Schule in Puderbach

Auf dieser feinen Federzeichnung aus dem 19. Jahrhundert sieht man die alte romanische Kirche, die 1885 abgetragen und durch den heutigen Kirchenbau ersetzt wurde. Links neben dem baufälligen Gotteshaus erkennt man das frühere Schulgebäude. Es blieb bis 1842 in Betrieb, ehe es durch die neuerbaute Schule auf der Kirchbitz ersetzt wurde.

Die alten Schulhäuser Puderbachs

Fast 50 Jahre findet der Schulunterricht für die Puderbacher Kinder in einem Fachwerkgebäude am Ackerweg, in unmittelbarer Nähe zur Kirche, statt. Auf Grund steigender Schülerzahlen und der Baufälligkeit des bisherigen Schulhauses verlegt man den Unterricht 1842 in ein neu errichtetes Gebäude auf der sogenannten „Kirchbitz“. Doch bereits um 1886 erwägt der Schulvorstand einen weiteren, größeren Neubau, der dieses Mal im Mühlendorf enstehen soll. 1891 sind die Bauarbeiten abgeschlossen und das ganze Dorf nimmt an der feierlichen Einweihung teil.

Im Vordergrund sieht man die Schule der Jahre 1842 bis 1890 auf der sogenannten „Kirchenbitz“, der heutigen Friedensstraße. Zuvor wurde in einem alten Fachwerkbau auf dem Ackerweg in der Nähe der Kirche unterrichtet.
Ein Blick vom Mühlendorf über das 1891 fertigestellte Schulgebäude hinüber auf den Kirchberg. Die Aufnahme dürfte um 1905 entstanden sein und wurde von der Firma, die die Postkarte herstellte, leicht retuschiert. Könnte das Gebäude im Vordergrund, vor dem eigentlichen Schulhaus, die Turnhalle des Ortes sein, wo die Mitglieder des Turnvereins ihre Übungsstunden abhielten?

Schulunterricht nicht nur in Puderbach

In dem Kapitel über meinen Urururgroßvater Simon Kuhl, der Schullehrer in Muscheid war, bekommt man einen Eindruck, wie das Schulwesen bis zum Ende des 2. Weltkriegs aussah. Die Schüler und Schülerinnen gingen nicht wie heute auf eine große Gesamtschule, sondern der Unterricht fand in mehreren über die Dörfer verteilten Schulgebäuden statt. Es gab eine Schule in Puderbach, in der auch die Kinder von Niederdreis unterrichtet wurden; desweiteren Schulhäuser in Weroth, Woldert, seit 1857 eines für Reichenstein und deren umliegende Dörfer Richert und Haberscheid, sowie die sogenannte Höferschule für die Ortschaften Breitscheid, Bauscheid, Döttesfeld und Oberähren und die Schule an der Lieweck, zu der die Kinder aus Muscheid, Werlenbach und Daufenbach gingen. Später wird die Lieweck aufgelöst und Muscheid und Daufenbach bekommen ein eigenes Schulgebäude.

Dies ist das älteste mir bekannte Schulfoto aus dem Jahr 1898 vor dem neuerbauten Schulgebäude im Mühlendorf. Die meisten Schüler gehörten zu den Jahrgängen 1888 bis 1891. Das Bild stammt aus dem Besitz der Familie Meffert bzw. Hoffmann. Leider ist das „Mefferts Hilde“ schon vor einigen Jahren gestorben. Sie war eine unerschöpfliche Informationsquelle. Dafür sei ihr nachträglich gedankt! Von links nach rechts sind jeweils zu sehen 1. Reihe: etwas abgeschnitten Christian Bierbrauer, Pauline Bay verh. Frohwein, Mina Schäfer verh. Kunz (Wenersch), ihre Schwester Luise Schäfer, …, Anna Göbler, „Lennertz Futsch“ Tochter der früheren Besitzer des Gasthof Kasche, 7 Personen unbekannt, ganz rechts in der Reihe Hermann Wolff. 2. Reihe: 2 Personen unbekannt, die körperliche behinderte Sophie Katharina Lichtenthäler, 2 Personen unbekannt, Katharina Runkler, …, Christine Schüler, Wilhelmine Meffert verh. Frohwein, ihre Schwester Bertha Meffert verh. Hoffmann, Luise Frohn verh. Siegel aus Niederdreis (Hammuns Wischen), ihre Schwester Lisette Frohn verh. Neitzert (Hammuns Settchen), Karoline Wieser aus Niederdreis, ihre Schwester Sophie Wieser verh. Klaas , Karoline Funk verh. Schuh (Fonks bzw. Kläfonks), … 3. Reihe: Otto Schneider (Gruusschäfersch), sein Bruder Simon Schneider , …, Karl Bay, 9 Personen unbekannt. 4. Reihe: 2 Personen unbekannt, Emil Kuhl (Schlössersch), Wilhelm Löhr (Schoopittersch), …, Karl Becker (Sohn d. Lehrer Beckers), 7 Personen unbekannt. Zum Schluß sei ganz rechts Lehrer Philipp Becker erwähnt. Erkennen Sie weitere Personen auf dem Bild?

