Puderbach in alten Ansichten

Inhaltsverzeichnis

Die neue Kirche

Diese Bild wird zur Erinnerung an die Errichtung der neuen Kirche im Jahr 1887 entstanden sein. Links im Vordergrund steht das Haus der Familie Schneider (Annekerts). Links gegenüber der Kirche sieht man das alte Pfarrhaus, eines der wenigen Steingebäude zu dieser Zeit.

Die Steimeler Straße

Eine wunderbare Fotografie um 1900 von der Steimeler Straße Richtung Dorfmitte. Das Fuhrwerk mit den Fässern gehörte zur Gastwirtschaft Kasche. Der Fahrer war Karl Schmidt, der kleinere Geschäfte in der Umgegend mit Bier versorgte. Der Gerstensaft kam von Koblenz über die Bahn nach Puderbach und wurde von ihm mit dem Pferdefuhrwerk bis nach Rengsdorf verteilt. Bis in die 1920er Jahre ging er dieser körperlich schweren Arbeit nach. Danach wechselte er in die Puderbacher Mühle der Familie Kölbach. Bis heute trägt die Familie den Rufnamen „Kasches-Schmidt“ nach der Tätigkeit in dem Gasthof.

Der alte Gasthof Kasche

Eine alte Postkarte, die 1898 von Karl Siegel an einen Freund verschickt wurde. Zu sehen sind die Reichensteiner Burg, die alte Gastwirtschaft Kasche vor dem Brand 1902 und ein Blick vom Mühlendorf Richtung Kirchdorf. Im Vordergrund sieht man einen Art Gymnastikplatz mit Turnstange.
Die Faszination, die alte Fotografien und Dokumente bei mir auslösen, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Als mir Herr Zantop vor einigen Wochen diese Originalaufnahme des alten Gasthofs Kasches zeigte, war ich sehr bewegt. Die Ansicht kannte ich bereits von der historischen Postkarte oben. Doch nun konnte ich die Fotografie näher betrachten, konnte Einzelheiten und kleinere Details entdecken.
Zum Beispiel die Personen, die sich auf der Eingangstreppe versammelt haben. Sind es Familienmitglieder von Wilhelm Lennertz, der zu dieser Zeit Eigentümer des Gasthofs ist? Könnte die Dame in der geöffneten Türe Helene Kasche sein, die zusammen mit ihrem Mann Johannes die Gaststätte gepachtet hat? Und handelt es sich bei den beiden jungen Frauen im dunklen Kleid um deren Töchter Margarethe und Theodore?
Und um wenn handelt es sich bei den beiden Personen, die sich in dem angrenzenden Garten aufhalten? Das Grundstück gehörte damals der jüdischen Familie Bär. Vermutlich sehen wir hier die 1848 in Partenheim geborene Rosa Bär geb. Wolf, die 1876 Aron Bär geheiratet hatte. Das Paar hatte sieben gemeinsame Kinder, darunter die beiden Töchter Selma und Toni. In den Gesichtszügen des Mädchens meine ich die der 1882 geborenen Selma wiederzuerkennen. (Beitrag vom 23.03.2024)

Gasthof Kasche nach dem Brand

1905 verschicken Durchreisende, die im Gasthof Kasche ihren Kaffee eingenommen haben, diese Grußkarte. Die Gaststätte erstrahlt nach der Wiedererrichtung im neuen Glanz und ist eine Zierde für den Ort. Desweiteren sind eine Ansicht des Kirchdorfs und ein Blick auf die Reichensteiner Burgruine zu sehen.
Auch diese Ansichtskarte des Gasthof Kasche dürfte um 1905 in Umlauf gewesen sein. Diesmal sehen wir die Gastwirtschaft in einer Frontansicht, wodurch das Gebäude noch größer und prächtiger wirkt. Die zweite Bildhälfte zeigt, wie so oft, die Burgruine Reichenstein. Besonders schön ist das florale Jugenstilornament, das die beiden Ansichten schmückt. (Beitrag vom 17.04.2024)
Kolorierte Fotomotive sind zu dieser Zeit relativ rar. Diese Grußkarte des Gasthofs Kasche ist besonders farbenfroh und strahlend. Die Übergänge von den ziegelroten Dächern der Anwesen Schüler und Wolff, hinauf in den rosafarbenen Horizont und dann weiter in den strahlend blauen Himmel sind einfach wunderbar. (Beitrag vom 17.04.2024)

Der alte Gasthof Weber

Abgestempelt wurde diese prächtige Ansichtskarte Puderbachs im Jahr 1904. Doch die Abbildungen im Lithographie-Verfahren dürften bereits um 1900 entstanden sein und zeigen neben der Burgruine Reichenstein und dem Puderbacher Kirchdorf einen Teil der heutigen Hauptstraße. Zu sehen ist die Gastwirtschaft der Familie Weber, auch „Heydorschs“ genannt. Zu dieser Zeit existierte noch das alte Gaststättengebäude, daß wir hier rechts sehen können. Der Tanz- und Festsaal, heute Ausgabestelle der Tafel, befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Im Jahr 1901 wurde das Gasthaus durch einen folgeschweren Brand zerstört. Der Neubau entstand dann direkt neben dem Saal in seiner heutigen Form und hat sich über ein Jahrhundert kaum mehr verändert.
Adressiert wurde die Grußkarte an ein Fräulein Luise Dorr, die sich zu dieser Zeit „in Stellung“ befand und in Frankfurt a. Main lebte. „Liebe Luise, hatte Deinen Brief erhalten u. wollte Dir auch gleich Antwort schreiben. Freuen uns, etwas von Dir zu hören. Wir wußten nicht, wo Du warst, wir wußten auch immer keine Adresse von Dir. Liebe Luise, Du schreibst von der Stelle für mich. Das gibt nichts. Ich werde, so Gott will, diesen Winter heiraten und überhaupt würde unsere Mama mich garnicht gehen lassen… Es grüßt Dich herzlich Deine Wilhelmine.“
Katharine Wilhelmine Dorrs Hochzeit fand dann doch erst im März 1905 statt und sie ehelichte den Maurer Joh. Peter Spies, ebenfalls aus Puderbach. Was aus ihrer drei Jahre älteren Schwester Luise in Frankfurt wurde, ob sie ebenfalls heiratete oder wie die älteste Schwester Anna unverheiratet blieb, ist mir nicht bekannt. (Beitrag vom 21.03.2024)

Häuser Mittelstraße und Gasthof Weber

An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei Herrn Zantop bedanken. Der gebürtige Puderbacher, der seit vielen Jahren in Anhausen lebt, war so freundlich, mir diese wie die vorangegangene Postkarte für meinen Blog zur Verfügung zu stellen. Hinzu kamen eine große Zahl weiterer interessanter Bilder, Ansichtskarten und Unterlagen, die in nächster Zeit hier Eingang finden sollen.
Wie bei der Grußkarte oben, sehen wir eine Ansicht der Hauptstraße mit dem alten Gasthof Weber vor der Feuersbrunst im Jahr 1901. Die Aufnahme oben rechts zeigt die damals neuen Häuser an der Mittelstraße, in der Bildmitte das um 1903 erbaute Wohn- und Geschäftshaus der Familie Aron (heute Sparkasse), gefolgt von der Eisenwarenhandlung der Familie Bär (heute Diakonie-Treff Haus der Familie).
Die Grüße gingen 1907 an ein Fräulein Engel nach Oberbieber. Unter den vielen Unterschriften meine ich die meiner Urgroßmutter Karoline Sanner gefunden zu haben. (Beitrag vom 22.03.2024)

Puderbacher Bahnhof

Am 31. Mai 1884 wurde die Bahnstrecke von Engers a. Rhein nach Au a.d. Sieg in Betrieb genommen. Sie führte durch das schöne Brexbachtal, weiter nach Selters und von dort über Dierdorf auch an den Puderbacher Bahnhof, den wir oben links auf der Aufnahme erkennen. Nachdem man in den 1950er Jahren die Dampflokomotiven durch die von der Waggonfabrik Uerdingen hergestellten Schienenbusse ersetzt hatte, lief der Personenverkehr noch bis Miite/Ende der 1980er Jahre. Ich erinnere mich noch an manche Fahrt auf dem Weg zum Schulunterricht nach Altenkirchen.
Die beiden anderen Fotografien der Grußkarte zeigen die Silhouette der Burgruine Reichenstein sowie eine Ansicht Puderbachs mit Mühlen- und Kirchdorf. Abgestempelt wurde das Schreiben im Jahr 1902. Auch an dieser Stelle geht mein Dank an Herrn Zantop, den mancher Puderbacher noch als „Kolle Gerd“ kennen dürfte. (Beitrag vom 23.03.2024)

Dorfpartie mit Kirche

„Wir sitzen so fröhlich beisammen und hätten die eine Bitt, Du wärest in unserer Mitt.“ So schreiben im September 1906 Karl Velten und Berthold Bär an ihren gemeinsamen Freund Karl Siegel. Die Fotografie des Kirchdorfs, die auf der Postkarte oben bereits zu sehen war, dürfte um 1900 aufgenommen worden sein und wird im Laufe der Jahre 1immer wieder auf Ansichtskarten Puderbachs abgedruckt.
Da die handschriftlichen Grüße von Berthold Bär und Karl Velten die komplette Vorderseite der Postkarte bedecken und etwas störend wirken, hier nochmal dieselbe Ansicht ohne Text. (Beitrag vom 24.03.2022)

Dorfpartie mit Bahnhof

Diese Aufnahme des Ortes wird immer wieder in verschiedenen Formaten und unterschiedlichen Ausstattungen auf den zwischen 1904 bis 1915 produzierten Potkarten zu sehen sein. Der Blick geht vom Mühlendorf über die heutige Hauptstraße ins Kirchdorf hinein. Rechts am Bildrand sieht man den 1884 errichteten Bahnhof. Etwas weiter oben, unterhalb der Kirche, steht die alte Schule der Jahre 1842 bis 1890, die nach dem Bau des neuen Schulgebäudes noch vom Turnverein als Trainingsraum genutzt und später abgetragen wird.

Dorfpartie und Gasthof Hümmerich

Auf dieser 1907 verschickten Postkarte taucht die oben zu sehende Dorfansicht wieder auf. Zudem gibt es einen Blick auf das Kirchdorf, die Silhouette der Burg Reichenstein und der Gasthof Hümmerich an der heutigen Mittelstraße, wo man die Grußkarte sicher käuflich erwerben konnte.
Was wohl den aus Belgien stammenden Kartenschreiber in die Puderbacher Gegend geführt hat? 1909 schickt er einer Verwandten bzw. Bekannten in der Ortschaft Cul-des-Sarts in der Gemeinde Chimay diese Grußkarte. Die Ansichten gleichen denen, die wir oben bereits sehen konnten. Nur der Gasthof Hümmerich ist aus einem etwas anderen Blickwinkel aufgenommen. (Beitrag vom 29.06.2022)

Dorfpartie mit Gasthof Kasche

Dem Variantenreichtum der Ansichtskarten waren keine Grenzen gesetzt, wie man an dieser Postkarte aus dem Jahr 1904 sieht. Auch hier dient die Panoramaansicht des Puderbacher Kirchdorfs als Hauptmotiv. Die kleinere Aufnahme zeigt den Gasthof Kasche, der nach dem verheerenden Brand 1902 im neuen Glanz erstrahlt. (Beitrag vom 31.05.2022)

Blick aus südwestlicher Richtung

Welch ein idyllischer Blick auf Puderbach um 1907! Der Fotograf hat für diese Aufnahme seine Kamera in den Feldern und Wiesen südwestlich der Ortschaft aufgestellt. Würde er sich nach rechts wenden, so blickte er auf die Urbacher Straße. Schlüge er seinen Weg nach links ein, so erreichte er die „Pullermisch“. Die kleine Ansicht zeigt das Holzbachtal mit der Burgruine Reichenstein. (Beitrag vom 16.03.2022)

Alter Bauplan der Fam. Runkler

Daß sich alte Fotografien und Dokumente über die Jahrzehnte erhalten, ist immer wieder ein Glücksfall. Hier sehen Sie einen Bauplan von 1907, der sich im Nachlass der Geschwister Runkler wiederfand. Wie der „Situationsplan“ unten zeigt, befinden wir uns an der Steimeler Straße und bei dem kleinen Bauprojekt handelt es sich um einen Schuppen, den die Witwe Runkler an ihr Ochsengebäude anbringen will. Die Zeichnung hält nicht nur den Verlauf des Anwesens der „Konrädches“ fest, sondern zeigt uns auch, welche Höfe sich in der Nachbarschaft befinden, die der Löhrs, Blums und Simons. Am 14. März 1907 erteilt Bürgermeister Ermisch mit seiner Unterschrift die Genehmigung. (Beitrag vom 7.11.2023)
Eine Fotografie aus den beginnenden 1930er Jahren zeigt uns jene Witwe Runkler, die das Bauvorhaben in Auftrag gegeben hat.
Geboren wird Katharina Eich verh. Runkler am 1. Februar 1851 in Wienau. Die Heirat mit dem 22 Jahre älteren Witwer Konrad Runkler führt sie 1872 nach Puderbach. Zwölf gemeinsame Kinder bringt sie in dem kleinen Fachwerkhäuschen an der Steimeler Straße zur Welt. 1903, mit dem Tod des Mannes, wird sie zum Oberhaupt der Familie. Auf der Aufnahme sehen wir sie mit ihrem jüngsten Sohn Friedrich. (Beitrag vom 7.11.2023)

