Vergnügen in müßigen Stunden

Ein Sonntagsspaziergang um 1933. Von links nach rechts sind zu sehen: Karl Oettgen, Paul Velten (Schurrmes), Wilhelm Born (Hoochspitterichs), Ernst Funk und Otto Deneu (Sannersch).

Ob Sonntagsspaziergang, der Besuch der Gastwirtschaft, ein gepflegtes Kartenspiel, Musizieren in gemeinsamer Runde oder der Besuch einer Kirmes… Die Unterhaltungsmöglichkeiten unserer Groß- und Urgroßeltern waren vielfältig aber recht bescheiden. Erst in den 50er und 60er Jahren durch die flächendeckende Motorisierung und den Siegeszug des Fernsehapparates wurden die Zerstreuungen vielfältiger und die Ausflüge weiter. An dieser Stelle seien einige dieser einfachen Vergnügungen von damals genannt.

Winterfreuden

Heute wie damals ist eine Schlittenfahrt an kalten und verschneiten Wintertagen eine große Freude. Auch meine Großmutter konnte sich nur zu gut an so manche rasante Abfahrt die Urbacher Straße hinunter erinnern. Solch ein selbstgebautes Gefährt war wie ein in zwei Teile gesägter Schlitten, der durch ein in der Mitte angebrachtes Brett verlängert wurde und bis zu 12 Personen Platz bot. Vorne saß der Lenker und brachte einen hoffentlich ohne Sturz die Piste hinunter.

Was für eine schnittige Fahrt muß das gewesen sein, wenn es, wie im Hintergrund zu sehen, wirklich den Ackerweg hinunter ging. Vorne auf dem Schlitten als Lenker sieht man Albert Schneider (Annekerts), dahinter seine Schwester Carola, es folgen die Geschwister Paul und Else Puderbach (später verh. Faust) und dahinter Emil Born (Hoochspitterichs). Das Bild entstand um 1930.

Bei einer dieser Fahrten war Gustav Deneu, der Cousin meiner Oma, der Lenker des Schlitten. Es ging die vereiste Urbacher Straße hinunter und der übermütige Fahrzeugführer zündete sich während der Fahrt eine Pfeife an. Es kam wie es kommen mußte, der „Sannersch Gustav“ verlor die Kontrolle über das Gefährt und es stürzte um. Meine Großmutter war furchtbar im Gesicht verschrammt und ließ sich beim Nachbarn und Zahnarzt Georg Weber die Wunden behandeln.

Diese Fotografie wurde am 20. Januar 1929 aufgenommen. Wo es hier den Berg hinunter ging kann ich leider nicht sagen. Auf dem vorderen Schlitten sitzt hinter dem Lenker Albert Schneider (Annekerts), dann vermutlich Anna Kuhl verh. Klaas und die 5. Person könnte meine Großmutter Laura Deneu verh. Kuhl sein.
Wie man auf dieser Aufnahme sieht, konnte man den Lenkschlitten auch zu zweit nutzen. Die beiden Männer sind vorne der Zahnarzt Willi Gast und hinter ihm sein Freund Gustav Weber, der später ins Ruhrgebiet ziehen und ebenfalls als Dentist arbeiten wird. Der Knirps am Straßenrand ist Friedel Schneider. Aufgenommen wurde das Foto um 1925. Doch auf welcher Straße ist es wohl entstanden und wem gehört das Anwesen im Hintergrund?

Wir gingen am Sonntag spazieren

Ein Sonntagsspaziergang in kleiner oder großer Runde war in den Jugendjahren meiner Großeltern ein willkommener Zeitvertreib. Die Ziele waren die umliegenden Dörfer und es ging durch Feld und Wald. Hier einige Impressionen solcher kleinen Ausflüge.

