Die alten Familien Puderbachs und ihre Rufnamen

Im Kirchdorf

Die Familie Born / Herwescheds

Hier hat sich um 1923 die Familie Born aus Puderbach im besten Sonntagsstaat vor dem Fotografen versammelt. Ist das im Hintergrund der Ackerweg, wo die Herwescheds (mglw. auch Herwetscheds geschrieben) zu Hause sind? In der Mitte stehend der Ackerer Philipp Born, neben ihm seine aus Oberähren stammende Frau Katharine eine geborene Klein. Rechts die Tochter Margarethe, von allen aber nur Grete oder Gretchen genannt. Sie heiratet später den aus Richert stammenden Schreiner Friedrich Velten. Und ganz links der am 10. Januar 1913 geborene Otto Born. Er wird den Bauernhof seines Vaters zusammen mit seiner Frau Luise bis 1969 weiterführen, länger lässt es seine nachlassende Gesundheit nicht zu.
Woher der Rufame rührt, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Das Herwe erinnert an den Vornamen Herbert. Tatsächlich gibt es unter den Vorfahren einen Joh. Herbert Born, der 1786 zu Puderbach geboren und 1860 beerdigt wurde. Er war mit Maria Margaretha, der Tochter des aus dem mittelfränkischen Rüdisbronn bei Bad Windsheim stammenden Gottlieb Scheiderer verheiratet. Falls Ihnen der Nachname vertraut vorkommt: Sie haben ihn schon einmal gehört im Zusammenhang mit den Schreinerschs aus dem Mühlendorf gehört. 

Die Familie Funk bzw. Schmidt / Fonks bzw. Kläfonks

Wilhelm Funk und Luise geb. Lehnert
Kennen Sie den Ausdruck für Großvater und Großmutter in Puderbacher Platt? Man nennt die betagten Großeltern den Abbab und die Ammam. Hier sehen wir den rund 80jährigen Wilhelm Funk mit seiner aus Niederraden stammenden Frau Maria Luise geb. Lehnert.
Die Fonks bzw. Kläfonks leben bereits seit dem 18. Jahrhundert im Puderbacher Land, wobei sich zwei Familienzweige herausgebildet haben. Vielleicht hat man auch deswegen die Unterscheidung in Fonks, hiermit ist die Familie der Katharina Funk, ihres unehelichen Sohnes Philipp Funk und seiner zehn Kinder gemeint, und die der Kläfonks, die hier auf der Bildcollage zu sehen sind, gemacht.
Erna, Bertha und Wilhelm Schmidt
Diese schon etwas abgegriffene und vergilbte Fotografie dürfte um 1912 aufgenommen sein und zeigt die drei Enkelkinder des Fonks bzw. Kläfonks Wilhelm und seiner Frau Wiss (für Luise).
Links sehen wir Erna Schmidt, die am 14. Juni 1905 geboren wird und 1927 den aus Woldert stammenden Bergarbeiter Albert Nies heiratet.
Ganz rechts steht die ein Jahr jüngere Schwester Bertha, die 1926 Hermann Friedrich Dreser aus Wahlrod ehelicht. Und in der Mitte sehen wir den jüngsten Spross der Familie, den am 9. Juni 1908 geborenen Joh. Wilhelm Schmidt. Er wird 1936 die aus Harschbach stammende Elfriede Hachenberg zur Frau nehmen. 
Ist das nicht ein wunderschöner Schnappschuß der beiden Fonks-Schwestern Erna und Bertha. Auf dem Schoß der anderen sitzend und den Arm vertraut umeinander gelegt, haben es sich die beiden im Garten der Familie bequem gemacht. Das Foto könnte um 1918 entstanden sein.
Wilhelm Schmidt und Bertha geb. Funk mit ihren Kindern
1904 hatte Bertha, eine der drei Töchter von Wilhelm und Luise Funk, den Bahnbeamten Wilhelm Schmidt aus dem nahegelegenen Döttesfeld geheiratet. Auf dieser Fotografie, die um 1920 entstanden sein könnte, sehen wir das Ehepaar mit ihren drei Kindern Erna, Bertha und Wilhelm. Wir kennen die drei Zöglinge bereits von der Aufnahme oben.
Kläfonks Kalin mit ihren Söhnen
An dieser Stelle geht mein herzlicher Dank an Frau Nies, die so freundlich war, mir die vorliegenden Aufnahmen ihrer Familie zur Verfügung zu stellen. Zu Ihnen gehört auch diese Fotografie, die ebenfalls um 1920 entstanden sein könnte. Sie zeigt die am 26. Januar 1892 in Puderbach geborene Karoline Funk, die 1912 den aus Döttesfeld stammenden Christian Schuh geheiratet hatte. Bei dem Fonks bzw. Kläfonks Kalin handelt es sich um die sieben Jahre jüngere Schwester der oben zu sehenden Bertha Schmidt geb. Funk.
Das Bild zeigt uns die Familie ohne den Vater, der bereits am 17. Oktober 1918 mit gerade mal 27 Jahren  an einer Lungenentzündung verstorben ist. In diesem Zeitraum grassiert in Deutschland die Spanische Grippe, die rund 260.000 Menschen das Leben kostet und auch die Todesursache von Christian Schuh sein dürfte.
Die junge Witwe hält schützend die Arme um ihre beiden Söhne, den 1913 geborenen Alfred und den drei Jahre jüngeren Walter. An den Kläfonks Alfred aus dem Reichensteiner Weg mit seiner umfangreichen Landwirtschaft werden sich die meisten noch erinnern, sowie an seine Ehefrau, die aus Werlenbach stammende Lina geb. Sommer und den gemeinsamen Sohn Walter, der den Namen seines Onkels und Taufpaten erhalten hatte. 