Haus der Familie Scheiderer bzw. Sommer

Welch ein prachtvolles Passepartout hat man für die Fotografie des Anwesens der Familie Scheiderer auf der Schulstraße verwendet. Ursprünglich gehörte der Hof dem Schreiner Herbert Sommer, der hier vermutlich im betagten Alter zu sehen ist. Rechts neben ihm steht seine Tochter Wilhelmine, die am 15. Mai 1887 den Fabrikarbeiter Simon Scheiderer heiratete. Links mit weißer Schürze sieht man die aus dieser Ehe stammende Tochter Bertha und rechts neben ihr der 12 Jahre jüngere Bruder Gustav. Der Rufname der Familie lautet „Schreinersch“ und leitet sich vom Beruf des Herbert Sommer ab. Aufgenommen wurde das Bild um das Jahr 1908. An dieser Stelle möchte ich Frau Fait und ihrer Familie für die zahlreichen Leihgaben meinen herzlichsten Dank aussprechen! (Beitrag vom 27. Oktober 2021)
Hier noch einmal die Fotografie ohne das Passsepartout.
Rund 25 Jahre später entsteht diese Aufnahme des Hofs der „Schreinersch“. Unverändert trotzt der Hof Wind und Wetter. Vor dem Hauseingang erkennen wir mit Kopftuch Wilhelmine Scheiderer, die durch die harte Arbeit auf dem Bauernhof sichtlich gealtert und in die Jahre gekommen ist. Links neben ihr steht die Tochter Bertha. (Beitrag vom 31.05.2022)

Haus der Familie Spies

Drei Generationen haben sich auf dieser Aufnahme für den Fotografen versammelt. In der Mitte mit Kopftuch sehen wir die aus Linkenbach stammende Helene Kaul geb. Schmidt. Ihre Tochter Katharina Wilhelmine, rechts neben ihr, hat um 1904 den aus Puderbach stammenden Maurer Philipp Spies geheiratet. Auf dem Arm hält sie den jüngsten Sohn Alfred, vor ihr stehen die beiden älteren Jungen Wilhelm und Paul. Paul Spies wird es auch sein, der in späteren Jahren im Erdgeschoß des Hauses seine Bäckerei einrichten wird. Schauen Sie einmal bei den Ansichten von Puderbach aus den 1950er und 1960er Jahren, da finden sie eine entsprechende Aufnahme des Gebäudes nebst Ladengeschäft. (Beitrag vom 16.03.2022)

Synagoge

Der am 4. und 5. August 1911 eingeweihte Synagogenbau. Das Gebäude befand sich vor seiner Zerstörung am 10. November 1938 auf dem Gelände der Sparkasse an der heutigen Barentoner Straße.
Bericht über die Einweihung in der Neuwieder Zeitung

Die Neuwieder Zeitung berichtet am 8. August 1911 wie folgt: „Puderbach, den 7.08. Am 4. und 5. ds. Mon. fand hier die Einweihung der neuen Synagoge statt. Die Feier begann mit der Abholung der Thora-Rollen aus der alten Synagoge (gemeint ist der Betsaal in einem Privathaus auf der Steimeler Straße) am Freitagnachmittag. Ein imposanter Festzug bewegte sich von hier nach der neuen Synagoge. Vorn schritt die Musikkapelle, dann folgte eine Dame, die den prächtigen Schlüssel zu dem neuerbauten Gotteshaus auf seidenem Kissen trug. Von den Gemeindeältesten wurden die Thora-Rollen getragen. Zur Seite gingen 6 weiß gekleidete Damen, die Kränze trugen, und daran schlossen sich die übrigen Teilnehmer des Festzuges. Eine große Zahl von Festteilnehmern und Zuschauern auch anderer Bekenntnisse aus Puderbach selbst und den umliegenden Ortschaften war herbeigeeilt. Im Vorhofe der neuen Synagoge angekommen, hielt der Zug. Nachdem der Schlüssel in poetischer Form dem diensttuenden Lehrer Herrn Ginsberg (Dierdorf) übergeben worden war, öffnete dieser die Pforte des Gotteshauses, und dann begab man sich ins Innere, wo alles im festlichen Glanz erstrahlte. Es begann dann der Einweihungsakt. Herr Lehrer Ginsberg hielt eine tiefempfundene und eindrucksvolle Festrede unter Zugrundelegung des Textwortes Chronik 16 V 10-14. Rühmet seinen heiligen Namen. Es freue sich das Herz derer, die den Ewigen suchen usw. und schloß mit einem besonderen Gebete für den Kaiser. Ein Konzert hielt später die Festteilnehmer noch einige Stunden zusammen im Saale des Herrn Weber. Herr Lehrer Ransenberg (Neuwied) überbrachte hier der Synagogengemeinde Puderbach Glückwünsche von seiner Gemeinde, die zugleich die größte des Kreises ist, und entledigte sich des besonders ehrenvollen Auftrages, im Namen des Provinzialverbandes Rheinisch-Westfälischer Synagogengemeinden innige Glückwünsche und Grüße zu überbringen. Am Abend wurde dann zum ersten Male öffentliche Andacht in dem neuen Gotteshaus verrichtet, wobei Herr Lehrer Jonas (Vöhl) den Dienst versah. Am Samstagmorgen wurde der Hauptgottesdienst abgehalten. Den Schluß der Feier bildete das Konzert nachmittags im Saale des Herrn Weber, woran sich dann abends ein Ball schloß. Die ganze Feier nahm einen schönen Verlauf und wurde von dem herrlichen Wetter begünstigt.“

Anwesen der Familie Frohn

Ich bin immer wieder erstaunt, welch großer Schatz an alten Fotografien die Jahrzehnte überdauert hat. Wie diese, die um 1912 enstanden sein dürfte und die Familie Frohn vor ihrem Haus am Mühlenberg zeigt.
Der Ackerer Philipp Frohn hatte 1890 Karoline Heydorn geheiratet, die Tochter des damaligen Mühlenbesitzers. Sie ist es auch, die den Rufnamen „Millersch“ (vom Müller) mit in die Ehe brachte. Die Errichtung ihres Wohnhauses, dieser schöne Bau aus Bruchsteinen und einem Fachwerk im oberen Teil, war 1895 vollendet.
Hier sehen wir das Paar vor ihrem Anwesen mit den vier jüngsten Kindern, der 1896 geborenen Wanda, dem ein Jahr jüngeren Wilhelm, hier mit Hut, Klara mit ihrer stattlichen Puppe und dem jüngsten Sprößling August an der Hand seiner Mutter.
Wenn Sie sehen möchten, wie sich das Gebäude im Laufe der Jahre verändert hat, dann werfen Sie einen Blick auf die Bilder, die sich in diesem Kapitel noch anschließen. (Beitrag vom 31.02.2024)

Anwesen der Familie Löhr

Um 1914 entsteht diese Aufnahme des alten Fachwerkhofs der „Schoopitterschs“ an der Steimeler Straße. Der Rufname der Familie geht auf den 1826 geborenen Peter Kühnemann zurück, der seinen Lebensunterhalt als Schuster bestritt. 1881 heiratet seine Tochter Karoline den frisch verwitweten Andreas Löhr aus Ratzert. Hier sehen wir das Paar mit ihrem beiden jüngsten Kindern Bertha und Otto (links).
Aus Anlass ihrer Hochzeit bekommen die Eheleute eine Traubibel überreicht, die sich bis in unsere Zeit erhalten hat. Besonders bewegend sind die persönlichen Eintragungen, die über Geburt und Tod, über Freud und Leid in der Familie berichten. (Beitrag vom 7.11.2023)
Seit vier Jahren bekleidet der aus Heiligenhaus bei Velbert stammende Heinrich Friedrich Mohn das Pfarramt in Puderbach, als er am Mittwoch, den 16. November 1881 Andreas Löhr und Katharina Kühnemann zu Mann und Frau erklärt. Die Familienbibel, die Mohn persönlich überreicht und beschriftet, bietet Platz für persönliche Eintragungen. Hier hält das Paar die Geburt der acht gemeinsamen Kinder fest. Doch nicht nur von freudigen Ereignissen erzählen die handschriftlichen Vermerke, sondern auch vom Tod geliebter Angehöriger. (Beitrag vom 7.11.2023)
Es ist vermutlich der älteste Sohn Wilhelm, der 1917 die Eintragungen seiner Mutter fortsetzt und in seiner feinen Handschrift Todestag und Todesstunde der beiden Elternteile festhält. Besonders bewegt mich dabei der letzte Satz, das Angedenken und die Hoffnung auf ein Wiedersehen. (Beitrag vom 7.11.2023)

Brücke und Dorfmitte

Zwei wunderbare Blickwinkel zeigt diese 1913 verschickte Postkarte. Oben steht der Fotograf auf der Bahnhofstraße und nimmt die Brücke mit einem kleinen Wasserfall auf, der heute nicht mehr existiert. Ist das Fachwerkgebäude die frühere Mühle oder nur eine Scheune? Und dann begibt sich der Lichtbildner auf das Flurstück „auf der Kirchbitz“, der heutigen Friedensstraße, und nimmt die alte Dorfmitte auf.

Haus der Familie Schmidt

Um 1913 entsteht diese wunderschöne Fotografie der Familie Schmidt vor ihrem Haus am Ackerweg Nr. 1. Der Vater Karl, den wir hinter seinen drei Kindern stehen sehen, wird 1869 in Wahlrod bei Selters geboren und ist der Sohn des Postkutschenfahrers Heinrich Schmidt. Seine Frau Katharina, eine geborene Haas, ist gebürtig aus Seyen. Die Anstellung als Fuhrmann bei dem Gasthofbesitzer und Biergroßhändler Johannes Kasche führt das Ehepaar zu Beginn der 1890er Jahre nach Puderbach. Auf der Aufnahme sehen wir die drei jüngsten Kinder des Paars, den 1899 geborenen Sohn Wilhelm und die beiden acht Jahre jüngeren Zwillingsgeschwister Emil und Anna.
An dieser Stelle möchte ich auf eine Publikation des Puderbacher Mundartstammtischs hinweisen. In dem Band „Vazill mool Ammam“ (Erzähl mal, Oma) beschreibt der Enkel des „Kasches-Schmidts Karl“ die Arbeit seines Großvaters als Fuhrmann, der mit einem Pferdefuhrwerk Bierfässer bis nach Rengsdorf oder Hachenburg lieferte. (Beitrag vom 06.03.2023)

Kriegerverein 1867-1908 vorm Puderbacher Bahnhofsgebäude

An anderer Stelle habe ich bereits erwähnt, daß durch die Arbeit an diesem Blog unschätzbar wertvolle Kontakte, ja Freundschaften entstanden sind. Einer solchen Verbindung verdanke ich die folgende Fotografie.

Der Begriff „Kriegerverein“ scheint uns heutzutage fremd, ja aus der Zeit gefallen. Im 19. Jahrhundert jedoch waren diese Interessenvertretungen ein Massenphänomen, breiteten sich in allen Teilen des Deutschen Reiches aus. Mitglieder dieser in der Rechtsform eines Vereins organisierte Vereinigung waren anfangs nur Soldaten, die an Feldzügen teilgenommen hatten, wie an dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, dem Deutschen Krieg von 1866 oder dem Deutsch-Französischen Krief von 1870/71 . Dies änderte sich im Laufe der Jahre, als auch gediente Soldaten und Reservisten aufgenommen wurden.

Die ehemaligen Veteranen machten es sich zur praktischen Aufgabe, bedürftigen Kameraden ein würdevolles Begräbnis zu ermöglichen, sowie die Hinterbliebenen in jedweder Form zu unterstützen. Desweiteren setzten sie sich aktiv für die Errichtung von Kriegerdenkmälern und Gedenkstätten ein. Bei Vereinstreffen gedachten die altgedienten Soldaten gemeinsamer Erlebnisse, pflegten eine enge Kameradschaft. Die Verbundheit zu Kaiser und Vaterland und die Heroisierung von Krieg und Waffen war selbstverständlich, eine Tatsache, die heute befremdet.

Der Puderbacher Verein gründete sich nach dem sogenannten Deutschen Krieg von 1866, jener bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich, die in der Schlacht von Königgrätz gipfelte und aus der der Preußische König gestärkt hervorging. Dem tatkräftigen Engagement der Mitglieder ist es sicherlich zu verdanken, daß 1913 das Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71 feierlich eingeweiht werden konnte.

