Puderbach in alten Ansichten

Inhaltsverzeichnis

Blick von der Huth

Folgt man der Straße Richtung Dorfmitte dann taucht links an dritter Stelle das alte Schulgebäude aus Bruchstein auf, daß 1892 errichtet wurde. In der Bildmitte erkennt man an seiner hellen Fassade das im Stil der Reformarchitektur erbaute Haus der Familie Hennemann, in dem sich viele Jahrzehnte die Arztpraxis von Dr. Ludwig Hennemann und später die seiner Tochter Renate befand.

Häuser an Steimeler und Wollbachstraße

So wie die zwei vorangegangenen Ansichten wird auch diese zum selben Zeitpunkt entstanden sein, zwischen den Jahren 1925 bis 1930. Es ist Frühjahr, die Bäume sind noch unbelaubt, aber die Arbeiten auf den Feldern haben bereits begonnen. Der Fotograf schwenkt seine Kamera weg von der Dorfmitte hinüber zur Burgruine Reichenstein und den Häusern an der Steimeler Straße und der Wollbachstraße. Ich bin mir recht sicher, daß es sich bei dem Fachwerkgebäude ganz links um das „Kullen“ Haus handelt, in dem sich vor dem Bau der Synagoge ein Betsaal für die jüdischen Bürger Puderbachs befand.

Holzbach mit Brücke

Und noch eine Aufnahme aus demselben Frühjahr. Hier steht der Fotograf auf der Bahnhofstraße und nimmt den Holzbach nebst Brücke auf. Das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Zerres ist am linken Rand gerade noch zu erkennen.

Holzbach mit alter Mühle und Restaurant Zerres

Meinte man in der vorigen Ansicht den Holzbach förmlich rauschen zu hören, so fließt er auf dieser Postkarte still seiner Wege. Der Fotograf hat sich für die Einstellung am Bachlauf positionert und seine Kamera nach Nordwesten ausgerichtet. In der Bildmitte enteckt man den Gebäudekomplex der alten Mühle und dahinter lugt das stattliche Haus mit dem Restaurant und Lebensmittelgeschäft der Familie Zerres hervor. Deutlich zu erkennen ist auch die Brücke, die Mühlendorf und Kirchdorf miteinander verbindet. Enstanden sein dürfte die Aufnahme zwischen 1925 und 1930. (Beitrag vom 13.04.2022)
Erkennen Sie das Fachwerkgebäude wieder, das auf der Ansichtskarte oben bereits zu sehen war und zum alten Mühlenkomplex gehörte? Die Aufnahme selbst könnte vor 1920 entstanden sein und stammt aus dem Nachlass der jüdischen Familie des Louis Bär. Aus Erzählungen alter Dorfbewohner weiß ich, daß der „Heims Louis“ leidenschaftlich gern angelte. Ich sehe ihn bildlich vor mir stehen, wie er auf der der Mühlenanlage gegenüberliegenden Wiese steht, seine Angel ins Wasser wirft und genau diese Ansicht vor Augen hat. (Beitrag vom 14.10.2025)

Kirchdorf im Winter

Ein schöner Blick auf das verschneite Kirchdorf aus dem Jahr 1925. Im Vordergrund steht der Zahnarzt Wilhelm Gast.

Anwesen der Familie Haberscheidt

Vermutlich Mitte der 1920er Jahre entstand diese ungewöhnliche Aufnahme. Sie zeigt die Puderbacher Kirche und den angrenzenden Dreiseitenhof der Familie Haberscheidt. Das Gehöft existiert seit dem 17. Jahrhundert und zu seinen ersten Besitzern zählt Joh. Thönges Neitzert und seine Frau Anna Juliana. In späteren Jahren heiratet Joh. Peter Haberscheidt aus Hanroth in die Familie ein und der Bauernhof wird zu „Haverscheeds“ Hof. Bei dem kleinen Trampelpfad im Vordergrund handelt es sich um die heutige Straße „Zum Georgengarten“. (Beitrag vom 28.06.2023)
„Haberscheidts Hof in Puderbach / Seit 1663 im Besitz der Familie“ Die Inschrift auf dem Bild stammt von dem Landwirt und Presbyter Otto Haberscheidt, der mit dem Vermerk voller Stolz auf die lange Familientradition des Dreiseitenhofs an der Daufenbacher Straße hinweist. Aufgenommen wurde die Fotografie vermutlich um 1940 vom gegenüberliegenden Kirchturm. Auf der linken Seite sieht man das alte Wohnhaus und rechts daneben schließen sich Scheune und Viehstall an. 1931 ergänzte man das Ensemble im hinteren Teil durch ein geräumigeres und komfortableres Wohngebäude, wodurch das Anwesen seinen geschlossenen Charakter erhielt. Heute befindet sich das Gut nicht mehr im Besitz der Haberscheidts, es bleibt für mich aber eines der schönsten Gehöfte Puderbachs.

Hoochspitterichs Haus

Ich habe es schon an anderer Stelle versucht zu beschreiben, wie emotional und berührend es für mich ist, wenn ich alte Aufnahmen zum ersten Mal zu Gesicht bekomme. So erging es mir auch mit der Fotografie des alten Fachwerkhauses der „Hoochspitterichs“. In diesem Gebäude, nur einen Steinwurf von der Puderbacher Kirche entfernt, ist meine Urgroßmutter Sophie Kuhl am 21. Juli 1884 als Tochter der Eheleute Peter und Louise Haag zur Welt gekommen. Gemeinsam mit den Eltern und den sechs Geschwistern verbringt sie hier glückliche Kindheitstage.
Ihre älteste Schwester Wilhelmine und der Ehemann Peter Born sind es, die das Anwesen vom „Hoochs Pitter“ erben und eine eigene, vielköpfige Familie gründen. Eines ihrer acht Kinder ist hier am Fenster zu sehen. Es handelt sich um den 1905 geborenen Friedrich Born.
Was wurde aus dem schmucken Fachwerkhaus? 1957 ist es die nächste Generation, der Sohn Wilhelm Born, der das Gebäude niederlegt und auf den alten Fundamenten ein neues, modernes Wohnhaus errichtet. Die Aufnahme selbst dürfte um 1930 entstanden sein. (Beitrag vom 25.09.2024)
Karoline, Luise, Friedrich, Anna, Hilde, Wilhelm, Emil und Erna, so lauten die Namen der acht Kinder, die Wilhelmine Born geb. Haag im Laufe von fünfzehn Jahren zur Welt bringt. Auf dieser Aufnahme aus den 1930er Jahren sehen wir das betagte Ehepaar eingerahmt von zweien ihrer Kinder, der 1910 geborenen Hilde verh. Schneider und dem Sohn Wilhelm, Jahrgang 1912, der das Anwesen und den Rufnamen der Familie erbt.
Mein Dank geht an dieser Stelle an Herrn Martin Born, der Sohn des „Hoochspitterichs Wilhelm“, der so freundlich war, mir die beiden Aufnahmen zur Verfügung zu stellen. (Beitrag vom 25.09.2024)

Haus der Familie Reinhard

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei einem meiner Leihgeber bedanken, Herrn Dirk Packmohr. Er war so freundlich, mir diese Aufnahme seines Urgroßvaters Karl Reinhard zur Verfügung zu stellen. An anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, daß Reinhard bei der Bahn als sogenannter Rottenführer beschäftigt war. Voller Stolz steht er vor seinem Anwesen an der Hauptstraße, dessen Erichtung in die rege Bautätigkeit der 1920er Jahre fallen dürfte. In späteren Jahren befand sind in dem Gebäude der Frisiersalon seiner Enkeltochter Irene Wagner verh. Hader. (Beitrag vom 30.06.2025)

Hauptstraße

Eine Fotografie der Häuser an der Hauptstraße um das Jahr 1925. Auch hier sehen wir wieder wie oben das Haus der Familie Reinhard. Rechts daneben schließen sich die Anwesen der Familie Spies und Scharfenstein an. 

Zahnarztpraxis Gast

Auf dieser Aufnahme befinden wir uns ebenfalls auf der Hauptstraße. Es ist das Jahr 1927 und das Zahnarzt-Ehepaar Wilhelm und Johanna Gast haben sich gerade ein schickes Automobil, einen Opel 4/12 PS, zugelegt, wegen seiner grünen Farbe auch „Laubfrosch“ genannt. Auf dem Foto posiert die stolze Hanna Gast . Im Hintergrund sieht man das Wohnhaus der Familie Scharfenstein, in dem sich die erste Praxis der beiden befindet.

