Ausflüge in die Umgegend

Inhaltsverzeichnis

Orfgen

Am 15. August 1916 verschickt ein gewisser Heinrich Noll diese wunderbare Postkarte von dem bei Flammersfeld gelegenen Dorf Orfgen an einen guten Freund nach Essen. Seine Zeilen seien hier erwähnt, da sie einen interessanten Einblick gewähren in den von Landwirtschaft und Natur geprägten Alltag des Landstrichs. Er schreibt wie folgt:
„…Hier ist eine wunderbare Gegend. Wald und Feld wechseln nur so miteinander. Werktags gehe ich öfters mit aufs Feld. Korn ist jetzt alles ab. Abends wird das Vieh gefüttert. Einmal ist uns eine Kuh durchgebrannt. Das gab eine Jagd u. Lauferei. Wärendem hatten wir unsere liebe Not, daß wir das übrige Vieh hielten. Sonntags geht es in den sogenannten Hückwald, der die Landschaft fast von der ganzen Umgebung trennt…“
Die Ortschaft Orfgen gehört zur Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld und setzt sich aus den vier Ortsteilen Berg, Hahn, Höllburg und Hofacker zusammen. Doch welchen Teil des Dorfes sehen wir auf der alten Ansichtskarte? Könnte das im Vordergrund das 1910 neu errichtete Schulgebäude sein? Vielleicht kann mir ein Ortsansässiger bei der Beantwortung der Frage behilflich sein! (Beitrag vom 7.02.2022)

Raubach

Eine Postkarte mit einem wunderbaren Blick auf Raubach um 1930. Mir scheint es, daß die Ansicht von einer Anhöhe Richtung Elgert gemacht wurde. Rechts erkennt man die alte romanische Kirche und links daneben das 1901 errichtete Schulgebäude. Bei der Gaststätte Frantzmann bin ich mir nicht sicher, ob sie sich damals wie heute an der Schefferstraße Ecker Elgerter Straße befand. Vielleicht kann mir da ein alteingessener Raubacher helfen!
Auch diese Postkarte, die 1940 verschickt wurde, zeigt Raubach aus einem ähnlichen Blickwinkel. Nach einer angeregten Diskussion mit Ortskundigen kamen wir zu dem Schluß, daß der Fotograf sich unterhalb des heutigen Schützenhauses, weit links von der Elgerter Straße an einer Anhöhe positioniert haben muß. (Beitrag vom 6. Dezember 2021)

Max und Julius Jonas

Das Niederwald-Denkmal bei Bingen muß in den 1920er und 30er Jahren ein sehr beliebtes Ausflugsziel gewesen sein. Diese Fotografie dürfte um 1925 entstanden sein und zeigt rechts die Geschwister Max (sitzend) und Julius Jonas (stehend) aus Raubach. Beide haben mit anderen Fußballbegeisterten 1921 den Sportverein Grün-Weiß gegründet. Die Eltern der beiden sind der 1850 in Raubach geborene Wilhelm Jonas und seine aus Roßbach stammende Frau Johanna geborene Moses. Weitere Geschwister sind Hermann (im 1. Weltkrieg gefallen), Klara, die den Metzger Hermann Levy aus Steimel geheiratet hat (siehe auch die Fotografie unter Steimel) und Samuel Jonas. Max, Julius und der Schwester Klara gelingt die Flucht nach Argentinien, der Bruder Samuel und die Mutter Johanna werden von den Nazis umgebracht. Die anderen Personen sind von links: stehend Betti Tobias verh. Kahn, vor ihr sitzend der Bruder Leo Tobias, rechts neben Betti Arthur Aron, vor Arthur sitzend seine Cousine Ruth Aron verh. Tobias und rechts neben ihr stehend die Schwester Martha Aron verh. Wolff. Sie alle stammen aus Puderbach.

Link:

https://svraubach.de/index.php/verein/6-ueber-uns

Der Vater Wilhelm Jonas

Am 15. November 1928 erscheint in der illustrierten Beilage „Aus alter und neuer Zeit“ des Hamburger Israelitischen Familienblatts ein Artikel über den zu diesem Zeitpunkt bereits 78 Jahre alten Wilhelm Jonas aus Raubach. Der Redakteur schreibt: „Trotz seines hohen Alters ist der rüstige Mann noch heute praktisch in der Landwirtschaft tätig und mäht u.a. ununterbrochen halbe und sogar ganze Tage. Daß Herr Jonas bei aller Schollenverbundeheit auch ein begeisterter Jude ist, beweist die Tatsache, daß er über 60 Jahre lang in den Nachbargemeinden Urbach und Puderbach ehrenamtlich als Vorbeter gewirkt hat.“

Reichenstein

Die drei Bilder auf dieser Postkarte stammen von dem Kölner Fotografen Agust Sander. Zum einen eine wunderbare Aufnahme der baumbestandenen Landstraße in Richtung Puderbach, oben rechts ein Blick auf Reichenstein und Burgruine aus südwestlicher Richtung. Wissen Sie, wo sich das Ruheplätzchen „Wilhelmshöhe“ befand?
Eine alte Postkarte von Reichenstein aus dem Jahr 1920, die im Vordergrund den Beginn der Burgstraße zeigt. (Beitrag vom 6.02.2022)

Raubritter Reichenstein

Wer von den Männern auf diesem Foto mag wohl auf den kuriosen Vereinsnamen „Raubritter Reichenstein“ gekommen sein und in welchem Jahr hat sich der Fußballclub gegründet? Das Bild entstand um das Jahr 1925 und in der Mitte mit Ball ist der 1905 in Reichenstein geborene Willi Sommer zu sehen, auch „Igotts Willi“ genannt, der nach seiner Heirat nach Breitscheid verzog. Doch wer sind die anderen jungen Fußballspieler, die auf der Aufnahme zu sehen sind? Vielleicht kann mir da ein gebürtiger Reichensteiner helfen! (Beitrag vom 27. Oktober 2021)
Nachtrag: Inzwischen konnten zwei weitere Fußballer namentlich zugeordnet werden. Ganz links stehend erkennen wir den 1904 in Richert geborenen Ernst Velten, der nach seiner Heirat nach Woldert verzog. Und links neben Willi Sommer sitzt Wilhelm Rosenberg, der im Jahr 1904 in Reichenstein als Sohn des Schusters Simon Rosenberg und seiner Frau Maria Elisabeth geborene Nies zur Welt kommt. In späteren Jahren kickt er bei dem Fußballclub „Schwarz-Weiß Puderbach“ mit. (Ergänzung vom 22. November 2021)

Burg Reichenstein

Bereits um 1256 gibt es erste Planungen für den Bau der Burg durch das edelfreie Geschlecht der Walpoden von der Neuerburg. Doch erst zwischen 1310-1320 unter Ludwig Walpode III. beginnen die eigentlichen Arbeiten. Im Jahr 1332 ist die Festung fertiggestellt und Ludwig III. verlegt seinen Wohnsitz ins Holzbachtal. Von nun an nennt er sich „Walpode von der Neuerburg, Herr zu Reichenstein“.

Die Burgruine Reichenstein auf einer Ansichtskarte der 1930er Jahre.

Vier Generationen später residiert Heinrich II. auf der Feste Reichenstein. 1506 kommt er in der Nähe von Wienau ums Leben. War er in einen Kampf verwickelt? Fiel er Räubern in die Hände, die ihn erschlugen? Kam er bei einem Reitunfall zu Tode? Die Umstände bleiben ungeklärt. Sicher ist, daß er ohne männliche Erben bleibt. Die Linie der von Reichenstein stirbt 1511 mit dem Tod von Heinrichs Bruder, Johann III. Domherr zu Köln aus.

1523 geht die Burg in den Besitz der Grafen zu Wied über. In dieser Zeit verfällt die Anlage zusehends. Rund 150 Jahre später wechselt sie aus dynastischen Gründen ein weiteres Mal den Eigentümer. Die Freiherren von Nesselrode, die in Schloß Herten in Recklinghausen residieren, kaufen 1698 den Burgberg, um in den Grafenstand erhoben zu werden.

Erst im 20. Jahrhundert erweckt die Familie Stawitz die Ruine zu neuem Leben. Sie bewahrt die Reste vor der völligen Zerstörung. 2006 kann die Verbandsgemeinde Puderbach das Areal käuflich erwerben und somit der Allgemeinheit zugänglich machen. (Beitrag vom 12.09.2024)

Aufnahme von August Sander
Eien weitere Aufnahme des berühmten Fotografen August Sanders, die vermutlich um 1930 entstanden sein wird. Man sieht auf ihrem Hügel thronend die Burgruine Reichenstein. Zu ihrer Linken liegt die Ortschaft, die ebenfalls den Namen der früheren Burgherren zu Reichenstein trägt. Die Silhouette des verfallenen Baus fanden 1971 Eingang in das Puderbacher Wappen.
Portrait von Herrn Stein
Wer mag wohl der Fotograf dieser wunderschönen Aufnahme gewesen sein? Gekonnt hat er den Portraitierten vor den Mauerresten der Burgruine Reichenstein platziert. Der Herr im vorgerückten Alter und gehüllt in seine verschlissene Arbeitskleidung scheint mit den verwitterten Bruchsteinen zu verschmelzen. Die frühere Fensterhöhlung am rechten Bildrand gibt den Blick auf die umgebende Landschaft frei und verleiht dem Bild Tiefe.
Beschriftet wurde das Portrait mit dem Namen „Herr Stein“ und tatsächlich taucht dieser Nachname in den Namenslisten der Ortschaft Reichenstein auf. Doch genauere Angaben kann ich leider keine machen. Vielleicht kann ein gebürtiger Reichensteiner zur Klärung der Person beitragen. (Beitrag vom 9.10.2024)

Tag der nationalen Arbeit?

