Der Kölner Fotograf August Sander

Meine Großmutter erinnerte sich sehr genau an den in Köln ansässigen Fotografen. Wenn er nämlich mit seiner Kameraausrüstung über die Dörfer im Westerwald zog, übernachtete er bei den Bauern der Gegend. Auch auf dem Hof der Sanners soll er genächtigt haben.

Geboren wird August Sander am 17. November 1876 im Kreis Altenkirchen gelegenen Herdorf. Der Vater verdient den Lebensunterhalt für seine neunköpfige Familie in der im Ort befindlichen Erzgrube Wolf. Die arbeitet wird schwer und der Lohn karg gewesen sein.

Nach der Volksschule findet auch August Sander als Haldenjunge eine Anstellung in dem Bergwerk. Dort lernt er einen Siegener Fotografen kennen, der in ihm das Interesse für die Lichbildkunst weckt. Mit finanzieller Unterstützung seines Onkels kauft er sich seine erste Kameraausrüstung.

Nach seiner Ausbildung bei dem Trierer Fotografen Georg Jung und der Anstellung bei der Fotografischen Kunstanstalt Greif in Linz, eröffnet er 1910 sein eigenes Fotoatelier in der Dürener Straße 201 in Köln-Lindenthal. Von hier aus beginnt er seine fotografische Tätigkeit im Westerwald auszubauen. Viele seiner hier entstandenen Aufnahmen, die der „Neuen Sachlichkeit“ zuzuordnen sind, werden Einzug finden in sein Hauptwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“, ein Fotoprojekt, das in 45 Mappen unterteilt und mit insgesamt 619 Bildern versehen ist.

Fünf Fotografien, die in diesem Werk zu sehen sind, zeigen Personen oder Personengruppen, die in oder um Puderbach aufgenommen worden sind. Dazu gehört das Bildnis von Helga Lichtenthäler verh. Stanke aus Puderbach als Konfirmandin, die Silberne Hochzeit der Eheleute Schneider aus Giershofen, die Ablichtung von Ernst Kunz, Bierfahrer der Gaststätte Kasche in Puderbach und die Fotografien des Turnvereins und Fußballclubs Puderbach.

Gerne möchte ich Ihnen an dieser Stelle einige Fotografien August Sanders zeigen, die ich während meiner langjährigen Recherchen zusammengetragen habe. Dank gilt allen, die mir die Bilder freundlicherweise ausgeliehen haben!

Die Familie Peter Born aus Puderbach

Eine Aufnahme der Familie Born aus Puderbach um 1910. Der Vater Peter stammte gebürtig aus dem nahegelegenen Muscheid, weshalb man noch heute den Rufnamen „Muschender“ benutzt. Die Mutter ist Emilie Katharine eine geborene Löhr, die in Puderbach am 11. August 1870 zur Welt kommt. Hinter ihnen stehen die drei Söhne, links Karl, daneben der am 25. Juni 1895 geborene Philipp Born, der Vater vom „Muschender Milchen“ und vor den beiden der jüngste Sprössling Paul.
Zum selben Zeitpunkt wie die große Familienaufnahme entsteht dieses kleinere und handlichere Porträit des ältesten Sohnes Karl. (Beitrag vom 17. Januar 2022)

Die Familie Heinrich Kottscheidt aus Muscheid

Wenn man nicht gleich alles aufschreibt! Ich mußte eine ganze Weile recherchieren, bevor ich die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Personen auf dieser Fotografie wieder zusammensetzen konnte. Ich wußte nur noch, daß es sich um die Familie Kottscheidt aus Muscheid handelt. Die Fotografie entstand um 1922 und August Sander schuf mit dem Waldstück im Hintergrund eine außergewöhnliche Atmosphäre. Doch wie gehören der ältere Herr und die Frau neben ihm zusammen? Es sind Vater und Tochter. Bereits ergraut sitzt hier Christian Born, der Vater des oben bereits zu sehenden „Muschender Peter“, und neben ihm seine am 18. August 1879 geborene Tochter Karoline. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Geschwistern ist eigentlich nicht zu übersehen. Karoline hatte am 1. Juli 1900 den aus Raubach stammenden Heinrich Kottscheidt geheiratet, der direkt hinter ihr steht. Links neben Heinrich sehen wir den ältesten Sohn Friedrich Karl, rechts im weißen Kleid die Tochter Maria Elise und am Arm des Großvaters der 1915 geborene Paul.

