Vereinsleben und Ehrenamt bei der Feuerwehr

Detailaufnahme von einer alten Postkarte um 1900. Man sieht, daß es in der Nähe der Schule bereits einen Turnplatz gegeben haben muß.

Sich ein Dorf ohne Vereinsleben vorzustellen, ist kaum möglich. Bereits unsere Groß- und Urgroßeltern wirkten in Gesangs-, Turn- oder Fußballverbänden mit. Hinzu kommt die lebensrettende Arbeit der freiwilligen Feuerwehr, von Männern und heute auch Frauen, die viel Zeit und Engagement in ihr Ehrenamt stecken, um unseren Alltag sicherer zu machen.

Gründung des Turnvereins im Jahre 1909

Der verschlissene Turnerpaß meines Großvaters Friedrich Kuhl ausgestellt um das Jahr 1924. Welche Bedeutung dieses Dokument und die damit verbundene Mitgliedschaft für ihn hatte, kann man daran ermessen, daß er ihn während seines ganzen Kriegseinsatzes bei sich trug. In diesem Paß vermerkt er 1945 Tag und Stunde seiner Gefangennahme und er begleitet ihn ins Kriegsgefangenenlager nach Frankreich, indem er drei Jahre interniert ist.

Wie es zur Gründung des Puderbacher Turnvereins kam, berichtet die 1959 zum 50jährigen Bestehen erschienene Festschrift. Darin heißt es:

„Im Jahr 1909 ging vom damaligen Bürgermeister Ermisch die Initiative aus, in Puderbach einen Turnverein zu gründen. Begeisterte Helfer sammelten in Puderbach und Reichenstein Unterschriften und am 19. Mai kam es zu der Gründungsversammlung, die in den Räumen der Gastwirtschaft Weber, unter dem heutigen Tanzsaal, stattfand. In dieser ersten Versammlung waren folgende Turnbegeisterte anwesend: E. Fetz, Fr. Schneider, Wilh. Bremer, Adolf Aron, Lehrer Siegel, Lehrer Lamberti, Adolf Engers, W. Schneider III, Otto Starrmann, Karl Müller, Karl Bay, Berthold Bär, Willi Eich, Ewald Schlichting, Albert Bär, Friedrich Dorr, Wilh. Schäfer, Ernst Siegel, Fritz Brauer, Peter Hermanny, Ewald Lamberti, Otto Rosenberg, Wilh. Ramseyer, Oskar Frohn, Dr. Sneider und Bürgermeister Ermisch. … Im Gründungsjahr 1909 traten noch folgende Mitglieder ein: Heinrich Schäfer u. Gustav Bay. … Die ersten Turnstunden wurden in der alten Schule abgehalten, die später abgerissen wurde. Der Besuch der Turnstunden war gut. An Geräten war nur ein Barren vorhanden, der durch eine Sammlung und durch einen Zuschuß der Gemeinde gekauft werden konnte. Eine Fußmatte fertigten sich die Turner aus alten Säcken an. Bei den Turnern entwickelten sich gute Kräfte, die schon nach kurzer Tätigkeit an turnerischen Wettkämpfen teilnahmen und manche Preise mit nach Hause brachten. Aber auch die Leichtathletik wurde nicht vernachlässigt. An den Sonntagen wurden leichtathletische Wettkämpfe ausgetragen. Der Verein wurde immer reger.“

Wie man an der Auflistung der Gründungsmitglieder sieht, waren die jüdischen Einwohner völlig integriert und fester Bestandteil des Dorflebens.

Erstes Vorturnen

Zur Einweihung des Kriegerdenkmals für die gefallenen Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges am 31. August 1913 bekommt der Turnverein zum ersten Mal die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.

Es sieht schon eher nach Akrobatik aus, wie sich die Turner auf dieser geschmückten Holzkonstruktion für den Fotografen trapiert haben. Ganz links unten mit Fahne in der Hand steht Otto Haberscheidt. Der Herr in der Mitte, zwischen den Schärpen tragenden Damen ist Gustav Bay. Von den Frauen sind mit Namen bekannt einmal Pauline Bay verh. Frohwein (3. von rechts) und Karoline Blum (Marotzefis/2. von rechts). An der Stange rechts steht an zweiter Position Philipp Born (Muschender). Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Fußballclub Komet

Vermutlich im Jahr 1911 gründen im Gasthof Hümmerich Mitglieder des Turnverbands einen eigenständigen Fußballverein, der seinem Namen dem 1910 am Sternenhimmel zu sehenden Kometen „Halley“ zu verdanken hat.