Diese Aufnahme entstand vermutlich um 1934 auf dem Gelände der Grube „Reichensteinerberg“. Leider ist nicht überliefert, aus welchem Grund sich die Mitarbeiter des Bergwerks auf dem geschmückten Pritschenwagen haben ablichten lassen. Das frische Birkengrün, das das Automobil ziert, erinnert aber sehr an das traditionelle Aufrichten des Maibaums.
Möglicherweise waren die Männer auf dem Weg zu den Feierlichkeiten zum „Tag der nationalen Arbeit“. Die Nationalsozialisten hatten 1933 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag erhoben und zum „Tag der Volksgemeinschaft“ nationalideologisch umgedeutet. Er ging mit einem Art Frühlingsfest einher, bei dem Abordnungen der SA, SS, der Wehrmacht und Hitlerjugend und Teile der DAF (Deutsche Arbeitsfront) aufmarschierten. Letztlich nehmen ihn die Machthaber zum Anlass, die freien Gewerkschaften des Landes zu zerschlagen, ihre Funktionäre zu verhaften und ihr Vermögen zu beschlagnahmen. (Nachlass Heuchemer/Beitrag vom 6.02.2022)

Schulklasse

Um 1936 dürfte diese Aufnahme der Reichensteiner Schulklasse mit ihrem Lehrer Herrn Bott entstanden sein. Zu den Schülerinnen und Schülern gehörten auch Kinder der Ortschaften Haberscheid, Richert und Strunkeich. Leider sind mit namentlich nur die beiden Töchter des in Richert lebenden Karl Velten bekannt. Ganz vorne rechts mit schwarzem Rock und hellem Oberteil steht die sechsjährige Anneliese Velten (verh. Greb) und links hinter ihr Helga Velten (verh. Runkel), ihre drei Jahre ältere Schwester. Liebe Leserinnen und Leser, erkennen Sie weitere Personen auf dem Schulbild? Erinnert sich jemand an jenen Lehrer Bott, der von 1932 bis 1948 der Reichensteiner Schule vorstand? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 30.10.2023)

Ausgewandert nach Amerika / Die Geschichte der Familie Löhr u. Rodenbach

Wußten Sie eigentlich, daß der von 1838 bis 1848 als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde tätige Wilhelm Keetman detaillierte Familienchroniken für Puderbach und die umliegenden Orte begonnen hat? Alle aktuellen Geburts-, Heirats- und Sterbedaten wurden in 15 Ordnern für die Dörfer Bauscheid, Breitscheid, Daufenbach, Döttesfeld, Haberscheid, Hilgert, Muscheid, Niederdreis, Oberähren, Puderbach Mühl- und Kirchdorf, Reichenstein, Richtert u. Strunkeich, Werlenbach und Weroth angelegt. Seine Nachfolger, Pfarrer Karl Reinhardt, Pfarrer Ludwig Wilhelm Göbel, Pfarrer Friedrich Heinrich Mohn und Pfarrer Friedrich Wilhelm Bub, sowie andere Mitarbeiter der Gemeinde, haben seine Arbeit um weitere Namen und Daten ergänzt, sodas die zeitliche Spanne der Forschungen vom beginnenden 18. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert reicht. So entstand eine ausführliche Beschreibung der unterschiedlichen Familienstränge, eine enorme Hilfe für alle Hobby-Geneaologen wie mich.

Bei einer meiner Studien entdeckte ich im Namensverzeichnis der Ortschaft Reichenstein einen interessante Notiz Keetmans. Neben dem Eintrag der Familie Heinrich Löhr hat er vermerkt: „Diese Familie wanderte am 16. April 1848 aus nach Amerika.“ Zudem hatte er die Aufzeichnung mit zwei Strichen unkenntlich gemacht.

Der Eintrag Keetmans aus dem Familienbuch von Reichenstein.
Die Familie Löhr

Bei den Löhrs handelte es sich um den am 25. Mai 1782 in Sensenbach geborenen Joh. Heinrich Löhr. 1807 hatte er die neunzehnjährige Eva Katharina Schäfer aus Reichenstein geheiratet. Das Paar bekam sechs gemeinsame Kinder.

Es war der älteste Sohn Heinrich Christian (17.09.1808) und die zwei Jahre jüngere Tochter Maria Katharina verheiratete Rodenbach (17.05 1811), sowie ihre drei minderjährigen Kindern Magdalena Katharina (15.04.1832), Maria Elisabeth (06.02.1835) und Joh. Christian (24.07.1839), die die Mutter am Tag der Abreise in die „Neue Welt“ begleiteten.

Früh verstorben

Der Vater Heinrich Löhr sowie der Schwiegersohn Heinrich Rodenbach waren bereits 1842 und 1843 an der Engbrüstigkeit (einer Lungenerkrankung) bzw. an der Zehrung (lebensbedrohliche Abmagerung auf Grund von Schwindsucht, Tuberkulose, Krebs o.ä.) verstorben. Der frühe Tod der Männer und das ärmliche Leben auf dem Land dürften auch der Grund gewesen sein, daß sich die verbliebenen Familienmitglieder für die Emigration ins „Gelobte Land“ entschieden.

Letzte Vorbereitungen

Wie sahen wohl die letzten Wochen und Monate vor der Abreise für die sechsköpfige Familie aus? Sie waren vermutlich geprägt vom Verkauf des Hauses und der dazugehörigen Grundstücke, von der Verabschiedung von Nachbarn, Freunden und Verwandten, dem Packen der verbliebenen Habseligkeiten.

Abreise

Am Sonntag, den 16. April 1848 war es dann soweit. Die Löhrs bzw. Rodenbachs bestiegen höchstwahrscheinlich eine Postkutsche, die sie ins rund 80 Kilometer entfernte Köln brachte. Von dort dürfte die Reise mit einem der Rheindampfer weitergegangen sein. Schon seit den beginnenden 1840er Jahren beförderten die Dampfschiffe Auswanderer in die französische Hafenstadt Le Havre.

So oder so ähnlich dürfen wir uns wohl die Postkutsche vorstellen, die Eva Katharina Löhr mit ihrer Familie bestiegen hat. Hier eine sehr alte Aufnahme einer Poststation aus dem Würtenbergischen.
Überfahrt

Geht man von einer durchschnittlichen Überfahrtsdauer von 45 Tagen mit einem Segelschiff aus, so dürfte die Familie um den 10. Mai von Le Havre aufgebrochen sein. Insgesamt 229 Männer, Frauen und Kinder bestiegen denn Segler, unter ihnen fast ausschließlich deutsche Auswandererfamilien.

An Bord

Die Bedingungen unter Deck waren äußerst bescheiden und beengt. Jedem Passagier stand eine Fläche von 14 Quadratfuß zur Verfügung, das entspricht der Größe eines Bettes. Je fünf Personen mußten sich eine aus groben Holzplatten zusammengenagelte Koje als Schlafgelegenheit teilen. Zudem fungierte das Zwischendeck auch als Aufenthalts- und Essraum. In allen Gängen zwischen den Kojen stapelte sich das Gepäck der Reisenden.

Das Innere des Auswandererschiffes „Samuel Hop“ im April 1849. Ähnliche Bedingungen dürften bei der Überfahrt der Löhrs bzw. Rodenbachs ein Jahr zuvor geherrscht haben. Tische oder Bänke gab es unter Deck nicht, Sitzgelegenheit bot einizg und allein das mitgeführte Gepäck.
Mein Dank geht an das Bundesarchiv, die das Bild freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Neben den schlechten Licht- und Luftverhältnissen unter Deck machte die rauhe See den Auswanderern stark zu schaffen. Viele litten unter der Seekrankheit, mußten sich wieder und wieder übergeben. „So war dann die Kotzerei um 6 Uhr abends im vollen Gange (…) die Weiber weinten und beteten, die Männer fluchten und tobten.“ So beschrieb der pfälzische Sattler Georg Heinrich Isemann die ersten Stunden seiner am 9. Juli 1837 begonnenen Überfahrt.

