beginnen wir die Geschichte von vorne.

Maxs Vater ist der 1843 in Bochum geborene Metzgermeister Jakob Cahn. Die Ursprünge der Familie lassen sich bis in das bei Neuwied gelegene Segendorf zurückverfolgen. Am 30. November 1871 heiratet Jakob die aus Bigge im Hochsauerlandkreis stammende Rieka Stern. 1874 erblickt Meyer/Max das Licht der Welt, fünf Jahre später erfolgt die Geburt des Sohnes Albert.

Max dürfte in der Wittener Straße 2 geboren sein. So lautet die Anschrift seines Vaters Jakob Cahn in einem historischen Adressbuch aus dem Jahr 1874. Doch einige Jahre später lebt die Familie in der Buddenbergstraße Nr. 6 in der Bochumer Altstadt. Diese alte Postkarte vermittelt uns einen Eindruck der beschaulichen Lebensverhältnisse dieser Zeit. Heute erinnert nichts mehr an das alte Stadtbild. Zwischen 1943 und 1944 wurde die Innenstadt durch allierte Fliegerverbände fast vollständig zerstört.
Früher Tod

Leider gibt der Auszug aus dem Bochumer Standesamtregister keine Auskunft, woran die gerade mal 32jährige Rieka in den frühen Morgenstunden des 20. Februar 1881 verstirbt. Nüchtern und sachlich vermeldet der Beamte den Tod der Mutter und Ehefrau in der Wohnung der Bochumer Altstadt. Der Schmerz und die Trauer des jungen Witwers und der zwei kleinen Söhne lässt sich nur erahnen.

Quelle: https://www.landesarchiv-nrw.de/digitalisate/Abt_Ostwestfalen-Lippe/P6/P6-03.html

Es ist garnicht so selten, daß Familienangehörige die durch den plötzlichen Tod hervorgerufenen Lücken wieder schließen. 1883 heiratet Jakob Cahn seine unverheiratete Schwägerin, die 1853 in Bigge geborene Emilie Stern. Vier weitere Kinder entstammen dieser Verbindung, der 1884 geborene Simon, Moritz (1888) und die beiden Töchter Amalie (1894) und Hermine (1902). Mitte/Ende der 1880er Jahre siedelt die Familie von Bochum ins Sauerland über.

Metzgergeselle in Köln

Um 1899 treffen wir Max in Köln wieder. Einige Jahre zuvor hat er hier eine Ausbildung zum Metzger begonnen. Wer mag der koschere Schlachtermeister gewesen sein, bei dem er in die Lehre gegangen ist? Verbringt er seine Lehrjahre bei dem aus dem Vorgebirge stammenden Arnold Katz, der 1892 am Mauritius-Wall 16-18 seine erste Metzgerei eröffnet und dessen Kinder daraus ein florierendes Unternehmen mit zahlreichen Filialen machen? Arbeitet er in dem 1895 eröffneten Städtischen Schlachthof in der Liebigstraße, einem prächtigen Bau im Neorenaissance-Stil? Desweiteren bleibt für mich die Frage, wie sich die Wege des jungen Metzgergesellen und die, der aus Urbach stammenden Jette Levi kreuzen.

Jette Levi

Geboren wird Jette Levi am 16. September 1864 in Urbach als Tochter des Handelsmanns Isaak Levi und seiner Frau Jette geb.Veit. Zu der näheren Verwandschaft gehören der Onkel Moses, seine Frau Helene geb. Hoffstadt und deren Kinder Karoline (1884), Jakob (1889) und Sara (1893), ebenfalls wohnhaft in Urbach. Bei meinen Recherchen stieß ich auf einen weiteren Onkel, den Metzgermeister Häsel genannt Hermann Levi. Er ist in 2. Ehe mit der aus Rothenkirchen bei Fulda stammenden Bertha Stern verheiratet und hat wohl zwei Söhne, Arthur und Harry. Desweiteren gibt es Anverwandte, die in Daufenbach lebende Amalie Meyer, im Ort als „Säckels Malchen“ bekannt, sowie ihre Schwester Karoline, die mit dem Katholiken Wilhelm Balke aus Bochum verheiratet ist.

Im Judentum werden Gräber für die Ewigkeit errichtet. Der alte Grabstein Isaak Levis hat bereits über ein Jahrhundert auf dem jüdischen Friedhof Puderbachs überdauert.

Jettes Onkel Hermann war u.a. in Köln als Fleischhauer beschäftigt. Lernt die junge Frau Max bei einem ihrer Besuche in der Rheinmetropole kennen?

Das Abmeldebuch des Amts Puderbach zeigt uns, daß junge, unverheiratete Frauen, wie Jettes Cousinen Sara und Karoline Levi, immer wieder in anderen Städten als Dienstmagd arbeiten, in sogenannter Stellung sind. Es liegt nahe, daß auch Jette solch einer Beschäftigung nachging. Ist sie in Köln angestellt und trifft dort auf den Metzgergesellen Meyer Cahn?

Der nächste gesicherte Nachweis findet sich in den Puderbacher Gemeindeakten. Am 20. März 1899 meldet Isaak Levi die Geburt seines Enkelsohnes Julius an, der drei Tage zuvor das Licht der Welt erblickt hat. Jette ist zu diesem Zeitpunkt noch unverheiratet. Legitimiert wird das Kind sieben Monate später, am 13. Oktober durch die standesamtliche Heirat des Metzgergesellen Max Meyer Cahn aus Bochum und der früheren Dienstmagd Jette Levi aus Urbach. Das frisch getraute Paar bezieht ein kleines, eingeschoßiges Häuschen in der Bohnengasse in Daufenbach.

Die Cahns und ihre Kinder

In rascher Folge bekommt das Paar neben dem erstgeborenen Julius (17.03.1899) sechs weitere Kinder, Sigmund (11.12.1900), Markus (4.02.1902), Alfred (1903), Emil (8.04.1904), Friederike (31.10.1905) und Juliane (10.04.1910).

Man muß sich die Lebensverhältnisse der vielköpfigen Familie mehr als einfach vorstellen. Max verdient mit dem Schlachten von Ziegen und Lämmern und dem Verkauf der Felle ein bescheidenes Einkommen. Der spitz zulaufende Garten, der sich vor dem Haus befindet, versorgt die Familie zusätzlich mit Kartoffeln und anderem Gemüse. Wie leben und schlafen neun Personen in einem Gebäude, das laut Zeitzeugen nur aus zwei Stuben und einem einfachen Lehmboden besteht?

Der am 8. April 1904 in Daufenbach geborene Emil Cahn. Die Fotografie dürfte in den 1920er Jahren entstanden sein. (Quelle: https://stolpersteine.wdr.de/web/de/stolperstein/10603)
Todesfall

Am 30. Juni 1915 wird die in Puderbach lebende Eva Tobias am Puderbacher Amt vorstellig. Dem zuständigen Beamten, es handelt sich um Bürgermeister Ermisch, teilt sie mit, daß die gerade fünfzigjährige Jette Cahn in ihrem Haus in Daufenbach verstorben ist. Sie selbst war zum Todeszeitpunkt zugegen, hat die Sterbende in ihren letzten Stunden begleitet. Auch die minderjährigen Kinder werden an ihrem Sterbebett gewacht haben. Nur der Ehemann scheint nicht dabei gewesen zu sein. Ob er zum Zeitpunkt des Todes beruflich auf Reisen war? Oder diente er als Soldat an den Fronten des 1. Weltkriegs? Wir wissen es nicht genau.

Zweite Ehefrau

Fünf Jahre später, am 6. Mai 1920, heiratet Max Cahn erneut. Seine Braut ist die 35jährige Henriette Daniel. Geboren am 8. September 1884 in Oberdreis ist sie die Tochter des Handelsmann Daniel Daniel und seiner Frau Julie geborene Veit. Vor dem Standesbeamten erscheinen neben den Brautleuten auch die Trauzeugen, der in Puderbach ansässige Viehhändler Tobias Tobias sowie Henriettes Bruder Albert Daniel.

Diese Aufnahme Henriette Cahns entdeckte ich bei meiner Recherche im Archiv der Puderbacher Verbandsgemeindeverwaltung. Sie stammt aus dem Jahr 1939 und ist dem Antrag auf Auststellung eines Reisepasses beigefügt.
Henriette wirkt ernst, man meint ihr die Beschwernisse der letzten fünf Jahre unter der nationalsozialistischen Herrschaft abzuspüren. Nur wenige Monate liegt die sogenannte „Reichskristallnacht“ zurück, in der Nazis unter Beteiligung der Zivilbevölkerung vandalierend durch die Straßen zogen und u.a. das Haus der Cahns in Daufenbach derart verwüsteten, daß es unbewohnbar wurde.
Die Ausreise scheint die einzige Rettung zu sein. Laut den Unterlagen versucht die fünfköpfige Familie über Rotterdam, dort lebt Juliane, die jüngste Tochter aus 1. Ehe, nach Palästina auszuwandern. Im gelobten Land hat Henriettes Bruder Albert Zuflucht gefunden. Letztlich werden alle Bemühungen vergeblich sein.


Max Kinder aus 1. Ehe sind zum großen Teil erwachsen und schlagen eigene Wege ein. Auf Ihren weiteren Lebensweg  möchte ich an späterer Stelle eingehen. Mit seiner 2. Ehefrau Henriette bekommt er drei weitere Kinder, den am 8. April 1922 geborenen Günther, gefolgt von Josef (19. März 1924) und der jüngsten Tochter Gerda (21. April 1925).

Leider liegt mir dieses Foto der Daufenbacher Schulklasse nur als Kopie vor und somit in schlechter Qualität. Enstanden sein dürfte das Bild um 1934 und unter den Schülerinnen und Schülern befinden sich die drei Cahn-Kinder. Es ist die einzige mir bekannte Aufnahme, die den 1922 geborenen Günther zeigt, hier mit der Nummer 1 markiert. Weiter rechts sehen wir mit der Nummer 2 Josef und mit der Nummer 3 Gerda Cahn.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Frau Annette Wagner, langjährige Ortsbürgermeisterin der Gemeinde Dürrholz, sowie bei Herrn Martin Schäfer bedanken. Sie waren so freundlich, mir einige Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Unter ihnen waren die beiden Schulbilder mit den Kindern des „Maxen-Jupp“, wie Meyer Cahn von den Daufenbachern auch genannt wurde. In der 3. Reihe sehen wir ganz links Josef und etwas weiter rechts, als 7. v.l., Gerda Cahn. Es sind, neben den Unterlagen der Puderbacher Verbandsgemeindeverwaltung, die einzig noch erhaltenen Dokumente, die von der Existenz der jüdischen Familie zeugen.
Jahre der Tyrannei und Entrechtung

Ist die finanzielle Situation der Familie Cahn schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten präker, so spitzt sie sich 1933 weiter zu. Durch den Boykott jüdischer Geschäfte und Betriebe kaufen nur noch wenige Maxs Ziegen, Schaf-und Kälberfleisch bzw. deren Felle. Auch auf den Viehmärkten wird der Handel für Juden immer stärker eingeschränkt. Exemplarisch sei der in Adenau im Kreis Ahrweiler genannt. Hier werden seit dem 18. September 1935 Kontrollzettel ausgegeben, wobei die Tiere der jüdischen Händler einen gelben und die der anderen Bauern einen roten erhalten. Auch die Gatter zum Anbieten der Tiere werden zunächst den „arischen“ Landwirten vorbehalten. So oder so ähnlich mag es auch auf dem Steimeler oder einem anderen Westerwälder Markt zugegangen sein. Am 25. Januar 1937 erfolgt dann das generelle Berufsverbot für jüdische Viehhändler.

Angezeigt und verurteilt

Wer mag es gewesen sein, der Max Cahn im Februar 1937 wegen der Schlachtung eines Tieres zur Anzeige bringt? Bereits am 23. desselben Monats erfolgt die Verurteilung durch die kleine Strafkammer Neuwied. Die vermeintlich nachgewiesenen Vergehen lauten: 1. Aufbewahrung eines Kriegsgeräts u. Schächten eines Tieres, 2. Inverkehrbringung von Fleisch ohne Untersuchung, 3. Nichteichung einer Waage, 4. Betrieb eines Gewerbes ohne Anzeige u. ohne Genehmigung. Die Strafe fällt drakonisch aus. Man verurteilt den 63jährigen zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten und einer Woche.

Juni-Aktion 1938

Als wären die Lebensumstände nicht schon schwer genug, die Cahns sind in solche finanzielle Nöte geraten, das sie auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, erfolgt der nächste Schicksalsschlag. Am frühen Morgen des 14. Juni 1938 wird Max vom örtlichen Polizeibeamten in Gewahrsam genommen. Grund ist der von SS-Obergruppenführer Reinhold Heydrich herausgegebene Erlass der sogenannten „Vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“, auch „Aktion Arbeitsscheu Reich“ genannt. Neben Landstreichern, Bettlern, Zuhältern, Vorbestraften und Sinti u. Roma werden, auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers, auch Straffällige jüdischer Religion festgenommen.

Noch heute befinden sich die Dokumente zur „Aktion Arbeitsscheu“ im Archiv der Puderbacher Verbandsgemeindeverwaltung. Der zuständige Beamte hatte damals alle relevanten und durchzuführenden Punkte mit einem Stift markiert. Neben erkennungsdienstlichen Material war ein Strafregisterauszug und ein Lebenslauf den Unterlagen beizufügen. Die Festgenommenen sollten in das schon damals gefürchtete Konzentrationslager Buchenwald verbracht werden.

Besonders perfide und menschenverachtend ist der vom zuständigen Amtsbürgermeister Günther verfasste Lebenslauf. Er schreibt u.a.:

„Solange Cahn in Daufenbach wohnt, ist er als fauler, arbeitsscheuer Mann bekannt. Den Viehhandel hat er immer nur soweit ausgeübt, daß er mit dem Ertrag seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. (…) Cahn machte trotz seines geringen Einkommens immer einen wohlgenährten Eindruck; es war mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er sich noch Einkommen bzw. Lebensmittel auf dunklem Wege beschaffte.“

Am 15. Juni überstellt man Meyer Cahn an einen zuständigen Amtsarzt beim Staatlichen Gesundheitsamt in Neuwied, der den 64jährigen für lagerhaftfähig erachtet. Erst einem einsichtigen und mitfühlenden Beamten der Kriminalpolizeileitstelle in Köln ist es zu verdanken, daß Max am 20. Juni wegen mangelnder Einsatzfähigkeit mit sofortiger Wirkung aus der polizeilichen Vorbeugehaft entlassen wird.

Novemberpogrom 1938

Die gewaltsamen Auschreitungen gegen jüdische Bürger und ihren Besitz, die in Puderbach bereits seit den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 laufen, dürften sich auch im benachbarten Daufenbach herumgesprochen haben. Als Vorwand für diesen unmenschlichen Exzess dient der Mord an Ernst Eduard von Rath. Drei Tage zuvor hatte der polnische Jude Herschel Grünszpan in Paris den französichen Botschaftsangestellten durch mehrere Schüsse so schwer verwundet, daß er seinen Verletzungen erlag.

Wie mögen die Cahns auf die furchteinflößenden Nachichten aus Puderbach, Urbach und Rodenbach reagiert haben? Eilt Henriette zum Schulgebäude, um ihre jüngste Tochter Gerda frühzeitig aus dem Unterricht zu holen? Verbringt die Familie bange Stunden der Ungewissheit in ihrem Haus in der Bohnengasse?

Die mir vorliegenden Ereignisberichte zum Novemberpogrom, zwei Beiträge im Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied von Herrn Gerhard Ebbinghaus (1989) und Herrn Manfred Faust (2010), geben den weiteren Verlauf der Geschehnisse unterschiedlich wieder. Laut Herrn Ebbinghaus versuchen bereits im Laufe des vormittags „linientreue Jugendliche, die Fenster der Familie Cahn einzuwerfen und einzuschlagen“. Es ist wohl dem beherzten Einsatz des ansässigen Schmieds K. Bachenberg zu verdanken, daß dies unterbleibt. Laut den Ausführungen von Herrn Faust treffen die zerstörungswütigen Männer, ein Trio unter dem Ortsgruppenführer Hans Piorek, am späten Nachmittag in Daufenbach ein, bereit, daß kleine Häuschen nebst Inventar zu verwüsten. Doch in diesem Moment greift wieder der Schmied Bachenberg und weitere Dorfbewohner ein. Sie erklären die Aktion von staatlicher Stelle für beendet und stellen sich schützend vor ihre Nachbarn.

Doch diese Versuche, das Anwesen der Cahns vor der Zerstörung zu schützen, bleiben erfolglos. Trotz des beherzten Eingreifens Daufenbacher Bürger gelingt es willigen Helfern der Nazis das Häuschen der Cahns derart zu demolieren, daß es unbewohnbar wird.

Die einzig existierende Aufnahme von „Max“ Meyer Cahn. Sie ist dem Formular auf Auststellung eines Reisepasses beigefügt, den die Familie im März 1939 beantragt. Hinter ihm liegt ein Berufsverbot, eine ungerechte Zuchthausstrafe, die Verhaftung während der sogenannten „Aktion Arbeitsscheu“ und die Ausschreitungen während des Novemberpogroms, bei der sein Wohnhaus zerstört wird.