Die Familie Löhr aus Puderbach

Die Aufnahme August Sanders, die um 1910 entstanden sein dürfte, zeigt die Familie Löhr aus Puderbach, auch „Schoopittersch“ genannt. Der Vater Andreas stammte gebürtig aus Ratzert. Auf dem Stuhl sitzend seine zweite Frau Karoline Kühnemann, die in Puderbach 1855 zur Welt kam. Die drei Kinder könnten die jüngsten Nachkömmlinge des Paares sein und zwar ganz links Anna Löhr später verh. Stradiath, neben ihr das Nesthäkchen Otto und ganz rechts Bertha Löhr später verh. Kraft. Im Hintergrund erkennt man die Steimeler Straße, an der das Wohnhaus der Familie lag.

Die Familie Brauer aus Puderbach

Eine wunderschönes Lichtbild, das August Sander zugeschrieben wird. Zu sehen ist die Familie Brauer aus Puderbach um 1914 vor ihrem alten Fachwerkhof. Die drei Kinder vorne sind von links nach rechts Bertha Brauer verh. Hoffmann, Anna und Werner Brauer. Wie auf der Aufnahme bereits zu erkennen ist, hat sich Anna bei einem Kind, dessen Eltern im Gasthof Kasche als Kurgäste verweilten, mit der hochansteckenden Kinderlähmung infiziert. Eine Behandlung gab es zu dieser Zeit noch nicht, die Betroffenen litten zeitlebens unter Lähmungen der Extremitäten. Hinter den Kindern die Eltern Christian und Sophie Brauer eine geborene Seelbach aus Oberdreis. Links die Hand der kleinen Bertha haltend die Mutter von Christian Brauer. Sie war eine geborene Haag und daher rührt der Rufname „Hoochs“.

Der Puderbacher Fußballclub Komet

Diese Gruppenaufnahme August Sanders zeigt den Puderbacher Fußballclub „Komet“ 1911 vermutlich auf der heutigen Hauptstraße am Ortsausgang Richtung Raubach. Ein Jahr zuvor gründeten im Gasthof Hümmerich Mitglieder des Turnverbands einen eigenständigen Fußballverein, der seinem Namen dem 1910 am Sternenhimmel zu sehenden Kometen „Halley“ zu verdanken hat. In der 1. Reihe sind von links nach rechts zu sehen: Robert Lamberti, Karl Bay (gefallen im 1. Weltkrieg), Heinrich Schäfer, Ernst Siegel, Wilhelm Bierbrauer und Ewald Lamberti. 2. Reihe: Karl Müller, Karl Eich, Gustav Bay, Friedrich Dorr, Paul Loh, Karl Dorr, Karl Starrmann, Otto Herzog und Wilhelm Schäfer. Im Jahre 1920 hatte sich der Club bereits wieder aufgelöst.