Zunächst herrschte unter den Passagieren eine große Vorfeude und Euphorie. Man malte sich das neue Leben in den schillernsten Farben aus. „Da werden Luftschlösser gebaut, Hirsche erschossen, Landgüter erobert“, so schreibt Isemann in seinen erhalten gebliebenen Briefen. Doch nach und nach wich der Freudentaumel. Die an den Kräften und Nerven zehrende Überfahrt forderte ihren Tribut. Am Samstag den 17. Juni 1848 endlich erreichte das Segelschiff den Hafen von New Orleans. Der zuständige Kapitain Alex Wordsworth bestätigte den Beamten vor Ort, das alle 229 Passagiere wohlbehalten die Hafenstadt am Golf von Mexiko erreicht hatten.

New Orleans

Bei Ankunft der Löhrs bzw. Rodenbachs war New Orleans die fünftgrößte Stadt in den USA. Im 18. Jahrhundert geprägt durch die Zeit als französische und spanische Kronkolonie, folgte im 19. Jahrhundert eine starke Einwanderungswelle durch deutsche, irische und italienische Emigranten. Im Jahr 1850 waren zwölf Prozent der Bevölkerung deutsche Einwanderer. In vielen Stadtteilen traf man auf deutsche Vereine, deutsche Kirchen und Synagogen, deutsche Brauereien und Bäckereien.

Doch die sechsköpfige Familie zog es weiter ins Landesinnere. Vermutlich mit einem Dampfschiff ging die Reise den 3778 Kilometer langen Mississippi River hinauf. Bei der siebten Volkszählung in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1850 tauchen ihre inzwischen ins englische übertragene Namen auf einer Liste des Verwaltungsbezirks Osage der Gemeinde Morgan im Staate Missouri auf.

Aus den deutschen Nachnamen der Löhrs und Rodenbachs wurde die englische Variante Lear und Rothenback. Auch die Vornamen der Familie wurden angepasst. Aus Magdalena wurde eine Leanna, aus Elisabeth eine Eliza. (Quelle: 1850 United States Federal Census)
Weiterer Lebenslauf

Das Interesse in den USA an dem Thema Familienforschung ist gefühlt deutlich größer, als das im europäischen Raum. Es liegt vermutlich an den vielen Einwanderungsgeschichten, auf die die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger zurückschauen können. Deswegen verwundert es nicht, daß die Nachfahren von Eva Katharina Löhr einen ausführlichen Stammbaum auf der Internetplattform ancestry erstellt haben. Dank dieser Forschungen und Quellen lassen sich die Lebenswege der sechsköpfigen Familie sehr gut nachverfolgen.

Eva Katharina Löhr u. Maria Katharina Rodenbach

Die wenigsten Angaben liegen zum Leben und Sterben von Eva Katharina Löhr und ihrer Tochter Maria Katharina verh. Rodenbach vor. Beide starben im Gerichts- und Verwaltungsbezirk (County) von Morgan im Bundestaat Missouri, die Mutter nach 1860, die Tochter zehn Jahre zuvor, nach dem Jahr 1850.

Heinrich Christian Löhr

Heinrich Christian Löhr heiratete am 15. Februar 1860 im County Morgan die ebenfalls aus Deutschland stammende Maria Katharina Tohtz (vermutlich engl. Schreibweise). Wie uns die Volkszählung von 1850 bereits verraten hat, verdiente er sein Lohn und Brot als Farmer. Am 30. März 1890 verstarb er mit fast 82 Jahren in der Gemeinde (Township) Florence im County Morgan.

Ich finde es bemerkenswert, daß sich die Grabmale aus dem 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit erhalten haben. Christian Löhrs Grabstein auf dem alten Friedhof der Gemeinde Florence. Quelle: https://de.findagrave.com/memorial/46075480/christean-loehr
Joh. Christian Rodenbach

Der Zusammenhalt und die Verbundenheit unter den deutschen Einwanderern muß sehr groß gewesen sein. Deswegen verwundert es nicht, daß alle drei Kinder von Maria Katharina Rodenbach eine Verbindung mit Deutschamerikanern eingingen. Besonders erwähnenswert ist, daß auch die Partner bzw. Partnerinnen aus dem Westerwald stammten.

Der jüngste Sohn Christian heiratete am 4. Mai 1868 die aus Jahrsfeld bei Straßenhaus stammende Maria Margaretha Mertgen. Sie und ihre Eltern, der Ackerer Konrad Mertgen und seine Frau Maria Margaretha geb. Neitzert, waren 1854 in die USA emigriert.

Sieben gemeinsame Kinder entsprangen dieser Verbindung. Am 10. Dezember 1911 verstarb Christian Rodenbach in der Gemeinde Richland im County Morgan, Missouri. Seine Frau Margaret überlebte ihn um bald achtundzwanzig Jahre.

Der Grabstein von Christian Rodenbach und seiner Frau Margaret geb. Mertgen auf dem United Church-Of-Christ-Friedhof in Florence, County Morgan, Missouri. Quelle: https://de.findagrave.com/memorial/45664443/john-christian-rodenbach
Maria Elisabeth Rodenbach verh. Neitzert

Immer wieder stoße ich in dem Stammbaum der Löhrs auf Westerwälder Familien, die Mitte des 19. Jahrhunderts aufbrachen, um in den Vereinigten Staaten ein neues Leben zu beginnen. Auch der Mann von Maria Elisabeth Rodenbach stammte aus Jahrsfeld, heute Teil der Ortschaft Straßenhaus. Es handelt sich um den Onkel der oben bereits erwähnten Maria Margaretha Mertgen, der am 25. März 1820 geborene Friedrich Neitzert. Das Paar heiratete um das Jahr 1853 und bekam elf gemeinsame Kinder. Maria Elisabeth verstarb mit 78 Jahren am 27. Dezember 1913 im Lincoln Township im County Lawrence, Missouri. Wie Ihr Bruder Christian fand sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Church-Of-Christ-Friedhof in Florence.

https://de.findagrave.com/memorial/46080894/maria-elisabeth-neitzert
Magdalena Katharina Rodenbach verh. Siegel

Besonders berührt hat mich die alte Fotografie, die zwischen 1890 und 1900 entstanden sein dürfte und Magdalena Katharina Rodenbach und ihrer Familie zeigt. Sie ist Bestandteil der detaillierten Stammtafel, die die zahlreichen Nachkommen erstellt haben. Lena, wie sie liebevoll genannt wurde, heiratete 1851 im County Morgan den am 1. Juni 1821 in Anhausen zur Welt gekommenen Joh. Peter Siegel. 1847 war er zusammen mit seinem Vater Ludwig und drei weiteren Geschwistern über Antwerpen in die Vereinigten Staaten emigriert. Das „Westerwälder“ Ehepaar bekam sieben gemeinsame Kinder, beginnend mit der am 20. September 1856 geborenen Mary Elisabeth (Lizzy), gefolgt von John Peter (27.11.1858), Frederick Henry (7.03.1862), Kate (6.11.1862), Anna (6.01.1865), Lou (6.10.1867) und Lewis (5.06.1870).

Johann Peter Siegel und Magdalena Katharina geb. Rodenbach inmitten ihrer sieben Kinder. Links und rechts neben den Eltern sitzen die Söhne Frederick Henry und W. Peter, dahinter sehen wir von links nach rechts die älteste Tochter Mary Elisabeth, gefolgt von Anna, Lewis, Kate und Lou.
Auch die nächste Generation ging Verbindungen mit Kindern deutscher Auswanderer ein, wobei besonders zu erwähnen ist, daß Henry Siegel Mary Eisenhardt, die Tochter des aus Meinborn bei Anhausen stammenden Joh. Wilhelm Eisenhardt heiratete; und Peter Siegel ehelichte die 1861 in Haw Creek geborene Charlotte Maria Raiffeisen, die Nichte des berühmten Sozialreformers und Gründers der genossenschaftlichen Bewegung Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Raiffeisens Bruder Carl Christian war 1849 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten emigriert.

Bei den regelmäßig stattfindenden Volkszählungen in den USA wechselte der Wohnort der Familie in dem 1590 Quadratkilometer großes Gebiet des Morgan County mehrfach. 1860 lebte die Familie am Mill-Creek-Fluß in der Nähe der kleine Ortschaft Syracuse. Zehn Jahre später verortete die amtliche Erhebung die Siegels etwas weiter westlich, in der Gemeinde Richland. Die folgenden Jahrzehnte traf man Peter und Lena wieder in der Gemeinde Mill Creek an. Dort verstarben die beiden auch, Joh. Peter am 29. März 1903 und Magdalena am 18. Februar 1913. Ihre letzte Ruhestätte fanden die beiden auf dem Church-Of-Christ-Friedhof in Florence.

Der Grabstein des gebürtigen Anhauseners Joh. Peter Siegel auf dem Church-Of-Christ-Friedhof in Florence.

Gesamtbeitrag erstellt am 9. September 2024.