Lehrer Wilhelm Rüdig

Im April 1869 tritt der zuvor in Oberraden tätige Schullehrer Wilhelm Rüdig die frei werdende Lehrerstelle in Puderbach an. Neben seiner pädagogischen Tätigkeit bekommt er auch das Amt des Küsters, Glöckners und Organisten an der evangelischen Kirchengemeinde zugewiesen.

Das Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Koblenz berichtet in seiner Ausgabe vom 15. April 1869 von dem personellen Wechsel an der Puderbacher Schule.

Lehrer Philipp Becker

Geboren wird Philipp Wilhelm Simon Becker, wie er mit ganzem Namen heißt, am 12. Januar 1839 in Puderbach als viertes Kind des Lehrers Joh. Wilhelm Becker und seiner Frau Kath. Philippine einer geborenen Kambeck. Sein Großvater Joh. Heinrich war bereits Kirchspiels-Präceptor in Raubach gewesen. So wundert es nicht das Philipp in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt. Nach seiner Ausbildung, die er u.a. von seinem Vater erhalten haben wird, nimmt er die frei werdende Lehrerstelle in Daufenbach an. Spätestens 1875 wechselt er dann an die Schule zu Puderbach und versieht hier den Schuldienst bis ins Jahr 1909. Angemerkt sei, daß sein Sohn Otto und dessen Frau Wilhelmine das Kaufhaus Becker an der Ecke Steimeler Straße/Hauptstraße begründen werden.

Bei dieser Aufnahme bin ich auf Ihre tatkräftige Hilfe angewiesen. Leider kenne ich bisher nur eine einzige Person auf dem Bild. In der hintersten Reihe ist die 4. Person von links der 1895 geborene Philipp Born (Muschender). Daher muß das Foto um 1901/02 entstanden sein. Ganz rechts Herr Philipp Becker, der bis ins Jahr 1909 als Lehrer in Puderbach tätig war.
Simon und Wilhelmine Scheiderer dürften sehr zufrieden mit den schulischen Leistungen ihres Sohnes Wilhelm gewesen sein. In allen Fächern seines Schulabschlußzeugnisses vom 20. März 1902 erhält er ein „gut“.
Da bis zur Gründung der Weimarer Republik die Kirche den Schulunterricht stark überwacht und kontrolliert, wundert es einen nicht, daß Fächer wie biblische Geschichte, Katechismus und Kirchenlied an erster Stelle stehen und das Pfarrer Mohn als Lokal-Schulinspektor das Zeugnis mit seiner Unterschrift verifiziert. (Beitrag vom 30. Oktober 2021)

Lehrer Anton Siegel

Nach der Pensionierung des Lehrer Becker übernimmt der 1858 in Anhausen geborene Anton Siegel die Hauptlehrerstelle. Von 1878 bis 1889 hatte dieser bereits die Lehrerstelle in Weroth verwaltet. 1890 folgte die Anstellung als Zweitlehrer in Puderbach. Neben seiner Lehrtätigkeit versieht er mit kleinen Unterbechungen das Amt des Organisten an der hiesigen Kirche. Seinen Ruhestand, den er 1923 antritt, kann er nicht mehr genießen, da er bereits am 25. Dezember 1924 verstirbt.