Die Geschwister Schmidt aus Puderbach

Diese schon etwas abgegriffene und vergilbte Fotografie August Sanders dürfte um 1912 aufgenommen sein und zeigt die drei Kinder des Bahnarbeiters und Landwirts Wilhelm Schmidt und seiner aus Puderbach stammenden Ehefrau Bertha geb. Funk. Sie ist es auch, die den Rufnamen „Fonks“ bzw. „Kläfonks“ mit in die Ehe bringt. Die Familie besitzt einen kleinen Hof an der Urbacher Straße, wo die drei gemeinsamen Kinder zur Welt kommen. Links sehen wir die älteste Tochter Erna, die am 14. Juni 1905 geboren wird und 1927 den aus Woldert stammenden Bergarbeiter Albert Nies heiratet. Ganz rechts steht die ein Jahr jüngere Schwester Bertha, die 1926 Hermann Friedrich Dreher aus Wahlrod ehelicht. Und in der Mitte sehen wir den jüngsten Spross der Familie, den am 9. Juni 1908 geborenen Johann Wilhelm Schmidt. Er wird 1936 die aus Harschbach stammende Elfriede Hachenberg zur Frau nehmen. (Beitrag vom 17. Januar 2022)

Frau Lieske aus Puderbach mit ihren Töchtern

Hier sehen wir eine Aufnahme August Sanders, die um 1915 entstanden sein muß und Anna Elise Lieske eine geborene Dills mit ihren beiden Töchtern Johanna (rechts) und Hildegard (links) zeigt. Der Vater Arthur war Lehrer gewesen und die Familie lebte zeitweise in Gräfrath bei Solingen. Nach der Trennung der Eltern rückt der Rest der Familie enger zusammen, wie man aus dem Arrangement der Personen auf dem Bild deuten kann. Die jüngste Tochter Hildegard wird 1925 den aus Puderbach stammenden Bauunternehmer Richard Müller heiraten. Das Eheglück ist jedoch nicht von langer Dauer. Am 23. September 1932 kommt Richard bei einem schweren Motorradunfall bei Dernbach ums Leben. Das halbe Dorf wird ihm drei Tage später bei seiner Beerdigung das letzte Geleit geben.

Die Geschwister Weiler aus Döttesfeld

Viele erinnern sich bestimmt noch an Wanda Kaulbach, die in Puderbach viele Jahrzehnte einen kleinen Tabak- und Zeitschriftenladen führte. Auf dieser Fotografie sieht man links ihre Mutter Bertha Frohn. Gebürtig stammte diese aus Döttesfeld und war eine geborene Weiler. Rechts sitzt ihre Schwester Minna eine verheiratete Stein.
Das Bild ist möglicherweise um 1915 entstanden.

Das Ehepaar Schmuck wohnhaft in Essen

Ebenfalls um 1915 wird August Sander diese Fotografie aufgenommen haben. Sie zeigt die Schwester Bertha und Minna Weilers, die 1895 in Döttesfeld geborene Luise verh. Schmuck, die hier mit ihrem Ehemann zu sehen ist. Das Paar wird den Westerwald verlassen und in Essen Arbeit und eine neue Heimat finden.

Christian Bierbrauer aus Puderbach mit seinen Enkeln

Hier der in die Jahre gekommene Christian Bierbrauer, dessen Sohn Wilhelm oben auf der Aufnahme der Mitglieder des Fußballclubs „Komet“ zu sehen ist. Rechts neben ihm seine Enkelin Erna Bierbrauer verh. Schmidt und links der Enkel Wilhelm Bierbrauer. Die Aufnahme wird um 1920 entstanden sein.

Das Ehepaar Herzog aus Puderbach

Diese Ablichtung entstand ebenfalls um 1920 und zeigt das Ehepaar Herzog aus Puderbach. Otto Herzog stammte gebürtig aus Mettmann bei Düsseldorf und führte mit seiner Frau Mathilde, eine geborene Heydorn, am Ackerweg eine Bäckerei. Leider sind mir nicht mehr alle Erzählungen der Enkeltochter Christa Göbler in Erinnerung, ich meine aber, daß die Großmutter eine starke und energische Person war. Vielleicht ist es auch deswegen zu dem ungewöhnlichen Arrangement der Eheleute gekommen, denn meistens blickte der stehende Mann auf seine sitzende Frau hinunter und nicht umgekehrt.

