Derschen / Eine Lebensgeschichte in 197 Bildern

Sind Sie auch ein begeisterter Flohmarktgänger? Ich kann mich der dort herrschenden Atmosphäre selten entziehen. Mit wachem Auge gehe ich dann die Stände entlang in der Hoffnung, etwas Interessantes zu entdecken. Viele der dort feil gebotenen Einrichtungsgegenstände, wie Möbel, Bilder, Essgeschirr und anderer Dinge, stammen aus Hausaltsauflösungen. Insbesondere die alten Fotoalben und Bilderkisten machen deutlich, daß hinter diesem „Trödel“ eine Lebensgeschichte steht.

Solch eine Biografie in Bildern entdeckte ich neulich bei einem digitalen Flohmarktfund. Ein Verkäufer bot 197 Fotografien an, deren Besitzer mutmaßlich aus Derschen im Kreis Altenkirchen stammte. Die Vorschaubilder zeigten private Aufnahmen vom beginnenden bis ins ausgehende 20. Jahrhundert. Sie erinnerten mich so stark an die Erbstücke meiner eigenen Familie, daß ich kurzerhand das Konvolut erwarb.

Nach dem ersten Sichten und einem chronologischen Sortieren, erkannte ich, daß es um zwei Familienzweige ging, die durch Heirat zusammengeführt wurden. Der Ehemann stammte tatsächlich aus Derschen und sein Name war Rudolph Theis. Sein Lebenslauf war von Kindesbeinen an fotografisch festgehalten. Der Vorname der Ehefrau dürfte Erika gewesen sein. Der Name tauchte auf einem der Bilder auf. Auch sie müßte in Derschen geboren und aufgewachsen sein.

Dies ist einer der wenigen handschriftlichen Vermerke. Der äußerst fein geschriebene Namenszug mit Ortsangabe ziert eine der Portraitaufnahmen.

Meine Bitte um Mithilfe geht nun an alle gebürtigen Einwohnerinnen und Einwohner von Derschen, die sich für die Geschichte des Ortes interessieren. Erkennen Sie die Mitglieder der Familie Theis und können mir ihre Namen nennen? Wo im Ort befand sich deren Bauernhof? Wer war der Besitzer des Gemischtwarenladens, der von Frau Emil Stein geführt wurde? Aus dieser Familie stammte die Ehefrau von Rudolph Theis. Wo mag sich ihr Wohnhaus nebst Geschäft in Derschen befunden haben? Helfen Sie mit, die Bilder zum Sprechen zu bringen und ihnen wieder Leben einzuhauchen!

Die Familie Theis

Eine der ältesten Aufnahmen des Konvoluts entstand im Fotoatelier des Peter Rosenzweig in Betzdorf. Sie zeigt einen alten Mann mit langem, grauen Bart, der vor sich seine beiden Enkelkinder sitzen hat. Es handelt sich um Zwillingsgeschwister, zwei hübsche, blonde Jungen, die für den Fototermin mit Kleidchen und weißem Zierkragen ausgestattet wurden. Bei einem der beiden dürfte es sich um Rudolph Theis handeln, denn auf späteren Bildern taucht er wieder mit seinem Zwillingsbruder auf.
Falls Sie sich für die Geschichte des Fotoateliers Rosenzweig interessieren, so klicken Sie bitte auf den untenstehenden Link. Der führt Sie zu einem Artikel in der Rhein-Zeitung, der Ihnen das Leben Rosenzweigs und sein fotografisches Schaffen näher bringt.

Link

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-altenkirchen_artikel,-betzdorf-fotos-von-peter-rosenzweig-oft-ein-gluecksfund-_arid,2214662.html