Um 1908 entsteht dieses wunderschöne Klassenfoto mit dem zu dieser Zeit als Zweitlehrer angestellten Anton Siegel. Die Schulkinder sind um 1901 bzw. 1902 geboren und vier von ihnen kann ich namentlich zuordnen. Da wäre mit der Nummer 1 die am 29. Januar 1901 geborene Karoline Born, „Hoochspitterichs“ genannt, die 1922 Karl Klein heiratet und später ins Ruhrgebiet verzieht. Mit der Nummer 2 sehen wir Otto Löhr von der Steimeler Straße, „Schohpittersch“ gerufen, der am 9. März 1902 zur Welt kommt. Die Nummer 3 ist der viel zu früh verstorbene Sohn der Stricklehrerin Katharina Träger. Emil, geboren am 17. April 1902, stirbt mit gerade mal 15 Jahren an Kehlkopfkrebs. Und die Nummer 4 ist der Sohn des Landwirts Philipp Blum. Karl erblickt am 22. November 1901 das Licht der Welt. Doch wer sind die anderen Kinder auf diesem Bild? Erkennen Sie ihren eigenen Angehörigen? Über ihre Mithilfe bei der weiteren Zuordnung würde ich mich sehr freuen! (Beitrag vom 30. Oktober 2021)
Auf dieser Karte von Puderbach, die im August 1900 verschickt wurde, teilt Karl, der Sohn des Lehrers Anton Siegel, der Familie mit, daß er erfolgreich die Prüfung für die Präparandenschule bestanden hat. Diese Präparandenanstalten bildeten junge Männer zu Volksschullehrern aus. Wie er schreibt, begann der Schulunterricht am 12. September desselben Jahres.
Anekdote

Sicherlich hatten unter der Strenge und den Züchtigungen des Lehrer Siegels alle Schulkinder zu leiden, besonders aber der kleinwüchsige Gustav Bär. Wenn später die Dorfbewohner den „Heims Gustav“ scherzhaft ansprachen und meinten, die Puderbacher Schule stünde in Flammen, meinte er nur trocken: „Was nützt das, wenn der Siegel nicht drin ist!“