Zahnarztpraxis Gast zum Felsen

Ein Sprung in das Jahr 1940. Hier sieht man das nagelneue Sprechzimmer der Zahnarztpraxis Wilhelm und Hannelore Gast in ihrem Wohnhaus zum Felsen.

Haus der Familie Schmidt

Die verwandschaftlichen Verhältnisse unter den Puderbachern sind oftmals weitverzweigt. So erzählte mir meine Großmutter, daß unsere Familie über die Sanners bzw. Müllers mit den „Herwetspittersch“ verwandt seien. Doch wie genau waren die beiden Familien miteinander verbunden? Erst in späteren Jahren, als ich anfing einen Stammbaum zu erstellen, konnte ich das Rätsel lösen. Meine Ururgroßmutter war mit der hier zu sehenden Sophie Born verschwägert.
Die Aufnahme entstand um das Jahr 1928 und zeigt Sophie mit ihrer jüngsten Tochter Bertha und dem Ehemann ihrer ältesten Tochter Luise vor dem Anwesen an der Steimeler Straße. Erbaut wurde das Haus 1902, in dem Jahr, als Sophies fünfzehn Jahre älterer Mann Christian verstarb. Eine schwere Zeit für die junge Witwe mit vier minderjährigen Kindern. In späteren Jahren wird das Gebäude um eine Etage aufgestockt und die unverheiratete Tochter Mina führt im Erdgeschoß ein Lebensmittelgeschäft, wie man auf der Fotografie untern erkennen kann. (Beitrag vom 09.01.2023)
Vermutlich in den 1940er Jahren entstand diese Aufnahme, die die baulichen Veränderungen am Gebäude deutlich machen. Der Kolonial- und Kurzwarenladen befand sich in dieser Zeit auf der linken Seite der Eingangstüre. (Beitrag vom 09.01.2023)

Hauptstraße mit Amtsgebäude

Hier nochmal ein schöner Blick auf Puderbach aus nördlicher Richtung um das Jahr 1930. Der Fotograf hat sich auf einer Anhöhe im Mühlendorf platziert. Im Vordergrund erkennt man die Hauptstraße mit ihren Häusern, wobei ich auf das alte Amtsgebäude auf der linken Straßenseite besonders hinweisen möchte. In der Bildmitte ist deutlich die mit Kastanien bestandene Bahnhofstraße zu erkennen. Schaut man genauer hin, dann sieht man, daß gerade ein Personen- bzw. Güterzug eingefahren ist. (Beitrag vom 31.01.2022)

Fetzen Haus

Eine herrliche Ablichtung, die um das Jahr 1932 entstanden sein wird und das Uhren- und Schmuckgeschäft der Familie Hobbach zeigt. Man achte auf die Außenwerbung, das sogenannte „Nasenschild“ mit Taschenuhr und Brillengestell! Der Laden befand sich im sogenannten „Fetzenhaus“, dem Wohnhaus von Eduard und Sophie Fetz auf der Hauptstraße. Könnte das oben im Fenster die in die Jahre gekommene Hausbesitzerin sein? Vor dem Eingang zum Geschäft steht Lydia Hobbach mit ihren beiden Kindern Luise und Hans. Die zweite Person von links ist der Bahnbeamte Anton Schneider und rechts neben ihm der Bierfahrer Ernst Kunz. Das Haus existiert nicht mehr. Heute befindet sich dort das Autohaus Spies. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Korrektur: Bei den beiden Kindern kann es sich doch nicht um Hans und Luise Hobbach handeln. Vor einigen Tagen stellte mir die Familie Schöneberg einige Fotografien zur Verfügung, darunter vorliegende Aufnahme datiert mit dem Jahr 1930. Hans und seine Schwester Luise sind jedoch erst 1931 bzw. 1934 geboren.
Albert Schwinn, der Gründer des Gärtnereibetriebs, scheint vor dem Bau seines Eigenheims an der Mittelstraße mit Frau und Kindern im Fetzen-Haus zur Miete gewohnt zu haben. Nach näherem Vergleich mit weiteren Fotografien meine ich in den Gesichtszügen der beiden Halbwüchsigen die der Schwinns-Kinder zu erkennen. Zudem meine ich Albert und Anna Schwinn am linken Fenster des 1. Stocks entdeckt zu haben. (Korrektur vom 27.01.2025)
Hier zum Vergleich eine Aufnahme aus dem Besitz der Familie Schwinn bzw. Schöneberg entstanden zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie oben. Sie zeigt wieder Lydia Hobbach mit dem fünfjährigen Kurt und der dreijährigen Cilgia Schwinn. (Beitrag vom 27.01.2025)
„Früh übt sich, wer ein guter Uhrmachermeister werden will“. So könnte man dieses herzige Bild überschreiben, daß den vielleicht anderthalbjährigen Hans Hobbach zeigt, wie er interessiert die vielen Taschenuhren begutachtet, die im Uhrenkasten seines Vaters hängen. Alle sind mit einem Zettel versehen, der den Besitzer und den zu zahlenden Rechnungsbetrag für die Reparatur ausweist. Die Fotografie dürfte wohl auch im sogenannten „Fetzen-Haus“ aufgenommen worden sein.
Später befand sich das Uhren- und Schmuckgeschäft der Hobbachs an der Mittelstraße, gleich neben der Drogeriehandlung der Familie Zerres. Ich sehe Hans Hobbach noch heute, wie er, nachdem man das Ladengeschäft betreten hatte, aus der Reparaturwerkstatt in den Verkaufsraum trat und seine Brille mit einem Lupenaufsatz versehen war. Ohne dieses Hilfsmittel wäre eine Aufarbeitung der feinen Uhrwerke nicht möglich gewesen. (Beitrag vom 21.11.2023)

Haus der Familie Leyendecker

Werfen Sie bitte nochmal einen Blick auf die Aufnahme Puderbachs, die um 1925 von den Höhen der Straße „Auf der Huth“ gemacht wurde. Da entdecken Sie links am Ortsausgang Richtung Niederdreis das Haus der Leyendeckers. Auf dieser Fotografie ist die Familie vor ihrem schmucken Haus zusammengekommen. Leider kann ich die Personen nicht namentlich zuordnen. Da das Foto jedoch aus dem Nachlass der Geschwister Scheiderer stammt, gehe ich davon aus, daß es eine verwandtschaftliche Beziehung zu dieser Familie gab. Möglicherweise stammten die Leyendeckers wie die „Schreinersch“ gebürtig aus dem nahegelegenen Reichenstein und einer der Vorfahren arbeitete in der „Räister Gruv“ als Bergmann. Dafür würde auf jeden Fall der Spruch „Bergmanns Ruh“ an der Hausfassade sprechen. (Beitrag vom 8. November 2021)

Badeteich Gast mit Häusern am Felsen

Ein hinreißender Blick auf die kleinen Badenixen vom Felsen aufgenommen um 1930. Sie vergnügen sich im Teich der Eheleute Gast. Willi und Hanna haben es sich in den Liegestühlen bequem gemacht während die Mädchen für den Fotografen posieren. Ganz vorne am Beckenrand erkennt man Magret Bay verh. Willbold, die Tochter des Ortspolizisten. Wunderschön im Hintergrund das Haus meiner Eltern. Wer es 1924 gebaut hat, ist mir leider nicht bekannt. Bevor unsere Familie das Haus käuflich erwerben konnte, war es eine Zweigstelle der Kraftversorgung Rhein-Wied. Vor uns lebten dort das Ehepaar Rüdig und die Familie Kambeck. Links daneben das sogenannte „Schrinnersch“ Haus.

Puderbacher Kirchdorf

Ein Blick auf das Puderbacher Kirchdorf, im Vordergrund die Häuser an der Straße „Zum Felsen“ um 1930. Das kleine Foto links unten zeigt die Burgruine Reichenstein.

Restaurant, Drogerie und Lebensmittelgeschäft Zerres

Um 1925 eröffnete der aus Dendert stammende Müller Karl Zerres und seine Frau Katharine zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Willi und dessen Frau Emma das Café und Restaurant an der heutigen Mittelstraße. Über die Treppe betrat man links die Gaststätte. Rechterhand befand sich das Lebensmittelgeschäft nebst Drogerie. Beides wurde in den 1930er Jahren durch einen Saal bzw. Anbau erweitert.
Ein schöner Blick vom Kriegerdenkmal 1870/71 hinüber zur damaligen Bismarckstraße/heute Mittelstraße und dem Restaurant und Lebensmittelgeschäft Zerres. Auf der Treppe steht der Besitzer Karl Zerres. Er scheint sich mit Simon Udert zu unterhalten, der aus seinem schicken Automobil ausgestiegen ist. Der Laden der Gebrüder Udert, der sowohl Baumaterialien, Eisenwaren, Düngemittel und Kraftfutter als auch Küchengeräte, Glas und Porzellan anbot, ist am Bildrand noch zu erkennen. Die Postkarte dürfte um 1930 produziert worden sein.