Dies ist mein absolutes Lieblingsbild. Allein dafür hat es sich gelohnt, den Bilderschatz zu erwerben. Es erinnert mich sehr an die Fotografien August Sanders, stammt aber nicht aus seiner Hand. Wir sehen die vielköpfige Familie Theis vor ihrem Anwesen in Derschen.
Haben Sie den bärtigen Großvater von oben bereits wiederentdeckt? Und auch seine beiden Enkel, die Zwillingsgeschwister sind auf der Aufnahme zu sehen. Doch die Schar an Enkelkindern ist deutlich größer als gedacht. In der Mitte sitzt Rudolph Theis Mutter, umringt von ihren sieben Kindern, daß jüngste in den Händen haltend. Welch eine Belastung muß das für die Bauersfrau gewesen sein, die stetige Arbeit auf dem Hof und die kurz aufeinander folgenden Schwangerschaften.
Man kann nur mutmaßen, warum der Vater auf dem Bild nicht dabei ist. Ich denke aber, daß wir uns im Jahr 1914 befinden und das Familienoberhaupt für Volk und Vaterland in den ersten Weltkrieg gezogen ist.
Wie lautet wohl der Name des Großvaters? Ist er der Vater von Frau Theis bzw. von ihrem Ehemann? Und wie lauten die Vornamen der sieben Geschwister von Rudolph Theis?
Rund 14 Jahre später, am 26. August 1928, entstand diese wunderschöne Aufnahme der Familie Theis. Der Anlass dürfte die Silberne Hochzeit der Eheleute sein. Die Blumen in den Händen der Mutter und der zweitjüngsten Tochter sprechen dafür. Die Großfamilie hat sich im Hof des Anwesens aufgestellt. Vergleicht man das Bild mit der Fotografie oben, so sehen wir, daß dem Ehepaar noch eine weitere Tochter geboren wurde und der greise Großvater in der Zwischenzeit verstorben ist. Dafür sehen wir Rudolphs Vater, der den Weltkrieg unbeschadet überstanden hat.
Zum selben Anlass entsteht diese Aufnahme der drei jüngsten Kinder der Eheleute Theis, die wir in der Mitte sehen. Bei den beiden Mädchen links und rechts dürfte es sich um Nachbarskinder bzw. um Freundinnen der Theis-Mädchen handeln. Das blonde Mädel rechts wird uns später noch weiter beschäftigen, denn bei Ihr handelt es sich um die zukünftige Ehefrau von Rudolph Theis. Ihr Name dürfte Erika gewesen sein.
Eine Porträitaufnahme von Rudolph Theis. Er scheint ein stattlicher und gutaussehender Mann gewesen zu sein.
Um 1930 kommt die Familie Theis wieder für den Fotografen zusammen. Diesmal scheint der Anlass die Hochzeit der drittjüngsten Tochter zu sein. In der Mitte sehen wir das in schlichtes schwarz gekleidete Paar. Ein Vermerk, den ich nur schwer entziffern kann, könnte darauf hinweisen, daß der Bräutigam aus Daaden stammte. Erkennen Sie weitere Personen auf der Fotografie?
Die Schwester von Rudolph Theis mit ihrem Ehemann. Kann mir jemand sagen, um welches Abzeichen es sich an seinem Revers handelt? Gehört es vielleicht in einen kirchlichen Zusammenhang?
Der sichtlich stolze Vater Theis mit zweien seiner Enkelkinder. Auch diese Aufnahme entstand im Innenhof des Anwesens.
Eine weitere Aufnahme von Rudolph Theis, die in der Derschener Ortsmitte entstanden sein könnte. Erkennt jemand den Fachwerkhof im Hintergrund?
Diese schlichte Aufnahme von Rudolph Theis Mutter mag ich ebenfalls ganz besonders. Die Bauersfrau hat sich nach getaner Feldarbeit auf einem Wiesenstück niedergelassen und genießt sichtlich die Ruhe und Entspannung.
Bei meinen Recherchen über die Familie Theis und die Ortschaft Derschen stieß ich auf einen Zeitungsartikel, der sich mit dem ortsansässigen Fotografen Rudolf Rosenkranz beschäftigt. Einer der dort gezeigten Aufnahmen zeigt mit ziemlicher Sicherheit das Ehepaar Theis mit einer Ihrer Töchter. Vergleichen Sie selbst einmal, in dem Sie den untenstehenden Link anklicken. Es handelt sich um das Bild mit der Nummer 8.

Link

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-altenkirchen_artikel,-rudolf-rosenkranz-bilderschatz-aus-derschen-_arid,584836.html

Ein Blick auf den Hof der Familie Theis, vermutlich entstanden in den 1950er bzw. 1960er Jahren. Wo hat er sich befunden und steht er immer noch?