Fortsetzung folgt…

Dernbach

Am 19. August 1926 unternehmen die Schülerinnen und Schüler der Volksschule in Dernbach einen Ausflug mit ihrem Hauptlehrer Herrn Schmidt. Die Spritztour führt sie u.a. ins 30 Kilometer entfernte Koblenz. Hier sehen wir die Kinder auf den Stufen des Kaiser-Wilhelm-Denkmals stehen am sogenannten Deutschen Eck, dem Zusammenfluß von Mosel und Rhein.
Glücklicherweise konnte ich durch eine Fotografie in der Festschrift zum 700jährigen Bestehen Dernbachs einige Schulkinder namentlich zuordnen. Durchnummeriert sind zu sehen 1 Alfred Hoffmann, 2 Oskar Ahlbach, 3 Philipp Zeiler, 4 Fritz Stein, 5 Hertha Puderbach, 6 Erna Bamberger, 7 Änni Schneider, 8 die nach Puderbach verheiratete Irmgard Weber geb. Kaul und 9 Herrn Schmidt, der von 1907 bis 1945 als Lehrer tätig war. Doch wer sind die anderen Dernbacher Kinder? Über Ihre Hilfe bei der Zuordnung würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 10.07.2022)

Dierdorf

Eine wunderschöne Postkarte, die am 31. Juli 1905 geschrieben und verschickt wurde, zeigt die Sehenswürdigkeiten der Stadt Dierdorf um das Jahr 1900. Neben der herrlichen Totalansicht mit einer Dampflokomotive im Vordergrund sieht man oben links die Schloßruine der Fürsten zu Wied-Runkel, die auf Grund ihrer Baufälligkeit bereits 1902 gesprengt wurde und die der Kartenschreiber nicht gesehen haben kann. Ein Meilenstein für die ärztliche Versorgung der Region war die Gründung des Johanniter-Hospitals im Jahr 1886. Ein koloriertes Bild zeigt den alten Krankenhausbau sowie die gleichnamige Johanniterstraße mit ihren Häusern und Geschäften. Wo sich das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges befand, weiß ich leider nicht. Vielleicht kann mir da ein gebürtiger Dierdorfer helfen.
Eulenturm
Bei dieser Aufnahme, die den Eulenturm in Dierdorf zeigt und um 1905 entstanden sein wird, brauche ich Ihre tatkräftige Hilfe. Welche Straße ist hier im Vordergrund zu sehen? Ist es möglicherweise die Untertorstraße?
Johanniter-Krankenhaus um 1940
Von zirka 1939 bis zu ihrer Hochzeit in den beginnenden 1950er Jahren ist die aus Puderbach stammende Wanda Frohn verh. Kaulbach in der Verwaltung des Dierdorfer Johanniter-Krankenhaus beschäftigt. Aus dieser Zeit stammen die nächsten drei Fotografien, die mir die Angehörigen freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. Hier nochmal meinen herzlichsten Dank dafür! Bei dieser Aufnahme, die um 1940 vor dem alten Krankenhausbau entstanden ist, sehen wir Wanda ganz links im dunklen Kleid mit einigen Krankenschwestern und anderen Pflegekräften. Wer könnten diese Damen des Personals sein? Erkennen Sie jemanden? (Beitrag vom 3. November 2021)
Einen wunderbaren Einblick in den Krankenhausalltag der 1940er Jahre bietet diese Fotografie. Wir sehen vor uns ein Behandlungszimmer des Dierdorfer Johanniter-Krankenhauses. An der linken Seite des Raumes bieten große Fensterfronten den behandelnden Ärzten genügend Licht und rechts daneben sorgen mehrere Waschgelegenheiten für die gebotene Hygiene. Ob der Saal auch für Operationen genutzt wurde? Die Liege kommt mir dafür zu provisorisch vor. Doch für Voruntersuchungen oder kleinere Eingriffe scheint der Raum geeignet. (Beitrag vom 3. November 2021)
Aus unserem heutigen Straßenbild sind die Diakonissen fast vollständig verschwunden. In früheren Zeiten jedoch erfüllten die Frauen, die sich der evangelischen Schwesterngemeinschaft angeschlossen hatten, eine wichtige soziale wie moralische Aufgabe. Auch im Dierdorfer Krankenhausalltag waren sie nicht wegzudenken. Hier sehen wir einige der Glaubensschwestern mit ihren markanten Hauben, dazu vier Wehrmachtsangehörige, die vermutlich für den Arbeitsablauf des 1939 eingerichteten Reserve-Lazaretts zuständig waren. Rechts stehend mit dunklem Kleid sehen wir die in der Krankenhausverwaltung beschäftigte Wanda Frohn verh. Kaulbach. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild? (Beitrag vom 3. November 2021)
600 Jahrfeier Stadt Dierdorf
In der Woche vom 6. bis zum 15. Juli 1957 finden in Dierdorf die Festlichkeiten zur 600 Jahrfeier der Stadtrechtverleihung statt. Hier sieht man einen Abschnitt des Festumzugs, der sich gerade über die Neuwieder Straße bewegt.
Benutzt die Kraftpost
An dem Festumzug zur 600 Jahrfeier Stadt Dierdorf nehmen u.a. auch die Mitarbeiter der Deutschen Bundespost teil. Auf ihren Transparenten, die sie in die Kamera halten, werben sie für die unterschiedlichen Dienstleistungen des Unternehmens. Vom Postscheckkonto über das Postsparbuch bis hin zur Beförderung mit den Kraftpost-Bussen ist alles dabei.
Dierdorf in den 1960er Jahren
Eine Postkarte Dierdorfs, die aus den 1960er Jahren stammen müßte. Erkennen Sie die verschiedenen Straßenzüge, die auf der Ansichtskarte zu sehen sind? (Beitrag vom 19. November 2021)

Döttesfeld

Vor kurzem konnte ich diese alte Ansichtskarte von Döttesfeld im Internet ersteigern. Sie wurde 1909 verschickt und zeigt neben einer idyllischen Teilansicht des Dorfes den Gasthof Scharfenstein.
1897 erhielt Christian Scharfenstein, der Sohn des ansässigen Kolonialwarenhändlers, die Erlaubnis, eine Gast- und Getränkewirtschaft zu führen. Rund 50 Jahre später übernahm die nächste Generation die Geschäfte. Von 1948 bis 1972 führten Maria Bolländer geb. Scharfenstein und ihr Mann Willi den Gasthaus- und Hotelbetrieb erfolgreich weiter. Doch die Verhältnisse in der Urlaubsbranche hattten sich verändert. Verbrachten in den 1950er Jahren die Gäste des Hotels noch ihren Jahresurlaub hier, so wurden die Sehnsuchtsziele ab den 1960er Jahren weiter. Dem Sohn Rolf und seiner Frau Lilo , die ab 1972 die Geschicke des Gasthofs übernahmen, gelang es, den Betrieb erfolgreich auf den Erlebnistourismus umzustellen. 1988 eröffneten sie zudem die „Hui Wäller-Stube“, die die Dorfbewohner zu einem gemütlichen Feierabendbierchen einlud. 2014 fand der letzte Wechsel in der Leitung statt. Nun waren es die Brabenders in 5. Generation, die den Betrieb weiterführten.
125 Jahre nach Inbetriebnahme durch Christian Scharfenstein mußten die Brabenders 2022 die Gastwirtschaft zum größten Bedauern aller Döttesfelder schließen. (Beitrag vom 26.01.2024)
Ein wunderschöner Blick auf Döttesfeld aus den 1950er Jahren. Der Fotograf hat sich auf einer Wiese nördlich des Ortes aufgestellt, sodas man im Vordergrund den Flußlauf der Wied entdecken kann. In der Bildmitte links erkennt man das oben bereits erwähnte Hotel „Zum Wiedbachtal“.

Link:

https://www.hotel-zum-wiedbachtal.de/html/historie.html

Ehlscheid

Diese Postkarte von Ehlscheid, die 1918 verschickt wurde, wirbt bereits mit dem wohlklingenden Zusatz „Luftkurort“. Doch die offizielle Anerkennung als Ortschaft, die durch sein wohltuendes Klima der Gesundheit förderlich ist, findet erst 1963 statt. Das alte Fachwerkgebäude des früheren Gasthofs Krug ist noch heute eine Zierde des Dorfes. (Beitrag vom 3. November 2021)

Flammersfeld

Ein Blick auf Flammersfeld im Kreis Altenkirchen um das Jahr 1905. Die kleinere Aufnahme darunter zeigt die Gastwirtschaft und Metzgerei Kraus. Der Inhaber Gerhard Kraus kommt 1849 zur Welt und ist der Sohn des Bauern und Schuhmachers Maximilian Kraus und der aus Eichen stammenden Wilhelmine Christine geb. Heuberg. Besonders interessant ist das Schicksal seines älteren Bruders Karl. Er erblickt am 19. Februar 1847 das Licht der Welt. Der intelligente, feinfühlige und musisch begabte junge Mann übernimmt mit 20 Jahren die Zweitlehrerstelle an der Flammersfelder Volksschule neben dem Kirchspielsschulmeister Christian Ernst Strunk. Die körperlichen Züchtigungen Strunks, der seine Schüler gerne prophylaktisch vor dem Unterricht versohlte, müssen dem sensiblen Karl ein Graus gewesen sein. Nach der Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wandert er nach Chile in Südamerika aus, um dort an einer deutschen Schule als Musiklehrer sein Glück zu versuchen. Irgendwann bricht der Kontakt zur Familie im Westerwald ab. Erst durch die Nachforschungen seines Neffen Fritz Kraus erfährt die Familie, daß er geistig zerrüttet und finanziell ruiniert in der Stadt Talca gestorben ist.

Link:

https://argewe.lima-city.de/auswanderer/kraus_carl.htm

Fluterschen

Ein Gruß aus Fluterschen wurde hier im Jahr 1916 versendet. Neben einer Teilansicht der Ortschaft sieht man links unten die Kolonialwarenhandlung der Familie Krämer. Besonders interessant ist die Landschaftsaufnahme mit der Bezeichnung „Im Rauhen Stein“. Die Flurbezeichnung geht auf den gleichnamigen Felsen zurück, der sich noch heute zwischen den Ortschaften Amteroth, Oberwambach und Fluterschen befindet. Der Sage nach soll der Stein früher Teil der hinter ihr liegenden Bergkuppe gewesen sein. Die alten Germanen nutzten das Areal als Kultstätte und beteten hier zu ihren alten Göttern. Als jedoch die erste christliche Kirche bei Oberwambach ihre Glocke ertönen ließ, stürzte der heidnische Berghang in sich zusammen und der „rauhe Stein“ löste sich aus dem Felsmassiv. Noch heute soll sich das Felsstück zu mitternächtlicher Stunde um seine eigene Achse drehen und manch ein Besucher meint in seiner Nähe ein Raunen zu vernehmen. (Beitrag vom 7.02.2022)

Freirachdorf

1918 wurde diese Ansichtskarte von Freirachdorf als Feldpost nach Oldenburg verschickt. Zu sehen ist neben einer Dorfpartie der Gasthof Faust, wo der Oberstgefreite, der die Karte seiner Frau zukommen ließ, wohl übernachtet hat. Die Gastwirtschaft existierte bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde damals von Johannes Heinrich Wagner und seiner Frau Anna Maria geb. Schmidt geführt. Durch die Hochzeit der Tochter Katharina mit dem in Steinen an der Westerwälder Seenplatte geborenen Johannes Peter Ludwig Faust änderte sich auch der Name des Wirtshaus. Vermutlich übernahm bereits 1888 der älteste Sohn Adolph den Betrieb, da der Vater am 24. April desselben Jahres mit gerade mal 47 Jahren verstarb.
Nachtrag: Bald 100 Jahre noch existierte die Gastwirtschaft, bevor die Nachfahren der Fausts den Betrieb 2011 einstellten. Drei Jahre später ging das Gebäude an einen neuen Besitzer, der es zum Wohnhaus umfunktionierte. Baulich hat es sich jedoch kaum verändert. (Beitrag vom 7.08.2023)

Großmaischeid

Der Postkartenschreiber von 1908 möge mir verzeihen, daß ich seine fein säuberlich geschriebenen Grüße, die jede freie Fläche der Vorderseite bedeckten, dank Fotobearbeitungsprogramm habe verschwinden lassen. So erhalten wir wieder einen unverfälschten Blick auf das alte „Gruußmäschd“. Unten links sehen wir die römisch-katholische Kirche St. Bonifatius, dessen Langhaus im Jahr 1876 durch ein neugotisches Querhaus ergänzt wurde. Der Turm stammt sogar aus romanischer Zeit und ihm zu Füßen liegt der mit alten Grabsteinen versehene Friedhof. Das Foto rechts unten zeigt die Warenhandlung der Familie Reuth, vor der sich eine große Zahl an kleinen und großen Dorfbewohnern eingefunden hat, die unbedingt mit abgelichtet werden wollen. Oben sehen wir einen Blick auf die gesamte Ortschaft. Liebe Großmaischeider, aus welcher Richtung ist der Ort oben zu sehen? (Beitrag vom 16. November 2021)

Hardert

In einer Pachturkunde aus dem Jahr 1321 wird Hardert zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Heute gehört die Ortschaft mit ihren 858 Einwohnern zur Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach. Kann mir ein gebürtiger Harderter sagen, welche Ortsseite man hier sieht? Die Karte wird 1914 von hier an die in Oberbieber lebende Elise Abt verschickt. (Beitrag vom 3. November 2021)

Harschbach

Bei dieser Ansichtskarte von Harschbach, die im Jahr 1916 als Feldpost verschickt wurde, tat ich mich mit der räumlichen Orientierung recht schwer. Konnte das im Hintergrund die Straße von Urbach nach Puderbach sein? Ich war mir mehr als unsicher. Erst die stets hilfsbereite und ortskundige Facebook-Gruppe „Aktuelles aus, in und um Puderbach“ kam mir zu Hilfe. Bei den beiden Wegen handelt es sich links um den Mühlenweg, der in früheren Zeiten die Bauern mit ihrem Korn zur Niederhofener Mühle brachte. Der Kirchweg rechter Hand führte die Harschbacher Familien am Sonntag zur Andacht ins Urbacher Gotteshaus. Die Aufnahme entstand also aus nördlicher Richtung und der Fotograf stellte damals seine Kamera auf der Landstraße nach Puderbach auf, ganz in der Nähe des heutigen Kochhofs. (Beitrag vom 16.06.2022)
Berühmter Sohn

An dieser Stelle möchte ich auf die Lebensgeschichte des am 27. Juni 1890 in Harschbach geborenen Wilhelm Schweizer aufmerksam machen.
Das vierte Kind der Eheleute Christian Schweizer und Wilhelmine Philippine geb. Haag besuchte die Urbacher Volksschule und wurde am 27. März 1904 in der dortigen Pfarrkirche konfirmiert.
Im Anschluß führte Ihn sein Militärdienst bei der kaiserlichen Marine in die Hansestadt Kiel. Nach einer kurzen Tätigkeit als Werftarbeiter trat er ab 1918 in den Polizeidienst ein und stieg bis 1930 zum Kommissar (Hauptmann) auf.

Diese Aufnahme Wilhelm Schweizers dürfte um 1920 entstanden sein. (Quelle: https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer#/media/Datei:Wilhelm_Schweizer.jpg / Sauerbrei, Wolfram: Wilhelm Schweizer – ein demokratisches Urgestein, in: Landkreis Neuwied (Hg.): Heimat-Jahrbuch 2021, Landkreis Neuwied, S. 274)


Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihm seine langjährige Parteizugehörigkeit zur SPD, er war u.a. Vorsitzender des Sozialdemokratischen Vereins Groß-Kiel und Vorsitzender der Stadtverordnetenfraktion, zum Verhängnis. Am 12. März desselben Jahres drangen SS-Männer in seine Kieler Wohnung ein, verwüsteten die Einrichtung und schlugen Schweizer blutig. Im Anschluß schleppten sie ihn in sein Amtszimmer im Kieler Rathaus, um ihn zu erschießen. Nur der beherzte Einsatz des Polizeipräsidenten Graf zu Rantzau rettete ihm das Leben.
Im Anschluß verbrachte man ihn in das Konzentrationslager Lichtenburg bei Torgau, wo er zwei lange Jahre festgehalten wurde. Es folgten weitere Inhaftierungen, 1939 bis 1941 im Konzentrationslager Sachsenhausen und 1944, nach dem missglückten Attentat auf Hitler durch die Gruppe um Graf Stauffenberg. Wie durch ein Wunder gelang ihm die Flucht aus dem Gefangenenwagen und er konnte sich in seine alte Heimat im Westerwald durchschlagen. Hier versteckte ihn sein Bruder Friedrich in der elterlichen Scheune und versorgte ihn bis zum Kriegsende mit dem Nötigsten.
Am 18. Mai 1945 ernannte die amerikanische Militärverwaltung Wilhelm Schweizer, den von den Nazis Verfolgten und damit politisch Unbelasteten, zum Hauptmann der Schutzpolizei von Neuwied; knapp einen Monat später erfolgte die Ernennung zum Bürgermeister der Deichstadt. Bis zum Ereichen der Altersgrenze am 1. Juli 1955 erfüllte er sein Amt mit Hingabe und großem Eifer. Am 8. Dezember 1958 verstarb er an einer Lebererkrankung im Neuwieder Rot-Kreuz-Krankenhaus. Beerdigt wurde er auf dem Urbacher Friedhof, wo auch seine Frau Lydia die letzte Ruhe fand. Nach der Einebnung des Grabes verbrachte man den Grabstein auf den Friedhof Elisabethstraße nach Neuwied. (Beitrag vom 1.06.2024)

Links:

https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Schweizer_(Politiker)

Harschbacher Burschenverein
Die sogenannten Burschenvereine blicken auf eine lange Tradition zurück. Enstanden sind diese Gemeinschaften junger, unverheirateter Männer bereits im 19. Jahrhundert und dienten der Pflege vom Brauchtum und der Geselligkeit. Frau Klaes-Huppertz war so freundlich, mir die folgenden zwei Aufnahmen zur Verfügung zu stellen. Sie zeigen die Harschbacher Jungesellen der 1920er Jahre, darunter ihren Großvater Karl Klaes. Von links nach rechts sehen wir in der vorderen Reihe: Karl Kolb, Fritz Burckhardt, Fritz Mank und Paul Hoffmann. Mittlere Reihe: Paul Siegel, Fritz Siegel, Fritz Schweizer (Bruder v. Wilhelm Schweizer, dem früheren Bürgermeister von Neuwied), Albert Hoffmann und Albert Jung. Hintere Reihe: Otto Jung, Herbert Kalbitzer, Wilhelm Scheiderer und Karl Klaes. (Beitrag vom 01.06.2024)
Eine weitere Aufnahme des Harschbacher Burschenvereins. Die Junggesellen haben sich für den Fotografen vor dem Eingang des 1920 errichteten Schulhauses postiert. Die Stimmung scheint fröhlich und gelöst, einige der Männer sorgen mit Akkordeon und selbstgebauten Kontrabass für die musikalische Untermalung, ein gepflegtes Bier und eine Zigarette tragen das Ihrige dazu bei. (Beitrag vom 01.06.2024)

Hasselbach

Im Jahr 1913 versendete der aus Hasselbach bei Weyerbusch stammende August Altgeld diese kolorierte Ansichtskarte seines Heimatortes. Unter den vier verschiedenen Ansichten der Ortschaft finden wir das im Jahr 1906 eingeweihte Schulgebäude. Lehrer der ersten Stunde war der aus Saarbrücken stammende Jakob Barthel, der 27 Jahre lang die Kinder Hasselbachs unterrichtete. Leider stellte sich recht schnell heraus, daß der Neubau einen gewaltigen Mangel aufwies. Bei starkem Westwind zog der Rauch im Schornstein nicht mehr ab, sodas der Schulsaal derart verqualmte, daß der Unterricht ausfallen mußte.
Heute befindet sich das Gebäude im Privatbesitz des aus Hamm a.d. Sieg stammenden Künstlers Erwin Wortelkamp. Er und andere namhafte Bildhauer haben auf einem rund 11 Hektar großen Areal zwischen Hasselbach und Werkhausen einen Skulpturengarten geschaffen, der in engen Dialog mit der sie umgebenden Landschaft tritt.
An alle Ortskundigen gehen folgende Fragen: Aus welchem Blickwinkel wurde die Ansicht des Dorfes aufgenommen, wo befand sich die Gastwirtschaft Vogel und wo lag das rechts unten zu sehende Gut? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen!