Anmerkungen:

Die Zitate des 1837 aus dem Pfälzischen ausgewanderten Georg Heinrich Isemann stammen aus der Spiegel-Geschichtsausgabe „Deutsche Auswanderer“ Nr. 1 vom 17.01.2022 und käuflich zu erwerben für den Preis von 9,90 €

https://www.hugendubel.de/de/buch_kartoniert/spiegel_verlag_rudolf_augstein_gmbh_co_kg-deutsche_auswanderer-42473187-produkt-details.html

Als Lektüre würde ich gerne das Buch „Nach Amerika – Die Geschichte der deutschen Auswanderung“ aus dem Beck-Verlag für den Preis von 14,95 € empfehlen.

https://www.hugendubel.de/de/taschenbuch/bernd_brunner-nach_amerika-29488951-produkt-details.html

Die Fotos der Grabsteine finden Sie unter

https://de.findagrave.com

Die Stammbäume der Löhrs, Rodenbachs und Siegels können Sie bei ancestry entdecken

https://www.ancestry.de

Rengsdorf

Vom kleinen Westerwalddorf zum Luftkurort

Der Wandel Rengsdorfs vom einer unbedeutenden Ansiedlung zum florierenden Luftkurort ist der Verdienst des 1889 gegründeten Verkehrs- und Verschönerungsvereins, kurz VVV, zu dessen Honoratioren der Kurtscheider Pfarrer Schütz sowie der Oberförster André gehörten. Bereits 1890 sind sich alle Beteiligten der Interessensgemeinschaft einig, daß man Rengsdorf zum Kurort umbauen möchte. Noch verirren sich nur zwanzig Gäste in den verschlafenen Flecken im Westerwald. Nun beginnt eine rege Bautätigkeit, in der man die umliegenden Felder und Wälder mit Fußpfaden und Wanderwegen befestigt, den Besuchern und Besucherinnen Ruhebänke, Zierbrunnen und Aussichtspunkte zum Verweilen anbietet, ein Badehaus und Tennisplatz eröffnet und natürlich das Netz an Gaststätten, Restaurants und Hotels erweitert. Finanzielle Unterstützung findet die Gemeinde und der VVV u.a. in dem Unternehmer Friedrich Karl Henkel, der seit 1912 in einer komfortablen Villa am Ortsrand residiert.

Bereits nach kürzester Zeit tragen die Bemühungen des Vereins reiche Früchte. Stattliche 2461 Kurgäste besuchen den 900 Einwohner zählenden Kurort im Jahr 1904. 1907 hat sich die Zahl schon fast verdoppelt. 4383 Touristen, viele davon aus der Kölner Gegend, verweilen in dem inzwischen schicken Erholungsort. Aber auch internationales Publikum aus Amerika, England, Frankreich, Spanien, der Türkei und Österreich finden den Weg in die Ortschaft. 1913 sind fast alle Häuser Rengsdorfs ans Stromnetz angeschloßen und stolze 8578 Dauergäste kann die Gemeinde zählen. Welch eine Erfolgsgeschichte!

Am 26. August 1900 verschickt ein Kurgast diese Postkarte. 1897 hat die Gemeinde Rengsdorf den Betrieb eines öffentlichen Bades aufgenommen und bietet drei Jahre später schon 1900 Reinigungsbäder an. Unten links ist das Gebäude zu sehen. Dem Umbau des Dorfes zum Kurort fällt die alte und zu klein gewordene evangelische Kirche zum Opfer, die hier noch zu erkennen ist. Das marode und baufällige Gebäude passt nicht mehr ins Bild einer aufstrebenden Gemeinde. 1904 wird mit dem Bau eines neugotischen Kirchenschiffs begonnen, indem man den neu zu errichtenden Teil einfach an den bestehenden Glockenturm anfügt und nach Fertigstellung desselben den alten Bau abträgt. Der Turm bleibt erhalten, bekommt aber ein neues, spitzes Dach. (Beitrag vom 3. November 2021)

Richert / Strunkeich

In welchem Jahr mag die Aufnahme der kleinen Ortschaft Richert wohl entstanden sein? Möglicherweise befinden wir uns in den 1920er bzw. 1930er Jahren. Es ist Winter und Häuser und Felder sind von einer dichten Schneeschicht bedeckt. Am Horizont erkennt man noch die Höfe des Örtchens Strunkeich.
Die erste urkundliche Erwähnung Richerts stammt wohl aus dem Jahr 1344. Damals befand sich an dieser Stelle das Hofgut „Rüchert“, in späteren Jahren auch „Reichhart“ genannt, ein Anlage, die vermutlich aus einem Wohnhaus, mehreren Wirtschaftsgebäuden, Wiesen, Feldern und einem dazugehörigen Weiher bestand. Auch Strunkeich war ein solcher Einzelhof. In Vergessenheit geraten ist der Hof Rutschberg („Rutzberg“), der wohl im 17. oder 18. Jahrhundert aufgegeben wurde. Wo mag er sich befunden haben?
Nur zehn bewohnte Häuser befanden sich 1893 in den zwei kleinen Ortschaften, sieben davon gehörten zu Richert. Zu den Familienvätern, die in den beiden Weilern mit ihren Angehörigen lebten, gehörten u.a. der Ackerer Christian u. Heinrich Weingarten, Friedrich Wilhelm Schneider, Philipp Klaas, Joh. Simon Velten und der Wagner Heinrich Hoffmann. (Beitrag vom 30.10.2023)
Heuernte in Richert. Bei den Personen dürfte es sich um Angehörige der Familie Velten handeln. (Beitrag vom 30.10.2023)

Rodenbach

Eine alte Postkarte wahrscheinlich um 1900 entstanden. Nach Rücksprache mit dem früheren Bürgermeister des Ortes Herrn Zimmermann, der ein exzellenter Kenner der Rodenbacher Geschichte ist, kann man annehmen, daß es sich bei dem Haus um das der Familie Nöllgen handelt, indem sich früher die Gaststätte des Andreas Born befand. Es liegt an der Ecke Bismarckstraße/Zum Weiher und steht in veränderter Form noch heute dort.

Gaststätte des Andreas Born in Rodenbach

Hier sehen sie eine sehr frühe Aufnahme des Gasthofs Born. Von den Personen, die sich vor dem Anwesen aufgestellt haben, sind nur zwei eindeutig zuzuordnen und namentlich zu benennen. Vor dem Zaun sitzend (4. P.v.l.) sehen sie den Bruder des Gastwirts, den langjährigen Ortsvorsteher Wilhelm Born. Links neben ihm im schwarzen Kleid steht seine Frau Luise eine geborene Schumann. Man kann mutmaßen, daß das Ehepaar hinter dem Zaun den stolzen Gasthofbetreiber Andreas Born mit seiner Ehefrau Maria Sophia Luise geborene Klauer zeigt. Vergleichen Sie es einmal mit den Personen auf der Postkarte oben.

Kriegerverein Rodenbach

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei dem ehemaligen Ortsbürgermeister Herrn Lothar Zimmermann bedanken, der mir eine ganze Reihe alter Fotografien von Rodenbach zur Verfügung stellte. Zu diesen gehört diese Aufnahme, die um 1900 enstanden sein dürfte und den Kriegerverein des Ortes zeigt. Dieser Verbund ehemaliger Frontsoldaten und Reservisten diente nicht nur der Kameradschaftspflege und der Geselligkeit. Mitglieder und ihre Familien wurden bei Bedürftigkeit auch finanziell unterstützt. Desweiteren förderten sie die Errichtung von Kriegerdenkmälern zur Erinnerung an gefallene Kameraden.
In der ersten Reihe sehen wir als 7. von rechts Christian Zimmermann, den Großvater des früheren Bürgermeisters. Versammelt haben sich die Männer vor der Gastwirtschaft Born, über die ich bereits weiter oben berichtet habe. Inzwischen ist Otto Born der Besitzer, vermutlich der Neffe des am 27. November 1900 verstorbenen  Andreas Born. Mag er es sein, der aus dem Fenster im oberen Stockwerk schaut?
Desweiteren bitte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich das Bild einmal genauer anzuschauen. Entdecken Sie einen Ihrer Vorfahren in den gedienten Männern? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 10.06.2024)

Alte Ansichtskarte von 1903

Alte Lithographie-Postkarten mag ich besonders gerne. Die in einer aufwendigen Drucktechnik hergestellten, mehrfarbigen Ansichtskarten erfreuten sich zwischen 1872 bis 1910 großer Beliebtheit. Diese aus dem idyllischen Rodenbach konnte ich vergangenes Jahr käuflich erwerben. Neben einer Totalansicht der Ortschaft und einer Darstellung des alten Schulhauses, sehen wir wieder den oben bereits erwähnten Gasthof von Otto Born. In den Räumlichkeiten des Hauses befand sich auch eine Posthülfsstelle, wo die Dorfbewohner Postwertzeichen erwerben und ihre Briefe und Pakete aufgeben konnten. 
Besonderes Augenmerk möchte ich auf die Zeilen des Kartenschreibers legen. Er schien gerade in der Gastwirtschaft Born ein ausgiebiges Mittagsmahl eingenommen zu haben. Zu den Speisen gehörte u.a. eine Suppe mit Nudeln, Rindfleisch, ein Schweinebraten, Geflügel und als Beilage Salat. Das Desert waren gezuckerte Zwetschgen und als Getränk gab es einen Schoppen Moselwein. (Beitrag vom 2.03.2026)