Die Familie von Rudolph Theis Ehefrau

„Erika und Gertrud / Derschen“ Dies ist die einzige Fotografie aus dem Nachlass von Rudolph Theis Ehefrau, die mit einem Namen und einer Ortsangabe versehen ist. Vieles spricht also dafür, daß beide Ehepartner aus Derschen stammten. Erkennt jemand den Hof im Hintergrund? Und um wen könnte es sich bei jener Gertrud handeln?
Doch gehen wir zunächst noch einmal in Erikas Kindertage zurück. Hier sehen wir sie als vielleicht vierjähriges Mädchen mit ihrem kleineren Bruder. Der gemalte Hintergrund mit Vorhang deutet auf eine Atelieraufnahme hin. Der Kiesboden lässt jedoch vermuten, daß die Fotografie im Freien enstand. Ob Rudolf Rosenkranz die Aufnahme anfertigte?
Einige Jahre später entsteht diese hübsche Fotografie. Erika und ihr Bruder haben noch eine kleine Schwester bekommen.
Erika mit ihren Eltern und Geschwistern vermutlich um 1930.
Diese wie die erste Aufnahme könnten anlässlich der Konfirmation der jungen Frauen entstanden sein. Links wieder die beiden Freundinnen Erika und Gertrud. Doch wer sind die beiden anderen Mädchen? Kennen Sie Ihre Namen?
Hier nun ein Blick auf den kleinen Gemischtwarenladen der Familie, der laut einer Beschriftung am Haus von einer Frau Emil Seitz geführt wurde. Doch handelt es sich dabei um Erikas Mutter? So wäre sie selbst eine geborene Stein. Möglicherweise hat aber schon die Großmutter das Geschäft geleitet, die wir hier in der Bildmitte sehen.
Achten Sie bitte auf das kleine Schild oben rechts am Gebäude. Dies ist bisher mein einziger Hinweis auf den Ursprung der Familie. Wo mag sich das Wohnhaus nebst Laden befunden haben? Und ob es heute noch steht?
Auf dieser Aufnahme sehen wir den ganzen Gebäudekomplex. Links das Wohnhaus und rechts die Räumlichkeiten des Ladengeschäfts. Die Fassade erhält gerade einen neuen Anstrich.
Das Angebot des Ladens beinhaltete wohl auch Konfektionswaren, wie man an der weißen Bluse im Schaufenster erkennen kann.

Hochzeitsbilder

Neben einem schlichten Hochzeitsfoto von Rudolph und Erika Theis tauchten im Konvolut noch mehrere Fotografien auf, die große Hochzeitsgesellschaften zeigen und eventuell auch in Derschen gefeiert wurden. Werfen Sie bitte einen Blick auf diese festlichen Aufnahmen. Erkennen Sie einen Bekannten oder Verwandten auf den Bildern? Und achten Sie bitte auf die Fachwerkhäuser im Hintergrund. Kommen Ihnen die Gebäude bekannt vor?

Rudolph und Erika Theis an ihrem Hochzeitstag. Das Paar dürfte Mitte/Ende der 1930er Jahre vor den Traualtar getreten sein. Die Braut trug ein schlichtes schwarzes Kleid, daß man auch nach der Heirat zu Festlichkeiten und anderen Anlässen anziehen konnte.
Auch diese Braut trägt kein weißes Hochzeitskleid, wie wir es normalerweise von einer Trauung kennen. Den Luxus, eine Garderobe anzuschaffen, die man nur ein einziges Mal in seinem Leben tragen konnte, gab es bei der einfachen Landbevölkerung nicht.
Hier sehen wir die komplette Hochzeitsgesellschaft, die sich im Freien zusammengefunden hat. Ganz rechts entdecken wir Rudolph Theis wieder, der vermutlich ein Freund des Bräutigams war. Erkennen Sie das Brautpaar und deren Familienangehörigen und Freunde? Und um welches Gebäude könnte es sich im Hintergrund handeln?
Eine weitere Hochzeitsfeier, an der Rudolph Theis (links hinter der Braut) und eine seiner Schwestern (auf der Treppe mit weißer Schürze) teilgenommen haben. Möglicherweise fand auch diese Festlichkeit in Derschen statt. Hier wieder die Bitte an Sie, geschätzte Leserinnen und Leser: Erkennen Sie Personen auf der Aufnahme? Kommt Ihnen das Fachwerkgebäude im Hintergrund bekannt vor?
Eine Aufnahme, die um 1940 entstanden sein könnte. Neben dem Ehepaar Theis (hinterste Reihe/mittig) taucht hier die Freundin von Erika wieder auf, jene Gertrud, die wir zu Beginn bereits sahen (rechts neben dem Bräutigam).
Sehen Sie das Straßenschild an der Hausfassade? Während der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 wurden viele Straßen umbenannt. Sie trägt hier den Namen Adolf-Hitler-Straße.