Anlässlich dieses Sonntagsausflugs, der vermutlich um 1933 stattfand, dichtete die Schwester meines Großvaters ein paar liebenswerte Zeilen: „Wir gingen am Sonntag spazieren wohl nach der Märchenmühl mit unsren Kavalieren, doch einer war zu viel. Der eine war der Richard, der andere Friederich. Der dritte war der Edmund und der war überich.“ Die besagte Märchenmühle war ein Nachbau in Miniaturformat und stand in der Nähe von Steimel. Kennt ein gebürtiger Steimeler den Standort jener Mühle oder besitzt sogar eine Fotografie? Zu sehen sind links Richard Becker, Sohn des Kaufhausbesitzers Otto Becker aus Puderbach, und neben ihm seine damalige Freundin Anna Kuhl. Die Verbindung war aber nicht von Dauer. In der Mitte der Metzgersohn Edmund Hottgenroth und rechts meine Großeltern Laura geb. Deneu und Friedrich Kuhl. Besonders beachtenswert finde ich die Kurzhaarfrisuren und den kecken Schlips, den meine Oma und ihre Schwägerin tragen.
Das Zahnarzt-Ehepaar Willy und Johanna Gast bei einem Spaziergang im Februar 1927. Die Aufnahme wurde in einer Höhle bei Reichenstein gemacht. Oder handelt es sich um einen Stolleneingang? Kennt ein gebürtiger Reichensteiner diesen Zugang?
Ein wunderbarer Sonntagsausflug in großer Runde um 1933. Am folgenden Bild finden Sie eine Namensliste angehängt.
Die Ausflügler wurden anscheinend bei Ankunft sogar verpflegt, wie der große Kochtopf zeigt. Vorne sitzend sind von links nach rechts zu sehen: Johanna Becker, Willi Heinrichs, Helene Velden (Kasches), Karl Öttgen und Karl Schäfer (Vollmanns). Dahinter von links nach rechts: Willi Hörder, Elisabeth Becker verh. Gabel, Friedrich Buscher, Karl Faust, hinter ihm Erich Udert (Christins), Elise Frauzem verh. Hachenberg aus Elgert, Wilhelm Born (Hoochspitterichs), Paul Velten (Schurrmes), Ernst Funk, Otto Deneu (Sannersch), Kurt Dills (Bäckersch) und …
Möglicherweise um 1935 entstand dieser Schnappschuß. Leider ist nicht bekannt, wo er aufgenommen wurde. Zu sehen sind von links nach rechts: Laura Deneu verh. Kuhl (Sannersch), Karl Noll, Luise Runkler verh. Velten (Andresen), Paul Velten (Schurrmes), Erna Bierbrauer verh. Schmidt, Friedrich Blum (Marotzefis), Käthe Velten verh. Projahn (Schurrmes) und Karl Göbler (Hennerichs)
Hier machen ein paar Sonntagsausflügler Station in der Pension „Auf der Heide“. Zu ihnen gehören ganz rechts der als Bierfahrer im Gasthof Kasche beschäftigte Ernst Kunz (Kasches) mit seiner Frau Pauline. In der Mitte, von den Damen untergehakt, steht Alfred Bachenberg (Scholzen). Dank der freundlichen Unterstützung der Familie Graß aus Puderbach konnte ich die Gaststätte des Willi Lindscheid lokalisieren. Sie befand sich im knapp 6 km entfernten Breitscheid. Willi und seine Frau hatten wohl einen geistig behinderten Sohn, der vermutlich im Zuge des NS-Euthanasieprogramms fortgebracht und ermordet wurde.

Badevergnügen

Jeder von uns weiß, wie wunderbar es ist, sich im Hochsommer im Freibad, an Baggerseen oder kleinen Flußläufen abzukühlen. In Urbach existiert seit dem Ende der 1920er Jahre das sogenannte Sommerbad. Ansonsten gab es zu jeder Zeit und kostenfrei den Holzbach, der früher auch rege von den Dorfbewohnern Puderbachs genutzt wurde.

Ein herrliches Bild vom Sommer des Jahres 1931. Es zeigt die jungen Männer Puderbachs in Badehose. Wo waren sie schwimmen gewesen bzw. hatten sie es überhaupt gelernt? Falls es das Freibad in Urbach schon gab, wäre das eine Möglichkeit gewesen. Ansonsten versprach der Holzbach eine Abkühlung zu jeder Zeit. Die Kleinen sind von links nach rechts: Walter Funk, Friedel Schneider (Annekerts) und Herbert Göbler (Hennerichs). Die Herren stehend sind: Albert Schneider (Annekerts), Paul Velten (Schurrmes), Karl Göbler (Hennerichs), Otto Deneu (Sannersch), Ernst Funk, Wilhelm Seitz und Otto Becker.
Der Zahnarzt Gast bringt im Juni 1941 seiner Tochter Ruth im eigens dafür angelegten Becken das Schwimmen bei. Dafür hat er eine Art Angel entwickelt, an der die Kleine wie ein Fisch hängt und er sie über Wasser halten kann. Ob die Nachbarskinder auch noch dran kommen? Von rechts nach links sind zu sehen: Luise Harrach, Gisela Becker, Waltraud Runkler verh. Gerard, Lore Gast verh. Seifert, Elsbeth Müller (Rusten), Inge Herzog und Hildegard Schwinn (Fenks). Kennen Sie vielleicht die verbleibenden Kinder?