Es bleibt die Frage, warum sich der Verein bereits 1908 auflöste. Vielleicht fehlte den jungen Reservisten der Bezug zu den Schlachten des 19. Jahrhunderts, die bereits so lange zurücklagen. Höchstwahrscheinlich war bereits ein großer Teil der altgedienten Soldaten verstorben. Vielleicht blieb man nur solange zusammen, bis man die nötigen Geldmittel für die Errichtung des Ehrenmals zusammengebracht hatte. (Beitrag vom 09.01.2023)

Sie können sich vielleicht vorstellen, wie begeistert ich war, als ich die Aufnahme das erste Mal in Händen hielt. Ich hatte keine Ahnung, daß ein Kriegerverein in dieser Größe in Puderbach existierte. Nach vielen Stunden intensiven Betrachtens konnte ich bisher nur eine Person konkret zuordnen und benennen. Ganz rechts am Fenster steht Herbert Göbler aus dem Mühlendorf. Aus seinem Nachlass stammt die Fotografie, die um 1908 entstanden sein dürfte, sowie die alte Vereinsfahne, die sich ebenfalls über mehr als ein Jahrhundert erhalten hat und unten zu sehen ist. Beide Stücke sind ein rares Stück Puderbacher Geschichte.
Bei den Frauen, die links und rechts neben den Vereinsmitgliedern zu sehen sind, dürfte es sich um deren Angehörige handeln, Frauen und Töchter, die die Fahne gestaltet und aufs Feinste bestickt haben. Möglicherweise sehen wir ganz links, mit blonden Haar, Herbert Göblers Tochter, Philippine, die die Fahne bis zu ihrem Tod 1974 stets bewahrt und zu treuen Händen an ihre Familie weitergeben hat. An dieser Stelle geht mein herzlicher Dank an Herrn Seling, der mir Fotografie und Fahne zur Verfügung gestellt hat. (Beitrag vom 09.01.2023)
Seit 1871 bis 1918 war die Fahne mit den drei waagerechten schwarz-weiß-roten Streifen Nationalflagge des Deutschen Kaiserreiches. Das Banner des Kriegervereins ziert zudem ein herrschaftlicher Adler mit den kaiserlichen Insignien, sowie Eichenlaub und zwei Schriftbändern, die den Namen des Kriegervereins tragen. (Beitrag vom 09.01.2023)
Die ander Seite zeigt Germania, die sinnbildlich für die Deutschen und das Kaiserreich steht. Hier hat man sie ganz der monumentalen Skulptur des Niederwalddenkmals bei Bingen nachempfunden, zu ihren Füßen der Rhein. Die Waffen, Kanonen, Säbel und Gewehre, zeugen von der Wehrhaftigkeit des Landes. Heute ist eine solche Verherrlichung von Kriegsmaterial unvorstellbar. (Beitrag vom 09.01.2023)

Das Kriegerdenkmal an der Hauptstraße

Am 31. August 1913 wird feierlich das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutschen und des Deutsch-Französischen Krieges an der heutigen Hauptstraße eingeweiht. Vermutlich ist das ganze Dorf auf den Beinen, wie man an den zahlreichen Kopfbedeckungen im Vordergrund erkennt. Auf der Fotografie sieht man den Moment der feierlichen Zeremonie. Der Kaiser und seine Gattin sind durch Transparente mit ihren Konterfeis anwesend, ein Fahnenspalier lenkt den Blick auf das Mahnmal. Wer ist wohl der Uniformierte, der anscheinend den Festakt leitet?
Doch anscheinend gab es mehrere Honoratioren, die den Festakt durch feierliche Reden ergänzten. Hatten wir oben einen Angehörigen des Militärs gesehen, so ist es nun ein kultivierter Herr im schwarzen Anzug, der zu den Anwesenden spricht. (Beitrag vom 19.04.2024)

Erstes Vorturnen zur Einweihung

Zum ersten Mal, aus Anlaß der Einweihung des Kriegerdenkmals, darf der 1909 gegründete Turnverein sein Können unter Beweis stellen. Die Begeisterung unter den Zuschauern wird groß gewesen sein. In welchem Jahr wurde das Ehrenmal abgeräumt und blieben Teile davon erhalten? Vielleicht können Sie mir bei der Beantwortung der Frage helfen!

Blick auf Kriegerdenkmal und Holzbachbrücke

Und auch diese Ansichtskarte dürfte im Jahr 1913 aus Anlass der Einweihung des Kriegerdenkmals entstanden sein. Links sehen wir wieder das mit einem Gedenkkranz versehene Mahnmal. Die Fotografie rechts oben wirft einen Blick auf den Mühlenberg, den Zusammenlauf von Mittelstraße und Hauptstraße und Standort des Monuments. Das Ehrenmal ist mit einem eisernen Gitter umfriedet und dieses mit Girlanden geschmückt. Für die dritte Aufnahme hat sich der Lichtbildner mit seiner Kamera nur umgedreht und sich der Holzbachbrücke zugewandt. Bei dem Haus in der Bildmitte handelt es sich um das Manufaktur- und Konfektionswarengeschäft des aus Puderbach stammenden Adolf Aron. Seinem unablässigem Engagement ist es zu verdanken, daß die jüdischen Familien Puderbachs sich zu einer eigenständigen Gemeinde zusammenschließen und 1911 eine Synagoge errichten, die hier ganz links am Bildrand auszumachen ist. (Beitrag vom 24.03.2022)

Blick auf Kriegerdenkmal u. umgebende Häuser

Und noch eine Postkarte, die aus Anlass der Einweihung des Kriegerdenkmals entstanden ist. Zu sehen sind neben dem Ehrenmal und der Turnerformation eine Ansicht der Hauptstraße von Raubach kommend, das mit schwarzen Schindeln verkleidete Wohn- und Geschäftshaus der Witwe Lina Aron an der Ecke Hauptstraße/Schulstraße (später Metzgerei u. Gastwirtschaft Arthur Schneider), sowie die ersten Häuser an der Steimeler Straße, darunter der kleine Fachwerkhof des Viehhändlers und Landwirts Albert Aron. (Beitrag vom 21.01.2023)

Gasthof Weber und Dorfpartie

Ähnlich wie der Gasthof Kasche hat sich auch die Gaststätte Weber in den vergangenen Jahrzehnten baulich kaum verändert. Außer einer Erweiterung des Gastraums in den 1930er Jahren erstrahlt das Gebäude bis heute in seinem alten Glanz. Die Postkarte dürfte aus den 1913er Jahren stammen und zeigt neben dem Weberschen Lokal eine Ansicht des Kirchdorfs mit den Anwesen der „Anstrichers“ und der „Weingartens“ auf der Straße Zum Felsen und einen verträumten Blick auf die Reichensteiner Ruine. (Beitrag vom 1. November 2021)

Ansichten von August Sander

Die nächsten vier Postkarten werden um 1915 entstanden sein und zeigen Ansichten Puderbachs und Reichensteins, die aus der Hand des Kölner Fotgrafen August Sander stammen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Grußkarten waren für ihn gewiß ein willkommenes Zubrot.

Drei Motive Puderbachs zieren diese alte Grußkarte. Ganz oben ein Blick auf die Kirche mit den Anwesen Funk und Sanner rechts im Vordergrund. Unten links ein Blick von der beginnenden Bahnhofstraße auf die Brücke, die mit einer Vielzahl an Schaulustigen besetzt ist. Und unten rechts ein Holzbachwehr, das heute nicht mehr existiert. Welcher Puderbacher weiß, wo es sich früher befand?
Ich bin mir nicht ganz sicher, wo genau August Sander seine Kamera positioniert hat, als er die Aufnahme von der oberen Dorfpartie anfertigt. Vermutlich steht er auf der Huth Richtung Niederdreis und nimmt die Häuser an der Steimeler Straße auf. Links eine Fotografie der Kirche und unten das 1911 neuerichtete Gemeindehaus.
Stolz ragen die Ruinen der Burg Reichenstein aus dem sommerlichen Blätterwald hervor. Auf der rechten Aufnahme sieht man in Vordergrund etwas erhöht die Bahngleise Richtung Altenkirchen. Ein Herr mit Rad hat sich als Staffagefigur mit ablichten lassen. Die Fotografien in der Mitte zeigen oben die Häuser am Zusammenlauf der Steimeler Straße und Hauptstraße und unten die Hauptstraße Richtung Reichenstein. Am linken Straßenrand erkennt man das Anwesen der Familie Engers.
Da es zu dieser Zeit noch keine Farbaufnahmen gab, colorierte die Druckerei die Fotografie August Sanders nach. Am unteren Bildrand erkennt man das kleine Fachwerkhaus der Familie Weingarten bzw. Bierbrauer auf dem Felsen. Ganz links sieht man den Gasthof Kasche mit seiner Fassadenwerbung und rechts neben der Kirche ragt Pfarr- und Gemeindehaus hervor.

Haus der Familie Engers

Vermutlich um 1915 lässt sich der Gerber und Schuhmachermeister Adolf Engers vor seinem Anwesen an den Ausläufern der Hauptstraße fotografieren. Sein schmuckes Haus ist das letzte am Ortsausgang Richtung Reichenstein. Hier sehen wir ihn mit Schürze vorm Eingang des Gebäudes stehen. Seine Frau Pauline, eine geborene Uschmann und gebürtig aus Roßbach bei Selters, schaut aus dem Fenster im Erdgeschoß. Könnte das rechts neben dem Schuster, ebenfalls in Arbeitskleidung, sein Sohn sein? Der am 12. März 1900 geborene Paul Engers wird seinem Vater bei der Herstellung der Lederwaren sicherlich zur Hand gegangen sein. Seinen Lebensunterhalt wird er aber später als Beamter verdienen.
In den 1930er Jahren verlässt die Familie Puderbach und verzieht nach Neuwied. Doch nach dem Tod von Adolf Engers 1945 kehrt seine Frau Pauline in die alte Heimat zurück und findet im Reichensteiner Weg ein neues Zuhause.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Frau Kreutzer bedanken, die Urenkelin von Adolf und Pauline Engers, die mir diese Fotografie freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. (Beitrag vom 14. Januar 2022)

Straßenansicht mit Umzug

Als ich diese Fotografie das erste Mal in Händen hielt, war die Begeisterung groß. Ich wußte sofort, daß es sich um eine sehr frühe Aufnahme eines Festumzuges in Puderbach handeln mußte. Aber welcher Straßenzug war hier zu sehen? Außer der Silhouette der Puderbacher Kirche rechts oben kam mir nichts bekannt vor. Nach näherer Betrachtung entdeckte ich im hinteren Bildteil eine Bahnschranke. Konnte das tatsächlich die Mittelstraße sein? Sollte dieser verschlammte Weg wirklich die zentrale Straße des Ortes darstellen? Die Holzbachbrücke ist als solche kaum auszumachen, an ihrem Geländer doch zu erahnen. Doch wo waren die so typischen Gebäude? Weder der Gasthof Hümmerich, durch den starken Baumbewuchs überdeckt, noch das Restaurant und Lebensmittelgeschäft der Familie Zerres waren zu sehen. Doch links neben der Eisenbahnschranke machte ich schemenhaft das Manufakturwarengeschäft des Adolf Aron aus. Und dann fiel mir wieder ein, daß das Anwesen des früheren Müllers Karl Zerres erst Anfang bzw. Mitte der 1920er Jahre errichtet wurde. Also mußte das Bild vor 1920 entstanden sein. Dann schaute ich mir in aller Ruhe die zahlreichen Personen an. Von der Festumzugsgesellschaft kam mir niemand bekannt vor. Doch bei den vielen Kindern, die dem Aufmarsch folgen, meinte ich zwei von alten Schulfotos wiederzuerkennen. Inzwischen bin ich mir recht sicher, daß es sich bei der Nummer 1 um den „Kasches-Schmidts Emil“ handelt, den Sohn des Fuhrmanns Karl Schmidt, der viele Jahre für den Gasthof Kasche arbeitete. Bei der Nummer 2 müßte es sich um den aus Niederdreis stammenden Hermann Letschert handeln. So konnte ich ein ungefähres Entstehungsdatum errechnen. Die Aufnahme dürfte um 1919 entstanden sein.
Doch was war das für ein Umzug? Achten sie bitte einmal auf die männlichen Teilnehmer, besonders auf den ganz vorne laufenden Herrn mit dunklem Jackett. Darunter ist er ganz in weiß angezogen, was nicht nach Alltagsbekleidung aussieht. Und auch weitere Männer der Festgesellschaft haben zwar Hut und dunkle Anzugsjacke übergeworfen, darunter leuchtet es aber weiß hervor. Und da erinnerte ich mich an das Foto des Puderbacher Turnvereins, dessen Mitglied auch mein Großvater war. Schauen Sie doch einfach mal unter dem Menüpunkt „Der Kölner Fotograf August Sander“ nach, da entdecken Sie das entsprechende Foto. Inzwischen bin ich mir sehr sicher, daß hier Mitglieder des Puderbacher Turnvereins zu sehen sind.

Ich bin jedes mal aufs Neue von dieser alten Aufnahme begeistert! Zu sehen ist die Mittelstraße mit Holzbachbrücke und Bahnübergang. Bei der Umzugsgesellschaft wird es sich um den Puderbacher Turnverein handeln, der vermutlich im Gasthof Weber eine Vorführung seiner turnerischen Künste darbietet und im Anschluß zum Tanz einlädt. Besonders schön ist die Vielzahl an Kindern, die trotz widriger Straßenverhältnisse dem Aufmarsch auf Schritt und Tritt folgt. (Beitrag vom 30. Oktober 2021)

Umzug auf der Urbacher Straße

Hier sehen wir eine weitere Straßenszene mit Umzug, die aber rund zehn bis fünfzehn Jahre älter sein dürfte, als die Aufnahme, die oben bereits zu sehen war. Die Blickrichtung und der leicht erhöhte Blickwinkel lassen vermuten, daß das Foto aus dem 1. Stockwerk des Hauses der Familie Schneider, auch „Annekerts“ genannt, geknipst worden ist.
Der Umzug biegt gerade vom Ackerweg kommend auf die Urbacher Straße ein. Es scheint sich um eine Festparade des Puderbacher Turnvereins zu handeln, an dem auch Sportvereine der umliegenden Dörfer teilgenommen haben. Die Blaskapelle, die den Zug anführt, sorgt für die nötige Stimmung und Unterhaltung.
Die meisten Häuser, die auf dem Bild zu sehen sind, existieren heute nicht mehr. Vorne links sieht man den sogenannten „Steigerturm“, der früher der freiwilligen Feuerwehr zu Übungszwecken diente. Anschließend sieht man das Haus der Familie Schmidt, heute Eigentum der Familie Kaub, das die Jahrzehnte fast unverändert überdauert hat. Darauf folgt das Anwesen der Familie Buscher, daß bei Umbaumaßnahmen an Daufenbacher Straße und Ackerweg abgerissen wurde.
Besondere Aufmerksamkeit gebührt dem Gebäude ganz rechts. Es ist das Haus der jüdischen Familie des Aron Bär und seiner Frau Rosa geb. Wolf. Dem Paar werden acht Kinder geschenkt, von denen die beiden unverheirateten Brüder Albert und Gustav bis 1938 hier leben. Am 10. November desselben Jahres ziehen NS-Parteigenossen und zerstörungswillige Dorfbewohner marodierend durch den Ort und demolieren und verwüsten die Wohnungseinrichtungen aller jüdischer Familien. Im Anschluß steckt der Pöbel die Synagoge und das hier zu sehende Haus der Geschwister Bär in Brand. Polizei und Feuerwehr verhindern nur das Übergreifen der Flammen auf umliegende Häuser. Meine Großmutter erinnerte sich, daß sich vor dem Hof ihrer Eltern, der sich auf dieser Aufnahme versteckt hinter dem Steigerturm befindet, eine Menschenmenge versammelt hatte und dem Niederbrennen des Hauses zusah. (Beitrag vom 17. Januar 2022)