Das Haus der Familie Bachenberg

Als mir die Leihgeberin diese Fotografie das erste Mal zeigte, ließ sie mich raten, um welches Wohnhaus es sich handelte und wo es in Puderbach zu finden sei. Doch ich konnte mir keinen Reim darauf machen, konnte es keinem mir bekannten Gebäude zuordnen. Erst ein näherer Blick auf die Personengruppe brachte des Rätsels Lösung.
Bei der Familie handelt es sich um die der Bachenbergs, in Puderbach auch als die „Lisjes“ bekannt. Zwischen 1925 und 1930 hatte der Telegrafenarbeiter Ernst Bachenberg und seine Frau Anna Elisabeth geborene Mühlbach das schmucke Haus an der damals noch locker bebauten Mittelstraße (heute Nr. 15) errichtet. Ab 1932 leitete er hier bis zu seinem Tod im Jahr 1954 die Poststelle als sogenannter Postbetriebswart.
Neben dem „Lisjes“ Ernst und seiner Frau Anna sind auf der Aufnahme auch der Sohn Herbert, die Mutter Minna Bachenberg geb. Schmidt, sowie der Bruder Otto und seine Frau Herta geborene Rettig zu sehen. Das Bild selbst dürfte um 1930 entstanden sein. (Beitrag vom 29.10.2025)

Bachlauf an der Mittelstraße

Und noch ein Foto, das vor dem Anwesen der „Lisjes“ entstanden ist. Bei den beiden Kindern handelt es sich um Herbert Bachenberg und seine Großcousine Anneliese Müller. Die Kinder sind fein herausgeputzt und tragen beide einen Schulranzen auf dem Rücken. Möglicherweise ist das Foto aus Anlass ihrer Einschulung im Jahr 1932 aufgenommen worden.
Doch diesmal soll mein eigentliches Augenmerk nicht auf Personen oder Gebäude gerichtet sein, sondern auf dem kleinen Bachlauf liegen, der sich längs der Mittelstraße hinzieht. Bis in die 1930er Jahre floß der Puderbach, der sich durch die gleichnamige „Pullermisch“ schlängelt, oberirdisch durch die Ortsmitte. Wann genau man ihn kanalisiert und unter die Straßendecke verlegt hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, doch auf Fotografien der 1940er Jahre ist er bereits aus dem Dorfbild verschwunden. (Beitrag vom 3.11.2025)

Idylle mitten im Dorf

„Im Februar 1931“. So ist diese Fotografie auf der Rückseite beschriftet. Es braucht eine ganze Weile, um in dieser verschneiten und mit zahlreichen Vorgärten versehenen Idylle die heute viel befahrene Mittelstraße zu erkennen. Und doch macht man relativ schnell einige markante Wegpunkte aus, wie ganz im Hintergrund den Mühlenberg, linkerhand die Anwesen der Familie Zerres und Hümmerich, sowie das frühere Geschäft für Baumaterialien, Dünger und Maschinen der Gebrüder Udert. Das Wohnhaus der Familie Oettgen wurde im Zuge der Umgestaltung der Ortsmitte Anfang der 2000er abgerissen. (Beitrag vom 3.11.2025)

Kurioses Schneefahrzeug

Aus wessen Hand stammt wohl dieses kuriose Schneefahrzeug? Es mutet ein wenig wie eine Schneeraupe an, hat aber doch mehr von einem motorisierten Schlittengefährt. Leider ist nicht bekannt, wer das Schneemobil gestaltet hat. Die Aufnahme selbst könnte im Winter 1930/31 enstanden sein und bei den Personen handelt es sich ganz links um den Steinmetz Otto Bachenberg, ganz rechts um den Maurer Emil Schmidt und der Kleine am Steuer ist Herbert Bachenberg. Im Hintergrund links erkennt man wieder das Anwesen der „Lisjes“ an der Mittelstraße. (Beitrag vom 18.02.2026)
Nachtrag: Der Enkel von Otto Bachenberg informierte mich, daß es sein Großvater war, der die ungewöhnliche Schneemaschine gebaut hatte. Der Antrieb stammte aus seinem alten Motorrad, eine Ariel 557 cc Model A aus dem Jahr 1927. (Ergänzung vom 19.02.2026)

Wohnhaus des Steinmetz Bachenberg

1935 hatte der Steinmetz Otto Bachenberg die aus Köln-Mülheim stammende Herta Rettig geheiratet. Wenig später dürfte ihr Wohnhaus an der Mittelstraße (heute Nr. 13) errichtet worden sein. Auf dieser Aufnahme sehen wir das stolze Ehepaar vor dem noch unverputzten Neubau mit seinen markanten Holzbalkonen.
Das das Haus direkt an das benachbarte Gebäude angefügt wurde ist kein Zufall, denn Ottos Nachbar ist sein fünf Jahre älterer Bruder Ernst Bachenberg. Beide Familien waren unter dem Rufnamen „Lisjes“ bekannt. (Beitrag vom 10.11.2025)

Fuhrpark der Grube Reichenstein

Diese Fotografie stammt aus dem Nachlass von Hans Heuchemer, der 1977 das Gelände der Reichensteiner Grube käuflich erwarb. Über die Jahre sammelte er eine ganze Reihe von alten Aufnahmen, die die wechselvolle Geschichte des Bergwerks dokumentieren.
Hier sehen wir fünf Pritschenwagen, die wohl zum Fuhrpark der „Räister Gruv“ gehörten und sich auf dem Vorplatz des Puderbacher Bahnhofs versammelt haben. Bei genauerer Betrachtung scheinen die beiden Lastkraftwagen rechts von dem Automobilhersteller Skoda zu stammen und ganz links sehen wir ein Modell der Firma M.A.N. Von den Mitarbeitern ist bisher nur einer namentlich bekannt. Auf der zweiten Kühlerhaube von rechts sitzt der Bergmann Robert Lamberti. Geboren wird er 1896 in Reichenstein als Sohn des Dorflehrers Jakob Lamberti und seiner Frau Pauline Wilhelmine geb. Koch. Viele Jahre ist er festes Mitglied des Puderbacher Turnvereins. Schauen Sie doch einmal unter dem Menüpunkt „Vereinsleben in Puderbach“, da werden Sie ihn auf mehreren Bildern wiederentdecken. Doch wer sind die anderen Grubenarbeiter? Über Ihre tatkräftige Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Nachlass Heuchemer/Beitrag vom 6.02.2022)

Mittelstraße mit Anwesen der Familie Schüler und Wolff

Um 1930 entsteht diese wunderschöne Gruppenaufnahme vor dem Gasthof Kasche. Die beteiligten Personen haben sich ein kühles, dunkles Bier ausgeschenkt und posieren mit ihren Gläsern vor dem Fotografen. Ob der Gerstensaft aus Koblenz stammt? So steht es auf jeden Fall auf einem der Fässer, die der Gesellschaft als Sitzgelegenheit dient. Und wem mag der schicke Lieferwagen gehören, der sich so wunderbar als Kulisse eignet? Ganz links vor dem Automobil sitzt Erika Velden verh. Lübke, ihre Schwester Helene hat sich hinters Steuer geklemmt. Rechts neben dem „Kasches Len“ sitzt der damalige Bierfahrer des Gasthofs Ernst Kunz. Bei der Person ganz rechts dürfte es sich um den Bauunternehmer Reinhard Müller handeln.
Besonders interessant sind die beiden Anwesen im Hintergrund, die mutmaßlich in den 1970er Jahren den Bushallen der Firma Dills weichen mußten. Die „Schouer“, die Scheune in der Bildmitte gehörte zu dem Bauernhof der Familie Schüler. Ganz links schließt sich das Wohn- und Geschäftshaus der jüdischen Familie Wolff an. In diesem „Kaufhaus“ konnten die Dorfbewohner Lebensmittel und Schuhe, sowie Schul-, Papier- und Haushaltswaren kaufen. (Beitrag vom 31.01.2022)

Ein Ausflug in die Bestattungskultur der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das Aufbahren

Bis zum Bau der Friedhofshalle Mitte der 1950er Jahre war es üblich gewesen, die Toten bis zur Beerdigung im eigenen Hause aufzubahren. Der Brauch bot Verwandten und Nachbarn die Möglichkeit, sich von dem Verstorbenen persönlich zu verabschieden. Meist nach zwei oder drei Tagen fand die Beerdigung statt und der Sarg wurde mit der Leichenkutsche zum Puderbacher Friedhof gebracht. Die Trauergemeinde schloss sich zu Fuß dem Totenwagen an. 