Link zur Stiftung „im tal“ von Erwin Wortelkamp:

http://www.im-tal.de

Hemmelzen

Hemmelzen war über Jahrhunderte und Generationen hinweg die Heimat eines Teils meiner Vorfahren. Bis ins 18. Jahrhundert lassen sich in der kleinen Ortschaft die Wurzeln des Familienzweigs der Deneus nachverfolgen. Mein Ururgroßvater Heinrich wird hier am 26. Mai 1855 geboren, bevor es ihn 1878 durch seine Heirat ins nahegelegene Kraam verschlägt. Seine beiden Halbschwestern kommen hier ebenfalls zur Welt, wobei ich auf Emilie im nächsten Bild näher eingehen möchte.
Goldene Hochzeit
Um das Jahr 1950 feierte Emilie Ewert geb. Deneu, die Halbschwester meines Ururgroßvaters Heinrich, und ihr Mann Karl in Hemmelzen ihre goldene Hochzeit. Die Ewerts lebten mit ihren vier Söhnen Karl, Walter, Willi und Otto viele Jahrzehnte in Essen, bevor sie in den 1940er Jahren aus Furcht vor den alliierten Luftangriffen wieder in den Westerwald zogen. Durchnummeriert sind zu sehen: Das Jubelpaar Emilie Ewert geb. Deneu (1) und Karl Ewert (2), meine Großeltern Friedrich Kuhl (3) und Laura Kuhl geb. Deneu (4),mein Vater Hans Kuhl (5), Otto Ewert (6), Karl Ewert (7), dessen Sohn Klaus (8), Hertha Ewert, die Frau v. Otto E. (9), der später in Hamburg lebende Walter Ewert (10) und Willi Ewert, der die Bundesrepublik verlässt und in der DDR als Lehrer tätig ist (11). Meine Bitte geht an alle gebürtigen Hemmelzer und Hemmelzerinnen: erkennt jemand Personen auf dem Bild, die von dort stammen bzw. erkennt jemand das Gebäude, das im Hintergrund zu sehen ist?
Nachtrag

Sie könne sich vorstellen, wie groß die Freude war, als sich im vergangenen Monat Herr Deneu, der Besitzer des Hotels und Restaurants „Im Heisterholz“ bei mir meldete. Er erkannte sofort die damals im Umbau begriffene Pension und Gaststätte seiner Familie wieder. Doch nicht nur das. Unter den Gästen des Jubelpaares entdeckte er seine Großeltern sowie mehrere Anverwandte wieder. Wo genau die Stammbäume unserer beiden Familien zusammenlaufen, muß noch geklärt werden. Hier folgt eine erweiterte und korrigierte Namensliste der bekannten Personen:

1 die Halbschwester meines Ururgroßvaters Emilie Ewert geb. Deneu, 2 ihr Ehemann Karl Ewert, 3 vrmtl. der Sohn Karl Ewert, 4 der Sohn Otto Ewert, 5 seine Frau Hertha, 6 der später in Hamburg lebende Sohn Walter Ewert, 7 der in die DDR verzogene Sohn Willi Ewert, 8 mein Großvater Friedrich Kuhl, 9 meine Großmutter Laura Kuhl geb. Deneu, 10 mein Vater Hans Kuhl, 11 Herrn J. Deneus Großvater Karl Deneu, sowie mit der Nummer 12 seine aus Woldert stammende Großmutter Hilda Deneu geb. Velten, 13 Anna Schmidt geb. Velten aus Werlenbach (Schwester v. H. Deneu geb. Velten), 14 Maria Schmidt geb. Deneu (Schwester v. K. Deneu), 15 Emilie Schmidt geb. Deneu (Schwester v. K. Deneu), 16 Paula Asbach geb. Deneu (Schwester v. K. Deneu), 17 Elfriede Lauterbach geb. Asbach (Tochter v. P. Asbach), 18 Elli Asbach geb. Koch (Schwiegertochter v. P. Asbach), 19 Marion Schünemann geb. Asbach (Tochter v. Elli Asbach), 20 Harald Lauterbach (Sohn v. E. Lauterbach), 21 Christel Podschadly (Pflegekind v. K. u. H. Deneu), 22 vrmtl. Lehrer Litke aus Leverkusen (Verwandter Fam. Ewert), 23 der Pfarrer der Ev. Kirche zu Birnbach Herr Schareina und 24 seine Frau. (Beitrag vom 11.03.2024)

Hilgert

Ein wunderbarer Blick auf einige Fachwerkhäuser von Hilgert. Die Postkarte wird um 1930 produziert worden sein. Kann mir ein Ortskundiger sagen, ob es die Gebäude noch gibt und welchen Familien sie gehörten? Und wo hat sich der Fotograf mit der Kamera positioniert?

Höchstenbach

Ein Denkmal für einen französischen General im Westerwald? Davon hatte ich noch nie gehört. Erst durch diese Postkarte, die in den 1920er Jahren verschickt wurde, erfuhr ich von dem Ehrenmal in Form eines Obelisken.
Alles beginnt mit der französischen Revolution von 1789, der Absetzung und Aburteilung König Ludwigs XVI. und dem gewaltsamen, blutigen Umsturz der Ständegesellschaft. In Frankreich entsteht eine Republik, die den benachbarten, von Monarchen geführten Länder ein Dorn im Auge ist. 1792 kommt es zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem revolutionären Frankreich und dem Königreich Preußen, Österreich und einigen kleineren Staaten, der als Erster Koalitionskrieg in die Geschichte eingehen wird.
Am Montag, den 19. September 1796 verfolgen österreichische Truppen in der Nähe von Höchstenbach die sogenannte Sambre- und Maas-Armee, zu der auch der General Francois Séverin Marceau gehört. Bei dieser kriegerischen Auseinandersetzung wird Marceau schwer verwundet und erliegt zwei Tage später im nahegelegenen Altenkirchen seinen Verletzungen. Sein Adjutant, der Hauptmann Souhait, lässt an der Stelle seiner Verwundung eine Gedenktafel anbringen, die an den gefallenen General erinnert.
Rund 60 Jahre später, im Jahr 1863, wird durch den beherzten Einsatz des preußischen Postbeamten Heymann aus Selters und der finanziellen Unterstützung durch den französischen Kaiser Napoleon III. in Erinnerung an Marceau ein Denkmal in Form eines Obelisken errichtet. Daß es trotz größter Ressentiments zwischen Deutschen und Franzosen am 16. Juni 1901 zu einer gemeinsamen Feierstunde kommt, grenzt an ein Wunder.
1941 ist es der nationalsozialistische Kreisleiter Westerburgs, der dem Mahnmal ein Ende setzt. Er lässt es kurzerhand sprengen. Doch nach Kriegsende 1945 wird die französische Besatzungsarmee das Ehrenmal wieder in alter Form aufbauen und bei der neuerlichen Einweihung ist sogar General Charles de Gaulle anwesend, der in späteren Jahren die Geschicke Frankreichs als Staatspräsident leiten wird. (Beitrag vom 15. November 2021)

Link:

https://de.wikipedia.org/wiki/Marceau-Denkmal_(H%C3%B6chstenbach)

Horhausen

Um 1915 entsteht diese kolorierte Ansicht Horhausens. Anscheinend hat der Fotograf seine Kameraausrüstung an einem Weg südlich des Ortes aufgestellt. Welche Straße mag das im Vordergrund sein? Deutlich zu erkennen ist die katholische Kirche St. Maria Magdalena, die 1902 im neoromanischen Stil neu erbaut wurde. Nur Teile des Turms sind noch aus der Zeit des 13. Jahrhunderts. (Beitrag vom 16. November 2021)
Im Juli 1905 wurde diese Postkarte aus Horhausen im Westerwald nach Berlin verschickt. Sie zeigt den Gasthof „Zur Post“, dessen Inhaber damals Wilhelm Dasbach war. Ob er wohl mit einem der berühmtesten Söhne des Ortes in verwandschaftlichen Verhältnis stand? Ich meine den Priester, Publizisten und Politiker Georg Friedrich Dasbach, der am 9. Dezember 1846 als Sohn des Bäckers und Gastwirts (!) Ludwig Friedrich Dasbach und seiner Ehefrau Katharina Veronika geb. Gassen zur Welt kam. 1933 wurde das katholische Pfarrheim zu seinen Ehren in Kaplan-Dasbach-Heim umbenannt. Vielleicht weiß ein gebürtiger Horhausener Näheres über die familiären Zusammenhänge der beiden Dasbacher.

Link:

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-friedrich-dasbach/DE-2086/lido/57c6905dec8033.49782517

Kausen

Bei dieser Postkarte aus dem Jahr 1913 bräuchte ich wieder Ihre geschätzte Hilfe! Es müßte sich um das 1974 nach Großmaischeid eingemeindete Kausen handeln. Erkennt ein gebürtiger Kausener die hier abgebildeten Dorfpartien? Existiert die unten zu sehende Mühle noch? Da etliche Baustämme im Vordergrund zu entdecken sind, wird es sich möglicherweise um eine Sägemühle gehandelt haben. Und was ist mit dem Gasthaus „Zum kühlen Grund“? Bei meinen Online-Recherchen konnte ich keinen Gasthof in Kausen finden.
Zufälligerweise bin ich soeben auf eine Luftbildaufnahme von Kausen gestoßen. Bei näherem Hinsehen entdeckte ich ein Gebäude an der Sayntalstraße, das dem Gasthof ähnelt. Könnte es sich um die frühere Gastwirtschaft „Zum kühlen Grund“ handeln? Und bei der Mühle habe ich mich gefragt, ob sie zum heutigen Komplex der Firma „Die Tischlertekten“ gehört. Dann würden die zwei Gebäude einschließlich der Brücke über den Saynbach an besagter Straße liegen.
Nachtrag: Eine ortskundige Leserin meines Blogs konnte mir berichten, daß sowohl die Brücke über den Saynbach als auch das Haus der früheren Gaststätte „Zum kühlen Grund“ als Bauwerke erhalten geblieben sind. Die Mühle existiert nicht mehr. Nur der alte Mühlstein, der am Straßenrand aufgestellt wurde, erinnert an das Gebäude und das hier ausgeübte Handwerk. (Beitrag vom 25.01.2022)

Mehren

Zu dem im Kreis Altenkirchen gelegenen Mehren und seinen umliegenden Ortschaften hat meine Familie eine besondere Verbindung. In Kraam wurde mein Urgroßvater Heinrich Deneu 1881 geboren und seine Schwester Wilhelmine heiratete in die aus Mehren stammende Familie Hottgenroth ein. Gerade Mehren ist mit seinen zahlreichen alten Fachwerkhäusern ein wirkliches Kleinod. Bereits zwei Mal, 1983 und 1989, gewann das Dorf die Silbermedaille bei dem bundesweitem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.

Mündersbach

Im Jahr 1916 wurde diese Postkarte von Mündersbach als Feldpost verschickt. Unten rechts meint man die Kirche des Ortes zu sehen, doch der erste Eindruck täuscht. Es handelt sich um das Schulgebäude des Dorfes, das im Jahr 1902 in Betrieb genommen wurde. Bis 1973 fand hier in zwei Klassenräumen der Unterricht für die Kinder der Gegend statt. Danach erst wurde der Bau mit dem Glockenturm zur Kirche umfunktioniert. Auf dem Bild links oben sieht man den Gasthof „Zur Post“ der Familie Altgeld. Weiß ein gebürtiger Mündersbacher, wie lange die Gaststätte existierte? Und welche Straßenzüge sieht man auf den zwei verbleibenden Aufnahmen?
Nachtrag: Die Urenkelin des Gasthofbesitzers Wilhelm Altgeld stieß zufällig auf meine Seite und konnte weitere Angaben zu den Ansichten Mündersbachs machen. Für die beiden Details links unten und rechts oben hat sich der Lichtbildner auf der früheren Hauptstraße, heute die Koblenzer Straße, positioniert und jeweils eine Fotografie in Richtung Höchstenbach bzw. in Richtung Herschbach aufgenommen. (Beitrag vom 21.08.2023)
Eine idyllische Panorama-Aufnahme Mündersbachs aus den 1930er Jahren. Der Kameramann hat sich für die Fotografie auf einem Feld westlich der Ortschaft postiert, an den sogenannten „Sieben Buchen“. Leider existiert der kleine Buchenhain heute nicht mehr. Damals aber war er ein beliebtes Ausflugsziel für die Dorfbewohner wie für die Sommerfrischler. (Beitrag vom 21.08.2023)
Haus der Familie Theis
Ein wunderschöner Blick auf das Ziegelsteinhaus der Familie Theis aufgenommen vermutlich Mitte/Ende der 1920er Jahre. Bei den Personen, die sich für den Fotografen vor dem stattlichen Gebäude an der Alten Straße aufgestellt haben, handelt es sich um die 1871 geborene Pauline Theis geb. Göbler und ihren jüngsten Sohn Gustav.
Es ist ein Glücksfall, daß sich die Geschichte über den Bau des Wohnhauses, die Beschaffung des Baumaterials und eine Liste der beteiligten Handwerker so genau und detailliert erhalten hat. 1897 beginnt das Ehepaar Heinrich und Pauline Theis mit den ersten Arbeiten. Der für den Mörtel benötigte Sand wurde mit Kuhgespann und Pritschenwagen aus dem nahegelegenen Rückeroth herbeigeschafft. Schwieriger gestaltete sich das Beibringen des unentbehrlichen Kalks. Es brauchte zwei Tage, man mußte auf der Rückreise in Isenburg übernachten, um den Baukalk mit den Lasttieren und einem Holzwagen aus dem 28 km entfernten Bendorf zu holen.
Der beim Ausschachten anfallende Lehm wurde zum Brennen der sogenannten Feldbrandziegel genutzt, wobei zwei italienische Landarbeiter mit bloßen Füßen den Lehm zu einen Brei verarbeiteten, in Holzformen füllten, trockneten und ihn im Anschluß in einem Ofen zu Ziegel brannten. Die Arbeiten am Dachstuhl führten in Mündersbach ansässige Zimmerleute aus. Für die Schreiner- und Anstreicherarbeiten hatte man die Geschwister Sartor aus Dreisbach verpflichtet. Jedes Zimmer verfügte über einen Holzfußboden und der Eingangsbereich war mit sechseckigen Steinplatten ausgelegt. (Beitrag vom 28.11.2023)
Einige Jahre zuvor entstand diese wunderschöne Aufnahme vor dem Haus der Familie Theis. Am Freitag den 25. Mai 1923 heiratete Gustav Theis die ebenfalls aus Mündersbach stammende Bertha Pfeiffer. Hier sehen wir die große Hochzeitsgesellschaft. Eine detaillierte Namensliste der Personen finden Sie auf der folgenden, durchnummerierten Kopie. (Beitrag vom 28.11.2023)
Von links nach rechts sehen wir: 1 Pauline Schneider geb. Schneider (Jongesch), 2 ihr Sohn Hugo Schneider, 3 Pauline Pfeiffer geb. Schneider (Stengs Got), 4 ihre Tochter Jenny Westerburg verw. Allert geb. Schneider, 5 Louis Pfeiffer, Zwillingsbruder des Brautvaters, 6 Haushälterin des Pastors, 7 Frau des Pastors (?), 8 Erwin Schneider, 9 Willi Schneider, Sohn v. Pauline S., 10 die Brautmutter Wilhelmine Pfeiffer geb. Schneider, 11 der Brautvater August Pfeiffer, 12 u. 13 Kinder des Pastors, 14 Emmi Sayn (Seltersch), 15 Mina Pfeiffer geb. Klas (Stengs), 16 die Braut Bertha Theis geb. Pfeiffer, 17 der Bräutigam Gustav Theis, 18 „Kalin Got“ aus Raubach, Schwester des Bräutigamvaters, 19 verdeckt eine Tante a. Elgert, 20 Hulda Schmidt verw. Stumpf geb. Theis, Schwester d. Bräutigamvaters, 21 bzw. 23 Onkel aus Raubach (Mann Kalin Got?) und Elgert, 22 Emil Pfeiffer (Stengs), 24 Lina Vohl geb. Leins wh. in Freirachdorf, 25 Wilhelmine Greis geb. Miltenberger, 26 die Bräutigammutter Pauline Theis geb. Göbler, 27 der Bräutigamvater Heinrich Theis, 28 Walter Thiel, 29 Richard Neif, 30 Otto Schmidt (Ehemann Hulda S.), 31 Gustav Altgeld, 32 Emil Päulgen und 33 Alfred Udert a. Elgert. (Beitrag vom 28.11.2023)
Männergesangverein
Die heitere und fröhliche Stimmung unter den Männern des Mündersbacher Gesangvereins ist fast schon ansteckend. Enstanden ist die Aufnahme 1922 und von links nach rechts sind zu sehen: 1. Reihe sitzend Reinhold Dönges, Adolf Mayer, …, Wilhelm Altgeld, Heinrich Schneider, Heinrich Neif, Heinrich Kraus, Adolf Walkenbach und Karl Kraus. 2. Reihe stehend Gustav Müller, Eduard Greis, Ernst Neif, Robert Dönges, Lehrer Eduard Menger, Ewald Schneider, Otto Altgeld, Willi Kroppach, Emil Pfeiffer, Heinrich Pfeifer, Heinrich Thiel, Robert Pfeifer und Gustav Enders. 3. Reihe stehend Karl Pfeiffer, Adolf Schmidt, Paul Schneider, Richard Neuer, Gustav Kroppach, Willi Kaus, Paul Meyer, Walter Schneider, Julius Kroppach und Gustav Theis. (Beitrag vom 28.11.2023)
Radfahrerverein Windrose
Wer mag sich den wohlklingenden Namen „Windrose“ für den Fahrradverein in Mündersbach ausgedacht haben? Möglicherweise eine Anspielung auf die Windeseile, mit der die jungen Männer mit ihren Drahteseln den Westerwald durchstreiften. In der vorderen Reihe v.l.n.r. sehen wir Emil Päulgen, Karl Walkenbach, Edmund Walkenbach, Karl Pfeiffer, Friedrich Meyer, und Louis Walkenbach. In der hinteren Reihe stehen Alfred Bell, Gustav Theis, Willi Walkenbach, Richard Walkenbach, Otto Jungbluth, Emil Pfeiffer, Albert Walkenbach, Karl Oettgen, Richard Neif und Ewald Walkenbach. (Beitrag vom 28.11.2023)
Zur Geschichte des Gasthofs „Zur Post“