Die Familie Scheiderer aus Puderbach

Im Jahr 1920 geben die Eheleute Simon und Wilhelmine Scheiderer bei dem Kölner Fotografen vier Portraits in Auftrag, die das Paar selbst, ihre beiden Kinder Bertha und Gustav und eine Anverwandte zeigen sollen. Als mir über hundert Jahre später die Nachfahren die Aufnahmen zum ersten Mal präsentieren, erkenne ich sofort, ohne auf die Signatur am unteren Bildrand zu achten, daß es sich um ein Werk von August Sander handelt. Die Komposition der Personen im Freien, der Ausdruck auf den Gesichtern, den Sander so unverwechselbar einfängt, sind seine ganz typische Handschrift. Ich zeige die Abzüge an dieser Stelle bewußt in ihrem Gesamtheit, d.h. mit dem Fotokarton und der Unterschrift Sanders, um Ihnen einen Eindruck des Originalzustandes zu vermitteln.

Simon und Wilhelmine Scheiderer geb. Sommer
Ob meine Ururgroßmutter Katharina Kuhl ein besonders gutes und enges Verhältnis zu ihrem Vetter Simon Scheiderer hatte? Vieles spricht dafür, da auch die späteren Generationen die Bindungen zwischen den Familien pflegen. Bertha, die Tochter der Scheiderers wird Taufpatin bei meinem Großvater Friedrich und mein Urgroßvater Karl lädt selbstverständlich seinen Großcousin Wilhelm zu seinem 80 Geburtstag ein. Hier sehen wir Simon Scheiderer, der am 25. Januar 1859 in Puderbach geboren wird. 1887 heiratet er die sieben Jahre jüngere Wilhelmine Sommer aus dem Mühlendorf und zieht zu ihr und ihrem Vater ins Haus. Dem Paar werden sechs Kinder geschenkt, von denen drei das Erwachsenenalter erreichen. Da ist der älteste Sohn Wilhelm, der 1888 das Licht der Welt erblickt, gefolgt von der Tochter Bertha und dem jüngsten Sohn Gustav. Der Rufname der Familie lautet „Schreinersch“ und leitet sich vom Beruf des Herbert Sommer ab, dem Vater Wilhelmines. (Beitrag vom 29. Oktober 2021)
Bertha Scheiderer
Bertha, die Tochter von Simon und Wilhelmine Scheiderer, wird am 22. April 1892 im Anwesen der Familie geboren. Die Taufe findet einen Monat später in der Puderbacher Kirche statt und unter den fünf Taufpaten und Patinnen befinden sich u.a. die Schwestern der Mutter, Katharina Träger und Margaretha Teufel, aber auch mein Ururgroßvater Julius Kuhl, dessen Frau eine geborene Scheiderer ist. Mit zunehmenden Alter stellen die Eltern fest, daß das kleine Mädchen beim Laufen Probleme hat und unablässig hinkt. Vermutlich ist Bertha mit einem Beckenschiefstand zur Welt gekommen und bleibt zeitlebens in ihrer Fortbewegung eingeschränkt. Dieser angeborene Fehler ist vermutlich auch der Grund dafür, daß sie unverheiratet bleibt. Da sie sich selbst versorgen muß, erlernt sie den Beruf der Schneiderin und verdient ihren Unterhalt als sogenanntes Nähmädchen. Besondere Erwähnung verdient ihre tiefempfundene Frömmigkeit und ihr tatkräftige Mitarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde. Bis zu ihrem Lebensende im Jahr 1982 dauert dieses Engagement an. (Beitrag vom 29. Oktober 2021)
Gustav Scheiderer
Falls Sie den Bildband „Menschen des 20. Jahrhunderts“ von August Sander zur Hand haben, dann schauen Sie doch einmal in der Stamm-Mappe I unter der Rubrik Bauern/Jungbauern nach der Fotografie „1920 Jungbauern“. Dort entdecken Sie eine Aufnahme, die drei junge Männer mit ihren Fahrrädern zeigt. Der linke der Burschen ist der oben zu sehende Gustav Scheiderer.
Ob die Mutter Wilhelmine während der Schwangerschaft mit Gustav ahnte, daß sie Zwillingen das Leben schenken würde? Am 16. Juni 1904 kommt sie nieder und bringt zwei Jungen zur Welt, wobei der erstgeborene Karl bereits mit anderthalb Monaten an Darmkrämpfen verstirbt. Gustav wird als jüngstes Kind der Familie behütet und von allen umsorgt aufgewachsen sein. Ob er nach seinem Volksschulabschluß 1918 eine Ausbildung absolviert hat, ist mir nicht bekannt. Er wird aber viele Jahre in der Schleiferei der Geschwister Furthmann in Daufenbach arbeiten. Wie seine ältere Schwester Bertha bleibt auch er unverheiratet und verstirbt am 20. Juni 1980 mit 76 Jahren. (Beitrag vom 29. Oktober 2021)
Verwandte der Familie Scheiderer
Ernst blickt die junge Frau den Fotografen Sander an. Sie hat sich hübsch gemacht, trägt Armband, Brosche und Ohrringe, dazu ein luftiges Kleid. Die weißen Blumen in ihrer Hand und der helle Teint der Haut stehen in wunderbarem Kontrast zu den dunklen Farben der Bekleidung und dem Blattwerk im Hintergrund.
Ob es sich bei der jungen Frau auf der Fotografie um eine Cousine Bertha Scheiderers handelt? Die beiden dürften ungefähr im selben Alter gewesen sein. Möglicherweise war eine von ihnen gerade bei den „Schreinersch“ zu Besuch und durfte von Sander fotografiert werden. (Beitrag vom 29. Oktober 2021)