Die Familie Tobias aus Rodenbach

An dieser Stelle sei an die jüdische Familie Tobias aus Rodenbach erinnert. Gustav Tobias wird am 20. Mai 1873 im nahegelegenen Oberdreis geboren. Seine 15 Jahre jüngere Ehefrau Selma kommt in Steimel zur Welt und ist eine Schwester des dortigen Metzgers Hermann Levy. Das Ehepaar hat vier Töchter, von denen drei rechtzeitig in die USA emigrieren können. Nach den erschütternden Erlebnissen der Pogromnacht am 10. November 1938 verzieht das Ehepaar zusammen mit der ältesten Tochter Ortense nach Köln. Dort leben Sie bis zu ihrer Deportation in der Weidengasse Nr. 63/65. Am frühen Morgen des 7. Dezember 1941 werden Gustav, Selma, Ortense und ihr Ehemann Moritz Aron mit 973 weiteren jüdischen Bewohnern Kölns in das Ghetto Riga in Lettland deportiert. Unter welchen Umständen die vier ums Leben kommen, konnte nie geklärt werden.

Das Ehepaar Gustav und Selma Tobias aus Rodenbach.
Dieses alte Schulfoto dürfte um das Jahr 1926 entstanden sein und zeigt die Rodenbacher Schulklasse mit Lehrer August Schöneberg. Unter den Schulkinder entdecken wir die beiden jüngsten Töchter von Gustav und Selma Tobias, die 1919 geborene Sabine (hintere Reihe, 5. von links mit hellem Kleid) und ihre ein Jahr jüngere Schwester Herta (links neben der Schwester mit dem gleichen Kleid). Beiden gelingt 1939 die Emigration in die USA. Herta wird nach ihrer Ankunft in New York den aus Puderbach stammenden Ludwig Aron heiraten.
Erkennt ein gebürtiger Rodenbacher weitere Personen auf dem Bild? (Beitrag vom 19. November 2021)

Links:

Geschichte der Familie Tobias

Deportationsliste vom 7. Dezember 1941 von Köln nach Riga

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411207_1.jpg

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411207_45.jpg

Ghetto Riga

https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Riga

Kindergarten Rodenbach

Dieses Bild einer Kindergartengruppe aus Rodenbach entstand zu Beginn der 1940er Jahre. Die Kindergärten der damaligen Zeit wurden von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, kurz NSV, betrieben. Die Kindergärtnerin ist Erna Fuchs geb. Müller und die Kinder sind von links nach rechts: Luise Hering, vorne Erika Wagner, dahinter Hannelore Noll, Manfred Hachenberg, vorne Waltraud Marth, dahinter Inge Hoffmann, Gerhard Hachenberg, vorne Marlene Wagner, dahinter Christel Höller, Liselotte Marth, mit Pudelmütze Waldemar Marth, dahinter Ernst-August Schneider, vorne Inge Kunz, dahinter Luise Schumann, Reinhold Klum, vorne Lothar Zimmermann und hinten Ursula Wagner.

Schule in Rodenbach

Bei meinem geschichtlichen Abriss zum Schulwesen in Rodenbach greife ich u.a. auf das Buch von Albert Harth „Vom Holzbach zur Wied“ zurück. 
Eine erste urkundliche Erwähnung eines eigenen Lehrers für Rodenbach, sein Name war Wilhelm Zimmermann, geht auf das Jahr 1799 zurück. Zuvor mußten die Kinder Rodenbachs zu Fuß zum Schulunterricht ins rund 5 km entfernte  Niederwambach laufen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fasst Rodenbach zusammen mit seinen Nachbarortschaften Udert und Neitzert den Plan, ein eigenes Schulhaus zu bauen. 1828 kann der Unterricht in dem einklassigen Schulraum beginnen.
Harth führt in seinem Buch für die Jahre 1850 bis 1921 folgende Lehrkräfte in Rodenbach auf: von 1850 bis 1893 ein Lehrer Wolf, ab 1893 Lehrer Marten, um 1897 Lehrer Frey, ein Lehrer Ecke aus Breslau, um 1905 Lehrer Kutscher und danach Herr Lehrer Schmitz.

Nach der Auflösung der Rodenbacher Volksschule im Jahr 1969 gelang es dem früheren Ortsbürgermeister Lothar Zimmermann alte Unterlagen aus dem Gebäude vor der Vernichtung zu bewahren. Darunter befindet sich ein zerschlissenes Buch mit den Abschlußzeugnissen der Jahre 1884 bis 1901. Folgt man den Namen der Lehrer durch die Jahrzehnte, so ergibt sich im Gegensatz zu Albert Harths Aufzählung folgende Reihenfolge: 1884 bis 1889 Lehrer Frey, 1890 nicht zu entziffern (siehe Unterschrift oben links), 1891 bis 1893 Lehrer Wolf, 1894 bis 1898 Lehrer Martin (statt Marten), 1899 bis 1900 mglw. ein Lehrer Fuchs und von 1900 bis 1901 Lehrer Ecke. (Ergänzender Beitrag vom 25.08.2024)
Eine Aufnahme, die um 1895 vorm alten Schulhaus in der gleichnamigen Schulstraße entstanden sein dürfte. Leider hat sich keine Namensliste der damaligen Schüler erhalten, noch kennen wir den Namen des Lehrers, der hier zwischen den Schulbuben sitzt. Ob es sich möglicherweise um Lehrer Marten bzw. Martin handelt?
Zeugnisbuch der Jahre 1884 bis 1901

Das sich die alten Zeugnisbücher der Volksschule Rodenbach erhalten haben, ist das Verdienst des langjährigen Ortsbürgermeisters Lothar Zimmermann. Mit der Aufgabe der Schule im Jahr 1969 rettete er die Unterlagen für die Nachwelt. An dieser Stelle seien einige der Abschlußzeugnisse gezeigt. (Ergänzender Beitrag vom 25.08.2024)

Das erste der Abschlußzeugnisse datiert auf den 1. April 1884. Bei dem Schüler handelt es sich um den am 15. September 1869 in Udert geborenen Simon Stahl. Die Eltern dürften sehr zufrieden mit dem Jungen gewesen sein, da die Noten fast nur aus „sehr gut“ und „gut“ bestanden. Einzig das Zeichnen und das Turnen scheinen nicht seine Passion gewesen zu sein.
Neben Lehrer Frey hat der zuständige Lokal-Schul-Inspektor und Pfarrer Ernst Ibing das Dokument unterzeichnet. Bis zum Ende des 1. Weltkriegs 1918 lag das Schulwesen unter kirchlicher Verwaltung.
Ebenfalls ein sehr gutes Zeignis hinterließ der am 20. Mai 1873 in Rodenbach geborene Gustav Tobias. Lehrer Frey hatte vermutlich aus Versehen die Felder „Bibl. Geschichte“, „Katechismus“ und „Kirchenlied“ mit einem „gut“ benotet und später mit Strichen ungültig gemacht. Der Junge mosaischen Glaubens ging natürlich nicht in den evangelischen Religionsunterricht, sondern wurde durch den Lehrer Stamm der jüdischen Gemeinde Dierdorf in die Lehren des Judentums eingeführt.
Gustav und seine Frau Selma geb. Levy, sowie die gemeinsame Tochter Ortense verh. Aron überlebten die Jahre des Nationalsozialismus nicht.
Bei dieser Schulabgängerin handelt es sich um eines der elf Kinder des weiter oben bereits erwähnten Gasthofbesitzers Andreas Born und seiner Frau Maria Sophia Louise geb. Klauer. Geboren wurde Wilhelmine am 22. Juni 1873 und auch sie glänzt, wie die übrigen hier erwähnten Schüler, in allen unterrichteten Fächern. Ich muß der Ehrlichkeit halber erwähnen, daß nicht alle Abschlußzeugnisse so positiv ausgefallen sind, wie die hier abgebildeten.
Sichtlich stolz kann auch der ehemalige Ortsbürgermeister Lothar Zimmermann auf seinen Großvater Christian sein. Der am 19. April 1878 geborene Sohn des Ackerers Wilhelm Zimmermann und der Anna Katharina geb. Kehl fällt in allen Fächern mit seinen guten Noten auf. Besonders die Mathematik scheint sein Steckenpferd gewesen zu sein. Ein „sehr gut“ prangt auf seinem Abschlußzeugnis.
Die Jahre von 1900 bis 1969
Lehrer Frey (?) mit den Mädchen der einklassigen Schulklasse um 1902. Der frühere Ortsbürgermeister Zimmermann erkannte in der dritten Reihe als fünfte von rechts seine Tante Karoline Zimmermann, eine geborene Jung. Das Mädchen war 1890 geboren und dürfte auf der Aufnahme um die 12 Jahre alt gewesen sein.
Lehrer Schmitz mit den Mädchen und Jungen der Rodenbacher Schulklasse möglicherweise um 1918.
Vor einigen Tagen besuchte ich den ehemaligen Ortsbürgermeister Lothar Zimmermann, der mir über die Jahre eine große Zahl an alten Bildern und Unterlagen zur Verfügung gestellt hat. Bei jedem unserer Treffen präsentiert er mir neue, spannende Schätze aus vergangener Zeit. Dazu gehörte diesmal dieses wunderschöne Schulfoto, das um 1920 entstanden sein dürfte und die damalige Abschlußklasse zeigt. Unter den Schülerinnen und Schülern, die aus Rodenbach stammten, findet sich Ewald Zimmermann (hinterste Reihe, 6.v.l.), links neben ihm Robert Asbach und wiederum links Erwin Reusch. Unter den Mädchen erkannte Herr Zimmermann Elfriede Hoben verh. Schweitzer (3. Reihe, 4.v.l.), Karoline Hahn verh. Mertler (2. Reihe, 4.v.l.), Hedwig verh. Höller (3. Reihe, 10.v.l.), Hilde Zimmermann, verheiratet mit Heinrich Marth aus Lautzert (4. Reihe, 9.v.l.) und Alma Schumann verh. Fournier (4. Reihe, 10.v.l.). Die Geschichte von Alma Schumann, die sich in einen französischen Zwangsarbeiter verliebte und ihm nach dem Krieg nach Frankreich folgte, soll an anderer Stelle ausführlicher erzählt werden.
Die Fotografie ist auf einem zierenden Passepartout angebracht, das hier in Teilen zu sehen ist. Oben kränzt ein Schriftband mit dem Spruch „Zur Erinnerung an meine Schulzeit“ die Aufnahme, komplettiert von Schulranzen und zwei Schiefertafeln. Unten prangen die Sprüche „Ohne Fleiß kein Preis“ und „Wer rastet, der rostet“ auf einem aufgeschlagenen Buch, die Schulabgänger ermahnend, auch in Zukunft tatkräftig und eifrig durchs Leben zu gehen. (Ergänzender Beitrag vom 25.08.2024)