Sie können sich vermutlich vorstellen, wie groß die Freude war, als sich die Urenkelin des damaligen Gasthofbetreibers Wilhelm Altgeld bei mir meldete. Zufällig war sie auf die alte Ansichtskarte von Mündersbach gestoßen. Frau Berndt war es auch, die mir freundlicherweise weitere Fotografien zur Verfügung stellte und die Geschichte ihrer Familie und die der Gaststätte durch ihre detailreichen und herzerwärmenden Geschichten und Anekdoten zum Leben erweckte. Meinen herzlichsten Dank dafür! (Beitrag vom 21.08.2023)

Hier noch einmal eine Detailansicht von der Postkarte aus dem Jahr 1916. Besitzer des Gasthofs „Zur Post“ war der 1867 in Mündersbach geborene Wilhelm Altgeld. Schon vor Eröffnung des Gaststättenbetriebs nebst Kolonialwarenladen befand sich in den Räumlichkeiten des Hauses die erste Poststelle Mündersbachs. Die Nachfahrin der Altgelds erinnerte sich an die weit zurückreichende Geschichte, daß Ihr Ururgroßvater Andreas, der Vater Wilhelms, bei den ankommenden Postkutschen die erschöpften Pferde durch frische auswechselte. Um 1901 erfolgte die erste Modernisierung des Hauses. Die Gastwirtschaft und das angeschlossene Ladengeschäft dürften aber älter und bereits Ende des 19. Jahrhunderts gegründet worden sein.
Um 1916 mag diese Aufnahme vor der Gastwirtschaft „Zur Post“ entstanden sein. Ganz rechts stehend sehen wir den Gastwirtsbesitzer Wilhelm Altgeld, links neben ihm seine Tochter Hilda und als 2. von links seine zweite Frau Laura.
Der Rufname der Familie Altgeld lautete „Erms“ und Wilhelm selbst wurde „Erms der Lang“ genannt. Nachdem seine erste Frau Luise, eine geborene Hülpüsch, früh verstarb, heiratete er 1894 in zweiter Ehe die in Steimel geborene Laura Therese Klein. Trotz einer chronische Rheuma-Erkrankung und den damit verbundenen stetigen Schmerzen scheint Wilhelm ein lustiger und lebensfroher Mensch gewesen zu sein, der seine Mitmenschen auch gerne einmal auf die Schippe nahm. Überliefert ist die Geschichte, daß er der Küchenhilfe, die gerade beim Abspülen war, eine mitreißende aber erfundene Neuigkeit erzählte und dieser heimlich das bereits abgewaschene Geschirr wieder ins Spülwasser legte. Als diese den Streich bemerkte, erging eine Schimpfkanonade über Wilhelm, doch dieser amüsierte sich köstlich, daß ihm wieder einmal ein Schabernack gelungen war.
„An dem Haus ist kein Stein, den ich nicht in der Hand gehabt habe“. So erzählte Laura Altgeld ihrer Urenkelin. Ganz praktisch hatte sie bei der Umgestaltung des Gasthofs im Jahr 1901 mitgewirkt. Auch die Handwerker, die eigentlich das neue Schulhaus errichteten, bewegte sie dazu, sich gegen eine warme Mahlzeit an den Bauarbeiten am Altgeld-Haus zu beteiligen. Neben dem Kochen und Servieren der Mahlzeiten für die Wirtshausgäste, kümmerte sie sich um den Verkauf im angeschlossenen Kolonialwarenladen.
Geboren wurde Laura Altgeld geborene Klein als eines von sieben Geschwistern am 9. Juni 1874 in Steimel. Der Vater Edmund war Betriebsleiter auf der Reichensteiner Grube und die Familie lebte wohl zeitweise auf dem Grubengelände. Aus dieser Zeit stammt eine wunderbare Anekdote, die an dieser Stelle erwähnt sei. Es war zu Weihnachten und Edmund Klein und die anderen Mitarbeiter hatten von der Betriebsleitung keine Gehälter ausbezahlt bekommen. In Ermangelung von Geschenken backte Lauras Mutter am Heilig Abend für die sieben Kinder Weckmänner und hängte sie an die Bettchen der Kleinen. Am nächsten Morgen betrat sie das Zimmer und wurde mit dem Spruch „Wir haben das Christkindlein gegesssen“ begrüßt. Ihre Sprösslinge hatten die Weckmänner am Abend zuvor entdeckt und sogleich verspeist.
Ob diese Aufnahme aus Anlass der Hochzeit von Hilda Altgeld und ihrem Ehemann Peter van Roo im Jahr 1920 entstanden ist? Vieles spricht dafür.
Die Gechichte Peter van Roos ist eine Besondere und soll an dieser Stelle erzählt werden. Geboren wurde er am 8. Oktober 1898 im kleinen Örtchen Schoondijke, gelegen in der niederländischen Provinz Zeeland. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten seine Eltern Pieter und Maria mit dem kleinen Sohn in die USA aus und fanden in Williamson bei New York, gelegen am schönen Ontario See, eine neue Heimat.
1916, Peter war gerade 18 Jahre alt geworden, trat er in die US-Army ein, die ihn mit dem Slogan lockte: „Join de Army, see the World“. Tatsächlich führte in der Kriegseintritt der Amerikaner am 6. April 1917 nach Europa, an die Fronten des 1. Weltkriegs. Doch die Erlebnisse in den Schützengräben dürften nicht dem entsprochen haben, was er sich unter „die Welt kennenlernen“ vorgestellt hatte.
Nach der Kapitulation des Deutschen Reichs am 11. November 1918 wurden Teile des Westerwalds durch amerikanische Truppen besetzt. Peter van Roo und seine Einheit verschlug es in die Gegend von Mündersbach. Hier lernte er die Gastwirtstochter Hilda Altgeld kennen und verliebte sich in sie. Am 27. März 1920 fand in Koblenz die Trauung durch den Kaplan der US Army Edmund Easterbrook statt. Am 1. Oktober folgte die Hochzeit in der Kirche zu Höchstenbach.
Am 20. November 1921 kam die gemeinsame Tochter Else zur Welt. Die Familie lebte zu dieser Zeit in Hachenburg und der Vater Peter verdiente den Lebensunterhalt als Taxifahrer, ein absolute Weltneuheit für das kleine Westerwaldstädtchen.
Hier sehen wir die Familie mit ihrem schicken Chrysler, den Peter extra aus den USA hatte importieren lassen.
Die drei verbrachten unbeschwerte Jahre in Hachenburg, bis der 1. Weltkrieg und seine Folgen die van Roos wieder einholten. Am 4. September 1932 verstarb Peter im amerikanischen Krankenhaus in Koblenz an den Spätfolgen eines Senfgasangriffs, dem er in den Jahren 1917/18 ausgesetzt war. Hilda und Else werden untröstlich gewesen sein.
Noch im selben Jahr kehrten die beiden in den Gasthof der Eltern nach Mündersbach zurück. Hilda wurde nun ein unverzichtbarer Teil im Betrieb der Gastwirtschaft. Sie übernahm die Federführung in der Küche und sorgte bei den Gästen für unvergessene, feinschmeckerische Erlebnisse, von denen an späterer Stelle noch die Rede sein wird.
Eine Ansichtskarte des Gasthofs „Zur Post“ vermutlich aus den 1930er Jahren. Besonders schön der Blick in den Saal, der sich neben der Gaststube befand und durch einen kleinen Treppenabsatz erreichbar war. Frau Berndt meint sich daran zu erinnern, daß ihre Großmutter das Mobiliar, vor allem den hier zu sehenden Kapellenschrank, den davorstehenden Tisch und zwei große Spiegel, bei einer Versteigerung im Hachenburger Schloß erworben hat. Entdecken Sie die Beschläge auf den Türen des Buffets? Sie zeigen zwei Löwenköpfe mit Messingring, mit denen man das Möbelstück öffnen konnte. Bei ihnen dürfte es sich um den Hachenburger Löwen handeln, der sowohl das Stadtwappen als auch den Brunnen am Marktplatz ziert.
Eine Aufnahme, die anlässlich einer Kirmes in Mündersbach entstanden sein dürfte und im Hintergrund den Gasthof „Zur Post“ zeigt. Wir dürften uns zu Beginn der 1930er Jahre befinden und in der 2. Reihe als 5. von links sehen wir im dunklen Kleid die Gastwirtstochter Hilda van Roo geb. Altgeld. Wie oben bereits erwähnt, zog sie nach dem Tod ihres Mannes wieder zu ihren Eltern. 1936 verstarb dann auch der durch die Rheuma gezeichnete Wilhelm Altgeld. Von nun an sind es Laura und ihre Tochter, die zwei starken Frauen, die den Gastbetrieb aufrecht erhalten, ja sogar erweitern. Nach einer Modernisierung des Hauses boten sie Gästen auch Fremdenzimmer zum Übernachten an.
An alle gebürtigen Mündersbacher geht die Frage, ob sie weitere Personen der Kirmesgesellschaft erkennen. Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen!
Frau Jachmann und Frau Duchhardt, zwei gebürtige Mündersbacherinnen, haben sich das Foto mit der Kirmesgesellschaft eingehend angeschaut und können folgende Namen (in Klammern finden Sie die Rufnamen) den Personen zuordnen: 1 Robert Neuer (Grobschmitz), 2 Friedchen Schauß (Leps), 3 Frieda Kroppach (Duns), 4 Hilda van Roo (Erms), 5 Erna Schneider (Neifen), 6 Erich Strobel (Kouse), 7 Ewald Neif (Klosen), 8 Elli Scheyer, 9 Alfred Bell (Stenks), 10 Walter Jungbluth, 11 Willi Nöllgen (Nöllches), 12 Elisabeth Hasselbach geb. Päulgen (Päulches Lieschen), 13 Alma Ströder (Kouse), 14 Auguste Dörner geb. Pfeiffer, 15 Albrecht Pfeifer (Röwen), 16 Frieda Bell (Stenks), 17 Hulda Benner (Üwekätten), 18 Gustav Kroppach, 19 Anna Weber (Kalmatzen), 20 Albert Pfeiffer (Geschworen) u. 21 Gustav Düngen.
Das Gasthaus „Zur Post“ in den beginnenden 1950er Jahren.
Was für eine wunderbarer Schnappschuß! Vier Generationen der Altgeld-Familie auf einem Bild. Rechts mit ihrer Urenkelin, Laura Altgeld geb. Klein, die seit dem Umbau zum Gasthof die Geschicke des Hauses federführend leitete. Links neben ihr die Tochter Hilda verheiratete van Roo, die durch ihre exzellenten Kochkünste für den Betrieb unersetzlich wurde. Und vor den beiden Else van Roo verheiratete Stang, die das Erbe der Mutter und Großmutter bis in die 1960er Jahre weiterführte.
An dieser Stelle sei ein Dankesbrief zitiert, den ein Urlauberin aus Duisburg 1952 an die Familie richtete. Die Dame schreibt über ihren Aufenthalt in Mündersbach: „Liebe Frau Stang! Eine ganze Woche lang habe ich Trübsal geblasen. Ich konnte mich einfach hier nicht mehr eingewöhnen. Es war alles halt zu schön, zu harmonisch, als das man es so leicht wieder vergessen, wieder hergeben wollte. Und daran sind Sie, liebe Frau Stang, und ihre Mutter schuld. Sie, mit Ihrem Charme und der wundervoll sicheren Hand, die alles in die rechten Wege leitet und Ihre Mutter mit Ihrer Wärme, Ihrem Verständnis für alles und ihrer nicht anzufechtenden Kochkunst. Wenn ich an all die Leckereien denke, an das wundervoll zubereitete Hähnchen noch am letzten Sonntag – das Wasser im Munde läuft mir zusammen…“.
Der Gasthof „Zur Post“ nach seiner Grundsanierung in den 1950er Jahren. Die Inneneinrichtung entspricht ganz dem Zeitgeschmack dieser Jahre. Neben dem Ausbau des Dachgeschoßes und dem Einbau größerer Fenster in der Gaststube boten nun alle Fremdenzimmer den Gästen fließendes Wasser an. Zeitweise beherbergte das Haus bis zu 40 Pensionsgäste mit vier Mahlzeiten am Tag, wobei aus Platzmangel ein Teil der Urlauber im Dorf untergebracht werden mußte.
Erinnern sich die Älteren von Ihnen an den deutschen Boxer Peter Müller aus Köln? Fünfmal wurde er deutscher Meister im Mittelgewicht. Um 1956/57 hielt er sich im Gasthof „Zur Post“ auf und absolvierte in Mündersbach ein Trainingslager. Er bereitete sich auf die anstehende Europameisterschaft in der Dortmunder Westfalenhalle vor, bei der er gegen den Franzosen Charles Humez antreten mußte. Anlässlich seines Aufenthalts enstand diese Aufnahme mit der Gastwirtin Else Stang.
Bereits in den 1960er Jahren dachte die Familie über einen Verkauf des Anwesens nach, entschloß sich aber letztlich doch, die Räumlichkeiten einem Pächter zu überlassen. Gut zehn Jahre betrieb die Familie Petersdorf das Gasthaus, bevor sie ein eigenes Haus in Mündersbach erwarben und darin eine Metzgerei eröffneten. Es folgten einige kurze Pachtverhältnisse, bevor die Stangs 1971 den Gasthof veräußerten. In den darauffolgenden Jahren ging das Gebäude durch verschiedene Hände, wurde zum Schluß als Asylantenheim genutzt und verfiel zusehends. Um 1998 kaufte die Ortsgemeinde Mündersbach Bau und Grundstück und ließ es abreißen.

Muscheid

Haus der Familie Alsdorf
Der aus Rüscheid stammende Friedrich Alsdorf und seine in Muscheid geborene Frau Sophie geborene Klaas hatten sich am 16. April 1906 in der Puderbacher Kirche das Ja-Wort gegeben. Im Anschluß zog das Paar der Arbeit wegen ins Ruhrgebiet nach Essen. Friedrich fand hier eine Anstellung in einer der zahlreichen Fabriken. Doch die körperlich schwere Tätigkeit setzte seiner Gesundheit derart zu, daß das Paar mit den beiden Kindern Luise (1907) und Fritz (1910) um das Jahr 1911 zurück in die alte Heimat zog. Die jüngste Tochter Anna kam in „Muschend“ am 4. Oktober 1912 zur Welt.
Die Aufnahme zeigt das Paar mit ihren drei kleinen Kindern vor ihrem Anwesen an der heutigen Mittelstraße um das Jahr 1914. Ob sie das Fachwerkhäuschen mit dem kleinen Anbau fürs Vieh geerbt, selbst gebaut oder käuflich erworben haben, ist mir nicht bekannt.
Ein Jahr nach Entstehen der Fotografie starb Friedrich Alsdorf mit gerade mal 33 Jahren an den Folgen einer Tuberkulose, im Volksmund auch Schwindsucht genannt. (Beitrag vom 24.07.2023)
Würden Sie das Haus der Alsdorfs auf dieser Fotografie wiedererkennen? Vermutlich nicht, denn das kleine Fachwerkhäuschen ist einem Ziegelbau gewichen. Einzig der alte Stall lässt erahnen, wie sehr sich das Haus durch den Umbau verändert hat. Im Fenster sehen wir Sophie Alsdorf mit ihrer jüngsten Tochter Anna, eine verheiratete Fritsch. Die Fotografie selbst dürfte um 1930 entstanden sein. (Beitrag vom 24.07.2023)
Gasthof Neitzert
Vor Kurzem bekam ich die Gelegenheit, diese alte Ansichtskarte Muscheids aus den 1930er Jahren käuflich zu erwerben. Doch wußte ich weder, wo sich die Gastwirtschaft Neitzert befand, noch welcher Teil des Dorfes auf der Panoramaaufnahme zu sehen war. Hierbei kamen mir die Mitgliederinnen und Mitglieder der Facebook-Gruppe „Aktuelles aus, in und um Puderbach“ zur Hilfe. Herr Neitzert entdeckte auf der Ansicht des Dorfes die alte Schule, sodas man davon ausgehen kann, das der Fotograf sich südöstlich des Ortes mit seiner Kamera positioniert hat.
Das Gebäude des Gasthofs der Familie Neitzert befindet sich noch heute in kaum veränderter Form an der Mittelstraße Nr. 17. Bei den früheren Besitzern dürfte es sich um Friedrich Wilhelm Neitzert und seine Frau Karoline geborene Hartstang gehandelt haben, die um 1925 den Betrieb eröffneten. In späteren Jahren war es die Tochter Gertrud verheiratete Schneider, von allen „Hartstangs Gerda“ genannt, und ihr Mann Paul, die die Muscheider in der Gaststube bewirteten. (Beitrag vom 21.03.2022)
Sportverein
Um 1930 dürfte diese Aufnahme des Muscheider Fußballvereins entstanden sein. Die jungen Männer haben laut der kleinen Kreidetafel 2 : 1 gegen die Rüscheider Kicker gespielt. Die stolzen Gewinner sind von links nach rechts Walter Runkel, Fritz Alsdorf, Emil Fritsch, Karl Fritsch, Willi Schneider, der Torwart Christian Fritsch, Walter Kurz, Erich Runkel, Erich Damm, Peter Runkel und Willi Weber. Bei Emil, Karl und Christian Fritsch, sowie bei Walter und Erich Runkel handelt es sich um Geschwister. (Beitrag vom 30.05.2023)
Die Mitglieder des Sportvereins bei einem sonntäglichen Spaziergang zu Beginn der 1930er Jahre. Von links nach rechts sind zu sehen: 1. Reihe Walter Runkel, Heinrich Henn, Christian Neuer, Willi Schneider (ein Verwandter der „Mefferts“ aus Puderbach), Heinrich Schneider mit dem kleinen Paul und Emil Fritsch. 2. Reihe mglw. Peter Runkel, Willi Weber, Karl Fritsch, Erich Runkel, Christian Fritsch, Fritz Alsdorf und Erich Damm. 3. Reihe Helmut Klaas, Willi Runkel, Willi Höffken, Walter Fritsch und Willi Kambeck. (Beitrag vom 30.05.2023)