Erna Mayer aus Puderbach

Gekonnt platziert August Sander die rund fünfzehnjährige Erna Mayer auf dieser Waldlichtung. So wirkt es, als wäre sie ihm spontan bei einem sonntäglichen Spaziergang vor die Kamera gelaufen. Mit großen, dunklen Augen und ernstem Ausdruck schaut die Halbwüchsige den Fotografen an.
Geboren wird das junge Mädchen am 31. Juli 1906 in Frankfurt am Main als uneheliches Kind der Leiwener Jüdin Emma Levy. Bei dem Vater handelt es sich um den aus Kinderbeuern an der Mosel stammenden Katholiken Johann Simon. Die Umstände erlauben es der Mutter nicht, daß Kind selbst großzuziehen. So gibt sie es in ein Waisenhaus. Hier wird Erna von dem in Puderbach ansässigen Schneider Jakob Mayer und seiner Frau Henriette adoptiert. Die Mayers leben, bevor sie in den 1920er Jahren ein eigenes Haus im Bruch erbauen, auf der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe zum Gasthaus Weber. Erna entwickelt eine so enge Beziehung zu der Gastwirtsfamilie, daß sie eines Tages nicht mehr zu den Mayers zurückkehrt und fortan bei den „Heydorschs“ lebt. Sie sind es auch, die die Halbjüdin in den 1940er Jahren vor dem Zugriff der Nationalsozialisten schützen und somit vor dem sicheren Tod retten. (Beitrag vom 16.03.2022)

Das Ehepaar Weßler aus Strunkeich

Leider kann ich mich nicht mehr an die Vornamen des Ehepaars Weßler aus Strunkeich erinnern. Interessant ist, daß sich bereits der Vater von Herrn Weßler im Jahr 1882 von der Evangelischen Kirche abwendet und der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde beitritt. Die Weßlers aus Strunkeich werden nicht die Einzigen bleiben. Auch in Puderbach und den umliegenden Dörfern schließen sich Familien der Bewegung an. Das Bild dürfte um die 1920er Jahre entstanden sein.