Die Familie Haag bzw. Brauer / Hoochs bzw. Brauerschs

Bei den Rufnamen hatte ich als Kind oftmals Probleme, sie den entsprechenden Familien zuzuordnen. Besonders verzwickt wurde es, wenn meine Großmutter mich am frühen Abend mit einer leeren Kanne zum Milch holen schickte. Die Kläfonks im Reichensteiner Weg kannte ich von den Gängen von zu Hause. Doch wo wohnten die Hoochs? Und warum sagte man das eine Mal Hoochs und das andere Mal Brauerschs?
Der Rufname Hoochs stammt von der am 26. Dezember 1854 geborenen Dorothea Katharina Haag und ihrer Familie. 1875 hatte sie den aus Udert stammenden Simon Brauer geheiratet und die beiden bekamen vier gemeinsame Kinder.
Die beiden Namensgeber sehen wir hier auf einer Aufnahme, die um 1912 entstanden sein könnte und die ganze Familie vor dem Anwesen an der Daufenbacher Straße zeigt. Ganz links die besagte Dorothea Brauer geb. Haag mit Kopftuch und weißer Schürze, als zweiter von rechts Simon Brauer. In ihrer Mitte steht der älteste Sohn Christian, seine aus Oberdreis stammende Frau Sophie und die drei gemeinsamen Kinder Werner, Anna und Bertha.
Wie auf der Aufnahme bereits zu erkennen ist, hat sich Anna bei einem Kind, dessen Eltern im Gasthof Kasche als Kurgäste verweilten, mit der hochansteckenden Kinderlähmung infiziert. Sie litt zeitlebends unter einer Lähmung im linken Bein.

Die Familie Herzog / Herzoochs

Diese Ablichtung entstand ebenfalls um 1920 und zeigt das Ehepaar Herzog aus Puderbach. Otto Herzog stammte gebürtig aus Mettmann bei Düsseldorf und führte mit seiner Frau Mathilde, eine geborene Heydorn, am Ackerweg eine Bäckerei. Interessant sind die vielfältigen verwandschaftlichen Verbindungen der Familie. Ottos Schwester war die 1851 geborene Christiane Antoinette verheiratete Mohn, die Ehefrau des langjährigen und äußerst beliebten Pfarrers Friedrich Mohn. Und Mathilde stammte aus der Familie des hiesigen Müllers Karl Heydorn. Ihre beiden Schwestern Karoline und Philippine heirateten in die Familien Frohn und Reinhard ein.
Leider sind mir nicht mehr alle Erzählungen der Enkeltochter Christa Göbler in Erinnerung, ich meine aber, daß die Großmutter eine starke und energische Person war. Vielleicht ist es auch deswegen zu dem ungewöhnlichen Arrangement der Eheleute gekommen, denn meistens blickte der stehende Mann auf seine sitzende Frau hinunter und nicht umgekehrt.