Gruppenaufnahmen

Eine Fotografie aus den 1920er Jahren. In der Mitte entdecken wir wieder Erika Theis, die mit ihrem blonden Haarschopf heraussticht. Ansonsten scheinen die Kinder alle im selben Alter zu sein. Sie tragen ihre Alltagskleidung, was dafür spricht, daß die Aufnahme spontan enstanden ist. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Die meisten jungen Frauen dieser Zeit blieben zumeist ohne Ausbildung und erlernten keinen Beruf. Ihre Bestimmung war eine vorteilhafte Ehe mit einem wenn möglich wohlhabenden Ehemann. Doch auch sie benötigen gewisse hauswirtschaftliche Grundkenntnisse, die in Kursen vermittelt wurden. Um einen solchen könnte es sich bei dieser und der folgenden Aufnahme handeln.
In der hintersten Reihe als zweite von rechts entdecken wir wieder Erika Theis. Zusammen mit 22 anderen Frauen absolvierte sie vermutlich um 1930 einen Nähkurs, der Ihr die wichtigsten Grundfertigkeiten beibrachte. Doch wo mag der Lehrgang stattgefunden haben? Welche Räumlichkeiten boten so vielen Personen Raum? Der alte Ofen im Bildhintergrund erinnert mich persönlich an ein Schulgebäude.
Hier sehen wir noch einmal die Teilnehmerinnen des Nähkurses. Sie haben sich vor dem Eingang des Gebäudes versammelt, in dem der Lehrgang stattfand. Erkennen Sie den alten Fachwerkbau? Und wer hat alles an der Schulung teilgenommen?
Dieser Hauseingang tauchte bereits bei einer der Hochzeitsbilder auf. Er ist mit seinen Schnitzereien und Verzierungen recht markant. Um welches Gebäude könnte es sich wohl handeln? Und wer sind diese drei Jungbauern, die sich für den Fotografen einen guten Anzug angezogen und ihre feinen Uhrenketten angelegt haben?
Diese und die folgenden zwei Bilder erinnern mich sehr an eine Institution, die während der Kriegsjahre in Deutschland eingeführt wurde. Es handelt sich dabei um die von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, kurz NSV, betriebenen Kindergärten. Da die meisten Väter an der Front standen und die Mütter alleine mit den zugeteilten Zwangsarbeitern die Höfe versorgten, blieb kaum Zeit für den Nachwuchs. In den Kindergrippen wurden die Kleinsten von geschulten Betreuerinnen versorgt.
Hier sehen wir eine solche Kindergartengruppe, die wohl auch in Derschen bestand. Sehen Sie das Gebäude im Hintergrund? Es ist dasselbe, wie auf den Fotografien vom Nähkurs oben. Wer waren die beiden Damen, die sich um die Kindern der Dorfbewohner kümmerten? Und entdecken Sie sich vielleicht selbst unter den Kleinen?
An dieser Stelle möchte ich Sie erneut auf einen Artikel der Rhein-Zeitung aufmerksam machen. Es geht um den aus Derschen stammenden Fotografen Rudolf Rosenkranz, der auch diese Aufnahme anfertigte. 2016 wurden auf einem Speicher 196 Glasplatten-Negative entdeckt, u.a. die vom Derschener Kindergarten.

Link

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/westerwaelder-zeitung_artikel,-westerwaelder-fotoschatz-auf-dem-speicher-entdeckt-_arid,1427243.html

Ortsansichten

An dieser Stelle folgen sieben Ortsansichten, wovon ich eine konkret Derschen zuordnen kann. Bei den übrigen bin ich wiederum auf Ihre Hilfe angewiesen. Sehen wir auf den Bildern aus den 1940er bis 1960er Jahren wirklich Teile der Ortschaft?

Diese Fotografie aus dem Jahr 1919 zeigt das Aufrichten der ersten Strommasten in Derschen. Wie wir sehen, lockte das Ereignis kleine wie große Zuschauer an und viele fleißige Helfer legten beim Aufstellen mit Hand an. Bis jedoch alle Häuser in der Ortschaft mit Strom versorgt waren, dauerte es noch zwei weitere Jahre an. Auch hier möchte ich Sie wieder auf einen Artikel in der Rhein-Zeitung aufmerksam machen. Klicken Sie auf den unten stehenden Link.

Link

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-altenkirchen_artikel,-der-blick-in-dunkle-zeiten-seit-100-jahren-gibts-in-derschen-strom-_arid,2335178.html

Eine Straßenszene. Ganz links mit weißer Schürze sitzt Erika Theis. Wer sind die anderen Passanten und welcher Weg ist hier zu sehen?
Diese Fotografie dürfte wohl in den 1950er Jahren entstanden sein. Im Bildvordergrund sieht man einen kleinen Friedhof. Von der Lage her könnte es zu Derschen passen.
Ist das ein Blick auf Derschen?
Eine Aufnahme eines alten Fachwerkgebäudes im Winter. Befinden wir uns in Derschen?
Von den vier Frauen, die im Vordergrund zu sehen sind, kann ich mit weißer Schürze wiederum Erika Theis ausmachen. Wo befinden Sie sich und sieht man im Hintergrund Teile der Ortschaft Derschen?