Um 1919 versammeln sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1906 bis 1909 mit ihrem Hauptlehrer Anton Siegel für den Fotografen vor dem Gebäude der alten Schule. Von links nach rechts sind jeweils zu sehen: 1. Reihe Willi/Wilhelm Letschert a. Niederdreis, Willi/Wilhelm Spies, Wilhelm Hoffmann a. Niederdreis, Hugo Buscher und Willi/Wilhelm Rodenbach a. Niederdreis. 2. Reihe Emilie Funk, mglw. Hertha Aron, Sabine Kurz a. Niederdreis, Karoline Schäfer, Hilde Udert, Auguste Staatsmann, Klara Reinhard, Emilie Leis a. Niederdreis, Karoline Kuhl, Johanna Kraus verh. Dills, Anna Born und Hilde Heydorn a. Niederdreis. 3. Reihe Carola Schneider, Anna Schmidt verh. Barth, …, Luise Blum, …, Lehrer Siegel, Else Staatsmann, Toni Schneider verh. Schäfer, Marie Louise Dorr, Hilde Born, Anna Brauer und Rosa Blum 4. Reihe Friedrich Kuhl, Gustav Schneider, Kurt Staatsmann, Alfred Spies, Emil Seitz, Albert Schneider, Werner o. Otto Dorr, Walter Spies, Rudi Holderer a. Niederdreis, August Frohn und Egon Hülpüsch. 5. Reihe mglw. Karl Noll, Willi Scharfenstein, Friedrich Buscher, Karl Oettgen, Emil Schneider, Emil Schmidt, Ewald Blum, Otto Hehn, Werner Dorr, … und Emil Runkler.
Vermutlich zum gleichen Zeitpunkt wie oben entsteht die Aufnahme der Jahrgänge 1910 bis 1913 mit dem Zweitlehrer Ludwig Abresch. Von links nach rechts sind jeweils zu sehen: 1. Reihe Hildegard Funk verh. Runkel, Emil Born, Karl Runkler, Erich Udert, Erwin Blum, Erich Noll, Otto Born, Paul Scharfenstein und Elli Hoffmann verh. Laaks. 2. Reihe Else Funk verh. Schneider, …, Ida Kuhl verh. Velten, Anna Kuhl verh. Klaas, Emma Buscher, Hilde Kurz a. Niederdreis, …, Erna Weingarten verh. Engfer, Luise Kurz a. Niederdreis, Lina Letschert a. Niederdreis, Irene Bär, Elisabeth Becker verh. Gabel, Inge Hülpüsch, Emma Hörder und Käthe Velten verh. Projahn. 3. Reihe Frieda Starrmann a. Niederdreis, Leni Göbler a. Niederdreis, Laura Deneu verh. Kuhl, Rosa Hottgenroth, Irene Scharfenstein, Lina Funk, Charlotte Kambeck, Hertha Wieser a. Niederdreis, Mina Schäfer, Klara Hachenberg, Frieda Blum, Hilda Velten, Else Puderbach verh. Faust, Bertha Brauer verh. Hoffmann, Hedwig Schäfer und Margarethe Born verh. Velten. 4. Reihe Alfred Spies, Paul Starrmann a. Niederdreis, Richard Becker, Willi Hörder, Karl Göbler, Ludwig Aron, Lehrer Abresch, Otto Bachenberg, Wilhelm Born, Willi Schneider, Eugen Wippenbeck, Karl Leis a. Niederdreis und August Laquet. 5. Reihe Friedrich Blum, Hans Heydorn a. Niederdreis, Willi Hachenberg, Paul Noll, Paul Velten, Christian Marth, Paul Blum, Erich Mayer, Otto Deneu, …, Ernst Funk und Alfred Bachenberg.
Die dritte Aufnahme, die um das Jahr 1919 entstanden ist, zeigt die Jahrgänge 1912 bis 1914 und somit die jüngsten Schülerinnen und Schüler der Puderbacher Volksschule. Von links nach rechts sind zu sehen: 1. Reihe Paula Runkler, Hilde Hoffmann verh. Vierkötter, Emma Weingarten verh. Frauzem, Else Klaas a. Niederdreis, …, Hildegard Funk verh. Runkel, Hermann Letschert a. Niederdreis, Johanna Göbler a. Niederdreis, Erna Rafflenbeul verh. Nies, Hertha Wieser a. Niederdreis, Alwine Schneider (Cousine v. Hilde Hoffmann) und Lieschen Hütt a. Niederdreis. 2. Reihe Frieda Runkler, Erna Weingarten verh. Engfer, Erna Klaas verh. Schneider, Ilse Bär verh. Schay, Else Funk verh. Schneider, Frieder Koch, Karoline Schmidt, Luise Runkler verh. Velten, Erna Bierbrauer verh. Schmidt, Frieda Eich und Gertrud Dörper (ein Waisenkind, das von der Familie Dörper angenommen wurde). 3. Reihe Ludwig Aron, Willi Hörder, Erich Noll, Erwin Blum, Werner Bald, Karl Schäfer, Emil Born, Paul Scharfenstein und Wilhelm Starrmann. 4. Reihe Emil Seitz, …, Paul Schneider, Willi Velten, Alfred Schuh, …, Alfred Dorr, Helmut Nies und Otto Born.
Mit der kleinen Hilde Hoffmann hatte sich ein Kind aufs Bild geschmuggelt, das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingeschult war. (Beitrag vom 18.01.2022)

Lehrer Abresch, Zimmermann und Fräulein Kölb

Neben Anton Siegel stellt die Gemeinde zu Beginn der 1920er Jahre den vermutlich aus der Dierdorfer Gegend stammenden Ludwig Abresch als Zweitlehrer ein. 1922 kommt dann als dritte Lehrkraft die am 19. April 1889 in Woldert geborene Lina Kölb dazu. Ihre didaktische Ausbildung wird sie an einer Lehranstalt wie dem Lehrerinnenseminar in Koblenz erhalten haben.