Die Familie Schmidt / Kasches-Schmidts

Am 20. März 1921 wurden die Zwillingsgeschwister Anna und Emil Schmidt in der Evangelischen Kirche zu Puderbach konfirmiert. Diese wunderschöne Portraitaufnahme erinnert an den Ehrentag der damals Vierzehnjährigen.
Die Fotografie steht stellvertretend für die ganze Familie, den aus Wahlrod stammenden Fuhrmann Karl Schmidt und seine aus Seyen kommende Ehefrau Katharina geb. Haas, sowie die sechs gemeinsamen Kinder, Karoline verh. Stroodt (1892), Luise verh. Pangert (1894), Heinrich (1897), Wilhelm (1899), und die bereits erwähnten Zwillinge Emil und Anna verh. Barth (1907).
Um 1893 hatte Karl Schmidt die Anstellung als Bierfahrer für die Gastwirtsfamilie Kasche angenommen. Über zwei Jahrzehnte versorgte er die Gasthäuser in der näheren Umgebung mit den Bierfässern, die von Koblenz mit der Bahn angeliefert wurden. Der Rufname Kasches-Schmidts rührt von diesem Arbeitsverhältnis her.
Besondere Erwähnung soll das tragische Schicksal des 1899 geborenen Wilhelm Schmidt finden, der 1925 bei einem schweren Bergwerksunglück in der Räister Gruw ums Leben kommt. (Beitrag vom 1.07.2026)

Im Mühlendorf

Die Familie Becker / Beckerschs

Zu sehen ist die Kaufmannsfamilie Becker aus Puderbach. 1911 hatte Otto, geboren am 18. April 1882 und Sohn des Dorfschullehrers Philipp Becker, ein Konfektions- und Manufakturwarengeschäft an der Steimeler Straße Ecke Hauptstraße eröffnet. In dem zu diesem Zweck neu errichteten Wohn- und Geschäftshaus konnte man Herren- und Damenbekleidung, Hüte und Mützen sowie Stoffe und Kurzwaren jederweder Art erwerben. Auch Kleinmöbel, ja sogar Nähmaschinen und Fahrräder gehörten zum Angebot der 1920er Jahre.
Ottos Frau, die 1887 in Weroth geborene Wihelmine geb. Neitzert, brachte sechs Kinder zur Welt. Die vier ältesten von ihnen begegnen uns auf der Fotografie wieder. Rechterhand sehen wir die beiden Geschwister Richard (1911) und Elisabeth (1912), links neben den Eltern Johanna (1915) und Otto (1916). Nach Entstehen des Lichtbilds wurden noch die beiden Mädchen Helene (1922) und Gisela (1928) geboren.
Es war der Sohn Otto, der 1952 nach dem Tod des Vaters die Geschäftsführung des Kaufhauses übernahm. Sechzehn Jahre lang lenkte er die Geschicke, führte das Unternehmen erfolgreich weiter und erfreute sich bei seinen Kundinnen und Kunden größter Beliebtheit, als er 1968 plötzlich an einem Herzinfarkt verstarb. Die verbleibenden Jahre bis zur Firmenaufgabe Ende 1983 übernahm Raimund Spaniol die Firmenleitung.
Mein Dank geht an die Nachfahren der Kaufmannsfamilie Becker, die so freundlich waren, mir das Bild zur Verfügung zu stellen. 