Scheune der Familie Göbler

Viele Gebäude sind im Laufe der Jahrzehnte verschwunden, haben Um- und Neubauten Platz gemacht, wurden bei Straßenarbeiten abgerissen. So erging es auch der alten Scheune der Göblers, als die Steimeler Straße 1977/78 saniert wurde. Diese Fotografie, die um das Jahr 1925 entstanden sein dürfte, gibt uns einen Eindruck, wie die „Schouer“ damals aussah. Die „Hennerichs“ hatten bereits das Gefache durch Mauerwerk ersetzt. Vor dem großen Scheunentor hat sich Karl, der älteste Sohn von Heinrich Göbler, aufgestellt und präsentiert sich mit Pferdegespann und Karren.
Als Erinnerung an das Gebäude hat die Familie kurz vor dem Abriss einige Fotos gemacht, die hier ebenfalls gezeigt werden sollen. Sie vermitteln einen Eindruck, wie die Ecke Steimeler Straße / Schulstraße damals beschaffen war. (Beitrag vom 09.01.2023)

Haus der Familie Weingarten bzw. Bierbrauer

An anderer Stelle hatte ich bereits über Wilhelmine Weingarten geb. Schneider berichtet. Ihr Ehemann Wilhelm starb in den Schützengräben des 1. Weltkriegs und ließ sie mit zwei kleinen Mädchen zurück. 1921 heiratete die Kriegerwitwe in zweiter Ehe den in Puderbach geborenen Grubenarbeiter Christian Bierbrauer. Hier sieht man das Paar, wie es aus den Fenstern ihres Hauses in Richtung Kamera schaut. Vorne mit Rad erkennt man die jüngste Tochter Emma, die sichtlich stolz ihr Fahrrad präsentiert. Ihre ältere Schwester Erna, die auf dieser Aufnahme leider nicht zu sehen ist, ereilt als junge Frau ein ähnliches Schicksal wie der Mutter. Ihr erster Mann, der 1910 in Werlenbach geborene Friedrich Sommer, fällt 1943 im 2. Weltkrieg. Das Haus hat sich baulich verändert, ist aber in seinen Grundzügen noch sehr gut zu erkennen. Die Fotografie selbst dürfte um 1924 entstanden sein. (Beitrag vom 27. Oktober 2021)

Blick auf Urbacher Straße und Gasthof Weber

Um 1925 kam diese Postkarte in Umlauf. Zu sehen sind oben das Kirchdorf mit der Urbacher Straße und unten ein Blick auf den Gasthof der Geschwister Weber vor seinem Umbau.
Hier noch einmal die Ansicht der Urbacher Straße. Die Aufnahme dürfte im Frühjahr entstanden sein, denn einige der Bäume und Sträucher treiben ihre ersten Blüten aus. Bei den Fachwerkhäusern auf der rechten Seite handelt es sich um die Höfe der Familie Weber und der Familie Schmidt (Kläfonks). Links des Weges sehen wir zunächst das alte Spritzenhaus, das 1911 errichtet wurde und in dem die Gerätschaften der Freiwilligen Feuerwehr untergebracht waren. Etwas zurückgesetzt folgt der Bauernhof der Familie Schneider (Annekerts). Bei dem schmalen, fensterlosen Gebäude dahinter handelt es sich um den sogenannten Steigerturm. Er diente den Feuerwehrmännern zu Übungszwecken. Zudem bot er die Möglichkeit, die Druckschläuche nach Verwendung aufzuhängen und zu trocknen. Im Hof der Familie Deneu (Sannersch) erkennt man ein winziges Fachwerkhäuschen. Hierbei handelt es sich wohl um das sogenannte Wiegehaus. Es diente den Bauern des Kirchdorfs zum Abwiegen ihrer Feldfrüchte, wie z.B. Kartoffeln, Weizen oder Roggen. (Beitrag vom 16.04.2023)

Häuser am Felsen

Hier sieht man eine Aufnahme des Kirchdorfs, die zwischen 1925 und 1930 entstanden sein wird und die teils neu errichteten Gebäude auf dem Felsen zeigt. Das Haus meiner Eltern, daß sie Anfang der 1970er Jahre kauften, ist ebenfalls zu erkennen. Erbaut wurde es 1924 und feiert somit in drei Jahren sein 100jähriges Bestehen.

Blick von der Huth

Folgt man der Straße Richtung Dorfmitte dann taucht links an dritter Stelle das alte Schulgebäude aus Bruchstein auf, daß 1892 errichtet wurde. In der Bildmitte erkennt man an seiner hellen Fassade das im Stile der Reformarchitektur erbaute Haus der Familie Hennemann, in dem sich viele Jahrzehnte die Arztpraxis von Dr. Ludwig Hennemann und später die seiner Tochter Renate befand.

Häuser an Steimeler und Wollbachstraße

So wie die zwei vorangegangenen Ansichten wird auch diese zum selben Zeitpunkt entstanden sein, zwischen den Jahren 1925 bis 1930. Es ist Frühjahr, die Bäume sind noch unbelaubt, aber die Arbeiten auf den Feldern haben bereits begonnen. Der Fotograf schwenkt seine Kamera weg von der Dorfmitte hinüber zur Burgruine Reichenstein und den Häusern an der Steimeler Straße und der Wollbachstraße. Ich bin mir recht sicher, daß es sich bei dem Fachwerkgebäude ganz links um das „Kullen“ Haus handelt, in dem sich vor dem Bau der Synagoge ein Betsaal für die jüdischen Bürger Puderbachs befand.

Holzbach mit Brücke

Und noch eine Aufnahme aus demselben Frühjahr. Hier steht der Fotograf auf der Bahnhofstraße und nimmt den Holzbach nebst Brücke auf. Das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Zerres ist am linken Rand gerade noch zu erkennen.

Holzbach mit alter Mühle und Restaurant Zerres

Meinte man in der vorigen Ansicht den Holzbach förmlich rauschen zu hören, so fließt er auf dieser Postkarte still seiner Wege. Der Fotograf hat sich für die Einstellung am Bachlauf positionert und seine Kamera nach Nordwesten ausgerichtet. In der Bildmitte enteckt man den Gebäudekomplex der alten Mühle und dahinter lugt das stattliche Haus mit dem Restaurant und Lebensmittelgeschäft der Familie Zerres hervor. Deutlich zu erkennen ist auch die Brücke, die Mühlendorf und Kirchdorf miteinander verbindet. Enstanden sein dürfte die Aufnahme zwischen 1925 und 1930. (Beitrag vom 13.04.2022)

Kirchdorf im Winter

Ein schöner Blick auf das verschneite Kirchdorf aus dem Jahr 1925. Im Vordergrund steht der Zahnarzt Wilhelm Gast.

Anwesen der Familie Haberscheidt

Vermutlich Mitte der 1920er Jahre entstand diese ungewöhnliche Aufnahme. Sie zeigt die Puderbacher Kirche und den angrenzenden Dreiseitenhof der Familie Haberscheidt. Das Gehöft existiert seit dem 17. Jahrhundert und zu seinen ersten Besitzern zählt Joh. Thönges Neitzert und seine Frau Anna Juliana. In späteren Jahren heiratet Joh. Peter Haberscheidt aus Hanroth in die Familie ein und der Bauernhof wird zu „Haverscheeds“ Hof. Bei dem kleinen Trampelpfad im Vordergrund handelt es sich um die heutige Straße „Zum Georgengarten“. (Beitrag vom 28.06.2023)
„Haberscheidts Hof in Puderbach / Seit 1663 im Besitz der Familie“ Die Inschrift auf dem Bild stammt von dem Landwirt und Presbyter Otto Haberscheidt, der mit dem Vermerk voller Stolz auf die lange Familientradition des Dreiseitenhofs an der Daufenbacher Straße hinweist. Aufgenommen wurde die Fotografie vermutlich um 1940 vom gegenüberliegenden Kirchturm. Auf der linken Seite sieht man das alte Wohnhaus und rechts daneben schließen sich Scheune und Viehstall an. 1931 ergänzte man das Ensemble im hinteren Teil durch ein geräumigeres und komfortableres Wohngebäude, wodurch das Anwesen seinen geschlossenen Charakter erhielt. Heute befindet sich das Gut nicht mehr im Besitz der Haberscheidts, es bleibt für mich aber eines der schönsten Gehöfte Puderbachs.

Hauptstraße

Eine Fotografie der Häuser an der Hauptstraße um das Jahr 1925. Rechts im Vordergrund müßte man das Anwesen der Familie Dorr sehen. Dahinter, leicht versteckt, lugt das Haus der Familie Scharfenstein hervor.

Zahnarztpraxis Gast

Auf dieser Aufnahme befinden wir uns ebenfalls auf der Hauptstraße. Es ist das Jahr 1927 und das Zahnarzt-Ehepaar Wilhelm und Johanna Gast haben sich gerade ein schickes Automobil, einen Opel 4/12 PS, zugelegt, wegen seiner grünen Farbe auch „Laubfrosch“ genannt. Auf dem Foto posiert die stolze Hanna Gast . Im Hintergrund sieht man das Wohnhaus der Familie Scharfenstein, in dem sich die erste Praxis der beiden befindet.

Zahnarztpraxis Gast zum Felsen

Ein Sprung in das Jahr 1940. Hier sieht man das nagelneue Sprechzimmer der Zahnarztpraxis Wilhelm und Hannelore Gast in ihrem Wohnhaus zum Felsen.

Haus der Familie Schmidt

Die verwandschaftlichen Verhältnisse unter den Puderbachern sind oftmals weitverzweigt. So erzählte mir meine Großmutter, daß unsere Familie über die Sanners bzw. Müllers mit den „Herwetspittersch“ verwandt seien. Doch wie genau waren die beiden Familien miteinander verbunden? Erst in späteren Jahren, als ich anfing einen Stammbaum zu erstellen, konnte ich das Rätsel lösen. Meine Ururgroßmutter war mit der hier zu sehenden Sophie Born verschwägert.
Die Aufnahme entstand um das Jahr 1928 und zeigt Sophie mit ihrer jüngsten Tochter Bertha und ihrem Ehemann Ernst Schmidt vor ihrem Anwesen an der Steimeler Straße. Erbaut wurde das Haus 1902, in dem Jahr, als Sophies fünfzehn Jahre älterer Mann Christian verstarb. Eine schwere Zeit für die junge Witwe mit vier minderjährigen Kindern. In späteren Jahren wird das Gebäude um eine Etage aufgestockt und die unverheiratete Tochter Minna führt im Erdgeschoß ein Lebensmittelgeschäft, wie man auf der Fotografie untern erkennen kann. (Beitrag vom 09.01.2023)
Vermutlich in den 1940er Jahren entstand diese Aufnahme, die die baulichen Veränderungen am Gebäude deutlich machen. Der Kolonial- und Kurzwarenladen befand sich in dieser Zeit auf der linken Seite der Eingangstüre. (Beitrag vom 09.01.2023)

Hauptstraße mit Amtsgebäude

Hier nochmal ein schöner Blick auf Puderbach aus nördlicher Richtung um das Jahr 1930. Der Fotograf hat sich auf einer Anhöhe im Mühlendorf platziert. Im Vordergrund erkennt man die Hauptstraße mit ihren Häusern, wobei ich auf das alte Amtsgebäude auf der linken Straßenseite besonders hinweisen möchte. In der Bildmitte ist deutlich die mit Kastanien bestandene Bahnhofstraße zu erkennen. Schaut man genauer hin, dann sieht man, daß gerade ein Personen- bzw. Güterzug eingefahren ist. (Beitrag vom 31.01.2022)

Fetzen Haus

Eine herrliche Ablichtung, die um das Jahr 1932 entstanden sein wird und das Uhren- und Schmuckgeschäft der Familie Hobbach zeigt. Man achte auf die Außenwerbung, das sogenannte „Nasenschild“ mit Taschenuhr und Brillengestell! Der Laden befand sich im sogenannten „Fetzenhaus“, dem Wohnhaus von Eduard und Sophie Fetz auf der Hauptstraße. Könnte das oben im Fenster die in die Jahre gekommene Hausbesitzerin sein? Vor dem Eingang zum Geschäft steht Lydia Hobbach mit ihren beiden Kindern Luise und Hans. Die zweite Person von links ist der Bahnbeamte Anton Schneider und rechts neben ihm der Bierfahrer Ernst Kunz. Das Haus existiert nicht mehr. Heute befindet sich dort das Autohaus Spies. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
„Früh übt sich, wer ein guter Uhrmachermeister werden will“. So könnte man dieses herzige Bild überschreiben, daß den vielleicht anderthalbjährigen Hans Hobbach zeigt, wie er interessiert die vielen Taschenuhren begutachtet, die im Uhrenkasten seines Vaters hängen. Alle sind mit einem Zettel versehen, der den Besitzer und den zu zahlenden Rechnungsbetrag für die Reparatur ausweist. Die Fotografie dürfte wohl auch im sogenannten „Fetzen-Haus“ aufgenommen worden sein.
Später befand sich das Uhren- und Schmuckgeschäft der Hobbachs an der Mittelstraße, gleich neben der Drogeriehandlung der Familie Zerres. Ich sehe Hans Hobbach noch heute, wie er, nachdem man das Ladengeschäft betreten hatte, aus der Reparaturwerkstatt in den Verkaufsraum trat und seine Brille mit einem Lupenaufsatz versehen war. Ohne dieses Hilfsmittel wäre eine Aufarbeitung der feinen Uhrwerke nicht möglich gewesen. (Beitrag vom 21.11.2023)

