Schule in Puderbach

Im Vordergrund sieht man die Schule der Jahre 1842 bis 1890 auf der sogenannten „Kirchenbitz“, der heutigen Friedensstraße. Zuvor wurde in einem alten Fachwerkbau auf dem Ackerweg in der Nähe der Kirche unterrichtet.
Die alten Schulhäuser Puderbachs

Fast 50 Jahre findet der Schulunterricht für die Puderbacher Kinder in einem Fachwerkgebäude am Ackerweg, in unmittelbarer Nähe zur Kirche, statt. Vermutlich auf Grund steigender Schülerzahlen und der Baufälligkeit des bisherigen Schulhauses, wird der Unterricht 1842 in ein neu errichtetes Gebäude auf der sogenannten „Kirchbitz“ verlegt. Doch bereits um 1886 wird vom Schulvorstand ein weiterer Neubau erwogen, der dieses Mal im Mühlendorf enstehen soll. 1891 wird er feierlich eingeweiht.

Ein Blick vom Mühlendorf über das 1891 fertigestellte Schulgebäude hinüber auf den Kirchberg. Die Aufnahme dürfte um 1905 entstanden sein und wurde von der Firma, die die Postkarte herstellte, leicht retuschiert. Könnte das Gebäude im Vordergrund, vor dem eigentlichen Schulhaus, die Turnhalle des Ortes sein, wo die Mitglieder des Turnvereins ihre Übungsstunden abhielten?
Schulunterricht nicht nur in Puderbach

In dem Kapitel über meinen Urururgroßvater Simon Kuhl, der Schullehrer in Muscheid war, bekommt man einen Eindruck, wie das Schulwesen bis zum Ende des 2. Weltkriegs aussah. Die Schüler und Schülerinnen gingen nicht wie heute auf eine große Gesamtschule, sondern der Unterricht fand in mehreren über die Dörfer verteilten Schulgebäuden statt. Es gab eine Schule in Puderbach, in der auch die Kinder von Niederdreis unterrichtet wurden; desweiteren Schulhäuser in Weroth, Woldert, seit 1857 eines für Reichenstein und deren umliegende Dörfer Richert und Haberscheid, sowie die sogenannte Höferschule für die Ortschaften Breitscheid, Bauscheid, Döttesfeld und Oberähren und die Schule an der Lieweck, zu der die Kinder aus Muscheid, Werlenbach und Daufenbach gingen. Später wird die Lieweck aufgelöst und Muscheid und Daufenbach bekommen ein eigenes Schulgebäude.

Dies ist das älteste mir bekannte Schulfoto aus dem Jahr 1898 vor dem neuerbauten Schulgebäude im Mühlendorf. Die meisten Schüler gehörten zu den Jahrgängen 1888 bis 1891. Das Bild stammt aus dem Besitz der Familie Meffert bzw. Hoffmann. Leider ist das „Mefferts Hilde“ schon vor einigen Jahren gestorben. Sie war eine unerschöpfliche Informationsquelle. Dafür sei ihr nachträglich gedankt! Von links nach rechts sind jeweils zu sehen 1. Reihe: etwas abgeschnitten Christian Bierbrauer, Pauline Bay verh. Frohwein, Mina Schäfer verh. Kunz (Wenersch), ihre Schwester Luise Schäfer, …, Anna Göbler, „Lennertz Futsch“ Tochter der früheren Besitzer des Gasthof Kasche, 7 Personen unbekannt, ganz rechts in der Reihe Hermann Wolff. 2. Reihe: 2 Personen unbekannt, die körperliche behinderte Sophie Katharina Lichtenthäler, 2 Personen unbekannt, Katharina Runkler, …, Christine Schüler, Wilhelmine Meffert verh. Frohwein, ihre Schwester Bertha Meffert verh. Hoffmann, Luise Frohn verh. Siegel aus Niederdreis (Hammuns Wischen), ihre Schwester Lisette Frohn verh. Neitzert (Hammuns Settchen), Karoline Wieser aus Niederdreis, ihre Schwester Sophie Wieser verh. Klaas , Karoline Funk verh. Schuh (Fonks bzw. Kläfonks), … 3. Reihe: Otto Schneider (Gruusschäfersch), sein Bruder Simon Schneider , …, Karl Bay, 9 Personen unbekannt. 4. Reihe: 2 Personen unbekannt, Emil Kuhl (Schlössersch), Wilhelm Löhr (Schoopittersch), …, Karl Becker (Sohn d. Lehrer Beckers), 7 Personen unbekannt. Zum Schluß sei ganz rechts Lehrer Philipp Becker erwähnt. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?
Lehrer Philipp Becker

Geboren wird Philipp Wilhelm Simon Becker, wie er mit ganzem Namen heißt, am 12. Januar 1839 in Puderbach als viertes Kind des Lehrers Joh. Wilhelm Becker und seiner Frau Kath. Philippine eine geborene Kambeck. Sein Großvater Joh. Heinrich war bereits Kirchspiels-Präceptor in Raubach gewesen. So wundert es nicht das Philipp in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt. Nach seiner Ausbildung, die er u.a. von seinem Vater erhalten haben wird, nimmt er die frei werdende Lehrerstelle in Daufenbach an. Spätestens 1875 wechselt er dann an die Schule zu Puderbach und wird hier bis 1909 den Schuldienst versehen. Angemerkt sei, daß sein Sohn Otto und dessen Frau Wilhelmine das Kaufhaus Becker an der Ecke Steimeler Straße/Hauptstraße begründen werden.