Manchmal kann ein solches Badevergnügen auch zur Gefahr werden, wie der Fall von dem 1913 geborenen Paul Puderbach zeigt. Der Sohn des Schmiedemeisters vom Ackerweg ist am Sonntag, den 6. August 1933, ein heißer Sommertag, zum Holzbach gelaufen, um sich dort zu erfrischen. Vermutlich durch den erhitzen Körper und das kalte Wasser versagt der Kreislauf, er wird ohnmächtig und ertrinkt in dem Gewässer.

Einfach zusammenkommen

Die Gründe, um sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen, sind damals wie heute dieselben geblieben. Nach einer arbeitsreichen Woche schwatzt und lacht man miteinander, tauscht Neuigkeiten aus, drischt die Karten und genehmigt sich vielleicht ein kühles Getränk.

Vermutlich für einen sonntäglichen Plausch sitzen hier im Hof der „Kasches-Schmidts“ die jungen Leute der Nachbarschaft zusammen. Die drei ganz Kleinen sind mir leider nicht bekannt, könnten aber Verwandte der Familie Schmidt sein. Alle anderen sind von links nach rechts: Anna Schmidt verh. Barth, Paul Puderbach, Erich Udert (Christins), Otto Born (Herwescheds), Friedrich Buscher, Willi Hörder, Otto Deneu (Sannersch) und die Geschwister Wilhelm und Erna Born verh. Spies (Hoochspitterichs). Entstanden ist das Foto vermutlich um 1933.
Hier haben sich fünf junge Frauen aus dem Kirchdorf vor dem Haus der Familie Weber versammelt. Von links nach rechts sind zu sehen: Laura Deneu verh. Kuhl (Sannersch), Hilda Velten (Schurrmes), Emma Hörder verh. Schneider, Bertha Brauer verh. Hoffmann (Hoochs) und Käthe Velten verh. Projahn (Schurrmes). Entstanden wird das Bild um 1930 sein. Und unten sehen Sie, wie die Damen quietschvergnügt die Urbacher Straße hinunter flanieren.
Was halten Willi Hörder und Emil Schmidt (Kasches-Schmidts) da wohl Interessantes in der Hand? Ich vermute, es ist Ostern und die beiden detschen ihre gefärbten Eier. Anna Brauer (Hoochs) ist die Schiedsrichterin in dieser heiteren Runde.
Diese Kartenspieler sind bei der Familie Seitz im Mühlendorf zusammengekommen. Von links nach rechts sind zu sehen: Philipp Born (Muschender), Ernst Velten (Schurrmes/aus dem Mühlendorf), Otto Born (Herwescheds), Emil Seitz, Otto Deneu (Sannersch) und Otto Bachenberg (Scholze).
Ruhig und sehr konzentriert sitzen Karl Oettgen (links) und Willi Zerres (rechts) vor ihrer begonnenen Schachpartie. Man könnte vermutlich eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam betrachten sie das Spielbrett. Wer mag wohl der beobachtende Dritte sein? Die Aufnahme enstand vermutlich um 1933.

Hausmusik

Geige, Mandoline, Waldzither…an diesen Musikinstrumenten üben sich die Jugendlichen der 20er und 30er Jahre. Zum Musizieren trifft man sich an kalten Wintertagen in den wohlig warmen Wohnstuben. Bei gutem Wetter fiedelt und zupft man unterwegs bei den sonntäglichen Spaziergängen und an lauen Sommerabenden trifft man sich vor den Häusern und spielt und singt, bis das halbe Dorf zusammen kommt.