Haus der Familie Leyendecker

Werfen Sie bitte nochmal einen Blick auf die Aufnahme Puderbachs, die um 1925 von den Höhen der Straße „Auf der Huth“ gemacht wurde. Da entdecken Sie links am Ortsausgang Richtung Niederdreis das Haus der Leyendeckers. Auf dieser Fotografie ist die Familie vor ihrem schmucken Haus zusammengekommen. Leider kann ich die Personen nicht namentlich zuordnen. Da das Foto jedoch aus dem Nachlass der Geschwister Scheiderer stammt, gehe ich davon aus, daß es eine verwandtschaftliche Beziehung zu dieser Familie gab. Möglicherweise stammten die Leyendeckers wie die „Schreinersch“ gebürtig aus dem nahegelegenen Reichenstein und einer der Vorfahren arbeitete in der „Räister Gruv“ als Bergmann. Dafür würde auf jeden Fall der Spruch „Bergmanns Ruh“ an der Hausfassade sprechen. (Beitrag vom 8. November 2021)

Badeteich Gast mit Häusern am Felsen

Ein hinreißender Blick auf die kleinen Badenixen vom Felsen aufgenommen um 1930. Sie vergnügen sich im Teich der Eheleute Gast. Willi und Hanna haben es sich in den Liegestühlen bequem gemacht während die Mädchen für den Fotografen posieren. Ganz vorne am Beckenrand erkennt man Magret Bay verh. Willbold, die Tochter des Ortspolizisten. Wunderschön im Hintergrund das Haus meiner Eltern. Wer es 1924 gebaut hat, ist mir leider nicht bekannt. Bevor unsere Familie das Haus käuflich erwerben konnte, war es eine Zweigstelle der Kraftversorgung Rhein-Wied. Vor uns lebten dort das Ehepaar Rüdig und die Familie Kambeck. Links daneben das sogenannte „Schrinnersch“ Haus.

Puderbacher Kirchdorf

Ein Blick auf das Puderbacher Kirchdorf, im Vordergrund die Häuser an der Straße „Zum Felsen“ um 1930. Das kleine Foto links unten zeigt die Burgruine Reichenstein.

Restaurant, Drogerie und Lebensmittelgeschäft Zerres

Um 1925 eröffnete der aus Dendert stammende Müller Karl Zerres und seine Frau Katharine zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Willi und dessen Frau Emma das Café und Restaurant an der heutigen Mittelstraße. Über die Treppe betrat man links die Gaststätte. Rechterhand befand sich das Lebensmittelgeschäft nebst Drogerie. Beides wurde in den 1930er Jahren durch einen Saal bzw. Anbau erweitert.
Ein schöner Blick vom Kriegerdenkmal 1870/71 hinüber zur damaligen Bismarckstraße/heute Mittelstraße und dem Restaurant und Lebensmittelgeschäft Zerres. Auf der Treppe steht der Besitzer Karl Zerres. Er scheint sich mit Simon Udert zu unterhalten, der aus seinem schicken Automobil ausgestiegen ist. Der Laden der Gebrüder Udert, der sowohl Baumaterialien, Eisenwaren, Düngemittel und Kraftfutter als auch Küchengeräte, Glas und Porzellan anbot, ist am Bildrand noch zu erkennen. Die Postkarte dürfte um 1930 produziert worden sein.

Fuhrpark der Grube Reichenstein

Diese Fotografie stammt aus dem Nachlass von Hans Heuchemer, der 1977 das Gelände der Reichensteiner Grube käuflich erwarb. Über die Jahre sammelte er eine ganze Reihe von alten Aufnahmen, die die wechselvolle Geschichte des Bergwerks dokumentieren.
Hier sehen wir fünf Pritschenwagen, die wohl zum Fuhrpark der „Räister Gruv“ gehörten und sich auf dem Vorplatz des Puderbacher Bahnhofs versammelt haben. Bei genauerer Betrachtung scheinen die beiden Lastkraftwagen rechts von dem Automobilhersteller Skoda zu stammen und ganz links sehen wir ein Modell der Firma M.A.N. Von den Mitarbeitern ist bisher nur einer namentlich bekannt. Auf der zweiten Kühlerhaube von rechts sitzt der Bergmann Robert Lamberti. Geboren wird er 1896 in Reichenstein als Sohn des Dorflehrers Jakob Lamberti und seiner Frau Pauline Wilhelmine geb. Koch. Viele Jahre ist er festes Mitglied des Puderbacher Turnvereins. Schauen Sie doch einmal unter dem Menüpunkt „Vereinsleben in Puderbach“, da werden Sie ihn auf mehreren Bildern wiederentdecken. Doch wer sind die anderen Grubenarbeiter? Über Ihre tatkräftige Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Nachlass Heuchemer/Beitrag vom 6.02.2022)

Mittelstraße mit Anwesen der Familie Schüler und Wolff

Um 1930 entsteht diese wunderschöne Gruppenaufnahme vor dem Gasthof Kasche. Die beteiligten Personen haben sich ein kühles, dunkles Bier ausgeschenkt und posieren mit ihren Gläsern vor dem Fotografen. Ob der Gerstensaft aus Koblenz stammt? So steht es auf jeden Fall auf einem der Fässer, die der Gesellschaft als Sitzgelegenheit dient. Und wem mag der schicke Lieferwagen gehören, der sich so wunderbar als Kulisse eignet? Ganz links vor dem Automobil sitzt Erika Velden verh. Lübke, ihre Schwester Helene hat sich hinters Steuer geklemmt. Rechts neben dem „Kasches Len“ sitzt der damalige Bierfahrer des Gasthofs Ernst Kunz. Bei der Person ganz rechts dürfte es sich um den Bauunternehmer Reinhard Müller handeln.
Besonders interessant sind die beiden Anwesen im Hintergrund, die mutmaßlich in den 1970er Jahren den Bushallen der Firma Dills weichen mußten. Die „Schouer“, die Scheune in der Bildmitte gehörte zu dem Bauernhof der Familie Schüler. Ganz links schließt sich das Wohn- und Geschäftshaus der jüdischen Familie Wolff an. In diesem „Kaufhaus“ konnten die Dorfbewohner Lebensmittel und Schuhe, sowie Schul-, Papier- und Haushaltswaren kaufen. (Beitrag vom 31.01.2022)

Beerdigungszug auf der Mittelstraße

Am Montag den 26. September 1932 wird der durch einen Motorradunfall tödlich verunglückte Bauunternehmer Reinhard Müller unter zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen. Hier sehen wir den Beerdigungszug mit der Delegation des Turnvereins Puderbach, zu dessen Mitgliedern Müller zählte. Der Troß befindet sich auf der Mittelstraße in Höhe der früheren Metzgerei Hottgenroth. Von links nach rechts sind zu sehen: …, Willi Hachenberg, hinten etwas versteckt Paul Scharfenstein, vorne mit Fahne Willi Scharfenstein, hinten Otto Dills, vorne Friedrich Kuhl, Karl Faust, mit Kranz Emil Velten, hinten Kurt Staatsmann, mit Zylinder Louis Hehn, Willi Heinrichs, mit Zylinder Robert Lamberti und Franz Wilhelm.

Die Autowerkstatt Spies in Puderbach

Haben Sie auch schon einmal einen Urlaub mit dem Reisedienst Spies unternommen oder Ihr Fahrzeug beim gleichnamigen Autohaus reparieren lassen? Die Anfänge beider Unternehmen liegen in dieser kleinen Autowerkstatt, die der 1907 geborene Wilhelm Spies und sein zwei Jahre jüngere Bruder Alfred vermutlich Anfang der 1930er Jahre gründeten. Neben den Reparaturen boten sie auch einen Autoverleih an, wobei es sich bei diesem nostalgischen Fahrzeug um einen alten Opel 1,2 Liter handeln könnte. Stolz präsentiert sich Alfred auf seinem schicken Motorrad. Das IZ auf den Nummerschildern steht für die Rheinprovinz, zu der Puderbach gehörte. (Beitrag vom 07.02.2023)
Hier eine Gruppenaufnahme ebenfalls aus den 1930er Jahren. Neben Alfred Spies (2.v.l.) sehen wir seinen Bruder Paul (2.v.r.), der viele Jahrzehnte als Bäckermeister arbeitete und die Puderbacher mit Brot und anderen Backwaren versorgte. Auf dieser Aufnhahme kann man erahnen, wo sich die Autowerkstatt befand, nämlich gleich links neben dem Gasthof Weber, den man im Hintergrund erkennen kann. Rechts erhascht man einen Blick auf die Mauer, die die beiden Auffahrten zur Hauptstraße trennte. (Beitrag vom 07.02.2023)

Mühle zu Puderbach

Vor vier Jahren, am 5. Februar 2018, fiel das alte Mühlengebäude nebst Wohnhaus der Abrissbirne zum Opfer. Dabei konnte das Müllerhandwerk in Puderbach auf eine lange Tradition zurückschauen. Bereits im 16. Jahrhundert wurde eine Bannmühle in Puderbach erwähnt.
Um 1911 übernahm der aus Dendert stammende Müller Karl Zerres die am Holzbach gelegene Mühle und ab den 1920er Jahren treffen wir hier das Ehepaar Kölbach an. Doch wer betrieb die Mühle danach und bis wann wurde hier Korn gemahlen?
Nach Einstellung des Betriebs soll die noch voll funktionstüchtige Anlage an das Kloster Himmerod in der Eifel verkauft worden sein.
Diese Aufnahme dürfte aus den 1930er Jahren stammen. (Beitrag vom 8.02.2022)

Link:

Blick von der Landstraße

Für diese Ansicht, die an einem warmen Sommertag um das Jahr 1930 enstanden sein wird, hat sich der Fotograf in den Schatten der mit Laubbäumen bestandenen Landstraße Richtung Raubach begeben. Im Vordergrund sieht man die Häuser, die an der Straße „Zum Felsen“ stehen.

Puderbach von Richert aus gesehen

In den 1930er Jahren nimmt der berühmte Kölner Fotograf August Sander diese idyllische Fotografie Puderbachs auf. Sein Standort müßte eine Anhöhe in der Nähe von Richert sein. Oder hat er seine Kameraausrüstung auf dem Gelände der Burgruine Reichenstein platziert? Vielleicht können Sie mir bei dieser Frage helfen!

Fliegeraufnahme

Wie übersichtlich doch die Bebauung des Puderbacher Kirchdorfs in den 1930er Jahren war! In der Straße „Im Bruch“ erkennt man nur das Haus des Schneiders Jakob Mayer. Im „Reichensteiner Weg“ stehen dagegen schon deutlich mehr Häuser u.a. das der Familie Lamberti (4.v.r.), in dem meine Großeltern nach ihrer Hochzeit 1938 zur Miete wohnten und in dem mein Vater 1939 zur Welt kam. In der heutigen „Barentoner Straße“ erkennt man gleich hinter dem Wohn- und Geschäftshaus des Adolf Aron die jüdische Synagoge, die bei dem Noverpogrom 1938 verwüstet und im Anschluß in Brand gesteckt wurde.

Jüdischer Friedhof

Ein Blick auf den jüdischen Friedhof im Mühlendorf aus den 1930er Jahren. Heute ist das Gelände von Wald umgeben und von der Tannen- bzw. Bergstraße kaum auszumachen. Das Foto stammt aus dem Besitz der Familie von Adolf Aron, der die Flucht aus Nazi-Deutschland gelang. Das Bild wird sie an ihre verstorbenen Angehörigen erinnert haben, deren Grabstätten sie nach der Flucht nicht mehr besuchen konnten. Nachdem 1942 alle noch verbliebenen jüdischen Mitbürger deportiert worden waren, überlegt die Gemeinde, die Grabsteine abzuräumen und das Gelände einzuebnen. Welch ein Glück, daß es nicht dazu gekommen ist!