Diese Gruppenaufnahme August Sanders zeigt den Puderbacher Fußballclub „Komet“ 1911 vermutlich auf der heutigen Hauptstraße am Ortsausgang Richtung Raubach. In der 1. Reihe sind von links nach rechts zu sehen: Robert Lamberti, Karl Bay (gefallen im 1. Weltkrieg), Heinrich Schäfer, Ernst Siegel, Wilhelm Bierbrauer und Ewald Lamberti. 2. Reihe: Karl Müller, Karl Eich, Gustav Bay, Friedrich Dorr, Paul Loh, Karl Dorr, Karl Starrmann, Otto Herzog und Wilhelm Schäfer. Im Jahre 1920 hatte sich der Club bereits wieder aufgelöst.

Die Bedingungen für ein gelungenes und erfolgreiches Fußballspiel sind mehr als schlecht. Nicht nur, daß man über keine Tore und keine vernünftigen Sportschuhe verfügt. Der Platz zum Spielen gleicht eher einer Wiese und liegt an der heutigen Mittelstraße. Als das Geschäftshaus Udert an dieser Stelle gebaut wird (heute Filiale Volks- und Raiffeisenbank), bekommen die Kicker einen völlig verwilderten Grünstreifen auf dem Felsen zugewiesen. Nur durch tatkräftigen Einsatz der Sportbegeisterten, kann man das Stück Land in einen bespielbares Feld verwandeln.

Der Turnverein in den Zwanziger und Dreißiger Jahren
Mein Großvater 1934 bei einer Übung an Barren und Pferd. Meine Großmutter konnte sich erinnern, daß er in den 1930er Jahren bei einer Feier im Tanzsaal im Gasthof Weber eine Vorführung seiner Künste vor Publikum gab. Bei seiner Darbietung verlor er jedoch einen seiner Sportschuhe, turnte seine Übung aber unbekümmert weiter und erntete beim Abschluß tosenden Applaus. Unter den Schaulustigen war auch meine Urgroßmutter Sophie, die ihrem Sohn voller Stolz zuschaute.

Nach dem 1. Weltkrieg, die Mitgliederzahlen sind um mehr als die Hälfte gesunken, erlebt der Turnverein durch seinen neuen Vorsitzenden Julius Hülpüsch einen ungeahnten Aufschwung. Es gelingt ihm, Gelder zur Anschaffung besserer Ausrüstung und zum Ausbau des Sportplatzes zu organisieren. Es kommt auch zu personellen Veränderungen, denn der langjährige Vorturner Gustav Bay wird nach einem Schlüsselbeinbruch durch den aus Selters stammenden Albert Pangert ersetzt. In diesen Jahren gründet sich auch eine eigene Frauenriege. Die Turner machen dem Verein alle Ehre, indem sie etliche Bezirksturnfeste besuchen und dabei zahlreiche Preise und Medaillen erringen.

Ein Sonntagsausflug der Mitglieder des Turnvereins um 1930. Sie werden zum Teil von ihren Ehefrauen begleitet. Wohin die Spritztour ging, ist leider nicht bekannt. Zu sehen sind von links nach rechts: Hermann Wolff (Jiddsches), mglw. Kurt Bär (Bertholds), Emilie Bay verh. Lamberti, dahinter ihr Bruder Gustav Bay, vorne Ernst Bachenberg (Lisjes), hinten Willi Zerres, mglw. Emma Dümmler verh. Zerres, vorne Anna Mühlbach verh. Bachenberg (Lisjes), hinter ihr der Bierfahrer von Kasches Ernst Kunz, hinter ihm Otto Bachenberg (Lisjes), vorne das Vereinsmitglied der 1. Stunde Robert Lamberti, hinter ihm der Milchfahrer Emil Herzog, rechts neben ihm Walter Hümmerich, vorne Herr und Frau Kölbach, die damaligen Besitzer der Mühle.
Ein österlicher Spaziergang der Mitglieder des Turnvereins um 1936. Zu sehen sind: 1 Karl Bay, 2 Karl-Heinz Hitzenbichler, 3 Karl Siegel, 4 Karl Pangert, 5 Ernst Hoffmann v.d. Hölzjes Mühle, 6 Karl Born, 7 Erich Bender, 8 Magdalena Hofedietz, 9 Fritz Velten, 10 Hertha Rettig verh. Bachenberg, 11 Anna Mühlbach verh. Bachenberg, 12 Hildegard Wilhelm, 13… Wilhelm, 14 Hildegard Lieske verh. Müller, 15 Emilie Born verh. Krantz, 16 Frau Bürgermeister Günther, 17 Bürgermeister Günther, 18 Ernst Bachenberg, 19 Albert Pangert, 20 Helmut Hermanni, 21 Margarete Dorr, 22 Paul Scharfenstein, 23 Emma Weingarten verh. Frauzem, 24 Friedrich Kuhl, 25 Gertrud Bender, 26 Helmut Hoffmann v.d. Hölzjes Mühle, 27 Elfriede Haberscheidt verh. Neidhart, 28 Günther Haag, 29 Anneliese Müller, 30 Werner Kuhl a. Niederdreis, 31 Günther Lotz a. Niederdreis, 32 Walter Velten und 33 Herbert Bachenberg. Erkennen Sie weitere Personen?
Aus Fußballclub Komet wird Schwarz-Weiß Puderbach