Eine wunderbare Fotografie um 1930 aus der Küche der Familie Velten (Schurrmes) auf der Urbacher Straße. Es scheint Winter zu sein, denn die jungen Damen tragen keine leichten Blusen, sondern gestrickte Oberteile. Vorne am improvisierten Schlagzeug sieht man Willi Hachenberg (Abels). In der 2. Reihe von links nach rechts stehen: mit Mandoline Käthe Velten verh. Projahn (Schurrmes), Laura Deneu verh. Kuhl (Sannersch), mit Waldzither Wilhelm Fuchs von der Hölzjes Mühle (Fusse), Luise Runkler verh. Velten (Andreesen bzw. Schurrmes) und ebenfalls mit Mandoline Anna Kuhl verh. Klaas (Schlössersch). 2 Reihe: mit Geige Edmund Abel aus Schöneberg, der Lehrjunge bei dem Uhrengeschäft Hobbach war, mit Waldzither Alfred Schuh (Kläfonks), mit Waldzither Eduard Oettgen und mit Geige Alfred Dorr.
Am selben Abend zu vorgerückter Stunde entstand dieses Bild. Zu sehen sind links Laura Deneu verh. Kuhl mit einer Zither, in der Mitte Luise Runkler verh. Velten mit Mandoline und rechts Anna Kuhl verh. Klaas ebenfalls mit Zither. Sind die Damen so ausgelassen fröhlich, weil sie sich ein Bierchen genehmigt haben? Da steht auf jeden Fall eine Flasche zu ihren Füßen.
Eines meiner liebsten Bilder der Hausmusik-Runde. Entstanden ist es um 1930 bei einem Sonntagsspaziergang Richtung Hölzjes Mühle. Die jungen Frauen auf der Holzbank sind von links nach rechts: Laura Deneu verh. Kuhl (Sannersch), Luise Runkler verh. Velten (Andreesen bzw. Schurrmes), Erna Weingarten verh. Engfer, Käthe Velten verh. Projahn (Schurrmes) und Anna Kuhl verh. Klaas (Schlössersch). In der hinteren Reihe sieht man: Friedrich Blum (Marotzefis), Emil Schneider (Anstrichers), Alfred Schuh (Kläfonks), der Lehrjunge Edmund Abel aus Schöneberg, Kurt Dills und Willi Hachenberg (Abels).

Besuch der Verwandten im Ruhrgebiet

Für meine Großmutter war der vierwöchige Aufenthalt bei Verwandten in Essen, der vermutlich im Jahr 1929 stattgefunden hat, ein ganz besonderes und unvergessliches Erlebnis. Mit leuchtenden Augen erzählte sie mir immer wieder von diesen Tagen.

Rechts meine Großmutter Laura bei ihrem Besuch in Essen 1929.
Das Abenteuer beginnt

Das Abenteuer beginnt damit, daß eines schönen Tages die Tante Emilie Ewert, die mit ihrem Mann Karl in Essen lebt, die „Sannersch“ in Puderbach besucht. Milchen ist eine geborene Deneu und eine Tante meines Urgroßvaters Heinrich. Sie dringt darauf, meine Großmutter zu einem Besuch in den „Pott“ mitzunehmen. Nach einigem hin und her willigen meine Urgroßeltern ein. Schnell wird ein Koffer mit den schicksten Sachen gepackt, die der Kleiderschrank hergibt. Auch die Waldzither wird auf die Reise mitgenommen. Vom Puderbacher Bahnhof geht es ab in die Ruhrmetropole.

Dem Alltag des Bauernhofs entflohen

Normalerweise ist auch meine Großmutter Laura fest in den Arbeitsalltag des Bauernhofs eingespannt. Schon in aller Frühe beginnen die zu erledigenden Arbeiten. Gerade zur Erntezeit kennen die Tage kein Ende. Hier bei den Verwandten in Essen ist alles ganz anders. Sie darf mit Sicherheit ausschlafen. Die Tante unternimmt Ausflüge in die Stadt oder Umgegend mit ihr, vielleicht bekommt sie auch etwas Neues zum Anziehen gekauft.