Um 1920 beschließt die Gemeinde ein neues, größeres Schulgebäude zu errichten. Am 1. Oktober 1921 kann der stilvolle Neubau an der Neitzerter Straße eingeweiht werden. Drei Monate später, am 1. Januar 1922 nehmen Lehrer Schmitz und sein neuer Kollege Lehrer August Schöneberg den Unterricht in zwei separaten Klassenräumen auf.

Das 1922 in Betrieb genommene zweiklassige Schulgebäude an der Neitzerter Straße.
Das 1922 in Betrieb genommene zweiklassige Schulgebäude an der Neitzerter Straße.
Der Zweitlehrer August Schöneberg mit seinen Schutzbefohlenen um 1922.
Der Lehrer August Schöneberg

Besonders interessant und gut dokumentiert ist die Vita des am 15. November 1896 in Oberhonnefeld geborenen August Schöneberg. Seine Ausbildung zum Schulmeister erhält er im Lehrerseminar in Neuwied. 1914 mit Kriegsbeginn enden seine Studien abrupt. Er wird einberufen und an die Front nach Frankreich verlegt. Erst während eines Fronturlaubs kann er seine erste Lehrerprüfung erfolgreich ablegen. Im Mai 1918 erleidet er auf dem Schlachtfeld eine schwere Verwundung und gerät im Anschluß in englische Kriegsgefangenschaft. 1920 kann er seine erste Lehrerstelle in Gönnersdorf in der Eifel antreten. Doch bereits 1921 übernimmt er die Zweitlehrerstelle in Rodenbach. Das Westerwalddorf wird ihm zur Heimat und die Lehrerstelle eine Berufung. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1961 versieht er seinen Dienst hingebungsvoll und von den Dorfbewohnern äußerst geschätzt.

Lehrer Schöneberg mit sieben seiner Schülerinnen und Schüler am Tage ihrer Konfirmation. Bei den Mädchen handelt es sich links um Johanna Nöllgen aus Rodenbach und rechts um Helga Ramseger aus Neitzert. Die Aufnahme könnte um das Jahr 1932 entstanden sein. Wer mögen die verbleibenden Jugendlichen sein?
Lehrer Schmitz mit einem Teil der Rodenbacher Schülerinnen und Schüler. Bis auf einen einzigen Knaben in Zivil tragen alle Jungen der Klasse die HJ-Uniform. Vermutlich befinden wir uns um das Jahr 1939, als der sogenannte „Jugenddienst“ in der Hitler-Jugend Pflicht wurde. In späteren Jahren, nach dem Ende der Nazi-Diktatur, machte der Besitzer des Bildes das Hakenkreuz auf der Fahne unkenntlich.
Lehrer Schmitz und Lehrer Schöneberg mit beiden Klassen der Rodenbacher Schule. Wenn ich mich nicht verzählt habe, so komme ich auf insgesamt 65 Schülerinnen und Schüler, die sich auf zwei Klassen aufteilten. Eine komplette Namensliste der Kinder liegt mir bisher nicht vor. Vielleicht können Sie, liebe Leserinnen und Leser, bei der Vervollständigung des Verzeichnisses helfen.
Um 1940 entstand dieses Foto mit Kindern der Rodenbacher Schule und dem damaligen Lehrer August Schöneberg. Bei der Aufzählung der Schüler und Schülerinnen steht das R für Rodenbach, das U für Udert und das N für Neitzert. Durchnummeriert sind zu sehen: 1 Käthe Reusch R, 2 Helmut Henn U, 3 Hans-Werner Marth R, 4 Melitta verh. Kölbach N, 5 Luise Becker N, 6 Elfriede Becker N, 7 Helene Ströder N, 8 Lieselotte Zimmermann R, 9 Rudi Wagner R, 10 Rudi Marth R, 11 Günther Schuhmacher R, 12 Erich Hoffmann R, 13 Kurt Marth R, 14 Alfred Brinkmann R, 15 Else Kechel R, 16 Irene Schmidt N, 17 Helma Ramseger N, 18 Elisabeth Wagner R, 19 Luise Wagner R, 20 Ingeborg Schneider N, 21 Ilse Ramseger R, 22 Adelheid Marth R, 23 Lehrer August Schöneberg, 24 Elli Blum R, 25 Walter Klein U, 26 Heinz Marth R, 27 Gretchen Flick U, 28 … Flick U, 29 Günther Marth R, 30 Helmut Marth R, 31 Willi Blum N und 32 Ernst Marth R.


Schönebergs schriftstellerische Leidenschaft entwickelt sich bereits in frühen Jahren. Zu seinen ersten Veröffentlichungen gehört der Roman „Mensch unter dem Knüppel“ aus dem Jahr 1931, gefolgt von „Wir schaffen’s“ im Jahr 1935. Danach findet er keinen Verlag mehr, der seine Werke herausbringen würde. Möglicherweise liegt es an seiner kritischen Haltung gegenüber den nationalsozialistischen Machthabern. Er selbst war vor der politischen Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 Parteimitglied der SPD. Ein weiterer Beleg dafür mag das 1974 erschiene Buch „Hitler-Fahnen über dem Westerwald – Schicksal einer Westerwälder Bauernfamilie unter der Hakenkreuzfahne“ sein. Zu seinen weiteren Publikationen gehören der kleine schwarz-weiß Bildband „Westerwald“ von 1968, „Lachender Westerwald – Geschichten aus dem Lachkästchen unserer Vorfahren“ aus dem Jahr 1972 und „Schäfer Jakob und sein Hund – Erzählungen aus den Tagen unserer Vorfahren“ von 1973.
Am Samstag, den 13. August 1977 verstirbt August Schöneberg mit fast 81 Jahren in seinem Haus in Rodenbach.

Nach Schönebergs 40jähriger Tätigkeit folgen die Lehrer in rascher Folge. Dies sind Herr Pessler (1961-64), Herr Kirsch (1964/65), Bodo Schmidt (1965-68) u. Herr Lauth (1968/69). Zum Ende des Jahres 1969 müssen alle Kinder der Verbandsgemeinde an die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule nach Puderbach wechseln und der Unterricht in Rodenbach wird eingestellt. (Beitrag vom 26. Juni 2023)

Blick auf Rodenbach und die Oberdreiser Straße

1945 entstand diese Aufnahme, die Rodenbach mit der Oberdreiser Straße zeigt. Im Vordergrund ist Emma Zimmermann geb. Brauer zu sehen, die mit ihrem Ochsengespann der Feldarbeit nachgeht. Ihr Mann Ewald ist zu dieser Zeit bereits in russischer Gefangenschaft. Die Verhältnisse in den Lagern Rußlands sind so hart, die Versorgung mit Lebensmitteln so schlecht, daß Ewald Zimmermann an Unterernährung und Hunger sterben wird.