Seltener Blickwinkel

Als mir Frau Kambeck diese alte Fotografie zeigte,war ich begeistert, denn die Aufnahme eröffnet einen Blickwinkel auf Häuser im Mühlendorf, den es so nicht mehr gibt. Entstanden sein dürfte das Bild um das Jahr 1936.
Bei dem mit Schindeln verkleideten Gebäude rechts im Vordergrund handelt es sich um das alte Wohnhaus der „Hennerichs“ (Familie Göbler) an der Steimeler Straße, daß zu Beginn der 1950er Jahre modernisiert wurde und sich baulich sehr verändert hat.
Es folgt in der Mitte der Aufnahme das kleine Fachwerkgebäude der „Alberts“ (Familie Albert u. Rosa Aron), daß ab 1939 bis 1942 als sogenanntes „Judenhaus“ diente. Mitte der 1960er Jahre mußte es dem Bau der BP-Tankstelle weichen und wurde abgerissen. Ganz hinten im Bildhintergrund entdecken wir das sogenannte „Fetzen“-Haus an der Hauptstraße, erbaut von Eduard und Sophie Fetz, in dem sich zu Beginn der 1930er Jahre das Uhrengeschäft der Familie Hobbach befand. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude abgerissen und machte der Austellungshalle des Autohaus Spies Platz.
Gerade noch zu erahnen ist ganz links am Bildrand das Wohnhaus der „Lissjes“ (Familie Kambeck). Der 1912 von Otto und Wilhelmine Müller erbaute und in den 1960er und 1970er erweiterte Gebäudelomplex befindet sich noch heute an der Steimeler Straße, aber nicht mehr in deren Familienbesitz.
Bei dem Jungen mit strohblonden Haar handelt es sich um den „Lissjes Manfred“, der wohl gerade im angrenzenden Garten Erdbeeren gepflückt hat und seine Ernte stolz dem Fotografen präsentiert. (Beitrag vom 22.01.2024)

Springbrunnen gegenüber Kasches

Eine frühe Aufnahme des Springbrunnens gegenüber der Gastwirtschaft Kasche. Entstanden ist der Schnappschuß am 23. August 1936 und bei dem kleinen Steppke handelt es sich um Hans Pangert. (Beitrag vom 30.01.2024)

Zeppelin „Hindenburg“ über Puderbach

1937 gelingt Willi Zerres dieser seltene Schnappschuss des Zeppelins LZ 129 „Hindenburg“. Vermutlich ist es sogar der in die Geschichtsbücher eingegangene letzte Linienflug des Luftschiffes, der am 3. Mai in Frankfurt beginnt und das Gefährt über den Westerwald zum Kölner Flughafen Butzweilerhof zwecks Postsabwurfs führt. Am 6. Mai erreicht die „Hindenburg“ gegen 18.25 Uhr den Zielflughafen im US-amerikanischen Lakehurst und will am Landemast anlegen, als im Heckteil ein Wasserstoff-Feuer ausbricht und das Luftschiff innerhalb von Sekunden im Flammen aufgehen und abstürzen läßt. 35 der 97 sich an Bord befindlichen Passagiere und Crewmitglieder kommen dabei ums Leben. Der ergreifende Live-Bericht des Radioreporters Herbert Morrison geht damals um die Welt.

Reichsarbeitsdienstlager

Um das Jahr 1936 wird ein Reichsarbeitsdienstlager an den Ausläufern der heutigen Straße „Zum Felsen“ errichtet. Junge Männer müssen hier einen sechsmonatigen freiwilligen Arbeitsdienst ableisten. Eingesetzt werden sie vornehmlich im Straßen- und Autobahnbau und in der Landwirtschaft. 1939 mit Errichtung des Westwalls werden die Männer an die französische Grenze verlegt und in das Lager ziehen junge Frauen ein. Bis zum März 1945 gehen die sogenannten Arbeitsmaiden den umliegenden Bauern und ihren Familien bei der Arbeit zur Hand.

Blick auf die Mittelstraße

Vermutlich um 1937 entsteht dieser interessante Schnappschuß. Sechs uniformierte Männer, mutmaßlich Verpflichtete aus dem Reichsarbeitsdienstlager, befreien die gepflasterte Mittelstraße von einer dicken Eisschicht. Bei den Gebäuden handelt es sich rechts um die Bäckerei und Gastwirtschaft Hümmerich, die Bau- und Maschinenhandlung Udert, gefolgt vom Wohnhaus der Familie Oettgen, links um das Manufaktur- u. Konfektionswarengeschäft Aron und die Eisenwarenhandlung Bär. (Beitrag vom 27.11.2023)

Verträumter Blick

Eine verträumter Blick auf Puderbach aus dem Schatten einer Baumgruppe aufgenommen. Man sieht das Kirchdorf und im Vordergrund die Häuser am Felsen. Die Postkarte dürfte aus den 1940er Jahren stammen.

Blick aus Richtung Urbacher Straße

Die Aufnahme für diese Postkarte aus den 1940er Jahren muß im Spätsommer entstanden sein, denn die Felder sind zum Teil schon abgeerntet und man hat die Getreidehalme zu Garben gebunden.

Kindergarten der NS-Volkswohlfahrt

In den 1940er Jahren unterhielt die NSV, die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, in Puderbach einen Kindergarten, dessen Kindergruppe wir hier sehen. Die Leiterin war Anneliese Rosenberg (rechts), unterstützt von der Helferin Hildegard Däge (links) und einer Arbeitsmaid aus dem angrenzenden Reichsarbeitsdienstlager (Mitte). Einige der Kleinen sind mir namentlich bekannt, darunter mit der 1 Werner Hoffmann (Brauersch), 2 Horst Dorr, 3 Lotte Packmohr geb. Spies, 4 Christa Hachenberg (Metzgersch), 5 Heinz Abel, 6 Walter Schuh (Kläfonks) und 7 Irene Hader geb. Wagner. Bei der blauen Nummerierung handelt es sich um eine Vermutung meinerseits. Bei der 1 könnte es sich um Rolf Blettner, 2 Karl-Heinz Barth und 3 Alfred Schmidt (Pitterichs) handeln. Doch wer sind die anderen Kinder? Erkennen Sie Ihre Eltern oder Großeltern unter ihnen? Über tatkräftige Mithilfe würde ich mich sehr freuen!
Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Kindergartengruppe in einem Haus im Reichensteiner Weg untergebracht war. Bei dem Gebäude auf unserer Fotografie handelt es sich um das Wohnhaus der Familie Böhnert, auch „Kouls“ genannt. (Beitrag vom 5.02.2024)

Haus der Familie Born bzw. Krantz

Im Mai 1941 entsteht diese Aufnahme, die den Hof von Philipp und Pauline Born an den Ausläufern des Reichensteiner Wegs zeigt. Geboren wird der „Muschender“ Philipp jedoch im Puderbacher Mühlendorf. 1895 kommt er im Haus an der Schulstraße Nr. 1 als 2. Kind der Eheleute Peter und Emilie Katharine Born zur Welt. Nach seiner Hochzeit mit der aus Ratzert stammenden Pauline Rosenbach und der Geburt der beiden Kinder Karl und Emilie beschließt er um 1930 ein eigenes Wohnhaus zu bauen. 1931 ist der Bauernhof fertiggestellt und die Familie bezieht das neue, zunächst einstöckige Gebäude im Puderbacher Kirchdorf.
Bei dem jungen Mann vorm Haus handelt es sich um den französischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter Robert Fleury, der der Familie Born als Arbeiter zugeteilt war. (Beitrag vom 27.11.2023)

Haus der Familie Frohn

Vermutlich in den 1940er Jahren entsteht diese Fotografie des Anwesens der Familie Frohn. Erbaut wurde der Hof im Jahr 1895 von dem Ehepaar Philipp Frohn und Karoline Sophie geb. Heydorn am sogenannten Mühlenberg, dem heutigen Beginn der Mittelstraße. Damals war die Streckenführung zur Hauptstraße hin durch zwei Auffahrten mit unterschiedlicher Steigung bestimmt, die mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen der 1960er Jahre nicht mehr tragbar war. Mit der Sanierung des Fahrweges wurde das Straßenniveau deutlich angehoben und der Familie Frohn im Gegenzug erlaubt, einen Anbau anzubringen, in dem sich heute der Zeitschriften- und Tabakwarenladen von Frau Renate Haddad befindet.

Haus der Familie Siegel

Bei dieser Aufnahme befinden wir uns Mitte der 1940er Jahre. Es scheint einer der ersten lauen und sonnigen Tage im Frühjahr zu sein, an dem sich die Familie Siegel vor ihrem Haus an den Ausläufern der Hauptstraße fotografieren lässt. Die Bäume haben noch kein frisches Grün ausgetrieben, aber trotzdem meint man einen Hauch von Frühling zu spüren.
Vorne auf der Straße sehen wir den Vater Ernst mit seiner 1919 geborenen Tochter Leni stehen. Die Mutter Louise eine geborene Frohn, von allen nur Wischen gerufen, und der 1920 zur Welt gekommene Sohn Karl blicken aus den geöffneten Fenstern im Erdgeschoß.
Ernst Siegel ist das 4. Kind des gleichnamigen Lehrers, der seit ungefähr 1890 an der Volkschule in Puderbach die Dorfkinder unterrichtet hatte. Den Rufnamen „Hammuns“ bringt Louise mit in die Ehe. Welche Bedeutung er hat bzw. woher er sich ableiten lässt, ist bisher nicht geklärt. (Beitrag vom 24.01.2022)
Alter Bauplan
130 Jahre hat der oben zu sehende Bauplan des Hauses der Familie Siegel überdauert. Hier sehen sie einen Ausschnitt der überaus fein ausgearbeiteten Bauzeichnung. Anscheinend sollte das Gebäude als kaiserliches Postamt dienen, wie die Inschrift an der Fassade vermuten lässt. Und wer mochte dieser Schultheis Jung sein, der 1891 den Bau des Hauses an der früheren Provinzialstraße in Auftrag gegeben hatte? Die Nachfahren der „Hammuns“, die das Anwesen heute bewohnen, konnten sich darauf keinen Reim machen. Doch gemeinsam kamen wir der Sache auf die Spur.
Wie bereits erwähnt brachten die beiden Schwestern Lisette und Louise Frohn den Rufnamen „Hammuns“ mit in ihre Ehen. Settchen, wie die 1888 in Niederdreis geborene Lisette von allen gerufen wurde, heiratete 1912 den aus Muscheid stammenden Julius Neitzert und lebte mit ihm in einem Haus an der Steimeler Straße. Das Lebensmittelgeschäft der Familie ist dem ein oder anderen sicher noch ein Begriff. Wischen, Jahrgang 1890, ihr Mann Ernst und die beiden Kinder Leni und Karl Siegel bewohnten das Bruchsteinhaus am Ortsausgang Richtung Raubach.
Es stellte sich bei den Recherchen heraus, daß der unverheiratete Onkel der Hammuns-Schwestern, der 1854 in Niederdreis geborene Christian Andreas Jung den Bau des Hauses in Auftrag gegeben hatte. Er ist somit jener Schultheis, der auf dem Grundriss als Bauherr genannt wird. Bereits kurz nach Fertigstellung des Gebäudes, vermutlich um das Jahr 1894, zog seine Halbschwester, die Mutter von Settchen und Wischen, nebst Familie mit in das Gebäude. 1902 verstarb Schultheis Jung an einem Herzleiden und vermachte das Anwesen an die Familie Frohn. (Beitrag vom 24.01.2022)

Wohn- und Geschäftshaus der Familie Fritsch

Lange war mir nicht bewußt,  wie weit die verwandschaftlichen Beziehungen der Familie meiner Urgroßmutter Sophie Kuhl reichten. Sie war eine geborene Haag, eine „Hoochspitterichs“, und hatte neben zwei Halbschwestern sechs leibliche Geschwister. 19 Nichten und Neffen verteilten sich über den Westerwald bis nach Bochum im Ruhrgebiet.

Änne Heinrichs, die Tochter ihrer früh verstorbenen Schwester Luise, heiratete am 19. September 1931 den aus Muscheid kommenden Schuster Wilhelm Fritsch und die Eheleute ließen sich in Puderbach nieder. Hier kam im November 1932 der gemeinsame Sohn Heinz zur Welt.

1935 bot sich den Fritschs die Gelegenheit, ein kleines Anwesen an der heutigen Mittelstraße zu erwerben. Das Gebäude nebst Grundstück stand bereits seit 1929 zum Verkauf, hatte aber bisher keinen Abnehmer gefunden auf Grund des kritischen Bauzustands. Im Januar 1936 war der Kaufvertrag mit der Erbengemeinschaft der Geschwister Bär auch notariell abgeschlossen.

„Das von den Eheleuten Fritsch erworbene Häuschen war so baufällig, daß es von Fritsch abgebrochen werden mußte. Seit mehr als einer Generation hat die Familie Bär das Häuschen selber nicht mehr bewohnt. In dem alten Häuschen wohnte längere Jahre ein Klempner, der das eine Zimmer als Wohnküche benutzte und in dem vorderen Raum seine Klempner-Werkstatt unterhielt. Der als Schlafzimmer dienende Dachraum war eng und unter den Dachrängen…“

So beschreibt ein amtliches Dokument, das sich im Archiv der Verbandsgemeindeverwaltung Puderbach erhalten hat, das Objekt. Anhand der Beschreibung versuche ich mir vorzustellen, wie der Vorgängerbau ausgesehen haben mag. Vermutlich handelte es sich um ein kleines Fachwerkgebäude, daß im 19. Jahrhundert erbaut wurde und gewiss das frühere Wohnhaus der „Heims“ gewesen war. Mit der wachsenden Kinderschar, Rebekka Bär brachte ihrem Mann Aron sieben Kinder zur Welt, reichte der Platz in dem kleinen Häuschen nicht mehr aus und die Familie errichtete ein größeres Wohnhaus an der Ecke Mittelstraße / Urbacher Straße. Das in die Jahre gekommene Anwesen wurde im Anschluß vermietet, u.a. an jenen Klempner, von dem das Schreiben berichtet.