Für Frauen der damaligen Zeit bedeutet der Entschluß, Lehrerin zu werden, den generellen Verzicht auf Ehe und Familie, denn bereits 1880 führt man im Kaiserreich das sogenannte „Lehrerinnenzölibat“ ein. Die rechtliche Regelung verbietet den weiblichen Unterrichtskräften die Eheschließung, da man ihnen nicht zutraut, der Doppeltbelastung durch Beruf und Familie gewachsen zu sein. Bei Zuwiderhandlung droht man ihnen mit der Kündigung bzw. mit dem Verlust des Ruhegehalts. Mit der Weimarer Republik 1918 wird der diskriminierende Paragraph zunächst gestrichen, um ihn 1923 in veränderter Form wieder einzuführen. Die „Personalabbauverordnung“ erlaubt die Entlassung verheirateter Beamtinnen, um in wirtschaftlich schlechten Zeiten, Stellen für Männer zu schaffen. Erst ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 10. Mai 1957 erklärt eine Zölibatsklausel in Arbeitsverträgen generell für verfassungswidrig und damit nichtig. Für das „Fräulein“ Kölb kommt diese Regelung zu spät.

Um 1924 entsteht diese Aufnahme, die die Schulkinder aus dem Puderbacher Kirchdorf zeigt. Von links nach rechts sind zu sehen 1. Reihe: Lehrer Friedrich Zimmermann, Ida Neuer, Willi Hörder, Walter Kuhl, Theo Neuer, Paul Udert, Walter Schuh, Werner Kunz, Martha Staatsmann, Erwin Aron, Hedwig Udert verh. Hering, Wilhelm Schmidt, Erich Udert u. Else Puderbach verh. Faust. 2. Reihe: Christian Neuer, Elfriede Funk verh. Kürlbaum bzw. Berndt, Hildegard Funk verh. Runkel, hinten Else Funk verh. Schneider, vorne Erna Born verh. Spies, hinten Elli Hoffmann verh. Laaks, vorne Hilde Hoffmann verh. Vierkötter, hinten Erna Weingarten verh. Engfer, vorne Emma Weingarten verh. Frauzem, hinten Ida Kuhl verh. Velten, vorne Anna Kuhl verh. Klaas, hinten Laura Deneu verh. Kuhl, vorne Käthe Velten verh. Projahn, hinten Karoline Schmidt, vorne Martha Schmidt, Mathilde Neuer, Johanna Iskenius verh. Leis, Werner Bald, Mina Schäfer, hinten Erna Schäfer verh. Pistorius und vorne Lehrerin Lina Kölb. 3. Reihe: Kurt Bär, Karl Schäfer, Lehrer Ludwig Abresch, Alfred Schuh, Paul Schneider, Otto Born, Emil Born, Kurt Dills, Otto Bachenberg, Paul Puderbach und Wilhelm Born.

Vermutlich mit der Pensionierung von Anton Siegel im Jahr 1923 wird der musisch begabte Lehrer Friedrich Zimmermann eingestellt. Möglicherweise stammt er wie fast alle Dorfschullehrer Puderbachs aus der näheren Umgebung. Neben seiner Lehrertätigkeit leitet er den Chor der Evangelischen Kirchengemeinde sowie den Männergesangverein „Liedertafel“.

Hier das Pedant zur Fotografie oben. Hier sieht man mit den drei Dorflehrern die Schulkinder des sogenannten Mühlendorfs. Von links nach rechts sind zu sehen / vorne sitzend: Erna Bierbrauer verh. Schmidt, Luise Runkler verh. Velten, vorne Fritz Velten, daneben Wilhelm Velten, hinten Alfred Dorr, daneben Lehrer Ludwig Abresch, vorne Herbert Scheiderer, daneben Emil Neitzert, hinten Hans Hülpüsch, daneben Johanna Becker verh. Besenhard, vorne Otto Becker, daneben Heinrich Göbler, hinten Lehrer Friedrich Zimmermann, Willi Heinrichs, vorne Karl Spies, daneben Heini Blum, hinten Hermine Blum, Lehrerin Lina Kölb, Maria Runkler und vorne Karl Blum. Stehend: Paula Runkler, Maria Zimmermann, Inge Hülpüsch, Elisabeth Becker verh. Gabel, Hilda Löhr verh. Langhardt bzw. Deneu, Wilhelm Bierbrauer, Karl Göbler, Paul Blum, vorne Klara Blum, Willi Hachenberg, Paul Scharfenstein, Erich Noll, Erwin Blum, Wilhelm Spies, Helmut Nies und Frieda Runkler.