Niederwambach

Um 1906 wurde diese Postkarte von Niederwambach nach Puderbach verschickt. Ein wunderbarer Blick auf den Ort mit der Steimeler Straße. Am rechten, oberen Bildrand sehen wir die Evangelische Kirche des Dorfes, dessen Glockenturm noch aus romanischer Zeit stammt. Das Kirchenschiff und die Turmspitze wurden im 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil erneuert. Es folgt das alte Schulgebäude, das sich heute in Privatbesitz befindet. Die beiden Wege, die links von der Steimeler Straße abzweigen, sind der Ratzerter Weg und die Wiesenstraße. Von dem Gebäude der Gastwirtschaft Reusch, das auf der kleineren Fotografie zu sehen ist, sind heute nur noch Teile erhalten. Die rechte Haushälfte wurde im Zuge einer Straßensanierung abgerissen.
Diese Karte wurde 1910 abgestempelt und zeigt einen Blick auf Niederwambach aus südwestlicher Richtung. Bei der Straße im Vordergrund handelt es sich um den Ratzerter Weg. Die kleinere Aufnahme zeigt wieder die Gastwirtschaft der Familie Reusch, die an der Steimeler Straße lag. Am rechten Bildrand der Panoramaaufnahme, versteckt hinter dem langgezogenen Fachwerkgebäude, kann man das Anwesen noch erahnen.
Schmiede der Familie Kambeck
Ich war ganz begeistert, als mir die Nachfahren des Schmiedemeisters Friedrich Kambeck diese alte Fotografie zeigten. Sie dürfte um 1910 entstanden sein und zeigt die alte Werkstatt im Wambachtal, die bis ins 19. Jahrhundert noch als Ölmühle diente. 1873 ist es der Vater von Friedrich Kambeck, der am 11. Mai 1849 geborene Simon, der die mit einem Wasserrad betriebene Mühle von den Geschwistern Anton und Louise Hommer erwirbt. Anstelle des schweren Mühlsteines tritt ein Amboss nebst Schleiferei, mit der der versierte Handwerker feinste Äxte und Messer fertigt. Abnehmer sind vor allem die hiesigen Bauern und Zimmersleute.
Der hier zu sehende Friedrich Kambeck spezialisiert sich auf die Reparatur von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen. Er scheint zusammen mit einem Helfer die Reparatur einer Wagenradnabe vorzunehmen. Bei der Frau mit Kind dürfte es sich um seine Frau Katharina handeln. (Beitrag vom 9.03.2022)
Anwesen der Familie Kambeck
Vermutlich ebenfalls um das Jahr 1910 entsteht diese Aufnahme. Zu sehen ist das alte Wohnhaus der Familie Kambeck mit seiner wunderschönen Fachwerkfassade. Vor der geöffneten Haustüre haben sich die beiden Frauen des Anwesens aufgestellt, links Wilhelmine Kambeck geb. Dörenberg, die Mutter des Schmiedemeisters Friedrich Kambeck, und rechts seine Ehefrau Katharina eine geborene Saßmannshausen. (Beitrag vom 9.03.2022)
Hier eine Rückansicht des Gehöfts. Wie die meisten Familien im Westerwald betrieben auch die Kambecks neben dem Schmiedebetrieb Landwirtschaft. Der Hof mit Wohnhaus, Scheune und Stall zeugt davon. Hier scheint die Familie gerade mit dem Heu wenden beschäftigt zu sein. (Beitrag vom 9.03.2022)
Altes Wasserrad der Schmiede Kambeck
Bis Ende der 1940er Jahre treibt das alte Wasserrad der früheren Öhlmühle den Schleifstein der Schmiedewerkstatt an. 1949 wird das Mühlrad entfernt und die alte Schmiede umgebaut. Sie macht einer Werkstatt zur Herstellung landwirtschaftlicher Geräte Platz. (Beitrag vom 9.03.2022)
Vom Schmiedehandwerk zum Fahrzeugbau
Hier sehen wir Reinhold Kambeck, der in 4. Generation die ehemalige Schmiedewerkstatt in einen Betrieb zur Herstellung landwirtschaftlicher Fuhrgeräte und Maschinen umwandelt. Der Kippanhänger dürfte in seiner Werkstatt entstanden sein. Wie im Hintergrund zu sehen, wurde das alte Gehöft in den 1950er Jahren umfassend saniert und die Fachwerkfassade verschwand.
An dieser Stelle möchte ich mich bei den Nachfahren der Kambecks recht herzlich für Ihr Interesse und Ihre tatkräftige Mithilfe bedanken! (Beitrag vom 9.03.2022)

Oberdreis

Eine Postkarte von Oberdreis mit Blick Richtung Dorfkirche vermutlich aus den 1920er Jahren. Doch wo hat sich der Fotograf positioniert und seine Aufnahme gemacht? Könnte es sich bei dem Weg um die Ackerstraße handeln? Und wem gehörte das Fachwerkgebäude im Vordergrund?
Ein wunderschöner Blick auf die Oberdreiser Kirche und die sie umgebenden Häuser um 1930. Der Weg, der um den Kirchberg herumführt, müßte die heutige Wilhelmstraße sein und im Vordergrund meint man das Bett des Dreisbaches zu erkennen. (Beitrag vom 22. November 2021)
Oberdreiser Kirche
Ein Blick ins Innere der Oberdreiser Kirche um das Jahr 1930. Die erste urkundliche Erwähnung des Kirchenbaus geht auf das Jahr 1253 zurück. Nachdem 1763 der Kirchturm einstürzte, wurde das Gebäude zwischen 1792 bis 1795 fast vollständig im spätbarocken Stil neu errichtet.

Oberirsen

Um das Jahr 1957 dürften diese beiden Aufnahmen entstanden sein. Vermutlich handelt es sich um einen Festumzug, bei dem die frisch gekürte Maikönigin von Marenbach auf einem geschmückten Pferdefuhrwerk der Einwohnerschaft präsentiert wird. Gerade bewegt sich der Tross mit den zahlreichen Teilnehmern über die Schulstraße in die Dorfmitte von Oberirsen.
Rege nehmen die Ortsbewohner und Ortsbewohnerinnen von Marenbach, Oberirsen und den anderen umliegenden Ortschaften an dem Mai-Umzug teil. Erkennt jemand ein bekanntes Gesicht unter den Zuschauern und Teilnehmern? Wem gehören die beiden Anwesen, die man im Hintergrund sieht? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 10.07.2022)

Oberwambach

Vom harten und oftmals entbehrungsreichen Leben auf dem Land ist auf dieser Fotografie kaum etwas zu spüren. Alles wirkt extrem idyllisch und harmonisch. Wo genau sich der Hof von Karoline Schneider verheiratete Weingarten befand, kann ich nicht sagen. Hier steht sie am oberen Treppenabsatzs des schmucken und mit Laub umwachsenen Fachwerkhauses. Der Pfeife schmauchende alte Herr im Hof ist ihr Großvater, der „Abbab“, der sich anscheinend mit den beiden Urenkeln, dem kleinen Werner und der älteren Paula, die Zeit vertreibt.
Die Aufnahme dürfte zwischen den Jahren 1910 bis 1920 entstanden sein. Weiß ein gebürtiger Oberwambacher, an welcher Stelle im Dorf sich der gepflegte Hof der Schneiders bzw. Weingartens befand bzw. ob das Gebäude heute noch steht? (Beitrag vom 14. November 2021)
Das Fotoatelier Carl Käppele aus Altenkirchen produzierte in den 1950er Jahren diese Postkarte von Oberwambach.

Orfgen

Am 15. August 1916 verschickt ein gewisser Heinrich Noll diese wunderbare Postkarte von dem bei Flammersfeld gelegenen Dorf Orfgen an einen guten Freund nach Essen. Seine Zeilen seien hier erwähnt, da sie einen interessanten Einblick gewähren in den von Landwirtschaft und Natur geprägten Alltag des Landstrichs. Er schreibt wie folgt:
„…Hier ist eine wunderbare Gegend. Wald und Feld wechseln nur so miteinander. Werktags gehe ich öfters mit aufs Feld. Korn ist jetzt alles ab. Abends wird das Vieh gefüttert. Einmal ist uns eine Kuh durchgebrannt. Das gab eine Jagd u. Lauferei. Wärendem hatten wir unsere liebe Not, daß wir das übrige Vieh hielten. Sonntags geht es in den sogenannten Hückwald, der die Landschaft fast von der ganzen Umgebung trennt…“
Die Ortschaft Orfgen gehört zur Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld und setzt sich aus den vier Ortsteilen Berg, Hahn, Höllburg und Hofacker zusammen. Doch welchen Teil des Dorfes sehen wir auf der alten Ansichtskarte? Könnte das im Vordergrund das 1910 neu errichtete Schulgebäude sein? Vielleicht kann mir ein Ortsansässiger bei der Beantwortung der Frage behilflich sein! (Beitrag vom 7.02.2022)

Raubach

Eine Postkarte mit einem wunderbaren Blick auf Raubach um 1930. Mir scheint es, daß die Ansicht von einer Anhöhe Richtung Elgert gemacht wurde. Rechts erkennt man die alte romanische Kirche und links daneben das 1901 errichtete Schulgebäude. Bei der Gaststätte Frantzmann bin ich mir nicht sicher, ob sie sich damals wie heute an der Schefferstraße Ecker Elgerter Straße befand. Vielleicht kann mir da ein alteingessener Raubacher helfen!
Auch diese Postkarte, die 1940 verschickt wurde, zeigt Raubach aus einem ähnlichen Blickwinkel. Nach einer angeregten Diskussion mit Ortskundigen kamen wir zu dem Schluß, daß der Fotograf sich unterhalb des heutigen Schützenhauses, weit links von der Elgerter Straße an einer Anhöhe positioniert haben muß. (Beitrag vom 6. Dezember 2021)
Max und Julius Jonas
Das Niederwald-Denkmal bei Bingen muß in den 1920er und 30er Jahren ein sehr beliebtes Ausflugsziel gewesen sein. Diese Fotografie dürfte um 1925 entstanden sein und zeigt rechts die Geschwister Max (sitzend) und Julius Jonas (stehend) aus Raubach. Beide haben mit anderen Fußballbegeisterten 1921 den Sportverein Grün-Weiß gegründet. Die Eltern der beiden sind der 1850 in Raubach geborene Wilhelm Jonas und seine aus Roßbach stammende Frau Johanna geborene Moses. Weitere Geschwister sind Hermann (im 1. Weltkrieg gefallen), Klara, die den Metzger Hermann Levy aus Steimel geheiratet hat (siehe auch die Fotografie unter Steimel) und Samuel Jonas. Max, Julius und der Schwester Klara gelingt die Flucht nach Argentinien, der Bruder Samuel und die Mutter Johanna werden von den Nazis umgebracht. Die anderen Personen sind von links: stehend Betti Tobias verh. Kahn, vor ihr sitzend der Bruder Leo Tobias, rechts neben Betti Arthur Aron, vor Arthur sitzend seine Cousine Ruth Aron verh. Tobias und rechts neben ihr stehend die Schwester Martha Aron verh. Wolff. Sie alle stammen aus Puderbach.

Link:

https://svraubach.de/index.php/verein/6-ueber-uns

Der Vater Wilhelm Jonas
Am 15. November 1928 erscheint in der illustrierten Beilage „Aus alter und neuer Zeit“ des Hamburger Israelitischen Familienblatts ein Artikel über den zu diesem Zeitpunkt bereits 78 Jahre alten Wilhelm Jonas aus Raubach. Der Redakteur schreibt: „Trotz seines hohen Alters ist der rüstige Mann noch heute praktisch in der Landwirtschaft tätig und mäht u.a. ununterbrochen halbe und sogar ganze Tage. Daß Herr Jonas bei aller Schollenverbundeheit auch ein begeisterter Jude ist, beweist die Tatsache, daß er über 60 Jahre lang in den Nachbargemeinden Urbach und Puderbach ehrenamtlich als Vorbeter gewirkt hat.“

Reichenstein

Die drei Bilder auf dieser Postkarte stammen von dem Kölner Fotografen Agust Sander. Zum einen eine wunderbare Aufnahme der baumbestandenen Landstraße in Richtung Puderbach, oben rechts ein Blick auf Reichenstein und Burgruine aus südwestlicher Richtung. Wissen Sie, wo sich das Ruheplätzchen „Wilhelmshöhe“ befand?
Eine alte Postkarte von Reichenstein aus dem Jahr 1920, die im Vordergrund den Beginn der Burgstraße zeigt. (Beitrag vom 6.02.2022)
Raubritter Reichenstein
Wer von den Männern auf diesem Foto mag wohl auf den kuriosen Vereinsnamen „Raubritter Reichenstein“ gekommen sein und in welchem Jahr hat sich der Fußballclub gegründet? Das Bild entstand um das Jahr 1925 und in der Mitte mit Ball ist der 1905 in Reichenstein geborene Willi Sommer zu sehen, auch „Igotts Willi“ genannt, der nach seiner Heirat nach Breitscheid verzog. Doch wer sind die anderen jungen Fußballspieler, die auf der Aufnahme zu sehen sind? Vielleicht kann mir da ein gebürtiger Reichensteiner helfen! (Beitrag vom 27. Oktober 2021)
Nachtrag: Inzwischen konnten zwei weitere Fußballer namentlich zugeordnet werden. Ganz links stehend erkennen wir den 1904 in Richert geborenen Ernst Velten, der nach seiner Heirat nach Woldert verzog. Und links neben Willi Sommer sitzt Wilhelm Rosenberg, der im Jahr 1904 in Reichenstein als Sohn des Schusters Simon Rosenberg und seiner Frau Maria Elisabeth geborene Nies zur Welt kommt. In späteren Jahren kickt er bei dem Fußballclub „Schwarz-Weiß Puderbach“ mit. (Ergänzung vom 22. November 2021)
Eien weitere Aufnahme des berühmten Fotografen August Sanders, die vermutlich um 1930 entstanden sein wird. Man sieht auf ihrem Hügel thronend die Burgruine Reichenstein. Zu ihrer Linken liegt die Ortschaft, die ebenfalls den Namen der früheren Burgherren zu Reichenstein trägt. Die Silhouette des verfallenen Baus fanden 1971 Eingang in das Puderbacher Wappen.
Tag der nationalen Arbeit?
Diese Aufnahme entstand vermutlich um 1934 auf dem Gelände der Grube „Reichensteinerberg“. Leider ist nicht überliefert, aus welchem Grund sich die Mitarbeiter des Bergwerks auf dem geschmückten Pritschenwagen haben ablichten lassen. Das frische Birkengrün, das das Automobil ziert, erinnert aber sehr an das traditionelle Aufrichten des Maibaums.
Möglicherweise waren die Männer auf dem Weg zu den Feierlichkeiten zum „Tag der nationalen Arbeit“. Die Nationalsozialisten hatten 1933 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag erhoben und zum „Tag der Volksgemeinschaft“ nationalideologisch umgedeutet. Er ging mit einem Art Frühlingsfest einher, bei dem Abordnungen der SA, SS, der Wehrmacht und Hitlerjugend und Teile der DAF (Deutsche Arbeitsfront) aufmarschierten. Letztlich nehmen ihn die Machthaber zum Anlass, die freien Gewerkschaften des Landes zu zerschlagen, ihre Funktionäre zu verhaften und ihr Vermögen zu beschlagnahmen. (Nachlass Heuchemer/Beitrag vom 6.02.2022)
Schulklasse
Um 1936 dürfte diese Aufnahme der Reichensteiner Schulklasse mit ihrem Lehrer Herrn Bott entstanden sein. Zu den Schülerinnen und Schülern gehörten auch Kinder der Ortschaften Haberscheid, Richert und Strunkeich. Leider sind mit namentlich nur die beiden Töchter des in Richert lebenden Karl Velten bekannt. Ganz vorne rechts mit schwarzem Rock und hellem Oberteil steht die sechsjährige Anneliese Velten (verh. Greb) und links hinter ihr Helga Velten (verh. Runkel), ihre drei Jahre ältere Schwester. Liebe Leserinnen und Leser, erkennen Sie weitere Personen auf dem Schulbild? Erinnert sich jemand an jenen Lehrer Bott, der von 1932 bis 1948 der Reichensteiner Schule vorstand? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 30.10.2023)

Rengsdorf

Vom kleinen Westerwalddorf zum Luftkurort

Der Wandel Rengsdorfs vom einer unbedeutenden Ansiedlung zum florierenden Luftkurort ist der Verdienst des 1889 gegründeten Verkehrs- und Verschönerungsvereins, kurz VVV, zu dessen Honoratioren der Kurtscheider Pfarrer Schütz sowie der Oberförster André gehörten. Bereits 1890 sind sich alle Beteiligten der Interessensgemeinschaft einig, daß man Rengsdorf zum Kurort umbauen möchte. Noch verirren sich nur zwanzig Gäste in den verschlafenen Flecken im Westerwald. Nun beginnt eine rege Bautätigkeit, in der man die umliegenden Felder und Wälder mit Fußpfaden und Wanderwegen befestigt, den Besuchern und Besucherinnen Ruhebänke, Zierbrunnen und Aussichtspunkte zum Verweilen anbietet, ein Badehaus und Tennisplatz eröffnet und natürlich das Netz an Gaststätten, Restaurants und Hotels erweitert. Finanzielle Unterstützung findet die Gemeinde und der VVV u.a. in dem Unternehmer Friedrich Karl Henkel, der seit 1912 in einer komfortablen Villa am Ortsrand residiert.