Die Familie Philipp Born aus Puderbach

Hier hat sich um 1923 die Familie Born aus Puderbach im besten Sonntagsstaat vor dem Fotografen August Sander versammelt. Ist das im Hintergrund der Ackerweg, wo die „Herwescheds“ zu Hause sind? In der Mitte stehend der Ackerer Philipp Born, neben ihm seine aus Oberähren stammende Frau Katharine eine geborene Klein. Rechts die Tochter Margarethe, von allen aber nur Grete oder Gretchen genannt. Sie heiratet später den aus Richert stammenden Schreiner Friedrich Velten. Und ganz links der am 10. Januar 1913 geborene Otto Born. Er wird den Bauernhof seines Vaters zusammen mit seiner Frau Luise bis 1969 weiterführen, länger lässt es seine nachlassende Gesundheit nicht zu.

Der Turnverein Puderbach

Eine von zwei Aufnahmen August Sanders, die den Puderbacher Turnverein um 1926 zeigen. Unten stehend oder knieend sind von links nach rechts zu sehen: Robert Lamberti, mein Großvater Friedrich Kuhl („Schlössersch“) der Bierfahrer Ernst Kunz („Kasches“), Heinrich Hehn o. Heini Schmidt, Karl Göbler („Hennerichs“), Egon Hülpüsch, der Milchfahrer Emil Herzog, Erich Klumm aus Niederdreis und der Bahnbeamte Anton Schneider. Die Pyramide bilden: Paul Velten („Schurrmes“), Karl Leis aus Niederdreis und Erwin Reinhard. Unachtsamer Weise hat mein Großvater beim Hinknieen nicht seine weiße Hose mit einer Unterlage geschützt, wie es die anderen Turner taten, sodass er bei der zweiten Einstellung mit schmutziger Hose zu sehen ist.

Die Silberne Hochzeit in Giershofen

Falls Sie den Katalog „Menschen des 20. Jahrhunderts“ von August Sander kennen, dann ist Ihnen sicherlich die Fotografie mit dem Titel „Gratulation zur Silberhochzeit“ bekannt. Auf der Aufnahme aus dem Bildband sieht man das Ehepaar Schneider aus Giershofen in zwei Korbsesseln sitzen und eine große Schar an Kindern hat sich vor den beiden aufgereiht, alle mit Blumensträußen in den kleinen Händen, um den Jubilaren zu gratulieren. In dieser zweiten Einstellung hat August Sander die über 70 Personen umfassende Feiergesellschaft im Hof der Familie aufgenommen.

Karl Born aus Puderbach

Im ersten Moment könnte man den süßen Fratz für ein Mädchen halten, denn er trägt ein helles Kinderkleidchen und dazu ein rüschiges, weißes Lätzchen. Doch es handelt sich um den am 20. November 1920 geborenen Karl Born, auch „Muschender Karl“ genannt. Seine Großeltern bzw. sein Vater Philipp waren zu Seitenbeginn bereits zu sehen. Auf der Aufnahme wird er wohl gerade mal ein Jahr alt sein. Später wird er den Maurerberuf erlernen, wird sich aktiv im Puderbacher Turnverein betätigen. Sein Leben endet viel zu früh am 12. Mai 1942. Er fällt mit gerade mal 21 Jahren an der Ostfront in der Nähe von Belgorod, der heutigen ukrainisch-russischen Grenze. (Beitrag vom 13.06.2022)

Emilie Born verh. Krantz aus Puderbach

Um 1925 entsteht diese allerliebste Aufnahme der gerade mal ein Jahr alten Emilie Born. Wie sehr sie ihrem älteren Bruder Karl ähnelt! August Sander hat sie in ihrem schicken Kinderwagen fotografiert. Ob das „Muschender Milchen“ bereits laufen konnte?

Willi Weßler aus Strunkeich

Ein wunderschönes Kinderfoto des vermutlich einjährigen Willi Weßlers aus Strunkeich aufgenommen um das Jahr 1925.