Im Jahr 1920 löst sich der Fußballclub Komet auf. Auf Initiative des Turners Gustav Bay entsteht aus interessierten Turnmitgliedern ein eigener Verband von Fußballspielern. Im Laufe der Jahre werden sie sich unter dem Namen „Schwarz-Weiß Puderbach“ als eigenständigen Fußballverein zusammentun.

Eine Aufnahme der Fußballaktiven vermutlich um 1928. Unten sitzen von links nach rechts: Wilhelm Born (Hoochspitterichs), Friedrich Kuhl (Schlössersch), Friedrich Buscher. 2. Reihe: Willi Schmidt (Fonks), Franz Wilhelm, Willi Ströder aus Mogendorf. 3. Reihe: Willi Heinrichs, Kurt Staatsmann, Karl Oettgen, Willi Schäfer und Paul Velten (Schurrmes). Der aus Betzdorf stammende Franz Wilhelm, der einschlägige Erfahrungen im sportlichen Vereinsleben mitbrachte, hat die Spieltechnik seiner Fußballkollegen erheblich verbessert.
Hier sieht man die Puderbacher Mannschaft vermutlich bei einem Auswärtsspiel um 1930. Man erkennt sie sofort an den schwarz-weißen Trikots, die dem Vereinsnamen entsprechen. Von links nach rechts sind zu sehen: Franz Wilhelm mit Schiebermütze, vor ihm eine seiner Töchter, Paul Velten (Schurrmes), Willi Schmidt (Fonks), …, Willi Schäfer, Willi Hörder, Edmund Hottgenroth (Metzgersch), …, Paul Scharfenstein, Emil Born (Hoochspitterichs), …, Wilhelm Born (Hoochspitterichs), …, Ernst Funk, Friedrich Buscher, Otto Deneu (Sannersch) und Richard Hoffmann. Erkennen Sie eine der fehlenden Personen?
Eine schöne Aufnahme des Fußballvereins Schwarz-Weiß Puderbach aufgenommen um 1930. Man beachte die gut erkennbaren Abdrücke der Lattentreffer! Von links nach rechts sind zu sehen. Willi Schäfer, Friedrich Buscher, Richard Becker, Walter Rüdig, Willi Heinrichs, Friedrich Kuhl (Schlössersch), Willi Ströder aus Mogendorf, Paul Velten (Schurrmes), Wilhelm Born (Hoochspitterichs), Karl Oettgen und Franz Wilhelm.
Nach ihrem gemeinsamen Fußballspiel sind hier Mitglieder des „Schwarz-Weiß Puderbach“ und eines Kölner Fußballclubs für ein Foto zusammengekommen. Das Bild wird um 1930 entstanden sein und zeigt durchnummeriert: 1 Friedrich Kuhl (Schlössersch), Emil Schmidt (Kasches-Schmidts), Paul Scharfenstein, Hermann Hoffmann, Karl Oettgen, Friedrich Born (Hoochspitterichs) und Friedrich Buscher.
Festumzüge

Die nächsten fünf Fotografien sind bei einem der Feiern des Turn- und Fußballvereins um 1933 entstanden. Zu den Festumzügen waren auch Vereine aus der Umgegend eingeladen und eine Blaskapelle sorgte für gute Laune. Vermutlich waren die Feierlichkeiten mit Turnvorführungen, Freundschaftsspielen und anschließendem Tanz im Weberschen Saal verbunden (Heydorschs).