Bereits nach kürzester Zeit tragen die Bemühungen des Vereins reiche Früchte. Stattliche 2461 Kurgäste besuchen den 900 Einwohner zählenden Kurort im Jahr 1904. 1907 hat sich die Zahl schon fast verdoppelt. 4383 Touristen, viele davon aus der Kölner Gegend, verweilen in dem inzwischen schicken Erholungsort. Aber auch internationales Publikum aus Amerika, England, Frankreich, Spanien, der Türkei und Österreich finden den Weg in die Ortschaft. 1913 sind fast alle Häuser Rengsdorfs ans Stromnetz angeschloßen und stolze 8578 Dauergäste kann die Gemeinde zählen. Welch eine Erfolgsgeschichte!

Am 26. August 1900 verschickt ein Kurgast diese Postkarte. 1897 hat die Gemeinde Rengsdorf den Betrieb eines öffentlichen Bades aufgenommen und bietet drei Jahre später schon 1900 Reinigungsbäder an. Unten links ist das Gebäude zu sehen. Dem Umbau des Dorfes zum Kurort fällt die alte und zu klein gewordene evangelische Kirche zum Opfer, die hier noch zu erkennen ist. Das marode und baufällige Gebäude passt nicht mehr ins Bild einer aufstrebenden Gemeinde. 1904 wird mit dem Bau eines neugotischen Kirchenschiffs begonnen, indem man den neu zu errichtenden Teil einfach an den bestehenden Glockenturm anfügt und nach Fertigstellung desselben den alten Bau abträgt. Der Turm bleibt erhalten, bekommt aber ein neues, spitzes Dach. (Beitrag vom 3. November 2021)

Richert / Strunkeich

In welchem Jahr mag die Aufnahme der kleinen Ortschaft Richert wohl entstanden sein? Möglicherweise befinden wir uns in den 1920er bzw. 1930er Jahren. Es ist Winter und Häuser und Felder sind von einer dichten Schneeschicht bedeckt. Am Horizont erkennt man noch die Höfe des Örtchens Strunkeich.
Die erste urkundliche Erwähnung Richerts stammt wohl aus dem Jahr 1344. Damals befand sich an dieser Stelle das Hofgut „Rüchert“, in späteren Jahren auch „Reichhart“ genannt, ein Anlage, die vermutlich aus einem Wohnhaus, mehreren Wirtschaftsgebäuden, Wiesen, Feldern und einem dazugehörigen Weiher bestand. Auch Strunkeich war ein solcher Einzelhof. In Vergessenheit geraten ist der Hof Rutschberg („Rutzberg“), der wohl im 17. oder 18. Jahrhundert aufgegeben wurde. Wo mag er sich befunden haben?
Nur zehn bewohnte Häuser befanden sich 1893 in den zwei kleinen Ortschaften, sieben davon gehörten zu Richert. Zu den Familienvätern, die in den beiden Weilern mit ihren Angehörigen lebten, gehörten u.a. der Ackerer Christian u. Heinrich Weingarten, Friedrich Wilhelm Schneider, Philipp Klaas, Joh. Simon Velten und der Wagner Heinrich Hoffmann. (Beitrag vom 30.10.2023)
Heuernte in Richert. Bei den Personen dürfte es sich um Angehörige der Familie Velten handeln. (Beitrag vom 30.10.2023)

Rodenbach

Eine alte Postkarte wahrscheinlich um 1900 entstanden. Nach Rücksprache mit dem früheren Bürgermeister des Ortes Herrn Zimmermann, der ein exzellenter Kenner der Rodenbacher Geschichte ist, kann man annehmen, daß es sich bei dem Haus um das der Familie Nöllgen handelt, indem sich früher die Gaststätte des Andreas Born befand. Es liegt an der Ecke Bismarckstraße/Zum Weiher und steht in veränderter Form noch heute dort.
Gaststätte des Andreas Born in Rodenbach
Hier sehen sie eine sehr frühe Aufnahme des Gasthofs Born. Von den Personen, die sich vor dem Anwesen aufgestellt haben, sind nur zwei eindeutig zuzuordnen und namentlich zu benennen. Vor dem Zaun sitzend (4. P.v.l.) sehen sie den Bruder des Gastwirts, den langjährigen Ortsvorsteher Wilhelm Born. Links neben ihm im schwarzen Kleid steht seine Frau Luise eine geborene Schumann. Man kann mutmaßen, daß das Ehepaar hinter dem Zaun den stolzen Gasthofbetreiber Andreas Born mit seiner Ehefrau Maria Sophia Luise geborene Klauer zeigt. Vergleichen Sie es einmal mit den Personen auf der Postkarte oben.
Kriegerverein Rodenbach
An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei dem ehemaligen Ortsbürgermeister Herrn Lothar Zimmermann bedanken, der mir eine ganze Reihe alter Fotografien von Rodenbach zur Verfügung stellte. Zu diesen gehört diese Aufnahme, die um 1900 enstanden sein dürfte und den Kriegerverein des Ortes zeigt. Dieser Verbund ehemaliger Frontsoldaten und Reservisten diente nicht nur der Kameradschaftspflege und der Geselligkeit. Mitglieder und ihre Familien wurden bei Bedürftigkeit auch finanziell unterstützt. Desweiteren förderten sie die Errichtung von Kriegerdenkmälern zur Erinnerung an gefallene Kameraden.
In der ersten Reihe sehen wir als 7. von rechts Christian Zimmermann, den Großvater des früheren Bürgermeisters. Versammelt haben sich die Männer vor der Gastwirtschaft Born, über die ich bereits weiter oben berichtet habe. Inzwischen ist Otto Born der Besitzer, vermutlich der Sohn der früheren Eigentümer. Mag er es sein, der aus dem Fenster im oberen Stockwerk schaut?
Desweiteren bitte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich das Bild einmal genauer anzuschauen. Entdecken Sie einen Ihrer Vorfahren in den gedienten Männern? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 10.06.2024)
Die Familie Tobias aus Rodenbach
Das Ehepaar Gustav und Selma Tobias aus Rodenbach.
Dieses alte Schulfoto dürfte um das Jahr 1926 entstanden sein und zeigt die Rodenbacher Schulklasse mit Lehrer August Schöneberg. Unter den Schulkinder entdecken wir die beiden jüngsten Töchter von Gustav und Selma Tobias, die 1919 geborene Sabine (hintere Reihe, 5. von links mit hellem Kleid) und ihre ein Jahr jüngere Schwester Herta (links neben der Schwester mit dem gleichen Kleid). Beiden gelingt 1939 die Emigration in die USA. Herta wird nach ihrer Ankunft in New York den aus Puderbach stammenden Ludwig Aron heiraten.
Erkennt ein gebürtiger Rodenbacher weitere Personen auf dem Bild? (Beitrag vom 19. November 2021)

An dieser Stelle sei an die jüdische Familie Tobias aus Rodenbach erinnert. Gustav Tobias wird am 20. Mai 1873 im nahegelegenen Oberdreis geboren. Seine 15 Jahre jüngere Ehefrau Selma kommt in Steimel zur Welt und ist eine Schwester des dortigen Metzgers Hermann Levy. Das Ehepaar hat vier Töchter, von denen drei rechtzeitig in die USA emigrieren können. Nach den erschütternden Erlebnissen der Pogromnacht am 10. November 1938 verzieht das Ehepaar zusammen mit der ältesten Tochter Ortense nach Köln. Dort leben Sie bis zu ihrer Deportation in der Weidengasse Nr. 63/65. Am frühen Morgen des 7. Dezember 1941 werden Gustav, Selma, Ortense und ihr Ehemann Moritz Aron mit 973 weiteren jüdischen Bewohnern Kölns in das Ghetto Riga in Lettland deportiert. Unter welchen Umständen die vier ums Leben kommen, konnte nie geklärt werden.

Links:

Geschichte der Familie Tobias

Deportationsliste vom 7. Dezember 1941 von Köln nach Riga

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411207_1.jpg

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411207_45.jpg

Ghetto Riga

https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Riga

Kindergarten Rodenbach
Dieses Bild einer Kindergartengruppe aus Rodenbach entstand zu Beginn der 1940er Jahre. Die Kindergärten der damaligen Zeit wurden von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, kurz NSV, betrieben. Die Kindergärtnerin ist Erna Fuchs geb. Müller und die Kinder sind von links nach rechts: Luise Hering, vorne Erika Wagner, dahinter Hannelore Noll, Manfred Hachenberg, vorne Waltraud Marth, dahinter Inge Hoffmann, Gerhard Hachenberg, vorne Marlene Wagner, dahinter Christel Höller, Liselotte Marth, mit Pudelmütze Waldemar Marth, dahinter Ernst-August Schneider, vorne Inge Kunz, dahinter Luise Schumann, Reinhold Klum, vorne Lothar Zimmermann und hinten Ursula Wagner.
Schule in Rodenbach

Bei meinem geschichtlichen Abriss zum Schulwesen in Rodenbach greife ich u.a. auf das Buch von Albert Harth „Vom Holzbach zur Wied“ zurück. 
Eine erste urkundliche Erwähnung eines eigenen Lehrers für Rodenbach, sein Name war Wilhelm Zimmermann, geht auf das Jahr 1799 zurück. Zuvor mußten die Kinder Rodenbachs zu Fuß zum Schulunterricht ins rund 5 km entfernte  Niederwambach laufen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fasst Rodenbach zusammen mit seinen Nachbarortschaften Udert und Neitzert den Plan, ein eigenes Schulhaus zu bauen. 1828 kann der Unterricht in dem einklassigen Schulraum beginnen.
In den Jahren 1850 bis 1921 sind folgende Lehrer an der Volksschule in Rodenbach tätig: von 1850 bis 1893 ein Lehrer Wolf, ab 1893 Lehrer Marten, um 1897 Lehrer Frey, ein Lehrer Ecke aus Breslau, um 1905 Lehrer Kutscher und danach Herr Lehrer Schmitz.

Eine Aufnahme, die um 1895 vorm alten Schulhaus in der gleichnamigen Schulstraße entstanden sein dürfte. Leider hat sich keine Namensliste der damaligen Schüler erhalten, noch kennen wir den Namen des Lehrers, der hier zwischen den Schulbuben sitzt. Ob es sich möglicherweise um Lehrer Marten handelt?
Lehrer Frey mit den Mädchen der einklassigen Schulklasse um 1902. Der frühere Ortsbürgermeister Zimmermann erkannte in der dritten Reihe als fünfte von rechts seine Tante Karoline Zimmermann, eine geborene Jung. Das Mädchen war 1890 geboren und dürfte auf der Aufnahme um die 12 Jahre alt gewesen sein.

Um 1920 beschließt die Gemeinde ein neues, größeres Schulgebäude zu errichten. Am 1. Oktober 1921 kann der stilvolle Neubau an der Neitzerter Straße eingeweiht werden. Drei Monate später, am 1. Januar 1922 nehmen Lehrer Schmitz und sein neuer Kollege Lehrer August Schöneberg den Unterricht in zwei separaten Klassenräumen auf.

Das 1922 in Betrieb genommene zweiklassige Schulgebäude an der Neitzerter Straße.
Das 1922 in Betrieb genommene zweiklassige Schulgebäude an der Neitzerter Straße.
Lehrer Schmitz mit den Mädchen und Jungen der Rodenbacher Schulklasse möglicherweise um 1918.
Der Zweitlehrer August Schöneberg mit seinen Schutzbefohlenen um 1922.
Der Lehrer August Schöneberg

Besonders interessant und gut dokumentiert ist die Vita des am 15. November 1896 in Oberhonnefeld geborenen August Schöneberg. Seine Ausbildung zum Schulmeister erhält er im Lehrerseminar in Neuwied. 1914 mit Kriegsbeginn enden seine Studien abrupt. Er wird einberufen und an die Front nach Frankreich verlegt. Erst während eines Fronturlaubs kann er seine erste Lehrerprüfung erfolgreich ablegen. Im Mai 1918 erleidet er auf dem Schlachtfeld eine schwere Verwundung und gerät im Anschluß in englische Kriegsgefangenschaft. 1920 kann er seine erste Lehrerstelle in Gönnersdorf in der Eifel antreten. Doch bereits 1921 übernimmt er die Zweitlehrerstelle in Rodenbach. Das Westerwalddorf wird ihm zur Heimat und die Lehrerstelle eine Berufung. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1961 versieht er seinen Dienst hingebungsvoll und von den Dorfbewohnern äußerst geschätzt.

Lehrer Schöneberg mit sieben seiner Schülerinnen und Schüler am Tage ihrer Konfirmation. Bei den Mädchen handelt es sich links um Johanna Nöllgen aus Rodenbach und rechts um Helga Ramseger aus Neitzert. Die Aufnahme könnte um das Jahr 1932 entstanden sein. Wer mögen die verbleibenden Jugendlichen sein?
Lehrer Schmitz mit einem Teil der Rodenbacher Schülerinnen und Schüler. Bis auf einen einzigen Knaben in Zivil tragen alle Jungen der Klasse die HJ-Uniform. Vermutlich befinden wir uns um das Jahr 1939, als der sogenannte „Jugenddienst“ in der Hitler-Jugend Pflicht wurde. In späteren Jahren, nach dem Ende der Nazi-Diktatur, machte der Besitzer des Bildes das Hakenkreuz auf der Fahne unkenntlich.
Lehrer Schmitz und Lehrer Schöneberg mit beiden Klassen der Rodenbacher Schule. Wenn ich mich nicht verzählt habe, so komme ich auf insgesamt 65 Schülerinnen und Schüler, die sich auf zwei Klassen aufteilten. Eine komplette Namensliste der Kinder liegt mir bisher nicht vor. Vielleicht können Sie, liebe Leserinnen und Leser, bei der Vervollständigung des Verzeichnisses helfen.
Um 1940 entstand dieses Foto mit Kindern der Rodenbacher Schule und dem damaligen Lehrer August Schöneberg. Bei der Aufzählung der Schüler und Schülerinnen steht das R für Rodenbach, das U für Udert und das N für Neitzert. Durchnummeriert sind zu sehen: 1 Käthe Reusch R, 2 Helmut Henn U, 3 Hans-Werner Marth R, 4 Melitta verh. Kölbach N, 5 Luise Becker N, 6 Elfriede Becker N, 7 Helene Ströder N, 8 Lieselotte Zimmermann R, 9 Rudi Wagner R, 10 Rudi Marth R, 11 Günther Schuhmacher R, 12 Erich Hoffmann R, 13 Kurt Marth R, 14 Alfred Brinkmann R, 15 Else Kechel R, 16 Irene Schmidt N, 17 Helma Ramseger N, 18 Elisabeth Wagner R, 19 Luise Wagner R, 20 Ingeborg Schneider N, 21 Ilse Ramseger R, 22 Adelheid Marth R, 23 Lehrer August Schöneberg, 24 Elli Blum R, 25 Walter Klein U, 26 Heinz Marth R, 27 Gretchen Flick U, 28 … Flick U, 29 Günther Marth R, 30 Helmut Marth R, 31 Willi Blum N und 32 Ernst Marth R.


Schönebergs schriftstellerische Leidenschaft entwickelt sich bereits in frühen Jahren. Zu seinen ersten Veröffentlichungen gehört der Roman „Mensch unter dem Knüppel“ aus dem Jahr 1931, gefolgt von „Wir schaffen’s“ im Jahr 1935. Danach findet er keinen Verlag mehr, der seine Werke herausbringen würde. Möglicherweise liegt es an seiner kritischen Haltung gegenüber den nationalsozialistischen Machthabern. Er selbst war vor der politischen Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 Parteimitglied der SPD. Ein weiterer Beleg dafür mag das 1974 erschiene Buch „Hitler-Fahnen über dem Westerwald – Schicksal einer Westerwälder Bauernfamilie unter der Hakenkreuzfahne“ sein. Zu seinen weiteren Publikationen gehören der kleine schwarz-weiß Bildband „Westerwald“ von 1968, „Lachender Westerwald – Geschichten aus dem Lachkästchen unserer Vorfahren“ aus dem Jahr 1972 und „Schäfer Jakob und sein Hund – Erzählungen aus den Tagen unserer Vorfahren“ von 1973.
Am Samstag, den 13. August 1977 verstirbt August Schöneberg mit fast 81 Jahren in seinem Haus in Rodenbach.

Nach Schönebergs 40jähriger Tätigkeit folgen die Lehrer in rascher Folge. Dies sind Herr Pessler (1961-64), Herr Kirsch (1964/65), Bodo Schmidt (1965-68) u. Herr Lauth (1968/69). Zum Ende des Jahres 1969 müssen alle Kinder der Verbandsgemeinde an die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule nach Puderbach wechseln und der Unterricht in Rodenbach wird eingestellt. (Beitrag vom 26. Juni 2023)

Blick auf Rodenbach und die Oberdreiser Straße
1945 entstand diese Aufnahme, die Rodenbach mit der Oberdreiser Straße zeigt. Im Vordergrund ist Emma Zimmermann geb. Brauer zu sehen, die mit ihrem Ochsengespann der Feldarbeit nachgeht. Ihr Mann Ewald ist zu dieser Zeit bereits in russischer Gefangenschaft. Die Verhältnisse in den Lagern Rußlands sind so hart, die Versorgung mit Lebensmitteln so schlecht, daß Ewald Zimmermann an Unterernährung und Hunger sterben wird.
Krippenspiel
Eine Krippenspiel-Aufführung vermutlich Ende der 1940er Jahre im Rodenbacher Schulhaus. In der ersten Reihe steht mit ihren dunklen Haaren Liselotte Marth aus Rodenbach (3.v.r.) Erkennen Sie weitere Personen auf dem Foto?
Rodenbacher Kirmes

Hier ein paar wunderbare Aufnahmen der „Rulemer Kermes“ aus den 1950er Jahren.