Krippenspiel

Eine Krippenspiel-Aufführung vermutlich Ende der 1940er Jahre im Rodenbacher Schulhaus. In der ersten Reihe steht mit ihren dunklen Haaren Liselotte Marth aus Rodenbach (3.v.r.) Erkennen Sie weitere Personen auf dem Foto?

Rodenbacher Kirmes

Hier ein paar wunderbare Aufnahmen der „Rulemer Kermes“ aus den 1950er Jahren.

Die Rodenbacher Kirmes im Jahr 1953. Die Lebensfreude auf dem Bild springt sofort auf den Betrachter über. In der vorderen Reihe sind von links nach rechts zu sehen: Ilse Ramseger, Christel Kunz, Elli Blum, Hans-Werner Marth, Inge Kurz, Liselotte Marth und Luise Hering verh. Schmidt. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Hier der Rodenbacher Kirmes-Umzug im Jahr 1955. Vorne auf dem Traktor sitzen Karl Hering und seine Frau Emma eine geborene Schumacher.
Hier sieht man von rechts nach links auf dem Umzugswagen sitzen: Hannelore Zerres aus Udert, Lothar Zimmermann aus Rodenbach, Luise Hering verh. Schmidt aus Rodenbach, …, Anna Bahl, Leni Noll aus Rodenbach und Elfriede Schuhmann aus Ingelbach später verh. nach Rodenbach.

Roßbach

Um das Jahr 1910 dürfte diese alte Postkarte von Roßbach im Umlauf gewesen sein. Neben einer hübschen Ansicht des sogenannten Oberdorfes und einer Straßenansicht entdecken wird die Gastwirtschaft Zerres, vor der sich eine große Zahl an Schaulustigen für den Fotografen versammelt hat.
Meine Recherchen haben ergeben, daß die Gastwirtschaft um 1873 von dem früheren Bergmann Ludwig Brost und seiner Frau Anna Maria Eleonore geb. Müller gegründet wurde. Damals gab es neben der Gaststube einen Kramladen, in dem die Dorfbewohner Dinge des alltäglichen Bedarfs kaufen konnten. Die Wirtschaft wird Anlaufstelle für die zahlreichen Kumpels des nahegelegen Bergwerks gewesen sein. 1873 heiratete die 21jährige Tochter Luise den ebenfalls aus Roßbach kommenden Heinrich Zerres und die Gastwirtschaft wechselte den Namen.
Sehen Sie neben dem Wirtshaus den kleinen Anbau? Dort wurde 1894 die erste Poststelle von Roßbach eingerichtet, die ebenfalls das Ehepaar Zerres leitete.
Das Gasthaus erfreute sich so großer Beliebtheit, daß extra ein Saal für große Feste und Feierlichkeiten gebaut wurde. Kann mir ein gebürtiger Roßbacher sagen, wo sich dieser Festraum befand? Hat er die Jahrzehnte überdauert? Was wurde aus der Gaststätte und seinen Besitzern? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen!
Nachtrag: Frau Udert aus Roßbach hatte meine Anfrage gelesen und konnte mir einige weiterführende Informationen zum Gasthof Zerres geben. Neben dem Gastbetrieb führte die Familie eine Bäckerei und versorgte die Dorfbewohner mit frischen Brot und anderen Backwaren. Der Saal für Feiern und andere Veranstaltungen befand sich hinter dem Hauptgebäude. Man kann ihn auf der Fotografie mit dem Gasthof im Hintergrund noch erahnen. Die Schulkinder der 1960er Jahre absolvierten hier ihre Turnübungen. Die Gastwirtschaft selbst schloß am 4 November 1967 ihre Tore und zu Beginn der 1980er Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Eine Postelle in Roßbach existierte noch bis zum 26. Oktober 1996. (Beitrag vom 7.08.2023)

Schulfoto

Das ich ein altes Schulfoto aus Roßbach von 1920 in einer Wohnstube in Puderbach wiederfinden würde, hätte ich nicht gedacht. Doch zwei der drei Töchter von Paul und Ida Nieß geb. Selbach, die auf der Aufnahme zu sehen sind, hatten „Pullerbächer“ Jungs geheiratet. Mein Dank geht an dieser Stelle an Frau Kambeck, die mir freundlicherweise die Fotografie zur Verfügung gestellt hat. Bei der folgenden Namensliste sei erwähnt, daß die Kinder mit ihrem Rufnamen bezeichnet werden. Abweichende Geburts- oder Ehenamen stehen in Klammern dahinter. Von links nach rechts sehen Sie 1. Reihe: Klauersch August (Kunz), Sannsches Arthur (Simon), Ohler-Boggerts Heinrich (Demuth), Haas-Pittersch Heinrich (Theis), Weyers Karl, Hannerwens Alfred (Zerres), Hennersch Walter (Schneider), Zeilers Gustav u. Simons Kurt (Nieß). 2. Reihe: Simons Paul (Nieß), Schütze Arnold, Selbachs Ida (verh. Nieß), Lursch Anna (Krämer), Scholzen Erna (Franz), Müllersch Gertrud, Schnälersch Gerda (Ohlemacher), Hann-Willms Johanna (Theis), Weingartens Johanna (Schneider), Selbachs Frieda (Tönges), Wiessefranz Elfriede und Schmitz Minna. 3. Reihe: Panthels Heinrich, Dills Irene (Müller), Kiefersch Alma (Müller), Evetrings Paula, Steins Rosa (Mertgen), Pittersch Frieda (Kunz), Lursch Irene (Schneider), Lissjes Johanna, Hansemunz Minna (Demuth), Kienz-Pittersch Ida (Zerres), Scholzen Hilda (Selbach), Selbachs Emil u. Altfried Nieß. 4. Reihe: Lehrer Scherber, Schustersch Emil (Schneider), Kunz Gustav (Schmidt), Uschmanns Arthur (Henn), Basten Heinrich (Schneider), Schütze Otto, Kiefersch Alfred (Henn), Denkersch Paul (Zeiler), Kunz Ernst, Krämersch Karl, Schäffen Arthur (Schneider), Hammpittersch Emil (Demuth) u. Herr Emil Kasper. (Beitrag vom 11.01.2023)

Kirmes

Das halbe Dorf scheint bei dieser Kirmes in Roßbach für den Fotografen zusammengekommen zu sein. Wir befinden uns im Jahr 1925. Da die Blüten des Kastanienbaums vor der Gastwirtschaft Nies bereits welk sind, kann man vermuten, daß das Volksfest im Juni stattgefunden hat, möglicherweise zu Pfingsten oder einem der anderen kirchlichen Feiertage. Eine kleine Kapelle bestehend aus Schlagzeug, Geige und Cello sorgte für die musikalische Umrahmung und bot den Festgästen die Möglichkeit zum Tanzen.
Das Gasthaus Nies befindet sich auch heute noch in Familienbesitz. Schauen Sie sich einmal den kleinen Beitrag in der Sendung „Hierzuland“ vom SWR an. Neben seiner Arbeit im Gärtnereibetrieb schenkt Heinz-Günther Nies noch heute seinen Gästen in der Wirtsstube ein kühles Bier aus.
An alle gebürtigen Roßbacherinnen und Roßbacher geht die Frage, ob Sie jemanden von den Personen auf dem Bild identifizieren können. (Beitrag vom 10.06.2022)
Nachtrag: Mit der Hilfe von Frau Schmidt u. Frau Kambeck aus Puderbach, sowie der tatkräftigen Unterstützung von Herrn Henn aus Roßbach, dem ältesten Bewohner des Dorfes, konnten einige Personen zugeordnet werden. Bei den „Rossbichern“ handelt es sich um: Den Gasthofbesitzer Fritz Nies, 2 Lina Henn, 3 Ferdinand Weyer, 4 Frieda Kunz (Kienz), 5 Frieda Schneider u. 6 ihr Ehemann Heinrich Schneider (Machtlings) und 7 Gertrud Henn verh. Lotz. Die Kapelle stammte wohl aus dem bei Selters gelegenen Maxsain. (Beitrag vom 20.11.2023)

https://www.ardmediathek.de/video/hierzuland/grubenstrasse-in-rossbach/swr-rp/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8xMzc3Nzc5NA