Hier der Beginn eines solchen Festumzuges. Der Tross bewegt sich die Mittelstraße Richtung Kirchdorf hinunter und passiert gerade die alte Mühle. Ganz vorne rechts läuft der Milchfahrer Emil Herzog und die junge Dame im dunklen Rock ist Else Puderbach später verh. Faust. Erkenne Sie weitere Personen auf dem Bild?
Der Zug kommt von der Hauptstraße Richtung Reichenstein und biegt auf dieser Aufnahme auf die Mittelstraße ein. Links sieht man das Gebäude der Gastwirtschaft Weber. Die erste Dame auf dem wunderbar geschmückten Fahrrad ist die Schwester meines Großvaters Anna Kuhl verh. Klaas. Könnte der Feuerwehrmann rechts der „Antreesen Emil“ sein? Und wer sind die Passanten am Straßenrand?
Für diese Aufnahme hat sich der Fotograf gegenüber von „Heydorschs“ plaziert. Man sieht weitere der herausgeputzten Räder mit deren Fahrern.
Ich brauche mal wieder Ihre geschätzte Hilfe! Welcher Fußballverein könnte das sein, der sich in den Festumzug eingereiht hat und hier zu sehen ist? Könnte der Schriftzug auf der Fahne Bendorf heißen?
Diese Aufnahme entstand vermutlich etwas später als die anderen Bilder und dürfte bei einem Festumzug um 1936 geknipst worden sein. Mir scheint es, als hätten die jungen Frauen auf dem früheren Fußballplatz auf dem Felsen Aufstellung genommen. Von links nach rechts sind zu sehen: Käthe Velten verh. Projahn (Schurrmes), Luise Runkler verh. Velten (Antreesen später Schurrmes), Laura Deneu verh. Kuhl (Sannersch), Frieda Oettgen verh. Will, Anneliese Wilhelm, Erna Bierbrauer verh. Schmidt, Erna Schäfer verh. Pistorius (Vollmanns), Hildegard Wilhelm und Änne Schäfer (Bahnhofs).
Dunkles Kapitel

Zu einen der traurigsten Kapitel gehört die Ausschließung der jüdischen Mitbürger aus den Sportvereinen. Der Dachverband der Deutschen Turnerschaft verfügt bereits im April 1933 die Aufnahme des Arierparagraphen in ihre Satzung. In Puderbach ist davon mit Gewissheit die Familie Wolff betroffen, der Vater Hermann und seine beiden Kinder Ilse und Günther. Vermutlich betrifft es auch einige ehrenamtliche Mitglieder, wie möglicherweise Adolf Aron oder Albert Bär, die zu den Vereinsgründern gehören. Das untenstehende Foto gibt ein beredtes Zeugnis, wie aus früheren Vereinskameraden Jäger und Gejagte werden.

Ein sonntäglicher Ausflug von Mitgliedern des Turnvereins. In der 1. Reihe sind von links nach rechts zu sehen: Hildegard Lieske verh. Müller, Emilie Bay verh. Lamberti, Anna Mühlbach verh. Bachenberg (Lisjes), Pauline verh. Kunz, Else Scharfenstein verh. Hoffmann, Helene Velden. Hintere Reihe: der am 23. September 1932 bei einem Motorradunfall bei Dernbach tödlich verunglückte Bauunternehmer Reinhard Müller, Robert Lamberti, Edmund Hottgenroth (Metzgersch), Ernst Kunz (Kasches), Ernst Bachenberg (Lisjes), Karl Oettgen, Hermann Wolff (Jiddsches) und Friseur Hermann Hoffmann. Oben thronend Gustav Bay. Einige dieser Männer werden in der Nazi-Zeit treue Parteianhänger, werden ihre jüdischen Mitbürger drangsalieren und sich an dem November-Pogrom 1938 beteiligen. Und Hermann Wolff und seine Familie werden entrechtet, 1942 deportiert und in Massengräbern erschossen und verscharrt.
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Hier eine Aufnahme, die vor 1933 entstanden sein muß, da Ilse Wolff unter der Nummer 35 zu sehen ist. Die anderen Personen sind: 1 Robert Lamberti, 2 Kurt Bachenberg, 3 Hedwig Udert verh. Hering, 4 Ernst Bachenberg, 5 Erna Bierbrauer verh. Schmidt, 6 Emma Weingarten verh. Frauzem, 7 Erwin Reinhard, 8 Friedrich Kuhl, 9 Luise Iskenius verh. Muscheid, 10 Erich Udert, 11 Otto Bachenberg, 12 Martha Heuser a. Weroth, 13 Walter Hümmerich, 14 Willi Scharfenstein, 15 Hertha Rettig verh. Bachenberg, 16 Elfriede Funk verh. Berndt, 17 Walter Hehn, 18 der Vorturner Albert Pangert, 19 Bruno Schneider, 20 Ernst Hoffmann, 21 Walter Funk, 22 Karl Bayer, 23 Karl Kunz, 24 Karl Pangert, 25 Irma Lamberti verh. Kuhnert, 26 Elli Müller, 27 Gertrud Bender, 28 Anna Klumm a. Niederdreis, 29 Wanda Frohn verh. Kaulbach, 30 Mitze Haag, 31 Änne Schäfer, 32 Martha Hachenberg verh. Walkenhorst, 33 Agnes Kamp, 34 Erna Starrmann, 35 Ilse Wolff, 36 Helene Becker, 37 Inge Wilhelm, 38 Walter Schäfer, 39 Elfriede Neif aus Niederdreis, 40 … Rüttel a. Niederdreis, 41 Karl Bierbrauer, 42 Gerda Günther, 43 Erich Bender, 44 Emil Velten, 45 … Kamm?, 46 Alfred Schäfer, 47 Karl Born, 48 Helmut Lamberti, 49 Ernst Schlichting, 50 Walter Kambeck und 51 Karl Hermanni.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegsjahre

Während des 2. Weltkriegs kommt das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen. Die meisten jungen Männer der Fußballer und Turner sind eingezogen worden. Viele von ihnen kehren nach 1945 nicht mehr zurück, da sie auf den Schlachfeldern gefallen sind.