Die Familie Bierbrauer bzw. Schmidt / Bierbrauerschs

Wie vertraut mir doch die Fotografien aus dem Fotoatelier Käppele sind. Der Bildhintergund mit dem geschwungenen Vorhang sowie das Sitzmöbel aus Korbgeflecht tauchen auch bei den Aufnahmen in unserem Familienalbum auf. 
Wir sehen den 1885 in Puderbach geborenen Wilhelm Bierbrauer in einer feldgrauen Uniform des 1. Weltkriegs mit seiner gebürtig aus Breibach kommenden Frau Karoline geb. Schneider. Bei dem kleinen Mädchen handelt es sich um die 1914 geborene Tochter Erna. Das Paar bekam drei weitere Kinder, die Söhne Wilhelm (1916), Karl (1921) und Reinhold (1928) Bierbrauer. 
Bierbrauerschs Herbert mit seinen Enkeln
1884 hatte der aus Weroth stammende Herbert Bierbrauer in die Puderbacher Familie Blum eingeheiratet. Seine Frau Louise Katharina war bei der Heirat gerade einmal neunzehn Jahre alt gewesen und der Verbindung entsprangen drei gemeinsame Kinder. Die Ähnlichkeit zwischen dem oben bereits zu sehenden Sohn Wilhelm und seinem Vater sind unverkennbar.
Auf dieser anrührenden Aufnahme, die im Jahr 1920 entstanden ist, sehen wir den Abbab mit seinen beiden Enkeln Erna und Wilhelm, die sich liebevoll an den Großvater schmiegen.
Bierbrauerschs Erna
Wie alt mag dat Bierbrauerschs Erna auf dieser Fotografie wohl sein? Ich schätze sie auf gerade mal 17 oder 18 Jahre. Der Schnappschuß entstand vermutlich bei einem sonntäglichen Waldspaziergang und das junge Mädchen hat sich hübsch gemacht, trägt Halskette und Ohrringe, dazu ein wärmendes Oberteil, Rock und weiße Strümpfe, sowie die für diese Zeit typischen Spangenschuhe.
1938 hatte Erna Bierbrauer den aus Urbach stammenden Karl Schmidt geheiratet. Ist er es, der den neuen Rufnamen Uckis mit in die Ehe bringt? Und was soll er wohl bedeuten?

Die Familie Born / Muschender

Eine Aufnahme der Familie Born aus Puderbach um 1910. Der Vater Peter stammte gebürtig aus dem nahegelegenen Muscheid, weshalb man noch heute den Rufnamen „Muschender“ benutzt. Die Mutter ist Emilie Katharine eine geborene Löhr, die in Puderbach am 11. August 1870 zur Welt kommt.
Hinter ihnen stehen die drei gemeinsamen Söhne, links Karl, daneben der am 25. Juni 1895 geborene Philipp Born, der Vater vom „Muschender Milchen“ und vor den beiden der jüngste Sprössling Paul.
Um 1930 entsteht dieser Schnappschuß mit dem Muschender Peter und seiner Frau Milchen. Die beiden sind in die Jahre gekommen und gezeichnet von der schweren landwirtschaftlichen Arbeit. Sie tragen im Kontrast zu der Aufnahme oben ihre Alltagskleidung, die an manchen Stellen bereits ausgebessert ist. Der vollbeladene Heuwagen im Bildhintergrund zeugt von dem harten Tagwerk auf dem Hof in der Schulstraße.
Zu den beiden hat sich die vielleicht sechsjährige Enkeltochter Emilie gesellt. Sie wird schon bald mit ihren Eltern Philipp und Pauline in das neu gebaute Anwesen ins Puderbacher Kirchdorf ziehen.

Die Familie Göbler / Hennerichs

Auf den ersten Blick wirkt die Aufnahme der Familie Göbler wie ein klassisches Familienportrait, die Eltern in der Mitte sitzend und um sie herum die große Schar an Kindern aufgereiht. Doch der erste Eindruck täuscht.
1878 heiratet der aus Woldert kommende Herbert Göbler, dessen Vorfahren ursprünglich aus der Beroder Gegend stammen, die in Puderbach geborene Anna Katharina Blum. Nach zwei früh verstorbenen Kindern wird 1885 der Sohn Heinrich geboren, den wir hier stehend in der Bildmitte sehen. Er müßte auch der Begründer des späteren Rufnamens der Göblers gewesen sein. Jeder kannte die Familie unter dem Namen Hennerichs (Heinrichs). Zu seiner Seite, mit weißer Bluse und blondem Haar, steht seine Ehefrau, die aus Breibach stammende Wilhelmine geb. Runkler.
Links neben dem Stuhl der Mutter sehen wir die hochgewachsene und, wie ich finde, äußerst hübsche Tochter Anna. Sie begegnete uns bereits auf einem alten Schulfoto von 1897 mit Lehrer Becker. Die dritte Tochter ist Philippine, die junge, blonde Frau, die direkt hinter dem Vater steht. Sie bleibt unverheiratet und stirbt 1974 mit 77 Jahren als letzte der Göbler-Geschwister.
Die verbleibenden zwei Personen, die junge Dame ganz rechts und das halbwüchsige Mädchen mit Schleife im Haar, das so vertraut und liebevoll ihre Hand auf Herbert Göblers Schulter legt, sind deren Mündel, Kinder des früh verstorbenen Bruders Christian Göbler und seiner Frau Maria Katharina geb. Blum. Zum Zeitpunkt der Aufnahme, um 1911, sind bereits beide Elternteile tot und die beiden jungen Frauen Waisen. 