„Lediglich der Umstand, daß der Mieter Bald in dem Häuschen bis wenige Jahre vor seinem Ableben seine Klempnerei unterhalten hat, hatte einen früheren Verkauf verzögert. Bald ist am 18.06.1936 verstorben.“

Bei jenem Klempner handelte es sich um den in Barmen geborenen Gustav Bald. Er hatte 1904 die aus Daufenbach stammende Louise Altgeld geheiratet. Das Paar lebte über einen längeren Zeitraum in dem Barmener Stadtteil Wichlinghausen. Hier wurden auch die beiden gemeinsamen Kinder Anna und Werner Bald geboren. Um 1920 kehrte die vierköpfige Familie in den Westerwald zurück und zog zur Miete in das kleine Anwesen an der Mittelstraße. (Beitrag vom 15.06.2023)

Die Fotografie, die aus den 1940er Jahren stammen dürfte, zeigt den geräumigeren Neubau der Fritschs, wobei uns die unverputze Hauswand auf der linken Seite verrät, daß es sich hier nicht um den ersten Bauabschnitt handelt. Das 1. Stockwerk mit seinen beiden Fenstern wurde in einer zweiten Bauphase ergänzt. Die Familie betrat die Wohnung über den Seiteneingang während die Kunden über den Vordereingang in das Ladengeschäft nebst Schusterei hereinkamen.  
Ein weiterer Blick auf das Haus der Familie Fritsch aus dem Jahr 1951. Wilhelm und seine Frau Änne haben das Dachgeschoss ausgebaut und das Gebäude nach hinten vergrößert. Auch hier legt die unverputzte Wand an der linken Haushälfte beredtes Zeugnis über den Baufortschritt ab.
Ein Blick in die Schaufensterauslage des Schuhgeschäfts.

Ansichten aus den 1950er und 1960er Jahren

Die Rubrik „Ansichten aus den 1950er und 1960er Jahren“ möchte ich mit diesen weihnachtlichen Festtagsgrüßen beginnen. Der zu sehende Straßenzug hat sich derart verändert, daß man ihn heute nicht wiedererkennen würde. Wir befinden uns auf der Daufenbacher Straße am Ortseingang. Würde man dem Straßenverlauf weiter folgen, so käme man rechts auf den steilen Ackerweg. Das erste Gebäude müßte zum Dreiseitenhof der Familie Blum gehören und bei dem Fachwerkhaus handelt es sich um das alte Anwesen der Familie Herzog, daß heute nicht mehr existiert. Die Bruchsteinmauer rechts wurde beim Neubau des Evangelischen Gemeindehauses abgetragen und die Straßenführung begradigt. (Beitrag vom 29. November 2021)
Gasthof Kasche
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Familie Haddad bedanken, die mir freundlicherweise eine Vielzahl an alten Postkarten Puderbachs aus den 1950er und 1960er Jahren zur Verfügung gestellt hat. Das besondere sind die Originalaufnahmen, die später den Ansichtskarten als Vorlage dienten. Hier sehen wir eine der erhaltenen Abzüge, die den Gasthof Kasche zeigt. (Beitrag vom 30. November 2021)
Anwesen der Familien Deneu und Funk
Für diese Aufnahme Puderbachs hat sich der Fotograf an einer Böschung der Luisenstraße platziert. Von den beiden Höfen der Familie Funk und der Familie Deneu, die wir in der Bildmitte sehen, ist heute nichts mehr zu entdecken. Der Bauernhof meiner Urgroßeltern wurde bereits im März 1977 durch ein mutwillig gelegtes Feuer teilweise zerstört. In späteren Jahren mußte dann auch das Wohnhaus weichen. Es wurde abgerissen und durch einen Neubaukomplex ersetzt. (Beitrag vom 30. November 2021)
Hier sehen wir nun die Ansichtskarte, die neben einem Landschaftsmotiv und einer Aufnahme der Burg Reichenstein auch die beiden oben zu sehenden Fotografien Puderbachs zeigt. (Beitrag vom 30. November 2021)
Wohnhaus und Bäckerei der Familie Dills
Waren Sie schon einmal Kunde des Augenoptikergeschäfts Becker in Puderbach? Bevor das moderne Gebäude in den 1990er Jahren gebaut und der Optikerladen 1995 eröffnet wurde, befand sich an dieser Stelle ein anderes Bauwerk. Hier sehen Sie eine Aufnahme der Mittelstraße aus den 1950er Jahren, die links das Wohnhaus nebst Bäckerei der Familie Dills zeigt.
Gebürtig stammte der Bäcker Christian Dills aus Muscheid und lebte dort mit seiner Frau Karoline geb. Henn und den drei Kindern Erich, Otto und Johanna bis mindestens 1908. Wann genau die Familie das Wohn- und Geschäftshaus bauen ließ und es bezog, ist mir leider nicht bekannt. Doch spätestens 1915, es ist das Geburtsjahr des jüngsten Sohnes Kurt, lebten die Dills bereits in Puderbach.
Ich kann mich leider nicht an das rote Backsteingebäude erinnern. War es in meiner Jugendzeit in den 1970er und 1980er Jahren bereits abgerissen? Vielleicht kann mir da ein Familienmitglied der Dills bzw. ein ortskundiger Puderbacher weiterhelfen.
Es sei noch erwähnt, daß es sich bei dem Gebäude rechts neben der Bäckerei Dills um das Wohn- und Geschäftshaus der „Metzgersch“ handelt. Wie der Rufname schon sagt, befand sich in den Räumlichkeiten die Fleischerei der Familie Hottgenroth, in späteren Jahren eine Zweigfiliale der Metzgerei Born aus Steimel. (Beitrag vom 11.09.2023)
Die Aufnahme der Bäckerei Dills fand Eingang in diese alte Postkarte der 1950er Jahre. Neben der Ansicht der Mittelstraße und einem verträumten Blick auf die Reichensteiner Burgruine, sehen wir eine Fototgrafie, die die Puderbacher Kirche zeigt. Bei dem Fachwerkgebäude im Vordergrund dürfte es sich um das alte Wohnhaus der „Haverscheeds“ an der Daufenbacher Straße handeln. (Beitrag vom 11.09.2023)
Rund 15 Jahre früher, um das Jahr 1935, entstand dieser Schnappschuß vor dem Haus der Familie Dills. Einige Männer des Dorfes haben sich für ein Plausch zusammengefunden. Die mir bekannten Personen sind Walter Kuhl (3.v.l.), hinter der Männergruppe mit seinem Kopf herausragend Erich Dills, der zweitälteste Sohn des Bäckers Christian Dills, Friedrich Abel (3.v.r.) und ganz rechts mit Fahrrad Ernst Schlichting. (Beitrag vom 11.09.2023)
Haus der Familie Hoffmann
Es wird ungefähr drei Jahre her sein, seit das Haus der „Mefferts“ der Abrissbirne zum Opfer fiel. Und wie schnell hat man die Ansicht des Hofes bereits vergessen, wenn es erst aus dem Straßenbild verschwunden ist. Mit dieser Fotografie aus dem Nachlass der Familie Fritsch möchte ich an den Hof sowie an ihre Bewohner erinnern.
Ein besonders freundliches Verhältnis pflegte ich mit Hilda Hoffmann verh. Vierkötter, geboren 1915, die seit ihrer Heirat in Schwelm bei Wuppertal lebte. Sie besuchte aber regelmäßig ihre frühere Heimat und das Anwesen ihrer Eltern. Sie war ein unerschöpflicher Quell an alten Geschichten und Erzählungen. Von ihr stammt auch das alte Schulbild von 1898, auf der ihre Mutter Bertha Hoffmann geb. Meffert zu sehen ist. Hildas Großeltern waren der Weichensteller Karl Meffert und seine Frau Pauline geborene Habig und Hildes Vater war der aus Muscheid kommende Landwirt Peter Hoffmann.
Ebenfalls erinnern möchte ich an Hildas zwei Jahre ältere Schwester Elli, ihren Mann Heinrich Laaks und die gemeinsame Tochter Gisela.
Enstanden sein dürfte die Fotografie um das Jahr 1951 und im Vordergrund sehen wir Heinz Fritsch (rechts) und Egon Böhnert (Mitte). Wer mag der Junge sein, der sich zu den beiden dazugesellt hat? (Beitrag vom 8.11.2023)
Tabak- und Zeitschriftenladen Hevert und alte Post
Auf diesem Abzug, der ebenfalls einer Postkarte als Vorlage diente, sehen wir die beiden Häuser der Geschwister Otto und Ernst Bachenberg, auch „Lissjes“ genannt. Der Vater der beiden war über Jahrzehnte als Briefbote beschäftigt. So wundert es nicht, daß sich in ihrem Haus auf der Mittelstraße die Puderbacher Postfiliale befand. Sehen Sie den Handwagen rechts in der Hausnische stehen? Das war der sogenannte Postkarren, mit dem die eingehenden Briefe und Pakete vom Puderbacher Bahnhof abgeholt und die ausgehenden Postsendungen zum Weitertransport zur Bahn gerbracht wurden.
In der linken Haushälfte befand sich etliche Jahre ein Tabak- und Zeitschriftenladen. Die ersten Eigentümer des Ladengeschäfts waren höchstwahrscheinlich die Lindscheids. Danach übernahm Frau Käthe Hevert das Geschäft. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten das Bestattungsunternehmen Wolf. (Beitrag vom 1. Dezember 2021)
In diese Ansichtskarte wurde die Fotografie mit dem Tabak- und Zeitschriftenladen und der Postfiliale integriert. Die anderen Aufnahmen zeigen die Evangelische Kirche und den alten Gebäudekomplex der Verbandsgemeindeverwaltung an der Hauptstraße. (Beitrag vom 1. Dezember 2021)
Uhren-, Gold- und Silberwarengeschäft Hobbach
Ein wunderschöner Blick auf die Mittelstraße um 1950. Bei dem Haus mit der heruntergelassenen Markise handelt es sich um das Uhren-, Gold- und Silberwarengeschäft der Familie Hobbach. Links daneben das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Zerres, das damals noch aus Gaststätte, Lebensmittelhandlung und Drogerie bestand. (Beitrag vom 18.01.2023)
Bäckerei der Familie Spies
Diesen Blick auf das Wohnhaus und die Bäckerei der Familie Spies kenne ich persönlich nicht mehr. Das Gebäude befindet sich in veränderter Form noch heute an der Mittelstraße Nr. 2 und wurde nach der Sanierung des Straßenabschnitts im Jahr 1967 umgebaut. Bis dahin war der Zusammenlauf von Mittelstraße und Hauptstraße von zwei Wegen mit unterschiedlicher Steigung bestimmt. Wegen dem stetig zunehmenden Verkehrsaufkommen in den 1960er Jahren beschloß die Gemeinde, das Straßenniveau anzuheben. Damit „verschwand“ das Erdgeschoß mit dem früheren Ladengeschäft. (Beitrag vom 9.03.2022)
Alte Straßenführung Mittelstraße/Hauptstraße
Diese Aufnahme zeigt auf eindrückliche Weise, wie der Zusammenlauf von Mittelstraße und Hauptstraße am sogenannten Mühlenberg früher geregelt war. Gut zu erkennen die beiden Wege mit der extrem unterschiedlichen Steigung. Rechts wieder die Bäckerei der Familie Spies. Man hat bereits die drei kleinen Fenster des Geschäfts durch ein großes Schaufenster ersetzt. Es folgt das Wohnhaus der Familie Frohn bzw. Kaulbach, in dem sich heute der Tabak- und Zeitschriftenladen der Familie Haddad befindet. Geradeaus erkennt man die alte Mühle nebst Wohnhaus, die 2018 abgerissen wurde. (Beitrag vom 9.03.2022)
Instandsetzungsarbeiten am Mühlenberg
Um 1960 fanden Instandsetzungarbeiten an der Stützmauer zwischen den beiden Wegen am sogenannten Mühlenberg statt, die ein Anwohner im Bild festgehalten hat. Zwei Bauarbeiter haben bereits begonnen, daß schadhafte Mauerwerk auszubessern und mit frischem Zement zu verputzen. Die fertig gestellten Abschnitte haben sie bis zum Abtrocknen mit Holzbalken abgestützt.
Im Hintergrund erhaschen wir einen Blick auf das frühere Textil- und Konfektionswarengeschäft der Familie Becker, an das sich manch älterer Puderbacher noch erinnern wird. Links daneben sehen wir die prächtige Kastanie, die viele Jahrzehnte den Zusammenlauf von Haupt-und Steimeler Straße krönte. 1966 mußte sie dem Bau der Tankstelle der Familie Schwanbeck Platz machen. Und ganz links erkennen wir einen der schicken Omnibusse des Fuhrunternehmens Spies, das neben Personen- und Lastwagenfahrten auch Krankentransporte anbot. (Beitrag vom 21.07.2022)
Häuser der Familien Frohn und Spies
Und hier eine weitere Aufnahme der beiden Häuser, die durch die Straßensanierung besonders betroffen waren. Die Luftaufnahme dürfte um 1958 entstanden sein und zeigt links das Haus der Familie Frohn bzw. Kaulbach. An der rechten Haushälfte wurde ein Anbau angefügt, in dem sich heute der Tabak- und Zeitschriftenladen der Familie befindet. Und rechts daneben die Bäckerei der Familie Spies bzw. Packmohr. Die folgende Aufnahme aus den 1970er Jahren zeigt, wie sehr sich das Gebäude verändert hat. (Beitrag vom 9.03.2022)
Auf dieser Fotografie erkennt man genau, wie sehr sich das Haus der Familie Spies bzw. Packmohr verwandelt hat. Links erahnt man den alten Gebäudeteil, der durch das Anheben des Straßenniveaus bis zum 1. Stockwerk verdeckt ist. Rechts daneben der Neubau mit dem Lebensmittelgeschäft der Familie. (Beitrag vom 9.03.2022)
Kastanie Ecke Mittelstraße/Steimeler Straße
Über Jahrzehnte prägte diese große Kastanie den Zusammenlauf von Mittelstraße und Steimeler Straße. Hier hat sich der Gastwirtssohn Rudolf Weber (links) für den Fotografen vor dem stolzen Baum postiert. Bei den ersten beiden Häusern an der Steimeler Straße handelt es sich um die Anwesen der Familie Kambeck (Lisjes) und der Familie Göbler (Hennerichs). Hennerichs Haus scheint bereits im Umbau begriffen zu sein, wie das entfernte Gefache vermuten lässt. Die Aufnahme selbst dürfte um 1960 entstanden sein. (Beitrag vom 26.10.2022)
Häuser der Familie Born und Lichtenthäler an der Schulstraße
Viele Ansichten der Ortschaft haben sich so stark verändert, daß man sie heutzutage nicht wiedererkennen würde. Eine Ausnahme bilden die Häuser der beginnenden Schulstraße, die wir hier auf einer Aufnahme von 1960 sehen. Ganz hinten erkennen wir das Haus der Familie Wagner. Damals befand es sich noch im Besitz von dem Landwirt Paul Born, auch „Muschender“ Paul genannt.
Das stattliche Fachwerkhaus in der Bildmitte wurde in den folgenden Jahren mit Eternit-Platten verkleidet, hat sich aber ansonsten nicht verändert. Viele Jahrzehnte gehörte es der Familie Lichtenthäler bzw. Stanke, auch „Hanntäisen“ gerufen.
Bei der Frau, die wohl gerade ein paar Eier aus ihrem Hühnerstall geholt hat und in ihren Händen hält, handelt es sich um die 1919 in Puderbach geborene Paula Blum verh. Gläser. Ihr und ihrem Mann Wilhelm gehörte das Gartengrunstück, daß wir ganz rechts sehen. Ihr Wohnhaus befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, von dem Fotografen nicht mehr eingefangen. (Beitrag vom 19.01.2024)
Bereits 20 Jahre zuvor entstand eine ganz ähnliche Aufnahme vom sogenannten „Gläsersch Paula“, damals aber noch unverheiratet. Die Fotografie gibt den Blick frei auf den wunderschönen Fachwerkhof der Lichtenthälers. Hinter dem schmucken Haupthaus erahnen wir die Stallungen und Scheune, die zu dem Anwesen dazugehörten. Die „Hanntäisen“ betrieben eine große Landwirtschaft und besaßen als Zugtiere auch Pferde, was sich nicht jeder Bauer leisten konnte. (Beitrag vom 19.01.2024)
Lebensmittelgeschäft der Familie Neitzert
Bevor die Familie Hümmerich ihren Gasthof in einen Supermarkt verwandelte und der große SB-Markt (SB steht für Selbstbedienung) an der Urbacher Straße eröffnet wurde, versorgten acht kleinere Lebensmittelgeschäfte die Puderbacher Dorfbewohner mit dem nötigsten für den Haushalt. Auf der Aufnahme oben links sehen wir den Gemischtwarenladen der Familie Neitzert, den Hiesigen unter dem Rufnamen „Hammuns“ bekannt. Das Anwesen nebst Handlung befand sich an der Steimeler Straße und wurde zunächst von Lisette Neitzert geb. Frohn geführt. Nach ihrem frühen Tod im Jahr 1947 übernimmt der Sohn Emil das Geschäft. Zusammen mit seiner Frau Meta geb. Freyn aus Ingelbach baut er 1950 an den alten Gebäudekomplex ein neues Haus mit großem Ladengeschäft im Erdgeschoß. In die Räumlichkeiten des alten Gebäudes zieht das Ehepaar Karl und Paula Mühleib und eröffnet einen Laden mit Textil- und Kurzwaren. Bis 1977 bleibt der Laden der Familie Neitzert geöffnet. Die Mühleibs erwerben in späteren Jahren ein Haus in der Reichensteiner Straße und führen dort ihr Geschäft weiter.
Das Foto unten links zeigt uns wieder den prächtigen Kastanienbaum an der Ecke Mittelstraße und Steimeler Straße. (Beitrag vom 26.10.2022)
Das Haus der Familie Runkler
Der Schatz an Aufnahmen aus dem Nachlass Runkler ist schier unerschöpflich. Bei diesem Schnappschuß aus den 1950er Jahren erhaschen wir einen Blick auf das uralte Fachwerkgebäude an der Steimeler Straße. Es wird gesagt, daß es aus dem 17. Jahrhundert stammt, doch dieser Beweis muß noch erbracht werden. Richtig ist wohl, daß es zuvor an anderer Stelle stand, um 1900 niedergelegt und an seinem heutigen Platz wiederaufgebaut wurde.
Bei dem schicken Wagen im Vordergrund handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Opel Kapitän 54, der während der Jahre 1953 bis 1958 hergestellt wurde. (Beitrag vom 11.01.2023)
Ein zweiter Blick auf das kleine Fachwerkhaus. Bewohnt habe ich es nicht in Erinnerung. Die letzten Besitzer, Verwandte der Gebrüder Runkler, waren nur selten hier zu Gast. Die meiste Zeit stand es leer. Mir kam es immer wie ein verwunschenes, in hundertjährigen Schlaf versetztes Bauwerk vor. Nun hat es Herr Klein endlich zum Leben erweckt. (Beitrag vom 11.01.2023)
Sommerfrische Puderbach

„Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“, so definiert das Wörterbuch der Gebrüder Grimm den Begriff Sommerfrische. Mit den folgenden Postkarten warb Puderbach mit seiner reinen Luft, seinen Naturschönheiten und der Burgruine Reichenstein als Sehenswürdigkeit um die Touristen aus den deutschen Metropolen. (Beitrag vom 18.06.2023)

Für mich immer wieder einer der schönsten Blicke auf Puderbach, der von der Landstraße 264 hinunter auf die malerische Dorfsilhouette.
Auch auf dieser Ansichtskarte blicken wir auf Puderbach, doch aus gleich drei verschiedenen Perspektiven, einmal von Urbach bzw. von Raubach kommend und ein weiteres Mal von einer Anhöhe im Norden des Dorfes. Der vierte Bildteil zeigt die Burgruine Reichenstein.
Neben den landschaftlichen Reizen warb die Ortsgemeinde mit dem Prädikat „Luftkurort“ bei den Urlaubern. Vermutlich hatte sie selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches belegte, daß Luft und Klima in den Puderbacher Landen förderliche Eigenschaften für Gesundheit und Erholung hatte.
Die mit Bäumen bestandenen Landstraßen sowie die ausgeprägten Waldgebiete rund um Puderbach luden die Urlauber zum Verweilen ein.
Eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Puderbachs war und ist die Burgruine Reichenstein. Damals noch in Privatbesitz und nicht zugänglich, ist sie heute eine der Attraktionen der Region.
Hier u.a. eine Ansicht der Holzbachbrücke, die das Puderbacher Kirch- und Mühlendorf miteinander verbindet. Wer mag wohl die passantin sein, die dem Fotografen als Staffagefigur dient?
Bauarbeiten an der Steimeler Straße
Dem Hobbyfotografen Reinhold Zerres sind diese beiden interessanten Aufnahmen zu verdanken. Sie dürften Ende der 1960er Jahre entstanden sein und zeigen Sanierungsarbeiten an der Steimeler Straße. Ein Bagger ist gerade dabei, Teile des steilen Hangs abzutragen, um Platz für einen Gehweg zu schaffen, der bisher auf beiden Seiten der Straße fehlte. Rechts ist ganz deutlich die Auffahrt zur Bergstraße zu erkennen.
Für beide Aufnahmen hatte sich Reinhold Zerres an der Zufahrt zur Hofstraße platziert. Nun wechselt er die Blickrichtung Richtung Norden zur Ortsausfahrt nach Steimel. Auch hier sind bereits große Teile des Hangbereichs abgebaggert. Die Kamera gibt den Blick frei auf die imposante Eiche, die viele Jahrzehnte den Straßenverlauf prägte und der gleichnamigen Eichenstraße ihren Namen gegeben hat. (Beitrag vom 6.02.2024)
Festumzug in Puderbach
Bei den folgenden drei Bildern handelt es sich um einen Festumzug, der vermutlich in den 1950er Jahren stattgefunden hat und dessen Anlass mir leider nicht bekannt ist. Auf dieser ersten Aufnahme bewegt sich der Zug, geführt von einer in prächtige Bergmannsuniformen gehüllten Blaskapelle, von der Hauptstraße kommend die Mittelstraße hinunter. Im Hintergrund ist das Alte Kriegerdenkmal zu erkennen, an dem sich eine Vielzahl an Schaulustigen versammelt hat. Von hier haben die Zuschauerinnen und Zuschauer einen perfekten Rundblick auf das Geschehen.
Zu welchem noch in Betrieb befindlichen Bergwerk mögen die Musikanten in ihren Uniformen gehört haben? Ich kann nur vermuten, daß sie Bergarbeiter der Grube Georg waren, jenem Bergwerk bei Wilroth, dessen imposantes Fördergerüst 1952 errichtet wurde und die bis 1965 in Betrieb war. (Beitrag vom 3.11.2023)
Der Kamermann hat sich für diese Aufnahme am Zusammenlauf von Urbacher Straße, Mittelstraße und Ackerweg plaziert, in umittelbarer Nähe des Gasthofs Kasche. Gerade passiert die Spitze des Umzugs seinen Weg, wieder angeführt von der schmucken Bergmannskapelle. Im Hintergrund erkennt man das frühere Wohnhaus der „Kasches-Schmidts“, seit den 1930er Jahren Heimstatt der aus Gelsenkirchen stammenden Familie Templin. (Beitrag vom 3.11.2023)
Auf der vorangegangenen Fotografie konnte man hinter der Blaskapelle bereits die Gruppe der Turner in ihren blütenweißen Trikots erahnen. Nun ziehen sie voller Stolz mit ihrer Vereinsfahne an dem Kameramann vorbei. Bei den athletischen Sportlern handelt es sich von links nach rechts um: …, Horst Will, Horst Seitz, Ludwig Flatt, mein Großvater Friedrich Kuhl, Egon Schmidt, als Fahnenträger Arnold Krantz und der in Niederdreis lebende Oswald Marth. (Beitrag vom 3.11.2023)
Ausflug des V.d.K. Ortsgruppe Puderbach 1952
„Zum Andenken an den ersten Ausflug des V.d.K. Ortsgruppe Puderbach 24. August 1952“. So war diese Fotografie aus dem Nachlass der Familie Born (Muschender) beschriftet. Doch was hatte es mit dem Kürzel V.d.K. auf sich? Um was für einen Verband handelte es sich?
Die Ursprünge des heutigen Sozialverbands V.d.K. gehen ins Jahr 1917 zurück. Damals gründete sich der sogenannte „Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“. Ursprünglicher Zweck der Organisation war es, sich für die Rechte und das Wohl verwundeter Veteranen und Hinterbliebener der im Ersten Weltkrieg Gefallenen einzusetzen. 1950 dann, fünf Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs, der 5 Millonen deutschen Soldaten das Leben gekostet hatte, bildete sich aus dem „Bund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen-Verbände Deutschlands (BKD)“ der „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“ (V.d.K.).
Leider sind mir nicht alle Mitgliederinnen und Mitglieder der Ortsgruppe des V.d.K. Puderbach mit Namen bekannt. Doch diejenigen, die ich kenne, stehen für sehr persönliche Schicksalsschläge, die der Krieg bei Ihnen hinterlassen hat.
Beginnen möchte ich mit Friedrich Runkler, auch „Konrädches“ genannt, den wir rechts mit der Nummer 1 stehen sehen. Er gehört zu den Kriegsteilnehmern des 1. Weltkriegs und dürfte bereits dem BKD angehört haben. Dank des Nachlasses, der sich im alten „Konrädches“ Haus an der Steimeler Straße erhalten hat, wissen wir, daß er zweimal verwundet und in einem Kriegslazarett behandelt wurde.
Die Eltern von Werner Seitz, den wir vorne mit der Nummer zwei sehen, waren Freunde meiner Großeltern und mir wohlbekannt. Sein Vater Emil hatte während der Kriegshandlungen des 2. Weltkriegs seine linke Hand und Unterarm verloren und trug zeitlebens eine Armprothese, die uns Kinder sowohl faszinierte, als auch erschreckte.
Mit der Nummer 6 sehen wir Ewald Blum, der spätere Metzgermeister, der so manches Rind oder Schwein für unsere Familie schlachtete. Das sein Vater 1944 bei Kielce in Polen gefallen war, erfuhr ich erst durch meine Recherchen zu diesem Bild.
Bei der Nummer 7 handelt es sich um den Bruder meiner Großmutter, den 1910 geborenen Otto Deneu. Während mein Großvater nichts über seine Kriegserlebnisse erzählte, war unser Onkel Otto offener und berichtete mir von seiner Kriegsverwundung, die er sich am 15. Oktober 1943 in Russland zugezogen hatte. Splitter, ich weiß nicht mehr, ob von einem Geschoß oder etwas anderem, hatten seinen Fuß und sein Gesicht getroffen. Besonders die Verletzung am Oberkiefer, er verlor alle Zähne, waren äußerst schwerwiegend.
Die Nummer 8 ist das „Muschender Paulinchen“, die mit Ihrem Mann und den beiden Kindern auf dem Bauernhof an der Ecke Reichensteiner Weg und Ringstraße lebte. Ihr erstgeborener Sohn Karl fiel am 12. Mai 1942 bei Kämpfen in der Nähe von Belgorod. Die ganze Familie wird untröstlich gewesen sein.
Die übrigen Personen sind: 2 u. 3 Gustav und Erna Schneider geb. Klaas (Anstrichers), 5 vrmtl. Siegfried Fuchs und 9 Luise Muscheid geb. Iskenius. Falls Sie weitere Personen auf der Fotografie erkennen, so würde ich mich über Ihre tatkräftige Mithilfe sehr freuen. (Beitrag vom 3.11.2023)

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