Von den beiden Sparten des Vereins kommen zunächst nur die Fußballer zu Spielen auf dem Puderbacher Sportplatz zusammen. Dafür haben die jungen Frauen des Dorfes eine eigene Handballriege gegründet, eine Sportart, die sich schon damals großer Beliebtheit erfreute.

Um 1946 entsteht dieser Schnappschuß, der die damalige Frauen-Handballmannschaft zeigt. Stehend sieht man von links nach rechts: Marianne Reschau, Gisela Becker, Ursula Templin, Emilie Born verh. Krantz, Irma Lamberti verh. Kuhnert, Luise Frohn verh. Baumann, Inge Schuhmann (Verwandte der „Scholzen“), Ria Spaniol verh. Velten und … Knieend sieht man Dagmar Schäfer verh. Kehl, Wilma Mank verh. Born und Helga Velten verh. Runkel.

Aus welchen Gründen sich der Verein 1951 komplett auflöst, ist mir leider nicht bekannt. Erst am 31. Oktober 1953 wird in einer Gründungsversammlung im Gasthof Weber der neue Verein, die Sportfreunde 09 Puderbach e.V., aus der Taufe gehoben. Gleich zu Beginn treten 57 Mitglieder dem Verband bei. Die Sportmöglichkeiten umfassen nun Fußball, Turnen in einer Männer- und Frauenriege, Tischtennis, Leichtathletik und Schach.

Hier sieht man Arnold Krantz bei einer schwungvollen Vorführung am Barren. Unten links erkennt man noch meinen Großvater Friedrich Kuhl, der die Turnübung gespannt verfolgt. Die Darbietung scheint Mitte der 1950er Jahre in einem Festzelt vor großem Publikum präsentiert worden zu sein.

Zum Schluß soll der Gewinn der Fußball-Kreismeisterschaft in den Jahren 1956/57 besondere Erwähnung finden. Zu den Männern, die den Sieg erringen, gehören Heinz Abel, Ludwig Flatt, Ludwig Greb, Wolfgang Höhner, Herbert Meißner, Emil Schneider, Wilfried Schumacher, Gerd und Reinhard Templin, Siegfried Tiede und Viktor Wias.

Ebenfalls Mitte der 1950er Jahre entstand diese Fotografie, die Mitglieder der Turnerriege „Sportfreunde 09“ zeigt, die an einem Festumzug teilnehmen, der sich gerade den Ackerweg hinunter Richtung Dorfmitte bewegt. In der ersten Reihe sieht man von links Friedrich Kuhl, mglw. Arnold Krantz und der gebürtig aus Rodenbach stammende Oswald Marth. Erkennen Sie einen der jungen Turner?

Links:

https://www.sportfreunde-09-puderbach.de/

Gesangverein

Diese Aufnahme dürfte um 1923 entstanden sein und zeigt den damaligen Männerchor unter Leitung des Dorflehrers Friedrich Zimmermann. Ob die stimmkräftigen Herren Mitglieder des 1919 gegründeten Gesangvereins „Liedertafel“ waren, kann man vermuten. Es folgt die Namensliste, wobei die Buchstaben P für Puderbach, N für Niederdreis u. R für Richert stehen. Zu sehen sind von links nach rechts 1. Reihe sitzend: Karl Klaas N, Fritz Velten R, Louis Hehn P, Lehrer Zimmermann P, Anton Schneider P, Julius Hülpüsch P, Ernst Bachenberg P u. Heinrich Leis N. 2. Reihe: Wilhelm Hoffmann v.d. Hölzjes Mühle, dahinter Willi Letschert N, Peter Lichtenthäler P, dahinter E. Hoffmann N, Wilhelm Bachenberg N, Karl Letschert N, Christian Hütt N, dahinter Erich Dills P, Albert Pangert P, dahinter Willi Zerres P, A. Wengenroth P?, dahinter Wilhelm Schäfer P, Heinrich Schmidt P, dahinter Friedrich Born P, Heinrich Göbler P, dahinter Peter Kambeck P? und Karl Kuhl P. 3. Reihe: Heinrich Klumm N, davor Ernst Dorr P, hinten Franz Wilhelm P, Willi Rodenbach N, Werner Brauer P, hinten Philipp Born P, Otto Becker P, hinten ?, Emil Herzog P, … Rodenbach N, hinten Louis Dorr P, Willi Abel P, Otto Dorr P, E. Oettgen P, Heinrich Kuhl N, Wilhelm Schmidt P, Ernst Siegel P, Willi Hümmerich P, Simon Lichtenthäler P, Emil Dorr P, … Hütt N und Karl Velten N.