In der Bilderkiste meiner Großmutter befindet sich diese Aufnahme eines verstorbenen Kindes. Sie erinnert die Familie an den viel zu frühen Tod des kleinen Friedrich Deneu, der am 9. Februar 1922 mit gerade mal acht Monaten an einer Lungenentzündung verstarb. Um das geliebte Kind nicht zu vergessen, beauftragten meine Urgroßeltern einen Lichtbildner, es auf seinem Totenbett festzuhalten.
Umrahmt von Blumen und in sein weißes Totenkleidchen gebettet, liegt das Fritzchen gleichsam schlafend in seinem Sarg. Der Myrtenkranz in seinen kleinen Händen erinnert an die nicht enden wollende Liebe der Eltern zu ihrem entschlafenen Kind. (Beitrag vom 10.10.2025)
Der Leichenzug

Auch die Tradition des Trauerzuges ist durch den Bau der Friedhofshalle abhanden gekommen. Folgte in früheren Zeiten die ländliche Bevölkerung dem Leichenwagen vom Haus des Verstorbenen bis zum Friedhof, so sind es heute nur noch wenige Schritte von der Leichenhalle bis zur Grabstelle. 

Diese seltene Aufnahme eines Trauerzuges dürfte um 1930 entstanden sein. Die zum Teil noch Schnee bedeckten Dächer verraten uns, daß die Beerdigung in den Wintermonaten stattgefunden haben muß. Wir sehen gerade den Moment, als die Leichenkutsche von der Mittelstraße kommend auf den Ackerweg einbiegt. Rechts und links des Wagens laufen die Sargträger, die, wie ich meine zu erkennen, eine Uniform tragen, möglicherweise die der Freiwilligen Feuerwehr. Somit könnte es sich bei dem Verstorbenen um eines der Mitglieder des Vereins handeln. Auch die große Schar an Trauernden spricht eher für eine Person des öffentlichen Lebens. Still folgt die Trauergemeinde dem Kranz beschmückten Bestattungswagen. (Beitrag vom 11.10.2025)
Beerdigung des Bauunternehmers Müller
Es ist tragisch, wenn ein Mensch plötzlich und jung an Jahren verstirbt. 1932 ist es der Tod des 32jährigen Bauunternehmers Reinhard Müller, der die Dorfbewohner Puderbachs erschüttert. Er war am 23. September mit seinem Motorrad in der Nähe von Dernbach unterwegs, als es zu einem tödlichen Verkehrsunfall kommt. Die folgenden Aufnahmen zeugen davon, wie groß die Anteilnahme unter der Bevölkerung ist und wie sehr der Trauerfall die Gemeinde bewegt hat.
Da es in den 1930er Jahren noch keine Friedhofshalle gibt, hat man den Leichnam im Wohnhaus der Müllers am Felsen aufgebahrt. Dies bietet der Trauergemeinde die Möglichkeit, sich von dem Verstorbenen gebührend zu verabschieden. Der Kameramann fängt den Moment ein, als sechs Männer in Uniform den schweren Sarg aus dem Haus tragen und in den bereitstehenden Leichenwagen heben. Die Trauernden bilden dabei ein Spalier und beobachten sichtlich betroffen und ernst die Überführung des Leichnams. Die langen Schatten der Trauergäste verraten uns, daß die Beerdigung in den frühen Morgenstunden stattgefunden haben muß. (Beitrag vom 7.10.2024)
Der Zug bewegt sich in dieser zweiten Einstellung langsam und getragen die Straße zum Felsen hinunter. Dem Leichenwagen voraus läuft Pfarrer Friedrich Wilhelm Bub sowie eine Abordnung von Mitarbeitern des verstorbenen Bauunternehmers, unter ihnen der Maurer Emil Schmidt (rechts vor Pfarrer Bub). Im Hintergrund erkennt man das stattliche Haus des Verstorbenen sowie die riesige Trauergemeinde, die dem Sarg folgt und dem Toten das letzte Geleit erweist. (Beitrag vom 7.10.2024)
Teilnehmer des Trauerzuges sind auch Angehörige des Puderbacher Turnvereins, zu deren Mitgliedern Reinhard Müller gehörte. Hier sehen wir die Männer mit ihrer Vereinsfahne, wie sie gerade das Wohn- und Geschäftshaus des Metzgers Hottgenroth an der Mittelstraße passieren. Von links nach rechts sind zu sehen: …, Willi Hachenberg, hinten etwas versteckt Paul Scharfenstein, vorne mit Fahne Willi Scharfenstein, hinten Otto Dills, vorne Friedrich Kuhl, Karl Faust, mit Kranz Emil Velten, hinten Kurt Staatsmann, mit Zylinder Louis Hehn, Willi Heinrichs, mit Zylinder Robert Lamberti und Franz Wilhelm. (Beitrag vom 7.10.2024)
Inzwischen ist der Tross am Puderbacher Friedhof angekommen. Die sechs Träger, unter ihnen Emil Herzog und Wilhelm Born vom Ackerweg, bringen den Sarg zu der vorbereiteten Grube, um ihn nach einer kurzen Grabrede durch Pfarrer Bub mit drei Seilen behutsam in die Erde herabzulassen. (Beitrag vom 7.10.2024)
Der Tod der Witwe Runkler in Unterlagen u. Bildern
Todesanzeige
An dieser Stelle geht mein Dank erneut an Herrn Stefan Klein, der 2022 das kleine Fachwerkhaus der „Konrädches“ an der Steimeler Straße erwarb. In dem Gebäude befanden sich, wie in einer Zeitkapsel konserviert, Fotos und Unterlagen aus dem Nachlass der Familie Runkler. Zu den Dokumenten gehören auch die, die von dem Tod der Witwe Konrad Runkler erzählen.
Katharina Eich wurde am 1. Februar 1851 in Wienau geboren. Am 30. März 1872 hatte sie den 22 Jahre älteren Witwer Konrad Runkler aus Puderbach geheiratet. Das Paar bekam zehn gemeinsame Kinder und lebte ein bescheidenes Leben in ihrem Häuschen im Puderbacher Mühlendorf. 1903 wurde sie selbst zur Witwe und stand fortan der Familie als Oberhaupt vor.
Am 27. Oktober 1936 war die 85jährige an Alterschwäche verstorben. Zwei Tage später informierte eine Todesanzeige die Dorfbewohner auch offiziell über den Tod des „Konrädches Trin“. Erschienen war sie in der Tageszeitung „Nationalblatt“ für den Kreis Neuwied. (Beitrag vom 11.10.2025)
Leichenschau
Es war der Puderbacher Hausarzt Dr. Wilhelm Ludwig Hennemann, der die Leichenschau durchführte und den Tod der Witwe Runkler attestierte. (Beitrag vom 12.10.2025)
Leichenhemd
Über das vielfältige Warenangebot des Texil- und Manufakturwarengeschäfts Becker an der Steimeler Straße hatte ich bereits an anderer Stelle berichtet. Neu war mir, daß zum reichhaltigen Sortiment auch Bestattungswäsche gehörte. Wie uns diese alte Rechnung zeigt, orderten die Geschwister Runkler für die verstorbene Mutter ein Totenhemd, ein paar Strümpfe sowie ein Sargkissen. (Beitrag vom 12.10.2025)
Sarg
Der Sarg der Verstorbenen stammte aus der Werkstatt der Bau- und Möbelschreinerei Ernst Dorr an der Steimeler Straße. (Beitrag vom 12.10.2025)
Beerdigung
Am Freitag den 30. Oktober fand die Beerdigung der betagten Witwe statt. Die Familienangehörigen, Nachbarn und Freunde versammelten sich gegen 15 Uhr vor dem Haus der „Konrädches“ an der Steimeler Straße. Nachdem die sechs Träger den Sarg in die bereitstehende Totenkutsche gebracht hatten, machte sich der Trauerzug gemessenen Schrittes zum Friedhof ins Kirchdorf auf. Vorbeigehende dürften der Toten einen letzten Gruß entgegengebracht haben.
Am Kirchhof angekommen, hielt Pfarrer Bub eine kurze Grabrede, bevor der Sarg mit dem Segen Gottes in die vorbereitete Grabstätte hinabgelassen wurde. Im Anschluß dürfte es einen Beerdigungskaffee gegeben haben, möglicherweise bei „Heydorchs“ im Saal.
Zur Erinnerung an die Verstorbene und den Tag der Beerdigung entstand diese Aufnahme vor der Kranz geschmückten Grabstätte. Bei den beiden Personen handelt es sich um Friedrich Runkler, den jüngsten Sohn der Witwe, sowie die Enkeltochter Maria Runkler später verh. Langhardt. (Beitrag vom 12.10.2025)1
Grabstätte
Ein Jahr später geben die Geschwister Runkler bei dem Steinmetz Otto Bachenberg eine Einfassung für die Ruhestätte der Mutter in Auftrag. Auch der Grabstein selbst dürfte in seiner Werkstatt entstanden sein. (Beitrag vom 12.10.2025)
Beisetzung des Schmieds u. Schlossers Julius Kuhl
Am 17. September 1932 fand die Beerdigung meines Ururgroßvaters Julius Kuhl auf dem Puderbacher Kirchhof statt. Diese Aufnahme seines überreich mit Trauerkränzen und Blumengebinden besetzten Grabes hat sich über die Jahrezehnte erhalten. Dem 1848 in Muscheid geborenen Schmiede- und Schlossermeister wurde eine besondere Ehre durch seine Zunft zuteil. Eines der zahlreichen Grabgebinde mit Aufschrift stammt von der Schmiede-Innung der Bürgermeisterei Dierdorf, Puderbach u. Steimel. (Beitrag vom 12.10.2025)