Die Rodenbacher Kirmes im Jahr 1953. Die Lebensfreude auf dem Bild springt sofort auf den Betrachter über. In der vorderen Reihe sind von links nach rechts zu sehen: Ilse Ramseger, Christel Kunz, Elli Blum, Hans-Werner Marth, Inge Kurz, Liselotte Marth und Luise Hering verh. Schmidt. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Hier der Rodenbacher Kirmes-Umzug im Jahr 1955. Vorne auf dem Traktor sitzen Karl Hering und seine Frau Emma eine geborene Schumacher.
Hier sieht man von rechts nach links auf dem Umzugswagen sitzen: Hannelore Zerres aus Udert, Lothar Zimmermann aus Rodenbach, Luise Hering verh. Schmidt aus Rodenbach, …, Anna Bahl, Leni Noll aus Rodenbach und Elfriede Schuhmann aus Ingelbach später verh. nach Rodenbach.

Roßbach

Um das Jahr 1910 dürfte diese alte Postkarte von Roßbach im Umlauf gewesen sein. Neben einer hübschen Ansicht des sogenannten Oberdorfes und einer Straßenansicht entdecken wird die Gastwirtschaft Zerres, vor der sich eine große Zahl an Schaulustigen für den Fotografen versammelt hat.
Meine Recherchen haben ergeben, daß die Gastwirtschaft um 1873 von dem früheren Bergmann Ludwig Brost und seiner Frau Anna Maria Eleonore geb. Müller gegründet wurde. Damals gab es neben der Gaststube einen Kramladen, in dem die Dorfbewohner Dinge des alltäglichen Bedarfs kaufen konnten. Die Wirtschaft wird Anlaufstelle für die zahlreichen Kumpels des nahegelegen Bergwerks gewesen sein. 1873 heiratete die 21jährige Tochter Luise den ebenfalls aus Roßbach kommenden Heinrich Zerres und die Gastwirtschaft wechselte den Namen.
Sehen Sie neben dem Wirtshaus den kleinen Anbau? Dort wurde 1894 die erste Poststelle von Roßbach eingerichtet, die ebenfalls das Ehepaar Zerres leitete.
Das Gasthaus erfreute sich so großer Beliebtheit, daß extra ein Saal für große Feste und Feierlichkeiten gebaut wurde. Kann mir ein gebürtiger Roßbacher sagen, wo sich dieser Festraum befand? Hat er die Jahrzehnte überdauert? Was wurde aus der Gaststätte und seinen Besitzern? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen!
Nachtrag: Frau Udert aus Roßbach hatte meine Anfrage gelesen und konnte mir einige weiterführende Informationen zum Gasthof Zerres geben. Neben dem Gastbetrieb führte die Familie eine Bäckerei und versorgte die Dorfbewohner mit frischen Brot und anderen Backwaren. Der Saal für Feiern und andere Veranstaltungen befand sich hinter dem Hauptgebäude. Man kann ihn auf der Fotografie mit dem Gasthof im Hintergrund noch erahnen. Die Schulkinder der 1960er Jahre absolvierten hier ihre Turnübungen. Die Gastwirtschaft selbst schloß am 4 November 1967 ihre Tore und zu Beginn der 1980er Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Eine Postelle in Roßbach existierte noch bis zum 26. Oktober 1996. (Beitrag vom 7.08.2023)
Schulfoto
Das ich ein altes Schulfoto aus Roßbach von 1920 in einer Wohnstube in Puderbach wiederfinden würde, hätte ich nicht gedacht. Doch zwei der drei Töchter von Paul und Ida Nieß geb. Selbach, die auf der Aufnahme zu sehen sind, hatten „Pullerbächer“ Jungs geheiratet. Mein Dank geht an dieser Stelle an Frau Kambeck, die mir freundlicherweise die Fotografie zur Verfügung gestellt hat. Bei der folgenden Namensliste sei erwähnt, daß die Kinder mit ihrem Rufnamen bezeichnet werden. Abweichende Geburts- oder Ehenamen stehen in Klammern dahinter. Von links nach rechts sehen Sie 1. Reihe: Klauersch August (Kunz), Sannsches Arthur (Simon), Ohler-Boggerts Heinrich (Demuth), Haas-Pittersch Heinrich (Theis), Weyers Karl, Hannerwens Alfred (Zerres), Hennersch Walter (Schneider), Zeilers Gustav u. Simons Kurt (Nieß). 2. Reihe: Simons Paul (Nieß), Schütze Arnold, Selbachs Ida (verh. Nieß), Lursch Anna (Krämer), Scholzen Erna (Franz), Müllersch Gertrud, Schnälersch Gerda (Ohlemacher), Hann-Willms Johanna (Theis), Weingartens Johanna (Schneider), Selbachs Frieda (Tönges), Wiessefranz Elfriede und Schmitz Minna. 3. Reihe: Panthels Heinrich, Dills Irene (Müller), Kiefersch Alma (Müller), Evetrings Paula, Steins Rosa (Mertgen), Pittersch Frieda (Kunz), Lursch Irene (Schneider), Lissjes Johanna, Hansemunz Minna (Demuth), Kienz-Pittersch Ida (Zerres), Scholzen Hilda (Selbach), Selbachs Emil u. Altfried Nieß. 4. Reihe: Lehrer Scherber, Schustersch Emil (Schneider), Kunz Gustav (Schmidt), Uschmanns Arthur (Henn), Basten Heinrich (Schneider), Schütze Otto, Kiefersch Alfred (Henn), Denkersch Paul (Zeiler), Kunz Ernst, Krämersch Karl, Schäffen Arthur (Schneider), Hammpittersch Emil (Demuth) u. Herr Emil Kasper. (Beitrag vom 11.01.2023)
Kirmes
Das halbe Dorf scheint bei dieser Kirmes in Roßbach für den Fotografen zusammengekommen zu sein. Wir befinden uns im Jahr 1925. Da die Blüten des Kastanienbaums vor der Gastwirtschaft Nies bereits welk sind, kann man vermuten, daß das Volksfest im Juni stattgefunden hat, möglicherweise zu Pfingsten oder einem der anderen kirchlichen Feiertage. Eine kleine Kapelle bestehend aus Schlagzeug, Geige und Cello sorgte für die musikalische Umrahmung und bot den Festgästen die Möglichkeit zum Tanzen.
Das Gasthaus Nies befindet sich auch heute noch in Familienbesitz. Schauen Sie sich einmal den kleinen Beitrag in der Sendung „Hierzuland“ vom SWR an. Neben seiner Arbeit im Gärtnereibetrieb schenkt Heinz-Günther Nies noch heute seinen Gästen in der Wirtsstube ein kühles Bier aus.
An alle gebürtigen Roßbacherinnen und Roßbacher geht die Frage, ob Sie jemanden von den Personen auf dem Bild identifizieren können. (Beitrag vom 10.06.2022)
Nachtrag: Mit der Hilfe von Frau Schmidt u. Frau Kambeck aus Puderbach, sowie der tatkräftigen Unterstützung von Herrn Henn aus Roßbach, dem ältesten Bewohner des Dorfes, konnten einige Personen zugeordnet werden. Bei den „Rossbichern“ handelt es sich um: Den Gasthofbesitzer Fritz Nies, 2 Lina Henn, 3 Ferdinand Weyer, 4 Frieda Kunz (Kienz), 5 Frieda Schneider u. 6 ihr Ehemann Heinrich Schneider (Machtlings) und 7 Gertrud Henn verh. Lotz. Die Kapelle stammte wohl aus dem bei Selters gelegenen Maxsain. (Beitrag vom 20.11.2023)

https://www.ardmediathek.de/video/hierzuland/grubenstrasse-in-rossbach/swr-rp/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8xMzc3Nzc5NA

Die Schmiedewerkstatt der Familie Selbach
Die Schmiedewerkstatt der Familie Selbach kann auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurückschauen. Bereits der am 21. Februar 1794 bei Rückeroth geborene Joh. Peter Selbach wird als Schmiedemeister erwähnt. Auf ihn folgt sein Sohn Heinrich Wilhelm sowie in Dritter Generation der am 12. September 1869 geborene Heinrich Ludwig Selbach. Bis zu seinem Tode im Jahr 1948 dürfte die Schmiede in Betrieb gewesen sein.
Auf dieser wunderschönen Aufnahme können wir einen Blick ins Innere der Schmiedewerkstatt werfen. Links im Hintergrund lodert das Schmiedefeuer, die sogenannte Esse, mit der man das zu bearbeitende Metall auf eine Temperatur bis zu 1250 ° C. erhitzt. Ferdinand Weyer, ein Verwandter der Selbachs, hat das glühende Eisen vor wenigen Momenten aus dem Feuer geholt und vearbeitet es auf dem Amboss mit einem kurzen Schmiedehammer weiter, wobei ihn Werner Selbach, der jüngste Sohn des Schmiedebesitzers Ludwig Selbach, mit einem längeren Hammer unterstützt. Für den Fotografen haben die beiden kurz inne gehalten, blicken in die Kamera, um im nächsten Moment mit ihrem Tagwerk fortzufahren.
Die Fotografie dürfte um das Jahr 1930 entstanden sein. (Beitrag vom 20.11.2023)
Metzgerei und Gastwirtschaft Lichtenthäler
Eine wunderschöne Aufnahme aus dem Jahr 1930 zeigt uns die Gaststätte nebst Metzgerei der Familie Lichtenthäler. Neben seinem schicken Automobil, es war das erste Fahrzeug seiner Art in Roßbach, sehen wir den Fleischermeister Heinrich Lichtenthäler. Seine Frau Wilhelmine, hier mit dem jüngsten Sprössling Inge auf dem Arm, und die beiden Töchter Helene und Hanne, haben sich etwas separat in der Bildmitte für den Fotografen aufgestellt. Die übrigen Personen sind der Metzgergeselle mit weißer Schürze und dem Familienhund an seiner Seite und ganz rechts eine Hausangestellte. (Beitrag vom 9.08.2023)
Das Gastwirtsgebäude von Heinrich und Minchen Lichtenthäler, erbaut um das Jahr 1900, wurde über die Jahrzehnte mehrfach umgebaut und erhielt 1961/62 einen Anbau, gut zu erkennen auf dem Postkartenausschnitt oben rechts. Hier befand sich die Kühlkammer für die Fleich- und Wurstwaren der Metzgerei. Zudem bot die Familie seit den 1950er Jahren Fremdenzimmer für zumeist deutsche Urlauber an. In späteren Jahren übernahm die Tochter Inge Lichtenthäler und ihr Mann Alfred Biehl den Betrieb.
Die Fotografie unten rechts zeigt uns, wo genau das Gebäude in Roßbach stand, nämlich am Zusammenlauf von Mündersbacher Straße und Hauptstraße. Hier erhaschen wir auch einen Blick auf das Schlachthaus, das sich gleich hinter dem Hauptgebäude befand.
Nach dem Tod von Alfred Biehl zog in die Räume der Fleischerei die Metzgerei Born aus Steimel und eröffnete eine Zweigfiliale. Der Gaststättenbetrieb schloß 1992 seine Pforten. Danach verkaufte die Familie das Anwesen. Durch einen Brand im Jahr 2003 derart beschädigt mußte das Gebäude anschließend abgerissen werden. (Beitrag vom 9.08.2023)
Alte romanische Kirche Roßbachs
Ein vergangener Blick auf die Evangelische Kirche Roßbachs um das Jahr 1938. Der imposante Glockenturm war wohl in frühester Zeit ein Wachturm, an die man im 13. Jahrhundert die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika angebaut hatte. Die Schiefer gedeckte Turmhaube dürfte dabei im 18. Jahrhundert ergänzt worden sein. 1904 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Doch bereits 15 Jahre später traten erneut Schäden auf, die vor allem den Glockenturm betrafen und irreparabel waren. 1938, als die Fotografie entstand, durften die beiden Glocken aus Angst vor Einsturzgefahr nicht mehr geläutet werden und 1952 erfolgte ein polizeiliches Verbot der Nutzung des Turms. Im Jahr 1954 entschloß sich die Gemeinde den nicht mehr zu rettenden Kirchturm abzureißen. Somit konnte auch das romanische Kirchenschiff nicht mehr genutzt werden. Heute sind die Reste der Kirche eine Ruine und dienen als Gedenkstätte. Das Gemeindeleben findet im 1958 errichteten Neubau in unmittelbarer Nähe statt. (Beitrag vom 4.08.2023)
Ein Blick ins Innere des Kirchenschiffs ebenfalls um 1938. Links, vor dem eigentlichen Altarraum, die Kanzel mit dem sogenannten Schaldeckel. Im Altarchor selbst, der von der Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“ bekränzt ist, sehen wir die Orgel, die 1857 durch Spendenmittel angeschafft worden war. In der Zeit des 1. Weltkriegs hatte man die aus einer Zinn-Blei-Legierung hergestellten Orgelpfeifen ausgebaut und eingeschmolzen, da großer Mangel an Rohstoffen herrschte. Der 1927 angeschaffte Ersatz konnte die alte Klangfülle nicht mehr herstellen.
Bei Ihrem nächsten Besuch in den Ruinen der kleinen Basilika würde ich Sie bitten, sich diese Fotografie vor Augen zu führen und sich daran zu erinnern, wie in den fensterlosen Mauern einst Gottesdienste gefeiert, Lieder gesungen und Gebete gesprochen wurden. (Beitrag vom 4.08.2023)

Weitere Informationen zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Roßbach unter:

https://www.rossbach-ww.de/kirchengemeinde

Sensenbach

Ein verträumter Blick von einer Anhöhe bei Steimel auf die Ortschaft Sensenbach. Verschickt wurde diese Postkarte 1936.

Steimel

Hier eine ganz wunderbare Postkarte, die Hermann Hartstang aus Steimel am 24. Dezember 1906 an seine gute Bekannte Klara Jonas nach Raubach verschickte. Zu sehen sind die heutige Lindenallee mit den Gasthäusern der Familien Reusch, Klein und Neitzert, zudem ein Blick auf das benachbarte Sensenbach.
Metzger Hermann Levy
Was für ein kapitales Schwein auf diesem Foto zu sehen ist!! Anscheinend hat der Metzger Hermann Levy aus Steimel (links am Bildrand) nicht nur die jüdische Bevölkerung mit koscherem Rindfleisch und Geflügel versorgt, sondern auch seiner übrigen Kundschaft ein reiches Angebot an Fleisch- und Wurstwaren angeboten. Nach der erzwungenen Emigration der Familie nach Südamerika übernimmt die Familie Born Schlachterei und Geschäft.
Der Metzger Hermann Levy, seine aus Raubach stammende Frau Klara geb. Jonas und Kurt Levy, einer der gemeinsamen Söhne des Paares. Die Aufnahme entstand vermutlich um 1945 in ihren neuen Heimat Argentinien.