Ganz rechts sieht man die 1870 in Hemmelzen geborene Emilie Ewert geb. Deneu, die zusammen mit ihrem Mann Karl auf der Suche nach Arbeit ins Ruhrgebiet verzieht. Neben ihr steht Helene Münker geb. Worch, von allen nur liebevoll Helly genannt. Dann folgt meine Großmutter Laura, die einen schicken Mantel mit Pelzbesatz trägt, der bei der Familie Leopold Aron, von den Dorfbewohnern „Jonasens“ gerufen, gekauft wurde. Vor ihr im Matrosenanzug steht Helmut, der Sohn von Otto und Helly Münker.
Bei den Ewerts

Wo genau die Ewerts in Essen wohnten, konnte sich meine Großmutter nicht mehr erinnern. Es muß wohl eine großer Fußballplatz in der Nähe gewesen sein. Karl und Emilie haben vier Söhne, die dafür sorgen, daß es in ihrer Wohnung immer lebhaft und trubelig zugeht. Besonders der jüngste Sohn Otto hat ein besonders enges Verhältnis zu der Puderbacher Verwandtschaft. Es gibt die wunderbare Anekdote, daß er als Kind die Ferien auf dem Bauernhof der „Sannersch“ verbringt. Morgens in aller Frühe werden die Kinder von meinem Urgroßvater Heinrich mit dem Ruf „Laura opp (auf), Otto opp, Essener Otto opp“ aus den Betten geholt.

Otto Ewert, hier mit der Nummer 1 zu sehen, wird Ende der 1940er Jahre mit seiner Familie nach Puderbach ziehen. Hier leitet er zusammen mit Wilfried Puderbach bis in die 1950er Jahre die Zweigstelle der Rhein-Zeitung. Auf dem Foto scheint er mit etlichen Puderbacher Jugendlichen unterwegs zu sein. Nummeriert sehen Sie 2 Friedhelm Schmidt und 4 seinen Bruder Karl-Heinz (Herwetspittersch), 3 Hans Pangert und 5 Reinhold Zerres. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild? Und wo befindet sich das Restaurant „Waldesruh“ im Hintergrund?
Bei den Münkers
Ich vermute, daß es sich bei dieser Aufnahme um die Familie Münker aus Bochum handelt. Mit Gitarre sieht man Otto Münker, dessen Großmutter Henriette eine geborene Sanner war. Er wird 1879 in Fladersbach bei Altenkirchen geboren. Wann die Familie ins Ruhrgebiet verzogen ist, ist mir leider nicht bekannt.

Nach zwei wunderbaren Wochen nehmen sich die Münkers meiner Großmutter an. Otto Münker, dessen Großmutter eine geborene Sanner ist, seine Frau Helly und die beiden Söhnen Rolf und Helmut wohnen in der Adelkampstraße im Stadtteil Essen/Frohnhausen. Durch seine Arbeit als Abteilungsleiter beim Rheinisch-Westfälischen-Kohlesyndikat wird die Familie in gutbürgerlichen Verhältnissen gelebt haben.

Bei einem gemeinsamen Ausflug während ihres Aufenthalts in Essen. Von links nach rechts sieht man Helmut Münker, meine Großmutter Laura Deneu verh. Kuhl, der Abteilungsleiter vom Kohlesyndikat Otto Münker, seine Frau Helene/Helly Münker geb. Worch, vor ihr der Sohn Rolf und ganz rechts Willi Ewert, ein Sohn der Tante Emilie.
Essener Prater

Die Münkers nehmen meine Oma mit in den „Essener Prater“, einen Vergnügungspark auf dem heutigen Gelände des Grugaparks, der 1926 nach Wiener Vorbild entsteht und 1930 wegen der Weltwirtschaftskrise bereits wieder schließen muß.

Bei den Münkers kommt dann auch die Waldzither zum Einsatz. Immer wieder muß meine Großmutter für den Onkel Otto das Volkslied „Waldeslust“ singen und sich mit dem Instrument dazu begleiten.

Zurück im Alltag

Nach einem Monat voller neuer Eindrücke geht es mit dem Zug und in Begleitung eines Mannes aus Bauscheid zurück in den Westerwald. Doch kaum das sie den Bauernhof der Familie betritt, beginnt für sie der altbekannte Arbeitstrott. Sie wird ohne großes Aufhebens aufs Feld zum Klee holen geschickt.

Karoline Kuhl in Bochum

Meine Großmutter ist nicht die einzige, die ihre Verwandten im Ruhrgebiet besucht. Auch die Schwester meines Großvaters wird 1935 einige Wochen bei ihrer Tante und deren Kindern in Bochum verbringen.