Bei dieser Aufnahme bin ich auf Ihre tatkräftige Hilfe angewiesen. Leider kenne ich bisher nur eine einzige Person auf dem Bild. In der hintersten Reihe ist die 4. Person von links der 1895 geborene Philipp Born (Muschender). Daher muß das Foto um 1901/02 entstanden sein. Ganz rechts Herr Philipp Becker, der bis ins Jahr 1909 als Lehrer in Puderbach tätig war.
Lehrer Anton Siegel

Nach der Pensionierung des Lehrer Becker wird Anton Siegel die Hauptlehrerstelle übernehmen. Der 1858 in Anhausen geborene Siegel hat von 1878 bis 1889 die Lehrerstelle in Weroth verwaltet. Im Anschluß wird er die vermutlich um 1890 eingerichtete Zweitlehrerstelle in Puderbach besetzen. Neben seiner Lehrtätigkeit versieht er mit kleinen Unterbechungen das Amt des Organisten an der hiesigen Kirche. Seinen Ruhestand, den er 1923 antritt, kann er nicht mehr genießen, da er bereits am 25. Dezember 1924 verstirbt.

Auf dieser Karte von Puderbach, die im August 1900 verschickt wurde, teilt Karl, der Sohn des Lehrers Anton Siegel, der Familie mit, daß er erfolgreich die Prüfung für die Präparandenschule bestanden hat. Diese Präparandenanstalten bildeten junge Männer zu Volksschullehrern aus. Wie er schreibt, begann der Schulunterricht am 12. September desselben Jahres.
Anekdote

Sicherlich hatten unter der Strenge des Lehrer Siegels alle Schulkinder zu leiden, besonders aber der kleinwüchsige Gustav Bär. Wenn später die Dorfbewohner den „Heims Gustav“ scherzhaft ansprachen und meinten, die Puderbacher Schule stünde in Flammen, meinte er nur trocken: „Was nützt das, wenn der Siegel nicht drin ist!“

Um 1916 wird diese Aufnahme vor der alten Schule mit den Jahrgängen 1906 bis 1909 entstanden sein. In der Mitte der Hauptlehrer Anton Siegel. Von links nach rechts sind jeweils zu sehen: 1. Reihe Willi/Wilhelm Letschert a. Niederdreis, Willi/Wilhelm Spies, Wilhelm Hoffmann a. Niederdreis, Hugo Buscher und Willi/Wilhelm Rodenbach a. Niederdreis. 2. Reihe Emilie Funk, mglw. Hertha Aron, Sabine Kurz a. Niederdreis, Karoline Schäfer, Hilde Udert, Auguste Staatsmann, Klara Reinhard, Emilie Leis a. Niederdreis, Karoline Kuhl, Johanna Kraus verh. Dills, Anna Born und Hilde Heydorn a. Niederdreis. 3. Reihe Carola Schneider, Anna Schmidt verh. Barth, …, Luise Blum, …, Lehrer Siegel, Else Staatsmann, Toni Schneider verh. Schäfer, Marie Louise Dorr, Hilde Born, Anna Brauer und Rosa Blum 4. Reihe Friedrich Kuhl, Gustav Schneider, Kurt Staatsmann, Alfred Spies, Emil Seitz, Albert Schneider, Werner o. Otto Dorr, Walter Spies, Rudi Holderer a. Niederdreis, August Frohn und Egon Hülpüsch. 5. Reihe mglw. Karl Noll, Willi Scharfenstein, Friedrich Buscher, Karl Oettgen, Emil Schneider, Emil Schmidt, Ewald Blum, Otto Hehn, Werner Dorr, … und Emil Runkler.
Dieses Schulfoto wird um 1918 entstanden sein und zeigt den Lehrer Abresch mit den Jahrgängen 1910 bis 1913. Von links nach rechts sind jeweils zu sehen: 1. Reihe Hildegard Funk verh. Runkel, Emil Born, Karl Runkler, Erich Udert, Erwin Blum, Erich Noll, Otto Born, Paul Scharfenstein und Elli Hoffmann verh. Laaks. 2. Reihe Else Funk verh. Schneider, …, Ida Kuhl verh. Velten, Anna Kuhl verh. Klaas, Emma Buscher, Hilde Kurz a. Niederdreis, …, Erna Weingarten verh. Engfer, Luise Kurz a. Niederdreis, Lina Letschert a. Niederdreis, Irene Bär, Elisabeth Becker verh. Gabel, Inge Hülpüsch, Emma Hörder und Käthe Velten verh. Projahn. 3. Reihe Frieda Starrmann a. Niederdreis, Leni Göbler a. Niederdreis, Laura Deneu verh. Kuhl, Rosa Hottgenroth, Irene Scharfenstein, Lina Funk, Charlotte Kambeck, Hertha Wieser a. Niederdreis, Mina Schäfer, Klara Hachenberg, Frieda Blum, Hilda Velten, Else Puderbach verh. Faust, Bertha Brauer verh. Hoffmann, Hedwig Schäfer und Margarethe Born verh. Velten. 4. Reihe Alfred Spies, Paul Starrmann a. Niederdreis, Richard Becker, Willi Hörder, Karl Göbler, Ludwig Aron, Lehrer Abresch, Otto Bachenberg, Wilhelm Born, Willi Schneider, Eugen Wippenbeck, Karl Leis a. Niederdreis und August Laquet. 5. Reihe Friedrich Blum, Hans Heydorn a. Niederdreis, Willi Hachenberg, Paul Noll, Paul Velten, Christian Marth, Paul Blum, Erich Mayer, Otto Deneu, …, Ernst Funk und Alfred Bachenberg.