Rauchclub „Volldampf Puderbach“

Um 1920 gründet sich ein Verein mit dem wunderbaren Namen „Volldampf Puderbach“, dessen Mitglieder leidenschaftliche Pfeifen-, Zigarren- und Zigarettenraucher sind. Die meisten Mitwirkenden stammen aus den Ortschaften Richert und Reichenstein. Nur zwei kommen aus Puderbach selbst.

In der Gemeinderatssitzung vom 12. November 1920 stieß ich auf den kuriosen Verein. Die Ratsmitglieder beschließen im Bezug auf zu zahlende Steuern folgendes:
2. Lustbarkeitssteuer – Dem Verein „Rauchklub Volldampf Puderbach“ 500 Mk. Tanzlustbarkeitssteuer einzuziehen, da in Puderbach nur 2 Mitglieder und in Richert und Reichenstein 10 Mitglieder wohnen. Es soll ein Verein nur dann als Puderbacher Verein angesehen werden, wenn mindestens 2/3 der Mitglieder in Puderbach wohnen..

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr 1890

Immer wieder kommt es in Puderbach zu Bränden, die wie hier im Jahre 1819 sechzehn Familien obdach- und mittellos zurücklassen.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, gründet mein Ururgroßvater Friedrich Sanner, der ab 1888 Gemeindevorsteher in Puderbach ist, im Jahr 1890 die Freiwillige Feuerwehr Puderbach. Anlass waren zwei schwere Großbrände an der Steimeler Straße, die die Anwesen der „Mahlerts“ und „Kullen“ zerstörten.

Maßnahmen ergriffen

Davor waren bereits Maßnahmen ergriffen worden, um etwaige Feuersbrünste zu bändigen. Die Gemeinde hatte in den Jahren 1830 bis 1840 eine Druckspritze angeschafft und drei sogenannte Brandweiher angelegen lassen (an der Steimeler und Urbacher Straße und dem Ackerweg), aus denen man das Wasser zum Löschen entnehmen konnte. Alle männlichen Bürger wurden ein mal im Jahr an dem Löschgerät geschult.

Neue Druck- und Saugspritze

Um 1900 wird die alte, inzwischen wurmstichige Druckspritze, die für ihren Einsatz jedes mal per Hand mit Wasser befüllt werden muß, durch eine Druck- und Saugspritze ersetzt. Das fabrikneue Gerät macht den Bau eines größeren Spritzenhauses an der Urbacher Straße nötig. Zudem wird ein sogenannter „Steigerturm“ zu Übungszwecken erbaut, an dem die Feuerwehrleute mit dem Leiterkarren das Anstellen und Erklimmen von Leitern proben.

1. Weltkrieg und Nachkriegsjahre

Mit Beginn des 1. Weltkriegs und dem Einziehen der jungen Männer an die Front, existiert die Feuerwehr nur noch als Pflichtmannschaft. Auch nach Kriegsende 1918 besteht die Schar der Freiwilligen nur aus einer Notwehr, da die französischen bzw. amerikanischen Besatzungsmächte Übungen verbieten, vermutlich aus Angst vor paramilitärischen Aktivitäten. Das Spritzenhaus hatte man räumen lassen und dort eine Feldküche eingerichtet.

Die Jahre 1924 bis 1939
Um 1924 wird diese Aufnahme unter dem neuen Brandmeister Karl Schneider (mit Säbel) entstanden sein. Die neuen Uniformen konnten auf Grund eines Spendenaufrufs, an dem sich die zuständigen Feuerversicherungen mit einem ansehnlichen Betrag beteiligten, angeschafft werden. Die Wehrkleidung bestand aus Helm, blauem Rock, weißer Hose und grauem Drillichanzug (Drillich ist ein strapazierfähiges Gewebe aus Baumwolle, Leinen, Halbleinen oder Chemiefaser). Durchnummeriert sind zu sehen: 1 Louis Bär, 2 Otto Haberscheidt, 3 Jakob Mayer, 4 Franz Wilhelm, 5 Hugo Aron, 6 Albert Pangert, 7 mglw. Philipp Born, 8 Albert Schneider, 9 Hermann Sternfeld, der Schwager der Witwe Selma Bär und 10 Leo Tobias. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?