Die Familie Lichtenthäler / Hanntäisen

Wie alt mag das Hanntäisen Helga auf dieser Fotografie wohl sein? Vielleicht drei oder vier Jahre? Dann wäre die Aufnahme 1926 entstanden. Sie schaut den Betrachter streng an, die Fäuste fest geballt, ein kleines Blumensträußchen haltend, wunderbar arrangiert mit ihrem Puppenwagen im Hintergrund.
Die Portraitaufnahme der kleinen Helga Lichtenthäler verheiratete Stanke steht stellvertretend für ihre ganze Familie, die beiden Eltern Simon und Lina Lichtenthäler geb. Weber, sowie für Ihre Großeltern, Wilhelm und Christine Lichtenthäler geb. Weber. Bei ihrer Großmutter handelt es sich um die Schwester des Gasthofbesitzers Christian Weber (Heydorschs).
Der Rufname Hanntäisen (Johann Matthias) dürfte von dem gleichnamigen, 1809 in Oberähren geborenen Johann Matthias Lichtenthäler herrühren, der um 1836 Helene Margarethe Spies heiratete und die Linie der Lichtenthäler in Puderbach begründete.

Die Familie Löhr / Schoopitterschs

Der Rufname Schoopitterschs (Schuh Peters) geht auf den 1825 in Mündersbach geborenen Schuster Peter Kühnemann zurück, der 1849 die aus Puderbach stammende Katharina Burkhardt geheiratet hatte. Auf der vorliegenden Aufnahme sehen wir seine Tochter Karoline verheiratete Löhr mit ihrem Ehemann Andreas und den drei jüngsten Kindern. Links neben der Mutter steht die Tochter Anna Löhr später verheiratete Stradiath, neben ihr das Nesthäkchen Otto und ganz rechts Bertha Löhr später verheiratete Mast. Im Hintergrund erkennt man die Steimeler Straße, an der das Wohnhaus der Familie lag.

Die Familie Müller / Lisjes

Der Rufname Lisjes wird Ihnen auf den Seiten des Blogs sicherlich schon einmal begegnet sein. Ich verband ihn immer mit dem Familienamen Bachenberg und nicht mit denen der Müllers. Doch das „Rätsel“ ist schnell gelöst.
Ganz rechts, in dem gemütlichen Korbsessel sitzend, sehen wir die Mutter der zwei Familienzweige, die zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits greise Katharina Bachenberg geb. Born, im feinen Kleid und Haube. Links neben ihr sitzt die Tochter Wilhelmine, die 1890 den aus Winnen bei Westerburg stammenden Maurer Otto Müller geheiratet hatte. Bei den übrigen Personen des Bildes handelt es sich um die vier Kinder des Paares, beginnend mit der ältesten Tochter Kath. Philippine verheiratete Kambeck, deren Nachfahren noch heute den Rufnamen Lisjes tragen. Auf den Stuhl der Großmutter gelehnt sehen wir den Bruder Karl, den wir auch schon auf dem Sander-Bild des frühen Fußballclubs „Komet“ bewundern konnten.
Links neben dem Vater Otto steht der Sohn Reinhard, jener spätere Bauunternehmer, der am 23. September 1932 bei einem tödlichen Motorradunfall bei Dernbach ums Leben kommt. Das jüngste Kind der Müllers ist der Sohn Walter, der bereits mit 12 Jahren verstirbt und der zum Zeitpunkt der Aufnahme um die sechs Jahre alt sein dürfte. Die Fotografie aus Sanders Hand dürfte also um 1910 enstanden sein.
Es bleibt für mich die Frage, wo der Rufname herrührt. Lisjes leitet sich von dem Vornamen Elise bzw. Elisabeth ab. Womöglich gab die Mutter von Katharina Bachenberg geb. Born der Familie ihren Vornamen mit. Die 1810 geborene und 1876 verstorbene Elisabeth Born geb. Winterscheid hatte ihren Ehemann Philipp um 22 Jahre überlebt und war somit Oberhaupt der Familie gewesen. 
Hildegard Müller geb. Lieske mit Mutter und Schwester
1925 hatte der Hochbautechniker und Bauunternehmer Reinhard Müller Hildegard Lieske geheiratet. Hier sehen wir sie als junges Mädchen mit dunklem Haar und vielleicht 14 Jahren neben Ihrer Mutter und ihrer einige Jahre älteren Schwester Johanna stehen.
Geboren wird Hildegard 1902 in Gräfrath bei Solingen als Tochter des Dorfschullehrers Arthur Lieske und seiner aus Urbach stammenden Frau Anna geb. Dills. Die Eltern trennen sich nach wenigen Ehejahren. Der Rest der Familie rückt danach enger zusammen, was man aus dem Arrangement der Personen auf der Fotografie herauslesen mag.
Wie bereits erwähnt, stirbt der Lisjes Reinhard  1932 bei einem tragischen Verkehrsunfall und lässt Hildegard mit 30 Jahren als Witwe zurück. Die gemeinsame Tochter Anneliese ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal sechs Jahre alt.