Die Schmiedewerkstatt der Familie Selbach

Die Schmiedewerkstatt der Familie Selbach kann auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurückschauen. Bereits der am 21. Februar 1794 bei Rückeroth geborene Joh. Peter Selbach wird als Schmiedemeister erwähnt. Auf ihn folgt sein Sohn Heinrich Wilhelm sowie in Dritter Generation der am 12. September 1869 geborene Heinrich Ludwig Selbach. Bis zu seinem Tode im Jahr 1948 dürfte die Schmiede in Betrieb gewesen sein.
Auf dieser wunderschönen Aufnahme können wir einen Blick ins Innere der Schmiedewerkstatt werfen. Links im Hintergrund lodert das Schmiedefeuer, die sogenannte Esse, mit der man das zu bearbeitende Metall auf eine Temperatur bis zu 1250 ° C. erhitzt. Ferdinand Weyer, ein Verwandter der Selbachs, hat das glühende Eisen vor wenigen Momenten aus dem Feuer geholt und vearbeitet es auf dem Amboss mit einem kurzen Schmiedehammer weiter, wobei ihn Werner Selbach, der jüngste Sohn des Schmiedebesitzers Ludwig Selbach, mit einem längeren Hammer unterstützt. Für den Fotografen haben die beiden kurz inne gehalten, blicken in die Kamera, um im nächsten Moment mit ihrem Tagwerk fortzufahren.
Die Fotografie dürfte um das Jahr 1930 entstanden sein. (Beitrag vom 20.11.2023)

Metzgerei und Gastwirtschaft Lichtenthäler

Eine wunderschöne Aufnahme aus dem Jahr 1930 zeigt uns die Gaststätte nebst Metzgerei der Familie Lichtenthäler. Neben seinem schicken Automobil, es war das erste Fahrzeug seiner Art in Roßbach, sehen wir den Fleischermeister Heinrich Lichtenthäler. Seine Frau Wilhelmine, hier mit dem jüngsten Sprössling Inge auf dem Arm, und die beiden Töchter Helene und Hanne, haben sich etwas separat in der Bildmitte für den Fotografen aufgestellt. Die übrigen Personen sind der Metzgergeselle mit weißer Schürze und dem Familienhund an seiner Seite und ganz rechts eine Hausangestellte. (Beitrag vom 9.08.2023)
Das Gastwirtsgebäude von Heinrich und Minchen Lichtenthäler, erbaut um das Jahr 1900, wurde über die Jahrzehnte mehrfach umgebaut und erhielt 1961/62 einen Anbau, gut zu erkennen auf dem Postkartenausschnitt oben rechts. Hier befand sich die Kühlkammer für die Fleich- und Wurstwaren der Metzgerei. Zudem bot die Familie seit den 1950er Jahren Fremdenzimmer für zumeist deutsche Urlauber an. In späteren Jahren übernahm die Tochter Inge Lichtenthäler und ihr Mann Alfred Biehl den Betrieb.
Die Fotografie unten rechts zeigt uns, wo genau das Gebäude in Roßbach stand, nämlich am Zusammenlauf von Mündersbacher Straße und Hauptstraße. Hier erhaschen wir auch einen Blick auf das Schlachthaus, das sich gleich hinter dem Hauptgebäude befand.
Nach dem Tod von Alfred Biehl zog in die Räume der Fleischerei die Metzgerei Born aus Steimel und eröffnete eine Zweigfiliale. Der Gaststättenbetrieb schloß 1992 seine Pforten. Danach verkaufte die Familie das Anwesen. Durch einen Brand im Jahr 2003 derart beschädigt mußte das Gebäude anschließend abgerissen werden. (Beitrag vom 9.08.2023)

Alte romanische Kirche Roßbachs

Ein vergangener Blick auf die Evangelische Kirche Roßbachs um das Jahr 1938. Der imposante Glockenturm war wohl in frühester Zeit ein Wachturm, an die man im 13. Jahrhundert die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika angebaut hatte. Die Schiefer gedeckte Turmhaube dürfte dabei im 18. Jahrhundert ergänzt worden sein. 1904 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Doch bereits 15 Jahre später traten erneut Schäden auf, die vor allem den Glockenturm betrafen und irreparabel waren. 1938, als die Fotografie entstand, durften die beiden Glocken aus Angst vor Einsturzgefahr nicht mehr geläutet werden und 1952 erfolgte ein polizeiliches Verbot der Nutzung des Turms. Im Jahr 1954 entschloß sich die Gemeinde den nicht mehr zu rettenden Kirchturm abzureißen. Somit konnte auch das romanische Kirchenschiff nicht mehr genutzt werden. Heute sind die Reste der Kirche eine Ruine und dienen als Gedenkstätte. Das Gemeindeleben findet im 1958 errichteten Neubau in unmittelbarer Nähe statt. (Beitrag vom 4.08.2023)
Ein Blick ins Innere des Kirchenschiffs ebenfalls um 1938. Links, vor dem eigentlichen Altarraum, die Kanzel mit dem sogenannten Schaldeckel. Im Altarchor selbst, der von der Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“ bekränzt ist, sehen wir die Orgel, die 1857 durch Spendenmittel angeschafft worden war. In der Zeit des 1. Weltkriegs hatte man die aus einer Zinn-Blei-Legierung hergestellten Orgelpfeifen ausgebaut und eingeschmolzen, da großer Mangel an Rohstoffen herrschte. Der 1927 angeschaffte Ersatz konnte die alte Klangfülle nicht mehr herstellen.
Bei Ihrem nächsten Besuch in den Ruinen der kleinen Basilika würde ich Sie bitten, sich diese Fotografie vor Augen zu führen und sich daran zu erinnern, wie in den fensterlosen Mauern einst Gottesdienste gefeiert, Lieder gesungen und Gebete gesprochen wurden. (Beitrag vom 4.08.2023)

Weitere Informationen zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Roßbach unter:

https://www.rossbach-ww.de/kirchengemeinde

Sensenbach

Ein verträumter Blick von einer Anhöhe bei Steimel auf die Ortschaft Sensenbach. Verschickt wurde diese Postkarte 1936.

Steimel

Hier eine ganz wunderbare Postkarte, die Hermann Hartstang aus Steimel am 24. Dezember 1906 an seine gute Bekannte Klara Jonas nach Raubach verschickte. Zu sehen sind die heutige Lindenallee mit den Gasthäusern der Familien Reusch, Klein und Neitzert, zudem ein Blick auf das benachbarte Sensenbach.
Um 1910 kam diese Grußkarte Steimels in Umlauf. Wieder sehen wir oben links die Lindenallee mit ihren zahlreichen Gastwirtschaften, die u.a. den Besuchern des Steimeler Viehmarkts Unterkunft bot. Eines der Gasthäuser ist das von Ferdinand Neitzert, das wir auf der Ansichtskarte unten rechts im Detail sehen. Kann es sein, daß die Familie neben dem Gastwirtsbetrieb eine Bäckerei führte?
In der oberen, rechten Bildhälfte sehen wir den Martkplatz Steimels. Man erkennt bei näherem Hinsehen die Gatter, an denen die Rinder festgemacht wurden.
Die Geschichte des Marktflecken Steimel reicht über 500 Jahre zurück und findet in Akten des 16. Jahrhunderts erstmals seine Erwähnung. Der Viehmarkt zählte dabei zu einem der größten im Westerwald und fand in früheren Zeiten alle zwei Wochen statt.
Der gesellschaftliche Wandel der 1950er und 1960er Jahre brachte es mit sich, daß viele landwirtschaftliche Betriebe verschwanden und die Viehmärkte mehr und mehr an Bedeutung verloren. Heute ist der Kartoffelmarkt eines der beliebtesten Volksfeste der Verbandsgemeinde Puderbach.
Aus aktuellem Anlass ist unten der Link zur Sendung „Hierzuland“ der Landesschau Rheinland Pfalz angehängt. Diesmal waren die Reporter in Steimel unterwegs. Achten Sie doch bitte besonders auf den Herrn, der über die Geschichte des Kartoffelmarktes berichtet und so wunderbar Platt spricht. Es handelt sich um den Ortschronisten Michael Anhäuser. (Beitrag vom 9.09.2024)

Link:

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/hierzuland/steimel-100.html

Metzger Hermann Levy

Was für ein kapitales Schwein auf diesem Foto zu sehen ist. Anscheinend hat der Metzger Hermann Levy aus Steimel (links am Bildrand) nicht nur die jüdische Bevölkerung mit koscherem Rindfleisch und Geflügel versorgt, sondern auch seiner übrigen Kundschaft ein reiches Angebot an Fleisch- und Wurstwaren angeboten. Nach der erzwungenen Emigration der Familie nach Südamerika übernimmt die Familie Born Schlachterei und Geschäft.
Der Metzger Hermann Levy, seine aus Raubach stammende Frau Klara geb. Jonas und Kurt Levy, einer der gemeinsamen Söhne des Paares. Die Aufnahme entstand vermutlich um 1945 in ihren neuen Heimat Argentinien.

Straße von Puderbach nach Steimel

Kaum zu glauben, daß es sich bei dieser noch umbefestigten Straße um die L265 von Puderbach nach Steimel handelt. Die inzwischen ausgebaute und asphaltierte Fahrbahn wurde linkerhand durch einen breiten Fuß- und Radweg ergänzt. Auch den dichten Waldbestand zu beiden Seiten gibt es heute so nicht mehr. Klimawandel und Trockenheit hat den Nadelwäldern im Westerwald stark zugesetzt.
Entstanden sein dürfte die Aufnahme in den frühen 1950er Jahren. (Beitrag vom 25.06.2024)

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