Mit dem Abzug der Besatzungstruppen nimmt das Vereinsleben wieder an Fahrt auf. Um 1924 wird als neuer Brandmeister Karl Schneider (Annekerts) berufen. Die Wehrmänner in dieser Zeit sind:

Hugo Aron, Louis Bär, Ewald Blum, Karl Blum, Otto Blum, Rudi Blum, Friedrich Born, Philipp Born, Erich Bus, Werner Dorr, Paul Engers, August Frohn, Otto Haberscheid, Louis Hehn, Otto Hehn, Karl Hottgenroth, Walter Hümmerich, Wilhelm Kaul, Karl Kuhl, Wilhelm Kuhl (vor 1922), Werner Marth, Karl Noll, Emil Oettgen, Albert Pangert, Wilhelm Puderbach, Emil Runkler, Wilhelm Runkler, Wilhelm Schäfer, Willi Schäfer, Emil Schmidt, Willi Schmidt, Albert Schneider, Otto Schumann, Wilhelm Seitz, Wilhelm Spies, Hermann Sternfeld, Leo Tobias, Ernst Velten, Paul Wagner, Alfred Weber, Rudi Weber, Franz Wilhelm, Hermann Wolff und Willi Zerres.

Wie schon zuvor beim Turnverein nehmen auch bei der Freiwilligen Feuerwehr die jüdischen Männer des Ortes regen Anteil.

Leider eine etwas unscharfe Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehr Puderbach nebst Blaskapelle um das Jahr 1926. Die Instrumente der Kapelle konnten mit den Geldern der Spendensammlung erworben werden. Die Männer stehen auf der beginnenden Steimeler Straße. Im Hintergrund erkennt man das „Fetzen“ Haus und rechts daneben das Wohnhaus der Familie Leopold Aron. Heute befindet sich hier das Autohaus Spies.

Bereits 1929 kann ein erstes motorisiertes Feuerwehrfahrzeug angeschafft werden. Es handelt sich um einen alten Personenwagen, den die Männer als Stiftung von der Firmenleitung der Grube Reichenstein erhalten und der in Heimarbeit in ein brauchbares Feuerwehrfahrzeug umgebaut wird. Zukünftig müssen die Männer die schwere Druckspritze nicht mehr von Hand ziehen, sondern ihr „Max“, so heißt das Gefährt bei den Feuerwehrmännern, übernimmt diese Aufgabe.

Da steht der „Max“, der umgebaute Personenwagen, der den Feuerwehrmänner das Schleppen der Druckspritze abnimmt. Man hat an dem Fahrzeug zudem eine Befestigung für die Leiter angebracht. 1934 genügt er den Anforderungen nicht mehr und wird erneut durch einen umgestalteten Personenwagen ersetzt. Vor dem Automobil steht der „Annekerts Albert“ von der Urbacher Straße. Die Fotografie dürfte um 1930 aufgenommen worden sein.

Nach Karl Schneider wird 1929 Heinrich Abel zum neuen Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Puderbach ernannt. Im Jahr 1931 leistet sich die Gemeinde endlich eine Motorspritze, die für die Wehrleute eine erneute Erleichterung der Arbeit bedeutet.

Diese Aufnahme enstand vermutlich aus Anlass eines auswärtigen Feuerwehrfestes um das Jahr 1930. Unter den Puderbacher Feuerwehrmännern nebst Blaskapelle erkennt man durchnummeriert: 1 Brandmeister Heinrich Abel, 2 mglw. Anna Schmidt verh. Barth (Kasches-Schmidts), 3 Käthe Velten verh. Projahn (Schurrmes), 4 Luise Runkler verh. Velten (Antreesen), 5. Hilda Velten (Schurrmes), 6 mglw. Emil Runkler (Antreesen) und 7 Alfred Bachenberg (Scholzen). Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Höchstwahrscheinlich aus Anlass eines Festumzuges, der um das Jahr 1930 stattfand, haben sich hier Männer der freiwilligen Feuerwehr mit ihrer geschmückten Druckspritze auf Höhe des Gasthofs Kasche fotografieren lassen. Durchnummeriert sind zu sehen: 1 Hermann Hoffmann, Emil Herzog, 3 Emil Runkler und 4 Alfred Bachenberg. Erkennen Sie die anderen Männer?
Großbrand am Ackerweg

Am 16. November 1932 kommt es in den frühen Morgenstunden zu einem verheerenden Feuer im Anwesen der Familie Philipp Born am Ackerweg, in dessem Verlauf Wohnhaus, Scheune und Stallungen ein Raub der Flammen werden. Die Feuerwehr kann nur noch das Übergreifen des Brandes auf umliegende Gebäude verhindern. Obdachlos geworden kommen die „Herwescheeds“ zunächst bei den Nachbarn, der Familie Peter Born unter.