Die Familie Reinhard

Das Ehepaar Herzog, das Sie weiter oben bereits bewundern konnten, war eng mit der hier zu sehenden Familie Reinhard verwandt. Mathilde Herzogs Schwester, die 1872 in Puderbach geborene Philippine Heydorn, heiratete am 10. Mai 1903 den aus Reichenstein kommenden Karl Reinhard. Dem Paar wurden fünf Kinder geschenkt, die wir hier hinter dem sichtlich stolzen Vater stehen sehen. Doch viel zu früh, am 10. Mai 1916, verstirbt Philippine an einem Magenleiden. Auf dieser Aufnahme sehen wir Karl Reinhards zweite Frau, die aus Hacksen im Kreis Altenkirchen stammende Katharina geb. Schäfer. Sie scheint den Reinhard-Geschwistern eine gute Ziehmutter gewesen zu sein, wie man an der vertrauten Geste der Stieftochter Bertha herauslesen mag. Bei den Reinhard-Kindern handelt es sich ganz links, um das Nesthäkchen Klara, eine verheiratete Kamp, die nach ihrer Hochzeit nach Altenkirchen verzog. Es folgt die älteste Tochter Bertha, die mit ihrem Mann Paul Spies eine Bäckerei und später ein Lebensmittelgeschäft am Mühlenberg führte. Alice Nelly heiratete Wilhelm Wagner aus Wienau. Manch einem wird die Tochter Irene Hader noch ein Begriff sein, die in der Puderbacher Hauptstraße viele Jahrzehnte als Friseurin arbeitete. Ganz rechts sehen wir Erwin, der mit seiner Frau Klara, eine „Valtins“ aus Daufenbach, im Reichensteiner Weg zu Hause war. 