Vorne im Gras knieend sieht man Karoline Kuhl, die älteste Schwester meines Großvaters. Sie umarmt ihre beiden Cousinen Frieda und Anna Schmidt. Links hinter ihr, im dunklen Kleid mit weißem Kragen, steht ihre Tante Christine. Erkennt ein Bochumer vielleicht weitere Personen auf dem Bild?

Von Sängerfesten und anderen Geselligkeiten

Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wo dieses Sängerfest um 1928 stattfand. Zu sehen sind von links nach rechts: Friedrich Born (Hoochspitterichs), neben ihm Werner Brauer (Hoochs) die 2. Dame im weißen Kleid Erika Velden verh. Lübke (Kasches) und ganz rechts Wilhelm Schäfer (Wenersch).

Die Feste in den Dörfern der Gegend und in Puderbach selbst sind willkommene Gelegenheiten, der Arbeit und dem Alltag der Woche zu entfliehen. Meine Großmutter erinnerte sich an ein Sängerfest in Neitzert, zu dem sie mit ihrer besten Freundin Käthe Velten aufbrach. Die beiden besitzen bereits ein Fahrrad, sodas sie nur eine gute halbe bis dreiviertel Stunde bis zur Ankunft brauchen. Der Tag vergeht wie im Flug, man trifft Freunde und Bekannte und amüsiert sich köstlich. Erst bei einbrechender Dunkelheit machen sich die beiden Frauen auf den Rückweg. In den Waldstücken ist es stockfinster und nur die Fahrradlampe bietet ein wenig Licht. Als sie die Puderbacher Ortsgrenze erreichen, stehen da plötzlich mitten auf der Straße ein paar Strohgarben, in die die erschrockenen Fahrradfahrerinnen hineinrasen. Ein paar Spaßvögel der Hochzeitsgesellschaft von Ernst Dorr hatten die Bündel mitten auf dem Weg gestellt.

In späteren Jahren konnte ich durch die erwähnte Hochzeit das Datum des Ausfluges recherchieren. Es handelt sich um Sonntag, den 27. Juli 1930.

Hier eine Betriebsfeier der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Firma Afflerbach um 1935. Wie man sieht, waren auch die Familienangehörigen eingeladen. Erkennen Sie einige der Personen auf dem Bild?
Ein Sprung in die beginnenden 1960er Jahre. Es muß früh gewesen sein, als die vier jungen Männer hier im noch fast leeren Festzelt zusammengekommen sind. In ein paar Stunden werden alle Bänke besetzt sein. Von links nach rechts sind zu sehen: Hans Kuhl (Schlössersch), Harald Oettgen, Hans Weber und Siegmar Neitzert.
Man spürt förmlich die geräuschvolle Atmosphäre im mehr als gut besuchten Bierzelt. Die Stimmung ist ausgelassen, irgendwo spielt die Musik, man unterhält sich entsprechend laut. Winkend mein Vater Hans Kuhl (Schlössersch) und rechts neben ihm der nach Rodenbach verheiratete Egon Schmidt (Fonks). Auch diese Aufnahme müßte Anfang der 1960er Jahre entstanden sein.
Daß muß eine wunderbarer Spaß auf dem Sportfest gewesen sein! Hier haben sich die Feiernden für den Fotografen auf einer Wiese niedergelassen, die, wie es mir scheint, der Bolzplatz am Dorfgemeinschaftshaus sein könnte. Durchnummeriert sind zu sehen: 1 Karl-Jürgen Velten (Schurrmes), 2 Günther Schuh, 3 Renate verh. Schäfer (Vollmanns), 4 der sportbegeisterte Werner Kunz (Wenersch), 5 Hermine Flatt verh. Schmidt, 6 der Friseur Lothar Schäfer (Vollmanns), 7 seine Mutter Vera, 8 Hans Kuhl (Schlössersch), 9 Ute Bachenberg, 10 die aus Skandinavien stammende Greta verh. Kunz (Wenersch), 11 Renate verh. Velten (Schurrmes), 12 Helene Velden (Kasches), 13 Gustav Neumann, 14 Friedhelm Horn und 15 ein Verwandter der Familie Flatt.