Ausschluß der jüdischen Mitglieder

Vermutlich kommt es mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 auch bei der freiwilligen Feuerwehr zum Ausschluß der jüdischen Mitglieder. Dazu könnte der Eisenwarenhändler Louis Bär gehören, der möglicherweise noch als inaktives Mitglied eingeschrieben ist.

Blaskapelle löst sich auf

Leider ist mit nicht ganz klar, aus welchen Gründen sich 1934 die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Puderbach auflöst. Ein Jahr zuvor war sie noch unter ihrem damaligen Leiter Herrn Kurz aus Niederdreis beim Kreisfeuerwehrtag in Neuwied aufgetreten, wie die Fotografie unten belegt.

Da zieht die Freiwillige Feuerwehr Puderbach am Kreisfeuerwehrtag 1933 durch die Straßen Neuwieds. Vorneweg die Blaskapelle mit ihrem Leiter H. Kurz aus Niederdreis. Ein Jahr später löst sich das kleine Orchester aus mir nicht bekannten Gründen auf.
2. Weltkrieg und Nachkriegsjahre

Man ahnt bereits, daß mit Kriegsbeginn und dem Einsatz der Feuerwehrmänner als Frontsoldaten, die Mitgliedszahlen deutlich schrumpfen und nur noch eine Pflichtfeuerwehr bestehen bleibt. Erst 1948 beginnt man die Löschmannschaften neu aufzustellen. Im Jahr 1949 gehören folgende Männer zu den Wehrleuten:

Rudolf Abel, Manfred Baumann, Horst Blettner, Alfred Dorr, Heinz Fritsch, Karl Hottgenroth, Hans-Dieter Nies, Hans Pangert, Alfred Schmidt, Karl-Heinz Schmidt, Willi Schmidt, Fritz Schumann, Wolfgang Schumann, Emil Velten, Karl-Heinz Velten und Friedhelm Will.

Feuerteufel

Im Jahr 1975 kommt es in Puderbach zu einer ganzen Serie von Bränden, bei der man von mutwilliger Brandstiftung ausgehen kann. Betroffen waren unter anderem die Bauernhöfe der Familien Schuh, Kölbach und Deneu. Von dem schönen Anwesen der „Sannersch“ brannte der komplette Mittelteil nieder.

Persönliche Verbindung

Am 1. März 1974 tritt mein Vater in die freiwillige Feuerwehr Puderbach ein. Ich werde es nie vergessen, wie er beim Einsetzen der Sirene alles stehen und liegen ließ und zum Feuerwehrhaus eilte. Von den vielen Einsätzen der Feuerwehr Puderbach blieben mir besonders die in Erinnerung, die in der Nacht stattfanden, wie zum Beispiel der Brand in der Papierfabrik Hedwigsthal im Jahr 1980, bei dem sich der Nachthimmel Richtung Raubach glutrot gefärbt hatte.

Dieses Foto, daß meinen Vater Hans Kuhl 1980 während eines Festumzugs zum 90jährigen Bestehen der Feuerwehr im Löschfahrzeug zeigt, mag ich ganz besonders. Neben ihm sitzt das langjährige Vereinsmitglied Karl-Heinz Schmidt „Herwetspittersch“ gerufen.

Hier seien die aktiven Mitglieder des Jahres 1980 genannt. Zu ihnen gehörten:

Wolfgang Biegel, Gerd Blum, Erwin Born, Walter Dörper, Udo Greb, Richard Henn, Gerhard Hottgenroth, Hans Kuhl, Armin Leis, Willi Letschert, Willfried Lotz, Gerd Manderbach, Bernd Müller, Rudolf Oettgen, Achmed Packmohr, Hans Pangert, Alfred Schmidt, Manfred Schmidt, Karl-Heinz Schmidt, Siegfried Schmidt, Martin Schöneberg, Friedrich Schwanbeck, Peter Theis, Wolfgang Theis, Karl-Erwin Udert, Emil Velten, Jörg Velten, Richard Velten, Hans-Wilhelm Wagner und Rainer Wirth.

Schohphillps Emil

Zum Schluß möchte ich auf die Verdienste des langjährigen Feuerwehrmitglieds Emil Velten hinweisen. Er war 1948 bei der Neugründung nach den Kriegsjahren bereits dabei und hat über viele Jahrzehnte die Geschicke des Vereins als Hauptbrandmeister geleitet. Er feierte dieses Jahr seinen 92. Geburtstag.

Links:

Freiwillige Feuerwehr Puderbach

https://www.feuerwehr-puderbach.de/