Nachtrag

Die 197 Bilder der Familie Theis seien um zwei alte Fotografien ergänzt, die vermutlich um 1920 entstanden sind und zum einen das Dorf Derschen und zum anderen die am Ortsausgang Richtung Daaden gelegene Steinches Mühle zeigen. Beide haben über die Jahrzehnte durch Lichteinfluß und einen agressiven Kleber an Qualität verloren, sodas ich mir erlaubt habe, sie geringfügig zu bearbeiten.

Aus welcher Richtung mag man wohl die kleine Ortschaft Derschen hier sehen? Über Ihre Mithilfe bei der Zuordnung würde ich mich sehr freuen!
Ein wunderschöner Blick auf die 1579 erstmals schriftlich erwähnte Steinches Mühle. Ein Balken in dem Fachwerkbau trägt sogar eine Jahreszahl von 1525. Hier sehen wir sie von Daaden kommend aus nördlicher Richtung.

Derschen lässt mir keine Ruhe

Nachdem ich mich so intensiv mit der Geschichte der Familie Theis und der Ortschaft Derschen beschäftigt hatte, tauchte in einer weiteren Internetversteigerung eine sogenannte „Carte De Visite“ auf, eine auf einen Karton aufgebrachte Fotografie im Format von 6 × 9 cm. Diese frühen Aufnahmen erfreuten sich ab den 1860er Jahren größter Beliebtheit. Laut des handschriftlichen Vermerks stammte die abgebildete Person ebenfalls aus dem Westerwalddorf Derschen.

Der gebürtig aus Derschen stammende Peter Hees. Wir sehen ihn hier in seiner stattlichen Uniform, die ihn als Zollbeamten ausweist. Die Aufnahme selbst dürfte Mitte bzw. Ende der 1860er Jahre entstanden sein.

„Zollbeamter Peter Hees, Großvater mütterlicherseits von (?) Meseberg. Peter Hees ist geboren 29. Juli 1803 in Derschen, Kreis Altenkirchen, gest. 18. November 1872 in Oberhausen i. Rheinl.“ So lautet die Beschriftung, die dem Foto beigefügt wurde. Ich machte mich sogleich auf die Suche, um mehr über diesen früheren Bewohner Derschens in Erfahrung zu bringen.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, bieten diverse Genealogie-Plattformen ausgiebige Recherchemöglichkeiten. Schon nach wenigen Klicks wurde ich fündig. Der damalige Unteroffizier Peter Hees heiratete am 2. August 1833 in Saarlouis die aus Wadenheim (heute Bad Neuenahr) stammende Margarethe Pfaffenholz. Für die Braut war es die 2. Ehe. Ihr erster Ehemann, der Unteroffizier Anton Müller, war am 25. Juni 1832 verstorben.

Dieser Eintrag führte mich auch zu Peter Hees Eltern. Es handelte sich bei Ihnen um den in Derschen geborenen Engelbert Hees (1779-1830) und der aus Friedewald kommenden Friederike Katharina Stein (1781-1823). Die beiden heirateten am 13. Mai 1800 in der Kirche in Daaden. Neben den 1803 geborenen Sohn Peter entdeckte ich auch eine weitere Tochter, die am 19. Dezember 1808 geborene Anna Katharina, die 1833 Joh. Gerlach Euteneuer aus Alsdorf ehelichte.

Peter Hees war am Tag seiner Hochzeit 30 Jahre alt und Unteroffizier im 9. Husaren-Regiment.

Die nächsten Spuren von Peter Hees und seiner Familie entdeckte ich in Unterlagen, die aus dem nordrhein-westfälische Oberhausen stammten. Hier heiratete die Tochter Fanny am 20. Oktober 1861 den Stationsvorsteher Theodor Meseberg. So schloß sich der Kreis zu der Carte-De-Visite-Fotografie. Jene Nachfahren der Fanny Meseberg geb. Hees verfassten den handschriftlichen Vermerk unter der Aufnahme.

Wie wir bereits erfahren haben, starb Peter Hees am 18. November 1872 in Oberhausen. Seine Frau Margarethe war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. In seiner Sterbeurkunde wird als letzter Beruf „Möbelhändler“ angegeben und das Dokument verweist noch einmal auf die Kinder, die Töchter Fanny und Luise (verh. Browsky).

Doch kehren wir zum Schluß wieder in den Westerwald zurück. Ob wohl noch Nachfahren der Hees in Derschen leben? Und was wurde aus Peter Hees Schwester Anna Katharina Euteneuer, die ihr Lebensende in Alsdorf verbrachte?

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