Die Handarbeitslehrerin Katharina Träger geb. Sommer

Eine meiner Lieblingsgeschichten, die mir meine Großmutter aus ihrer bewegten Kindheit erzählte, ist die über die Stickarbeit auf einem Stück Stramin, die sie für ihre Handarbeitslehrerin Frau Katharina Träger, das sogenannte „Trägersch Trin“, erledigen mußte. Damals war meine Oma sehr eng mit dem Nachbarsmädchen Else Funk befreundet gewesen und besuchte sie regelmäßig in ihrem Haus. Hier ging es immer trubelig zu, da Else etliche kleinere Geschwister hatte. Nun saßen die beiden zusammen und waren mit der Fertigstellung ihrer Hausaufgabe beschäftigt, da fiel meiner Großmutter die Stickerei aus der Hand und auf den Fußboden. Wie es das Pech so wollte, hatte gerade an dieser Stelle eines der kleinsten „Fonks“-Geschwister eine „Pfütze“ hinterlassen. Alle Versuche, daß Stramin von dem Unrat zu befreien, blieben erfolglos. Wie die Stricklehrerin auf die nicht abgegebene Handarbeit reagiert hat, ist nicht überliefert.

Die Handarbeitslehrerin Katharina Träger geb. Sommer um das Jahr 1920. Eine spezielle Ausbildung für ihre Tätigkeit als Lehrkraft war nicht von Nöten. Ihre Fingerfertigkeit und ihr Können im Stricken, Sticken, Häkeln und Nähen sprachen für sich. 38 Jahre lang hat sie die kleinen Mädchen Puderbachs und der umliegenden Dörfer Reichenstein, Raubach und Elgert unterrichtet. (Beitrag vom 4. November 2021)
100. Geburtstag

Schon als Katharina Träger am 17. Mai 1970 ihren 99. Geburtstag feiert, ist sie die älteste Bürgerin des Kirchspiels Puderbach und der Neuwieder Zeitung ist ihr hohes Alter ein Zeitungsbeitrag wert. In dem Artikel heißt es:

„…Obwohl in der heutigen Zeit die Lebenserwartung ständig zunimmt, ist ein 99. Geburtstag gewiß kein alltägliches Ereignis. Die alte Dame ist von einer bemerkenswerten körperlichen und geistigen Frische, die es ihr ermöglicht, in diesem Alter nur mit einer Putzhilfe ihren eigenen kleinen Haushalt selbst versorgen zu können. Sogar die Holzspänchen zum Feueranmachen macht sie sich selbst. Einwände ihrer Verwandten und Nachbarn, in ihrem Alter hantiere man nicht mehr mit dem Beil, wehrt sie mit dem Hinweis ab, sie könne unmöglich den lieben langen Tag untätig im Sessel verbringen. Ein Grund zur Klage für sie ist eine Verringerung des Sehvermögens, weil sie nicht mehr stricken und häkeln kann…“

Ein Jahr später feiert sie immer noch munter und lebensfroh ihren 100. Geburtstag.

Katharina Träger an ihrem 100. Geburtstag. Sie wirkt für ihr hohes Alter immer noch agil und heiter. Schon seit den 1920er Jahren leidet sie unter einer vergrößerten Schilddrüse, in der Alltagssprache auch als Kropf bekannt, die man ganz deutlich als Schwellung an ihrem linken Hals erkennen kann. (Beitrag vom 4. November 2021)

Fortsetzung folgt…

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