Karl und Friedrich Hartstang aus Daufenbach

Diese Fotografie berührt mich auf besondere Weise. Da sind diese beiden Jungen, augenscheinlich Geschwister, die auf einer Frühlingswiese mit Wiesenschaumkraut stehen und mit ernstem Ausdruck in die Kamera schauen.
Die Aufnahme dürfte um 1925 entstanden sein und zeigt die Geschwister Karl und Friedrich Hartstang, die 1920 bzw. 1922 in Richert geboren werden, aber in Daufenbach ihre Kindheit verbringen. Ausgesprochen traurig verläuft ihr weiterer Lebensweg. Beide werden im 2. Weltkrieg an die Front gerufen. Am 4. Oktober 1941 fällt Karl mit gerade mal 20 Jahren an der Ostfront. Und keine drei Jahre später am 22. Juli 1944 stirbt Friedrich im Zuge der Kriegswirren bei einem tödlichen Unfall bei Bromberg im heutigen Polen. Er wird nur 21 Jahre alt. Welch ein schwerer Schicksalschlag für Wilhelm und Lina Hartstang, die Eltern der beiden!

Mädchen aus Richert

Zu dumm, daß ich mir nicht gleich die Informationen zu dieser Fotografie aufgeschrieben habe. Heute ist mir nur noch in Erinnerung, daß das herzige Mädchen eine Verwandte der Familie Velten aus Richtert sein muß, möglicherweise eine Cousine der Geschwister Hartstang, die Sie oben bereits sehen konnten. Die Aufnahme dürfte um das Jahr 1925 entstanden sein.

Helga Lichtenthäler verh. Stanke aus Puderbach

Wie alt mag das „Hanntäisen Helga“ auf dieser Fotografie wohl sein? Vielleicht drei oder vier Jahre? Dann müßte sie 1926 gemacht worden sein. Sie schaut August Sander streng an, die Fäuste fest geballt, ein kleines Blumensträußchen haltend, wunderbar arrangiert mit ihrem Puppenwagen im Hintergrund.

Schäfer Hermann

Diese Aufnahme, die um 1930 entstanden sein wird und von August Sander stammt, zeigt den „Schäfer Hermann“. Sein richtiger Name war Hermann Scheep und er wurde am 14. Dezember 1857 in Hanroth geboren. Viele Jahrzehnte lang hütete er die Schafe der Bauern in und um Puderbach. 1934 verstarb er dann mit 76 Jahren an Altersschwäche. Hier sieht man ihn am Ortsausgang Richtung Daufenbach mit seinem Hütehund und der Schafherde. Ganz links erkennt man die baumbestandene Daufenbacher Straße.

Puderbacher Fußballclub Schwarz-Weiß

Eine Aufnahme August Sanders aus den 1930er Jahren. Unten rechts in der Ecke des Bildes erkennt man noch schwach den Prägestempel des Fotoateliers. Zu sehen ist der Puderbacher Fußballclub Schwarz-Weiß. Die Fußballer sind von links nach rechts: Hermann Hoffmann, Willi Schäfer, Karl Oettgen, Wilhelm Born, Friedrich Buscher, Wilhelm Rosenberg, Hugo Weber, Willi Heinrichs, Richard Hoffmann, Friedrich Kuhl, Paul Velten, Ernst Schmidt, Otto Muscheid und Franz Wilhelm.

Ansichtskarte von Puderbach

Um 1940 dürfte diese stimmungsvolle Aufnahme Puderbachs entstanden sein. August Sander hat seine Kamera in der Nähe der Urbacher Straße platziert. Die Sonne fällt von Westen ein , d.h. es ist später Nachmittag bzw. früher Abend, als er den Auslöser drückt. Weitere Postkarten aus der Hand des Fotografen finden Sie unter der Rubrik „Puderbach in alten Ansichten“.

Links:

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln, die den Nachlass August Sanders verwaltet

https://www.photographie-sk-kultur.de/august-sander/august-sander/

Biografie

https://de.wikipedia.org/wiki/August_Sander

Über sein Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschen_des_20._Jahrhunderts

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