Jüdischer Friedhof

Ein Blick auf den jüdischen Friedhof im Mühlendorf aus den 1930er Jahren. Heute ist das Gelände von Wald umgeben und von der Tannen- bzw. Bergstraße kaum auszumachen. Das Foto stammt aus dem Besitz der Familie von Adolf Aron, der die Flucht aus Nazi-Deutschland gelang. Das Bild wird sie an ihre verstorbenen Angehörigen erinnert haben, deren Grabstätten sie nach der Flucht nicht mehr besuchen konnten. Nachdem 1942 alle noch verbliebenen jüdischen Mitbürger deportiert worden waren, überlegt die Gemeinde, die Grabsteine abzuräumen und das Gelände einzuebnen. Welch ein Glück, daß es nicht dazu gekommen ist!

Die Autowerkstatt Spies in Puderbach

Haben Sie auch schon einmal einen Urlaub mit dem Reisedienst Spies unternommen oder Ihr Fahrzeug beim gleichnamigen Autohaus reparieren lassen? Die Anfänge beider Unternehmen liegen in dieser kleinen Autowerkstatt, die der 1907 geborene Wilhelm Spies und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Alfred vermutlich Anfang der 1930er Jahre gründeten. Neben den Reparaturen boten sie auch einen Autoverleih an, wobei es sich bei diesem nostalgischen Fahrzeug um einen alten Opel 1,2 Liter handeln könnte. Stolz präsentiert sich Alfred auf seinem schicken Motorrad. Das IZ auf den Nummerschildern steht für die Rheinprovinz, zu der Puderbach gehörte. (Beitrag vom 07.02.2023)
Hier eine Gruppenaufnahme ebenfalls aus den 1930er Jahren. Neben Alfred Spies (2.v.l.) sehen wir seinen Bruder Paul (2.v.r.), der viele Jahrzehnte als Bäckermeister arbeitete und die Puderbacher mit Brot und anderen Backwaren versorgte. Auf dieser Aufnhahme kann man erahnen, wo sich die Autowerkstatt befand, nämlich gleich links neben dem Gasthof Weber, den man im Hintergrund erkennen kann. Rechts erhascht man einen Blick auf die Mauer, die die beiden Auffahrten zur Hauptstraße trennte. (Beitrag vom 07.02.2023)
Wann genau das Wohn- und Geschäftshaus der Geschwister Spies errichtet wurde, ist mir nicht bekannt. Der Bau dürfte aber Mitte der 1930er Jahre entstanden sein. Neben der bereits bestehenden Autowerkstatt, die am linken Bildrand zu erkennen ist, bot das neue Gebäude eine geräumige Garage, in der die Firmenwagen sicher und trocken untergebracht werden konnten. Auch eine eigene Zapfsäule gehörte zur Ausstattung des Autohauses Spies. (Beitrag vom 8.05.2025)
Ein Ausschnitt aus der 2005 erschienenen Jubiläumsschrift zum 75jährigen Bestehen des Autohauses mit dem Konterfei von Willi (Wilhelm) Spies. Auch hier erhaschen wir einen Blick auf die erste Werkstatt nebst Tankstelle.
Im Jahr 1938 trennten sich geschäftlich wie räumlich die Wege der Geschwister Spies. Willi hatte ein Anwesen an der Hauptstraße erworben und baute dies zu einem großen Autohaus mit angeschlossener Werkstatt aus. Alfred und seine Frau Erna wurden mit Ihrem Fuhr- und Reiseunternehmen bekannt, mit dem so mancher Puderbacher eine Urlaubsreise unternahm. (Beitrag vom 8.05.2025)

Blick von der Landstraße

Für diese Ansicht, die an einem warmen Sommertag um das Jahr 1930 enstanden sein wird, hat sich der Fotograf in den Schatten der mit Laubbäumen bestandenen Landstraße Richtung Raubach begeben. Im Vordergrund sieht man die Häuser, die an der Straße „Zum Felsen“ stehen.

Puderbach von Richert aus gesehen

In den 1930er Jahren nimmt der berühmte Kölner Fotograf August Sander diese idyllische Fotografie Puderbachs auf. Sein Standort müßte eine Anhöhe in der Nähe von Richert sein. Oder hat er seine Kameraausrüstung auf dem Gelände der Burgruine Reichenstein platziert? Vielleicht können Sie mir bei dieser Frage helfen!

Fliegeraufnahmen der 1930er Jahre

Wie übersichtlich doch die Bebauung des Puderbacher Kirchdorfs in den 1930er Jahren war. In der Straße „Im Bruch“ erkennt man nur das Haus des Schneiders Jakob Mayer. Im „Reichensteiner Weg“ stehen dagegen schon deutlich mehr Häuser u.a. das der Familie Lamberti (4.v.r.), in dem meine Großeltern nach ihrer Hochzeit 1938 zur Miete wohnten und in dem mein Vater 1939 zur Welt kam. In der heutigen „Barentoner Straße“ erkennt man gleich hinter dem Wohn- und Geschäftshaus des Adolf Aron die jüdische Synagoge, die bei dem Noverpogrom 1938 verwüstet und im Anschluß in Brand gesteckt wurde.
Vor einigen Tagen tauchte das Luftbild bei der facebook-Gruppe Der historische Westerwald auf. Eines der Mitglieder hatte die Fotografie auf der Webseite des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen entdeckt. Im Gegensatz zu der Ansichtskarte ist die Originalaufnahme in der Bildauflösung deutlich klarer. Manches Detail, wie die auf den Wiesen zum Bleichen ausgelegte Wäsche, ist erst hier zu erkennen. Werfen Sie doch auch einmal einen detaillierten Blick auf das Puderbach im Jahr 1933. (Bildquelle: LAV_NRW_R_RW_0229_40284_5000x3778 / Ergänzung vom 27.02.2026)
Noch genauer kann man diese Fliegeraufnahme des Puderbacher Kirchdorfs datieren. Da das Reichsarbeitsdienstlager schon am rechten Bildrand auszumachen ist und die Synagoge wie das Wohnhaus der Geschwister Bär noch an ihrem angestammten Platz stehen, dürfte die Fotografie zwischen den Jahren 1936 und 1938 entstanden sein. Mein Dank geht wieder einmal an Herrn Bernd Schmidt, der so freundlich war, mir die Postkarte zur Verfügung zu stellen. Beitrag vom 8.10.2024)