Urbach

Schulklasse mit Lehrer Räder
Ein Aufnahme aus alten Zeiten. Die Schiefertafel, die zwei der Jungen in den Händen halten, verrät uns, daß wir uns im Jahr 1908 befinden und das es sich um eine Urbacher Schulklasse handelt. Doch unter den 43 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 1897 bis 1899 befinden sich auch die Harschbacher Kinder, die allmorgendlich ihren Fußweg in die Nachbarortschaft antraten.
Bei einem der beiden Schullehrer, vermutlich der Herr mit Strohut und Vollbart, dürfte es sich um den aus Dierdorf stammenden Christian Heinrich Räder handeln, der von 1893 bis 1921 die Erstlehrerstelle inne hatte und zusätzlich als Organist und Küster tätig war. Dank der tatkräftigen Hilfe von Frau Klaes-Huppertz kennen wir zumindest die Namen der Harschbacher Schülerinnen und Schüler. Es handelt sich dabei um: vorderste Reihe 4.v.l. Karl Kolb, 5.v.l. mit der Schiefertafel Albert Hoffmann, 8.v.l. Karl Klaes und in der 3. Reihe ganz rechts Frieda Kalbitzer verh. Reusch. Liebe Urbacherinnen und Urbacher, können Sie uns helfen, die Namen der anderen Kinder herauszufinden? Und wer war der Zweitlehrer, der hier mit Melone zu sehen ist? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 6.06.2024)
Gastwirtschaft Kaulbach
Vor einigen Wochen konnte ich diese alte Postkarte aus dem Jahr 1907 mit zwei Ansichten des Urbacher Überdorfs käuflich erwerben. Leider sagte mir weder der hier zu sehende Gasthof Kaulbach etwas, noch konnte ich sagen, welcher Straßenzug zu sehen war. Da kam mir wieder einmal Herr Böhm zu Hilfe, der mir schon bei der unten zu sehenden Ansichtkarte aus den 1920er Jahren behilflich war.
Bei dem Straßenzug handelt es sich um den Postweg, von den Einheimischen auch „Et Hillchen“ genannt. Diese Straße war viele Jahrzehnte die eigentliche Verbindung zwischen den beiden Dorfhälften. Erst mit dem Ausbau der Puderbacher Straße verlor der Weg seine frühere Bedeutung.
Bei der Gastwirtschaft Kaulbach wurde die Recherche schwieriger. Die Großmutter von Herrn Böhm war sich sicher, daß es sich um das Wirtshaus der „Selzersch“ an der Puderbacher Straße gehandelt haben muß. Doch wie kam er in ihren Besitz und wer waren die Kaulbachs?
An dieser Stelle möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf das Online-Archiv „Archion“ aufmerksam machen. Es bietet interessierten Familienforschern die Möglichkeit, Einblick in digitalisierte Kirchenbücher zu nehmen. Auch die Kirchengemeinde Urbach ist hier in Teilen hinterlegt.
Bei dem Gründer der Gastwirtschaft handelt es sich um den 1813 in Dierdorf geborenen Christian Kaulbach, der 1845 die aus Heddesdorf stammende Johannette Wilhelmine Wiegershausen geheiratet hatte. Das Ehepaar zieht nach ihrer Hochzeit ins Urbacher Überdorf. Hier ist Christian Kaulbach zunächst als Bäckermeister tätig. Um 1870 eröffnet er die Gaststube, wobei der Verkauf der Backwaren weiterhin ein wichtige Einnahmequelle und sein zweites Standbein ist. Nach seinem Tod am 8. Mai 1882 übernimmt sein Sohn Karl Wilhelm Kaulbach den Betrieb. (Beitrag vom 13.09.2022)
Aus dem Wirtshaus Kaulbach wird die Gaststätte Selzer
Am 2. Juni 1924 verstirbt Karl Wilhelm Kaulbach im Alter von 71 Jahren. Bei Ludwig Selzer (auch Sälzer geschrieben), dem späteren Besitzer der Gastwirtschaft, dürfte es sich um den am 18. Februar 1888 in Harschbach geborenen Sohn des Ackerers Wilhelm Sälzer handeln. Durch die Heirat mit einer der Kaulbach-Töchter findet er vermutlich Eingang in die Familie. Neben der gut gehenden Gaststube führen die „Selzersch“ einen kleinen Kramladen. Kann mir ein gebürtiger Urbacher sagen, wie lange die Gastwirtschaft Selzer existierte? Das Gebäude selbst steht noch heute in veränderter Form an der Puderbacher Straße.
Die Dorfansicht zeigt das Urbacher Überdorf. Am linken Bildrand deutlich zu erkennen das 1924 erbaute Schulhaus. (Beitrag vom 13.09.2022)
Urbacher Freibad
Ein sommerlicher Gruß aus den Ferien wurde hier um 1930 verschickt. Zu sehen ist das Urbacher Freibad, das drei Jahre zuvor, am Donnerstag, den 7. Juli 1927, seine feierliche Einweihung begehen konnte. Der Turmverein Urbach hatte es Dank vieler fleißiger Helfer in nur 230 Arbeitstagen geschafft, sowohl das Schwimmbad als auch eine Turnhalle zu errichten. Bereits im ersten Jahr nach Eröffnung verzeichnete man 10.500 Badegäste.
Urbacher Schule
Bei dieser Postkarte, die um 1927 von Gerda Henn an eine Verwandte nach Dortmund geschickt wurde, brauche ich wieder Mal Ihre geschätzte Hilfe. Man sieht zwei Aufnahmen vom Urbacher Überdorf. Aber von welchem Standpunkt sind die beiden Fotografien aufgenommen? Stimmt es, daß die Schule im Jahr 1924 gebaut wurde? Und steht das Gebäude heute noch? Ich hoffe, ein gebürtiger Urbacher kann mir da weiter helfen!
Nachtrag: Vor einigen Tagen schrieb mich freundlicherweise Herr Böhm an, ein gebürtiger Urbacher, der mir bei der Standortsuche der alten Schule behilflich sein konnte. Das ehemalige Schulgebäude existiert noch und dient heute als Wohnhaus. Es befindet sich in der Straße „In den Höfen“ mit der Hausnummer 4. Der Fotograf hat sich also auf einem freien Feldstück positioniert, das auch heute noch unbebaut ist. Für seine zweite Einstellung wählt er wieder einen Ausschnitt der Straße „In den Höfen“, diesmal mit dem Postweg, den man am linken Bildrand erkennt. Der Pfad trägt im Urbacher Platt den wunderschönen Namen „Et Hillchen“. (Nachtrag vom 1.02.2022)
Der Landwirt und Kutscher Wilhelm Müller
Zunächst möchte ich mich bei Herrn Blum bedanken, der so freundlich war, mir diese Aufnahme zur Verfügung zu stellen. Zu sehen ist, auf seinem Kutschbock sitzend, sein Großvater Wilhelm Müller. 1887 in Niederdreis geboren, hatte er 1911 die aus Urbach kommende Ida Töbel geheiratet. Das Paar erwarb um 1916 den Bauernhof der Familie Schuh in der Gartenstraße. Auch deren Rufname „Schoos“ ging auf die Familie Müller über.
Das Kutscherhandwerk hatte Wilhelm von seinem 1845 geborenen Vater Peter Müller erlernt. Neben dem hier zu sehenden Kutschwagen, ich vermute es handelt sich um eine zweisitzige Droschke, besaß die Familie noch einen Pferdeschlitten für den Winter. Zudem lenkte der „Schoos Wilhelm“ zu Beerdigungen den Leichenwagen von Urbach. Sein Enkel erinnerte sich desweiteren daran, daß er viele Jahre frühmorgens die Milchkannen der Urbacher Landwirte auf einen Pritschenwagen lud und in die Raubacher Molkerei transportierte.
Wer die frischgetrauten Eheleute auf der vorliegenden Aufnahme waren, konnte sich Herr Blum nicht erinnern, nur, daß die Fotografie 1950 in Harschbach entstanden war. Da kam mir Frau Hoffmann zur Hilfe, die Braut und Bräutigam sofort erkannte. Bei dem Paar handelt es sich um den im Schwarzwald geborenen Wilhelm Kesch und um Adele Töbel, eine gebürtige Urbacherin und Verwandte von Wilhelm Müllers Ehefrau Ida. Um an den glücklichen Moment zu erinnern, fuhren die frischgetrauten Eheleute zu dem Fotografen Walter Hoffmann nach Harschbach, sein Haus ist im Hintergrund zu erkennen, und ließen sich ablichten. (Beitrag vom 22.04.2024)
Gastwirtschaft Dills
Da scheint der Firma, die die Postkarte in Druck gegeben hat, wohl ein Fehler unterlaufen zu sein. Natürlich schreibt man den Namen der Gastwirtfamilie Dills nicht mit „z“ sondern mit „s“.
Gegründet wurde der Gasthof nebst einer Bäckerei um 1890 von dem aus Linkenbach stammenden Herbert Dills. In späteren Jahren übernimmt der Sohn Christian den Betrieb und ersetzt die Backstube durch einen Kolonialwarenladen.
Leider sieht man auf dieser Aufnahme nicht die eigentliche Gaststätte, sondern den um 1913 angebauten Saalbau. Die Festgesellschaft hat sich für den Fotografen nach draußen begeben und macht aus ihrer politischen Gesinnung, man siehe die nationalsozialistische Hakenkreuzfahne, keinen Hehl. Wir dürften uns zeitlich also Mitte bzw. Ende der 1930er Jahre befinden.
Neben dem schönen Blick auf das Urbacher Kirchdorf zeigt eine dritte Aufnahme das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 und des 1. Weltkriegs von 1914 bis 1918. Der Adler, der das Mahnmal bekrönte, wurde in späteren Jahren durch ein Kreuz ersetzt. Es steht noch heute etwas versteckt am Ortsausgang Richtung Puderbach auf der sogenannten Harschbacher Höhe. (Beitrag vom 13.09.2022)
Kirmesfeier 1955
Diese und die nächste Aufnahme entstanden zu einer Kirmesfeier im Jahr 1955. Das Dorffest fand damals noch auf dem alten Marktplatz auf der Harschbacher Höhe statt. Nachdem die Feiernden die Fahrgeschäfte und Buden besucht hatten, zogen sie weiter zum „Jagdhaus Vatter“, dem früheren Gasthof Dills. Hier ging es ausgelassen und weinselig weiter.
Die neue Besitzerin des Gasthofs war eine Trude Moritz. War sie mit der Familie Dills verwandt oder hatte sie den Gasthof nebst Saalbau gekauft? Falls Sie weitere Informationen über die Gastwirtschaft Dills bzw. Vatter haben, würde ich mich über Ihre Mithilfe freuen! (Beitrag vom 13.09.2022)
Hotel Jagdhaus Vatter
Hier sehen wir eine Ansichtskarte aus den 1950er Jahren, die das sogenannte „Jagdhaus Vatter“ zeigt. Aus dem früheren Gastwirtschaftsbetrieb der Familie Dills ist ein Hotel geworden, daß vornehmlich deutschen Urlaubsgästen Herberge bot. Die Aufnahme rechts oben zeigt uns das alte Wirtshausgebäude mit dem sich anschließenden Saalbau. (Beitrag vom 13.09.2022)

Werlenbach

Eine frühe kolorierte Postkarte, die vermutlich um das Jahr 1910 entstanden sein wird und Werlenbach zeigt, eines der Dörfer der Ortsgemeinde Dürrholz. Wo hat sich wohl der Fotograf mit seiner Kamera postiert und welche Häuser und Straßenzüge sind hier zu sehen? Vielleicht kann mir da ein Ortskundiger helfen!
Nachtrag

Nach einem langen und angeregten Gespräch mit dem Ehepaar Höfer aus Werlenbach, kann ich nun den verschiedenen Anwesen einen Namen zuordnen. Zudem wiesen mich die beiden auf wichtige Plätze und örtliche Gegebenheiten hin. An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen nochmals herzlich für Ihre Mithilfe bedanken!


Zu sehen sind aus südwestlicher Richtung: 1 der hiesige Steinbruch. 2 das Backhaus von Werlenbach auf Platt auch „Backes“ genannt. 3 „Biems Haus“ Anwesen von Karl u. Mina Schneider. 4 „Falks Haus“ bzw. „Falks Eck“ Anwesen von Wilhelm Schneider u. Emma geb. Müller bzw. des Enkels Karl-Dieter Höfer u. seiner Frau Ruth. Der Name Falk findet sich bei Emmas Mutter Louise wieder, die eine geborene Falk war und in diesem Haus geboren wurde. 5 „Kammerschs Haus“ Anwesen des Schuhmachers Peter Kraus u. seiner Frau Elise geb. Schäfer. Die Tochter Martha heiratete den Kraftfahrer Eugen Holthausen. 6 „Hoadts Haus“ Anwesen von Christian Klein u. Hilda geb. Höfner. 7 „Selzersch Haus“ Anwesen von Hugo Karl Hartstang u. Elisabeth geb. Selzer. Hugo Karl wurde seit Kriegsende vermisst und später für tot erklärt. 8 „Hanchristens Haus“ Anwesen von dem Maurer Philipp Sommer u. Frieda geb. Schmidt. 9 Scheune der Fam. Haag/“Langs“. 10 „Löhrschs Haus“ Anwesen von dem Dürrholzer Bürgermeister Otto Löhr u. Lilli geb. Grupe. Davor müßte das Ehepaar Philipp Löhr u. Anna geb. Dausenau hier gelebt haben, da man auch „Dausenaus Haus“ sagt. Ob es wohl die Eltern von Otto sind? 11 „Langs Haus“, früher auch „Schuhmachers Haus“ Anwesen von Wilhelm Haag u. Margarethe/Gretchen geb. Schuhmacher. 12 „Heydorschs Haus“ Anwesen von Wilhelm Runkler u. Lydia geb. Oettgen. 13 „Simons Haus“ Anwesen von Karl Simon u. der aus Alberthofen stammenden Hedwig geb. Mahlert. 14 „Peterschs Haus“ Anwesen von Martha Schneider u. ihren drei Kindern Karl, Erwin u. Ursula. 15 „Baumanns Haus“ Anwesen von dem aus Muscheid kommenden Christian Baumann u. seiner aus Werlenbach stammenden Frau Erika geb. Müller. Christian hat sich wohl auch als Friseur betätigt. 16 „Bergauschs Haus“ Anwesen von Hans Bergau und seinem Sohn Fritz. Sie waren die letzten Landwirte des Ortes. 17 Stall der Bergaus. 18 „Pitterschs Haus“ Anwesen von Else Schäfer u. ihren Kindern Elvira u. Kurt, auch „Stroppel“ genannt. 19 „Ullrichs Haus“ Anwesen der Familie Kambeck bzw. von Otto Maurer u. Hilda geb. Hartstang. 20 „Fetthauers Haus“ Anwesen von Erich Fetthauer u. Hilda geb. Christ. Erich Fetthauer war bei der Papierfabrik Hedwigsthal angestellt. 21 „Schuttniks Haus“ Anwesen der unverheirateten Geschwister Hermann u. Paula Born. Das Haus wurde nach deren Tod abgerissen. Heute befindet sich dort die Dorfhütte und der Kinderspielplatz. 22 „Mahlerts Haus“ Anwesen des Bergmanns Peter Mahlert u. der Louise geb. Kölbach bzw. deren Tochter Anneliese verh. Rötzer. 23 „Kännels Wies“ mglw. kommt der Begriff „Kännels“ von der Kanne, da sich hier der Dorfbrunnen und Waschplatz befand. Sehen Sie die zur Bleiche ausgelegten Laken, die mit einer Gießkanne benetzt wurden? 24 „Löhrschs bzw. Schmidts Haus“ Anwesen von Karl Löhr u. Lina geb. Schmidt. Heute lebt die Tochter Christa verh. Jung in dem Gebäude. Karl Löhr ist im 2. Weltkrieg gefallen.

Zum Schluß seien drei Höfe genannt, die auf der Postkarte nicht zu sehen sind, die aber jedem Einwohner in der Ortschaft etwas sagen. Da ist das „Böhms Haus“ an der Steinstraße. Es befindet sich leider versteckt hinter dem Gebüsch an der linken Bildhälfte. Bewohnt wurde es von dem allseits geschätzten Peter Böhm u. seiner Frau Johanna geb. Theobald. Am rechten Bildrand ist leider nicht mehr das Lebensmittelgeschäft vom „Gärtens Kurt“, seiner Frau Inge und der Mutter Luise/Wiss zu sehen. Der Familienname war vermutlich Hartstang. Als letztes sei das Anwesen des „Kammerschs Philipp“ genannt, das sich auf der Gartenstraße befand und zwischen den vielen Häusern und Giebeln nicht mehr auszumachen ist. (Beitrag vom 24.01.2022)

Tier- und Märchenpark Westerburg

In meiner Kindheit besuchte unsere Familie mehrfach den Tier- und Märchenpark im rund 37 Kilometer entfernten Westerburg. Gegründet wurde die Anlage mit den nachgebildeten Märchenmotiven im Jahr 1964 von dem aus der Oberlausitz stammenden Spielzeughersteller Herbert Dohnalek und seiner damaligen Lebensgefährtin Elfriede Bischof. Dohnalek war 1949 mit seiner Spielzeugfirma Hedo von Lückendorf bei Zittau in den Westerwald gezogen. Bis zu seiner Schließung 1986 zog der Park jährlich bis zu 200.000 kleine und große Besucher in seinen Bann.
Hier einige Impressionnen vom Märchenpark in Westerburg aus den 1970er Jahren. Rechts unten sehen Sie den Eingangsbereich mit dem liebevoll gestalteten Kassenhäuschen. Neben den nachgebildeten Märchenszenen war eine Kleinbahn die Attraktion des Parks. An Tieren gab es diverse Vögel in Volieren bzw. Flamingos, die die Teiche bevölkerten, zudem durften die Kinder auf Ponys reiten.

Weyerbusch

Auch nach einer ausgiebigen Internet-Recherche bin ich bei dieser alten Ansichtskarte von Weyerbusch nicht wirklich weitergekommen. Welche Straßenzüge sind auf den beiden Aufnahmen aus den 1920er Jahren zu sehen? Vielleicht kann mir da ein Ortskundiger bzw. Geschichtsinteressierter des Dorfes weiterhelfen!
Die Karte selbst dürfte im Frühjahr 1923 verschickt worden sein. Zu diesem Zeitpunkt herrschte in Deutschland bereits eine extreme Preissteigerung, eine sogenannte Hyperinflation. Der Schreiber der Zeilen war zu Besuch in Weyerbusch und mußte für die Verpflegung die exorbitante Summe von 45.000 Mark zahlen. (Beitrag vom 8.02.2022)

Woldert

Gasthof „Zur Linde“
Eine wunderschöne Aufnahme zeigt hier den Gasthof „Zur Linde“ in Woldert in den 1920er bzw. 1930 Jahren. Inhaber ist zu dieser Zeit der aus Dendert stammende Ferdinand Hoffmann, der durch seine Hochzeit mit der 1877 geborenen Wirtshaustochter Pauline Altgeld in den Betrieb eingeheiratet hat. Später übernimmt die Tochter Lydia und der Schwiegersohn und Bäckermeister Arthur Müller das Lokal.
Die Gastwirtschaft existiert nicht mehr, das Gebäude befindet sich aber noch heute an der Dierdorfer Straße und dient als Wohnhaus.
Vor Kurzem hatte ich das Glück, diese Postkarte Wolderts käuflich zu erwerben. Abgestempelt im Jahr 1938 zeigt sie neben dem oben bereits zu sehenden Gasthof „Zur Linde“ eine Teilansicht des Ortes. Doch welche alten Straßenzüge waren hier zu sehen? Ich hatte keine Ahnung.
Da kamen mir die Mitgliederinnen und Mitglieder der Facebook-Gruppe „Aktuelles aus, in und um Puderbach“ zur Hilfe. Mit vereinten Kräften konnten wir sowohl den Standort des Fotografen, er hatte sich westlich des Dorfes in der Nähe der heutigen Gartenstraße bzw. Steimeler Straße positioniert, als auch die Besitzer der einzelnen Höfe ausfindig machen. Danke nochmal an all die Ortskundigen!! (Beitrag vom 10. Januar 2022)
Hier eine leicht vergrößerte Aufnahme der Dorfansicht. Durchnummeriert die Häuser und Höfe nebst ihren Bewohnern: 1 das Lebensmittelgeschäft von Werner Henn, 2 der Hof von Frau Frieda Krämer, 3 das Haus der Handarbeitslehrerin Luise Bachenberg, 4 der Gasthof „Zur Linde“ der Familie Hoffmann bzw. Müller, 5 die Bäckerei des Simon Hommer, der zudem Landwirtschaft betrieb, 6 im Haus der Familie Hommer befand sich die Gemeinschaftswäscherei des Ortes und 7 das Anwesen der Familie Runkler. Besonders hinweisen möchte ich auf die alte Pappelweide, die schon damals den Ortskern zierte und ein Wahrzeichen des Dorfes war. Um 1870 wurde sie in der Nähe der alten Schule gepflanzt. Nach 140 Jahren mußte sie 2013 zum großen Bedauern der Dorfbewohner gefällt werden. Hinter dem Naturdenkmal lugt das frühere Schulgebäude Wolderts hervor.
Nachtrag: Ein weiteres Gebäude konnte zugeordnet werden. Zwischen der Nummer 6 und der 7 sieht man das Heim der Familie Hermes. (Beitrag vom 10. Januar 2022)

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