Die Familie Scheiderer / Schreinerschs

Ob meine Ururgroßmutter Katharina Kuhl ein besonders gutes Verhältnis zu ihrem Vetter Simon Scheiderer hatte? Vieles spricht dafür, da auch die späteren Generationen die Bindungen zwischen den Familien pflegen. Bertha, die Tochter der Scheiderers wird Taufpatin bei meinem Großvater Friedrich und mein Urgroßvater Karl lädt selbstverständlich seinen Großcousin Wilhelm zu seinem 80 Geburtstag ein.
Hier sehen wir Simon Scheiderer, der am 25. Januar 1859 in Puderbach geboren wird. 1887 heiratet er die sieben Jahre jüngere Wilhelmine Sommer aus dem Mühlendorf und zieht zu ihr und ihrem Vater ins Haus an der Schulstraße. Dem Paar werden sechs Kinder geschenkt, von denen drei das Erwachsenenalter erreichen. Da ist der älteste Sohn Wilhelm, der 1888 das Licht der Welt erblickt, gefolgt von der Tochter Bertha und dem jüngsten Sohn Gustav. Der Rufname der Familie lautet Schreinerchs und leitet sich vom Beruf des Herbert Sommer ab, dem Vater Wilhelmines. 
Schreinerschs Bertha
Dat Schreinerschs Bertha, die Tochter von Simon und Wilhelmine Scheiderer, wird am 22. April 1892 im Anwesen der Familie geboren. Die Taufe findet einen Monat später in der Puderbacher Kirche statt und unter den fünf Taufpaten und Patinnen befinden sich u.a. die Schwestern der Mutter, Katharina Träger und Margaretha Teufel, aber auch mein Ururgroßvater Julius Kuhl, dessen Frau eine geborene Scheiderer ist. Mit zunehmenden Alter stellen die Eltern fest, daß das kleine Mädchen beim Laufen Probleme hat und unablässig hinkt. Vermutlich ist Bertha mit einem Beckenschiefstand zur Welt gekommen und bleibt zeitlebens in ihrer Fortbewegung eingeschränkt. Dieser angeborene Fehler ist vermutlich auch der Grund dafür, daß sie unverheiratet bleibt. Da sie sich selbst versorgen muß, erlernt sie den Beruf der Schneiderin und verdient ihren Unterhalt als sogenanntes Nähmädchen. Besondere Erwähnung verdient ihre tiefempfundene Frömmigkeit und ihr tatkräftige Mitarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde. Bis zu ihrem Lebensende im Jahr 1982 dauert dieses Engagement an. 
Schreinerschs Gustav
Ob die Mutter Wilhelmine während der fünften Schwangerschaft ahnt, daß sie Zwillingen das Leben schenken wird? Am 16. Juni 1904 kommt sie nieder und bringt zwei Jungen zur Welt, wobei der erstgeborene Karl bereits mit anderthalb Monaten an Darmkrämpfen verstirbt.
Gustav wird als jüngstes Kind der Familie behütet und von allen umsorgt aufgewachsen sein. Ob er nach seinem Volksschulabschluß 1918 eine Ausbildung absolviert hat, ist mir nicht bekannt. Er wird aber viele Jahre in der Schleiferei der Geschwister Furthmann in Daufenbach arbeiten. Auch musisch scheint er äußerst begabt zu sein, denn er spielt verschiedene Musikinstrumente und ist langjähriges Mitglied des Puderbacher Posaunenchors. Wie seine ältere Schwester Bertha bleibt auch der Schreinerschs Gustav unverheiratet und verstirbt am 20. Juni 1980 mit 76 Jahren. 

Die Familie Weber / Heydorschs

Die Heydorschs führten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Puderbach eine Bäckerei, die wenig später um die gleichnamige Gastwirtschaft erweitert wurde. Der Rufname geht auf den Namen des aus Dierdorf stammenden Louis Heydorn zurück, der den Betrieb begründete. Rechts im schwarzen Kleid sehen wir seine Tochter und Erbin, die am 2. September 1869 geborene Louise. Sie heiratete 1893 den Ackerer Christian Weber und bekam mit ihm sechs gemeinsame Kinder, beginnend mit dem ältesten Sohn Louis, gefolgt von Rudolf (links), Richard (rechts), Paula, Alfred und der kleinen Hilde.
Der zweitjüngste Sohn Alfred und dessen Frau Irmgard waren es, die die Gastwirtschaft und den dazugehörigen Landwirtschaftsbetrieb weiterführten und in den 1960er Jahren an die gemeinsame Tochter Luise übergaben. Heute ist es die Urenkelin von Louise Weber geb. Heydorn und deren Tochter, die den Gasthof in 5. bzw. 6. Generation weiterführen. 
Weitere Informationen und Bilder über die Heydorschs finden Sie unter dem Menüpunkt Die Gasthäuser des Ortes.
Erna Mayer / Heydorschs Erna
Geboren wird das Heydorschs Erna am 31. Juli 1906 in Frankfurt am Main als uneheliches Kind der Leiwener Jüdin Emma Levy. Bei dem Vater handelt es sich um den aus Kinderbeuern an der Mosel stammenden Katholiken Johann Simon. Die Umstände erlauben es der Mutter nicht, daß Kind selbst großzuziehen. So gibt sie es in ein Waisenhaus. Hier wird Erna von dem in Puderbach ansässigen Schneider Jakob Mayer und seiner Frau Henriette adoptiert. Die Mayers leben, bevor sie in den 1920er Jahren ein eigenes Haus im Bruch erbauen, auf der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe zum Gasthaus Weber. Erna entwickelt eine so enge Beziehung zu der Gastwirtsfamilie, daß sie eines Tages nicht mehr zu den Mayers zurückkehrt und fortan bei den „Heydorschs“ lebt. Sie sind es auch, die die Halbjüdin in den 1940er Jahren vor dem Zugriff der Nationalsozialisten schützen und somit vor dem sicheren Tod retten. 

This function has been disabled for Blicke zurück.