Der Mechaniker Franz Wilhelm

Viele Erzählungen meiner Großmutter sind mir noch heute in lebhafter Erinnerung. Eine Geschichte handelt von dem Kauf ihres ersten Fahrrads in der Reparatur-Werkstatt von Franz Wilhelm.
Der gelernte Mechaniker, der Anfang der 1920er Jahre von Betzdorf nach Puderbach zog, führte an der Steimeler Straße eine Reparatur- und Verkaufswerkstatt für Landmaschinen, Nähmaschinen, Zentrifugen und Fahrräder. Die Speisekartoffeln bekam die Familie Wilhelm von meinen Urgroßeltern geliefert, sie nahm es aber mit dem Bezahlen nicht immer so genau. Als wieder einmal Geldbeträge ausstanden, meinte mein Urgroßvater Heinrich zu meiner Oma, die sich schon seit längerer Zeit ein eigenes Fahrrad wünschte: „Wenn du dir das Geld beim „Franzen“ besorgst, kannst Du Dir dafür ein Rad kaufen.“ So machte sich meine Großmutter ins Mühlendorf auf, verlangte das austehende Geld und kaufte sich dafür ihren ersten Drahtesel. (Beitrag vom 11.03.2026)
Im Nachlass von Otto Becker tauchte diese wunderschöne Aufnahme auf, die die Familie Wilhelm um das Jahr 1935 zeigt. Neben dem 1894 geborenen Franz Wilhelm sehen wir seine Ehefrau Thekla, eine geborene Muscheid, und die drei gemeinsamen Töchter Hildegard, Anneliese und Inge. Die Fotografie entstand bei einem der nationalsozialistischen Reichserntedankfeste. Den geschmückten Erntewagen im Bildhintergrund ziert ein Werbespruch des Maschinenbau-Unternehmens Seidel & Naumann, des größten Näh- und Schreibmaschinen-Herstellers seiner Zeit. Die Hausfrau, die auf Naumann näht, beweist, daß sie ihr Fach versteht. (Beitrag vom 11.03.2026)

Seltener Blickwinkel

Als mir Frau Kambeck diese alte Fotografie zeigte,war ich begeistert, denn die Aufnahme eröffnet einen Blickwinkel auf Häuser im Mühlendorf, den es so nicht mehr gibt. Entstanden sein dürfte das Bild um das Jahr 1936.
Bei dem mit Schindeln verkleideten Gebäude rechts im Vordergrund handelt es sich um das alte Wohnhaus der „Hennerichs“ (Familie Göbler) an der Steimeler Straße, daß zu Beginn der 1950er Jahre modernisiert wurde und sich baulich sehr verändert hat.
Es folgt in der Mitte der Aufnahme das kleine Fachwerkgebäude der „Alberts“ (Familie Albert u. Rosa Aron), daß ab 1939 bis 1942 als sogenanntes „Judenhaus“ diente. Mitte der 1960er Jahre mußte es dem Bau der BP-Tankstelle weichen und wurde abgerissen. Ganz hinten im Bildhintergrund entdecken wir das sogenannte „Fetzen“-Haus an der Hauptstraße, erbaut von Eduard und Sophie Fetz, in dem sich zu Beginn der 1930er Jahre das Uhrengeschäft der Familie Hobbach befand. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude abgerissen und machte der Austellungshalle des Autohaus Spies Platz.
Gerade noch zu erahnen ist ganz links am Bildrand das Wohnhaus der „Lissjes“ (Familie Kambeck). Der 1912 von Otto und Wilhelmine Müller erbaute und in den 1960er und 1970er erweiterte Gebäudelomplex befindet sich noch heute an der Steimeler Straße, aber nicht mehr in deren Familienbesitz.
Bei dem Jungen mit strohblonden Haar handelt es sich um den „Lissjes Manfred“, der wohl gerade im angrenzenden Garten Erdbeeren gepflückt hat und seine Ernte stolz dem Fotografen präsentiert. (Beitrag vom 22.01.2024)

Springbrunnen gegenüber Kasches

Eine frühe Aufnahme des Springbrunnens gegenüber der Gastwirtschaft Kasche. Entstanden ist der Schnappschuß am 23. August 1936 und bei dem kleinen Steppke handelt es sich um Hans Pangert. (Beitrag vom 30.01.2024)

Zeppelin „Hindenburg“ über Puderbach

1937 gelingt Willi Zerres dieser seltene Schnappschuss des Zeppelins LZ 129 „Hindenburg“. Vermutlich ist es sogar der in die Geschichtsbücher eingegangene letzte Linienflug des Luftschiffes, der am 3. Mai in Frankfurt beginnt und das Gefährt über den Westerwald zum Kölner Flughafen Butzweilerhof zwecks Postsabwurfs führt. Am 6. Mai erreicht die „Hindenburg“ gegen 18.25 Uhr den Zielflughafen im US-amerikanischen Lakehurst und will am Landemast anlegen, als im Heckteil ein Wasserstoff-Feuer ausbricht und das Luftschiff innerhalb von Sekunden im Flammen aufgehen und abstürzen läßt. 35 der 97 sich an Bord befindlichen Passagiere und Crewmitglieder kommen dabei ums Leben. Der ergreifende Live-Bericht des Radioreporters Herbert Morrison geht damals um die Welt.

Reichsarbeitsdienstlager

Um das Jahr 1936 wird ein Reichsarbeitsdienstlager an den Ausläufern der heutigen Straße „Zum Felsen“ errichtet. Junge Männer müssen hier einen sechsmonatigen freiwilligen Arbeitsdienst ableisten. Eingesetzt werden sie vornehmlich im Straßen- und Autobahnbau und in der Landwirtschaft. 1939 mit Errichtung des Westwalls werden die Männer an die französische Grenze verlegt und in das Lager ziehen junge Frauen ein. Bis zum März 1945 gehen die sogenannten Arbeitsmaiden den umliegenden Bauern und ihren Familien bei der Arbeit zur Hand.

Blick auf die Mittelstraße

Vermutlich um 1937 entsteht dieser interessante Schnappschuß. Sechs uniformierte Männer, mutmaßlich Verpflichtete aus dem Reichsarbeitsdienstlager, befreien die gepflasterte Mittelstraße von einer dicken Eisschicht. Bei den Gebäuden handelt es sich rechts um die Bäckerei und Gastwirtschaft Hümmerich, die Bau- und Maschinenhandlung Udert, gefolgt vom Wohnhaus der Familie Oettgen, links um das Manufaktur- u. Konfektionswarengeschäft Aron und die Eisenwarenhandlung Bär. (Beitrag vom 27.11.2023)

Verträumter Blick

Eine verträumter Blick auf Puderbach aus dem Schatten einer Baumgruppe aufgenommen. Man sieht das Kirchdorf und im Vordergrund die Häuser am Felsen. Die Postkarte dürfte aus den 1940er Jahren stammen.

Blick aus Richtung Urbacher Straße

Die Aufnahme für diese Postkarte aus den 1940er Jahren muß im Spätsommer entstanden sein, denn die Felder sind zum Teil schon abgeerntet und man hat die Getreidehalme zu Garben gebunden.

Kindergarten der NS-Volkswohlfahrt

In den 1940er Jahren unterhielt die NSV, die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, in Puderbach einen Kindergarten, dessen Kindergruppe wir hier sehen. Die Leiterin war Anneliese Rosenberg (rechts), unterstützt von der Helferin Hildegard Däge (links) und einer Arbeitsmaid aus dem angrenzenden Reichsarbeitsdienstlager (Mitte). Einige der Kleinen sind mir namentlich bekannt, darunter mit der 1 Werner Hoffmann (Brauersch), 2 Horst Dorr, 3 Lotte Packmohr geb. Spies, 4 Christa Hachenberg (Metzgersch), 5 Heinz Abel, 6 Walter Schuh (Kläfonks) und 7 Irene Hader geb. Wagner. Bei der blauen Nummerierung handelt es sich um eine Vermutung meinerseits. Bei der 1 könnte es sich um Rolf Blettner, 2 Karl-Heinz Barth und 3 Alfred Schmidt (Pitterichs) handeln. Doch wer sind die anderen Kinder? Erkennen Sie Ihre Eltern oder Großeltern unter ihnen? Über tatkräftige Mithilfe würde ich mich sehr freuen!
Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Kindergartengruppe in einem Haus im Reichensteiner Weg untergebracht war. Bei dem Gebäude auf unserer Fotografie handelt es sich um das Wohnhaus der Familie Böhnert, auch „Kouls“ genannt. (Beitrag vom 5.02.2024)

Führer-Parade am Sportplatz

„Führer-Parade 1940 in Puderbach“. So sind diese beiden Fotografien auf der Rückseite beschriftet. Auf dem Gelände des Sportplatzes hat eine große Zahl an Wehrmachtssoldaten, ich vermute es handelt sich um mehr als 200 junge Männer, Haltung angenommen. Der Aufmarsch dürfte am 20. April 1940 mit der Kamera festgehalten worden sein und fand zu Ehren des 51. Geburtstag von Adolf Hitler statt. Neben den Armeeangehörigen hat sich eine Schar schaulustiger Dorfbewohner eingefunden, zu erkennen am linken, oberen Bildrand.
Warum befanden sich so viele Soldaten in dem kleinen Westerwalddorf? Waren die Kompanien für den zwanzig Tage später beginnenden Westfeldzug gedacht? Am 10. Mai 1940 überfielen Deutsche Wehrmachtstruppen die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich. (Beitrag vom 21.01.2025)
Die zweite Einstellung der sogenannten „Führer-Parade“. Hinter den Zuschauern am linken, oberen Bildrand erkennt man deutlich das Reichsarbeitsdienstlager, dessen Barracken sich über das Areal der heutigen Gartenstraße erstreckten. 1936 errichtet versahen hier zunächst junge Männer einen sechsmonatigen Freiwilligendienst, der Arbeiten in der Landwirtschaft und dem Siedlungs-, Straßen- und Autobahnbau vorsah und dem eigentlichen Wehrdienst vorgelagert war. Um 1939 wurde das RAD-Lager in ein Frauenlager umgewandelt. Die sogenannten „Arbeitsmaiden“ unterstützten die hiesigen Bauersfamilien bei der anfallenden Arbeit. Näheres zu dem Thema finden Sie unter dem Menüpunkt „Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg“. (Beitrag vom 21.01.2025)

Haus der Familie Born bzw. Krantz

Im Mai 1941 entsteht diese Aufnahme, die den Hof von Philipp und Pauline Born an den Ausläufern des Reichensteiner Wegs zeigt. Geboren wird der „Muschender“ Philipp jedoch im Puderbacher Mühlendorf. 1895 kommt er im Haus an der Schulstraße Nr. 1 als 2. Kind der Eheleute Peter und Emilie Katharine Born zur Welt. Nach seiner Hochzeit mit der aus Ratzert stammenden Pauline Rosenbach und der Geburt der beiden Kinder Karl und Emilie beschließt er um 1930 ein eigenes Wohnhaus zu bauen. 1931 ist der Bauernhof fertiggestellt und die Familie bezieht das neue, zunächst einstöckige Gebäude im Puderbacher Kirchdorf.
Bei dem jungen Mann vorm Haus handelt es sich um den französischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter Robert Fleury, der der Familie Born als Arbeiter zugeteilt war. (Beitrag vom 27.11.2023)

Haus der Familie Frohn

Vermutlich in den 1940er Jahren entsteht diese Fotografie des Anwesens der Familie Frohn. Erbaut wurde der Hof im Jahr 1895 von dem Ehepaar Philipp Frohn und Karoline Sophie geb. Heydorn am sogenannten Mühlenberg, dem heutigen Beginn der Mittelstraße. Damals war die Streckenführung zur Hauptstraße hin durch zwei Auffahrten mit unterschiedlicher Steigung bestimmt, die mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen der 1960er Jahre nicht mehr tragbar war. Mit der Sanierung des Fahrweges wurde das Straßenniveau deutlich angehoben und der Familie Frohn im Gegenzug erlaubt, einen Anbau anzubringen, in dem sich heute der Zeitschriften- und Tabakwarenladen von Frau Renate Haddad befindet.

Haus der Familie Siegel

Bei dieser Aufnahme befinden wir uns Mitte der 1940er Jahre. Es scheint einer der ersten lauen und sonnigen Tage im Frühjahr zu sein, an dem sich die Familie Siegel vor ihrem Haus an den Ausläufern der Hauptstraße fotografieren lässt. Die Bäume haben noch kein frisches Grün ausgetrieben, aber trotzdem meint man einen Hauch von Frühling zu spüren.
Vorne auf der Straße sehen wir den Vater Ernst mit seiner 1919 geborenen Tochter Leni stehen. Die Mutter Louise eine geborene Frohn, von allen nur Wischen gerufen, und der 1920 zur Welt gekommene Sohn Karl blicken aus den geöffneten Fenstern im Erdgeschoß.
Ernst Siegel ist das 4. Kind des gleichnamigen Lehrers, der seit ungefähr 1890 an der Volkschule in Puderbach die Dorfkinder unterrichtet hatte. Den Rufnamen „Hammuns“ bringt Louise mit in die Ehe. Welche Bedeutung er hat bzw. woher er sich ableiten lässt, ist bisher nicht geklärt. (Beitrag vom 24.01.2022)
Alter Bauplan
130 Jahre hat der oben zu sehende Bauplan des Hauses der Familie Siegel überdauert. Hier sehen sie einen Ausschnitt der überaus fein ausgearbeiteten Bauzeichnung. Anscheinend sollte das Gebäude als kaiserliches Postamt dienen, wie die Inschrift an der Fassade vermuten lässt. Und wer mochte dieser Schultheis Jung sein, der 1891 den Bau des Hauses an der früheren Provinzialstraße in Auftrag gegeben hatte? Die Nachfahren der „Hammuns“, die das Anwesen heute bewohnen, konnten sich darauf keinen Reim machen. Doch gemeinsam kamen wir der Sache auf die Spur.
Wie bereits erwähnt brachten die beiden Schwestern Lisette und Louise Frohn den Rufnamen „Hammuns“ mit in ihre Ehen. Settchen, wie die 1888 in Niederdreis geborene Lisette von allen gerufen wurde, heiratete 1912 den aus Muscheid stammenden Julius Neitzert und lebte mit ihm in einem Haus an der Steimeler Straße. Das Lebensmittelgeschäft der Familie ist dem ein oder anderen sicher noch ein Begriff. Wischen, Jahrgang 1890, ihr Mann Ernst und die beiden Kinder Leni und Karl Siegel bewohnten das Bruchsteinhaus am Ortsausgang Richtung Raubach.
Es stellte sich bei den Recherchen heraus, daß der unverheiratete Onkel der Hammuns-Schwestern, der 1854 in Niederdreis geborene Christian Andreas Jung den Bau des Hauses in Auftrag gegeben hatte. Er ist somit jener Schultheis, der auf dem Grundriss als Bauherr genannt wird. Bereits kurz nach Fertigstellung des Gebäudes, vermutlich um das Jahr 1894, zog seine Halbschwester, die Mutter von Settchen und Wischen, nebst Familie mit in das Gebäude. 1902 verstarb Schultheis Jung an einem Herzleiden und vermachte das Anwesen an die Familie Frohn. (Beitrag vom 24.01.2022)
Berichtigung: Zu meinem größten Bedauern ist mir bei meinen Recherchen ein Fehler unterlaufen. Ich ging fälschlicherweise davon aus, daß die verwandschaftlichen Beziehungen zu dem Schultheiß Jung über die „Hammuns“ herzuleiten sei. Dies ist nicht der Fall. Vielmehr stammen die Geschwister Karl und Leni Siegel in direkter Linie vom „Scholzen“ Herbert Jung ab. Er ist ihr Urgroßvater.
Geboren wird Joh. Herbert Jung am 30. März 1828 in einem Anwesen an der heutigen Schulstraße. Bereits 1853 weisen kirchliche Unterlagen ihn als Schultheiß der Ortschaft Puderbach aus. Seit 1867 versieht er zudem das Amt des Vorstehers der 1865 eingerichteten Postexpedition. 1884 tritt er in den Ruhestand und sein Schwiegersohn Anton Siegel übernimmt die Stellung als Postverwalter bis ins Jahr 1924.
Somit ergibt auch der Schriftzug „Kaiserliches Postamt“ auf der Bauzeichnung aus dem Jahr 1891 seinen Sinn. Schultheis Jung hat den Bau des schmucken Bruchsteinhauses mit der integrierten Poststelle in Auftrag gegeben und dürfte am 2. Januar 1903 in seinem neuen Anwesen verstorben sein. (Ergänzung vom 23.06.2025)

Wohn- und Geschäftshaus der Familie Fritsch

Lange war mir nicht bewußt,  wie weit die verwandschaftlichen Beziehungen der Familie meiner Urgroßmutter Sophie Kuhl reichten. Sie war eine geborene Haag, eine „Hoochspitterichs“, und hatte neben zwei Halbschwestern sechs leibliche Geschwister. 19 Nichten und Neffen verteilten sich über den Westerwald bis nach Bochum im Ruhrgebiet.

Änne Heinrichs, die Tochter ihrer früh verstorbenen Schwester Luise, heiratete am 19. September 1931 den aus Muscheid kommenden Schuster Wilhelm Fritsch und die Eheleute ließen sich in Puderbach nieder. Hier kam im November 1932 der gemeinsame Sohn Heinz zur Welt.

1935 bot sich den Fritschs die Gelegenheit, ein kleines Anwesen an der heutigen Mittelstraße zu erwerben. Das Gebäude nebst Grundstück stand bereits seit 1929 zum Verkauf, hatte aber bisher keinen Abnehmer gefunden auf Grund des kritischen Bauzustands. Im Januar 1936 war der Kaufvertrag mit der Erbengemeinschaft der Geschwister Bär auch notariell abgeschlossen.

„Das von den Eheleuten Fritsch erworbene Häuschen war so baufällig, daß es von Fritsch abgebrochen werden mußte. Seit mehr als einer Generation hat die Familie Bär das Häuschen selber nicht mehr bewohnt. In dem alten Häuschen wohnte längere Jahre ein Klempner, der das eine Zimmer als Wohnküche benutzte und in dem vorderen Raum seine Klempner-Werkstatt unterhielt. Der als Schlafzimmer dienende Dachraum war eng und unter den Dachrängen…“

So beschreibt ein amtliches Dokument, das sich im Archiv der Verbandsgemeindeverwaltung Puderbach erhalten hat, das Objekt. Anhand der Beschreibung versuche ich mir vorzustellen, wie der Vorgängerbau ausgesehen haben mag. Vermutlich handelte es sich um ein kleines Fachwerkgebäude, daß im 19. Jahrhundert erbaut wurde und gewiss das frühere Wohnhaus der „Heims“ gewesen war. Mit der wachsenden Kinderschar, Rebekka Bär brachte ihrem Mann Aron sieben Kinder zur Welt, reichte der Platz in dem kleinen Häuschen nicht mehr aus und die Familie errichtete ein größeres Wohnhaus an der Ecke Mittelstraße / Urbacher Straße. Das in die Jahre gekommene Anwesen wurde im Anschluß vermietet, u.a. an jenen Klempner, von dem das Schreiben berichtet.

„Lediglich der Umstand, daß der Mieter Bald in dem Häuschen bis wenige Jahre vor seinem Ableben seine Klempnerei unterhalten hat, hatte einen früheren Verkauf verzögert. Bald ist am 18.06.1936 verstorben.“

Bei jenem Klempner handelte es sich um den in Barmen geborenen Gustav Bald. Er hatte 1904 die aus Daufenbach stammende Louise Altgeld geheiratet. Das Paar lebte über einen längeren Zeitraum in dem Barmener Stadtteil Wichlinghausen. Hier wurden auch die beiden gemeinsamen Kinder Anna und Werner Bald geboren. Um 1920 kehrte die vierköpfige Familie in den Westerwald zurück und zog zur Miete in das kleine Anwesen an der Mittelstraße. (Beitrag vom 15.06.2023)

Die Fotografie, die aus den 1940er Jahren stammen dürfte, zeigt den geräumigeren Neubau der Fritschs, wobei uns die unverputze Hauswand auf der linken Seite verrät, daß es sich hier nicht um den ersten Bauabschnitt handelt. Das 1. Stockwerk mit seinen beiden Fenstern wurde in einer zweiten Bauphase ergänzt. Die Familie betrat die Wohnung über den Seiteneingang während die Kunden über den Vordereingang in das Ladengeschäft nebst Schusterei hereinkamen.  
Ein weiterer Blick auf das Haus der Familie Fritsch aus dem Jahr 1951. Wilhelm und seine Frau Änne haben das Dachgeschoss ausgebaut und das Gebäude nach hinten vergrößert. Auch hier legt die unverputzte Wand an der linken Haushälfte beredtes Zeugnis über den Baufortschritt ab.
Ein Blick in die Schaufensterauslage des Schuhgeschäfts.

Jugend in den Wirtschaftswunderjahren

Ausflug mit dem CVJM
1949 unternahm der Christliche Verein junger Männer (CVJM) unter Leitung von Otto Ewert (Bildmitte) mit der Puderbacher Jugend einen Ausflug in das rund 30 km entfernte Linz am Rhein. Die Gruppe hatte die Tour mit dem Fahrrad angetreten und machte u.a. Station in einem Restaurant Waldesruh, dessen Werbeschild man auf dem Foto im Hintergrund erkennen kann. Herr Rosenberg und Herr Britz, zwei aufmerksame Leser meines Blogs, vermuten, daß es sich um die gleichnamige Gaststätte in Woldert handelt. Die beiden erkannten zudem weitere Personen auf dem Bild, sodas die Namensliste auf 15 Personen angewachsen ist. Bei den jungen Männern handelt es sich um 1 mglw. Friedhelm Schmidt (Hervetspittersch), 2 Hans Pangert, 3 Karl-Heinz Schmidt (Hervetspittersch), Karl-Heinz Erichsen, Alfred Schmidt (Pitterichs), 6 Hans Müller (Bierjasch/aus Woldert), 7 Harald Höhner, 8 Walter Dörper, 9 Karl-Heinz Velten (Schurrmes), 10 Horst Kolb (Woldert), 11 Ludwig Greb, 12 Reinhold Zerres, 13 Emil Schneider (Anstrichers), 14 Alfred Dorr und 15 mglw. Heinz Abel. Die Zuordnung der Namen erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen. Erkennen Sie weitere Personen auf der Aufnahme? Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 24.02.2026)
Auf dem Weg nach Linz machte die Gruppe immer wieder Rast. Hier sehen wir die Jungs, wie sie sich auf einer Wiese niedergelassen haben. Die Fahrräder liegen überall verstreut und die Jugendlichen scheinen gerade ein paar Lieder zu singen, die einige mit ihrer Mundharmonika begleiten. Doch nicht allen ist nach Musizieren zumute. Manche wollen einfach nur herumtollen. (Beitrag vom 24.02.2026)
Karl-Heinz Schmidt, Hans Müller, Karl-Heinz Velten und ein weiterer Junge haben es sich in einem lichten Waldstück auf einer Decke bequem gemacht und genießen die wärmenden Strahlen der Sonne. Da die Bäume noch unbelaubt sind, kann man davon ausgehen, daß der Ausflug nach Linz im Frühling stattgefunden hat. (Beitrag vom 24.02.2026)
Einen Ball hatten die Fußball begeisterten Jungen ebenfalls mitgenommen. Das Foto vermittelt einen Eindruck, mit welcher Freude sie dem Spiel nachgegangen sind. (Beitrag vom 24.02.2026)
Maibaum Aufstellen um 1960
Die Tradition des Maibaums reicht viele Jahrhunderte zurück. Die Ursprünge könnten bereits aus germanischer Zeit stammen, als man heidnische Waldgottheiten mit einem gefällten Baum verehrt hat. Das Brauchtum unserer Zeit, das Aufstellen eines hohen Stamms mit belassener grüner Spitze und einem Kranz oder anderem Zierrat, ist seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Seit wann mag es den Brauch in Puderbach geben?
Die folgenden Bilder dürften um 1960 entstanden sein und zeigen, wieviel Spaß und Freude die Jugendlichen beim Maibaum Aufstellen hatten.
Gerade kehren die jungen Männer mit der frisch geschlagenen Tanne zurück, die sie in einem angrenzenden Waldstück gefällt haben. Eine Reihe neugieriger Kinder begleitet die Baumträger auf ihrem Weg ins Dorf. (Beitrag vom 4.03.2026)
Zunächst konnte Ich dieses Bild nicht recht verorten. Welche Straßen liefen hier zusammen und um welches Haus handelt es sich im Hintergrund? Doch nach mehrfachen Abwägen bin ich mir sicher, daß wir hier die Kreuzung von Raubacher Weg und Urbacher Straße sehen. Die Maibaumburschen biegen gleich rechts in Richtung Dorfmitte ab, denn die Tanne soll am Bahnhofsvorplatz aufgestellt werden. (Beitrag vom 4.03.2026)
Die jungen Burschen haben sich auf der Bahnhofstraße mit Stroh ein Nachtlager eingerichtet, denn der Maibaum will bewacht sein. Das Stehlen des Zunftbaums ist wahrscheinlich eben so alt, wie die Tradition des Aufstellens. Ganz links steht der blutjunge Harald Oettgen. (Beitrag vom 6.03.2026)
Zu den Maiburschen haben sich auch die jungen Frauen des Ortes gesellt. Sie leisten ihnen bis in die Abendstunden Gesellschaft. Am linken Bildrand sehen wir Ludwig Greb. (Beitrag vom 6.03.2026)
Haben die jungen Männer aus einem der benachbarten Ortschaften einen Maibaum gestohlen und mit dem Auto nach Puderbach gebracht?
Im Bildhintergrund erkennt man den alten Mühlenkomplex und die Gastwirtschaft und Drogerie Zerres. (Beitrag vom 6.03.2026)
Nach dem ein oder anderen Bier geht es lustig zu unter den Maiburschen. Unter den jungen Männern erkenne ich Gerd Templin, Ludwig Flatt und Emil Schneider. (Beitrag vom 6.03.2026) 
Gleich nebenan, beim Gasthof Hümmerich, genehmigen sich die zumeist unverheirateten Männer ein kühles Bier. Der 2. von links ist mein Vater Hans Kuhl. (Beitrag vom 6.03.2026)

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